Die Marokko-Krisen

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von SimGeh, 17. April 2009.

  1. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Der wilhelminischen Außenpolitik fehlte die Klasse der eines Bismarck. Aber darum geht es in meinem Beitrag nicht. Mir geht es in meinem Beitrag darum, das die Träger der französischen Außenpolitik offenkundig der Ansicht waren, sie könnten sich den Luxus erlauben, die Großmacht Deutsches Reich und auch Italien einfach ignorieren zu können. Und dieser Ansicht war man schon im Jahre 1902. Es war von den Verantwortlichen der französischen Außenpolitik alles andere als geschickt, so vorzugehen. Das man in Paris nicht auf den Gedanken gekommen war, sich mit den anderen Mächten abzustimmen, ist kaum zu begreifen. Es ging hierbei nicht nur um tatsächliche oder angebliche Interessen.
     
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  2. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Auch das spanisch-französische Geheimabkommen zur Aufteilung Marokkos ließ erneut das Deutsche Reich außer Acht. Das war nach damaligen Verhältnissen schon eine Brüskierung Berlins. Das war eine Verletzung des Abkommens von Madrid, das eben vorsah, das der Sultan die volle Souveränität über Marokko behält. Die Meldungen, die man in Berlin erhielt, gaben darüber Auskunft, das Frankreich keineswegs dran dachte, Marokko den europäischen Handel offen zu halten, sondern dieses in seine ausschließliche Einflußsphäre einzubeziehen. Die französische Presse sprach ganz offen von einem Frankreich erteilten Mandat, „die Zivilisation in Marokko einzuführen.“

    Seit Anfang 1904 tobte der russisch-japanische Krieg und der Verlauf entsprach nicht den Erwartungen des Zaren. Frankreich war nunmehr sehr verletzlich und es wäre nunmehr sehr sehr klug gewesen, Berlin bezüglich der Marokkopolitik ins Boot zu holen.
     
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  3. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Rainer Schmidt untertitelt in Kaiserdämmerung die Außenpolitik nach Bismarck in der Wilhelminischen Ära ab 1890 mit 'Weichenstellung ins Nirvana - Die ersten Schritte des neuen Kurses in der Außenpolitik (1890-1896)'.

    Bestimmt kannst Du aus Kaiserdämmerung die Brüskierung Berlins durch die französische Marokko-Politik ab 1902 gut belegen.
    Während ich derweil die riskante und problematische Abkehr von der durch Bismarck geprägten und akzeptierten Nichteinmischung des neuen Deutschen Reiches in die schon lange tradierten Einflusszonen und Einflussambitionen in Nordafrika durch die französische und spanische Politik auch weiterhin betone....;)
     
  4. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Wieso gerade der Rainer Schmidt?

    Das französisch-spanische Geheimabkommen über die Aufteilung Marokkos ließ Deutschland links liegen. (Raulff, Zwischen Machtpolitik und Imperialismus) Das war schon eine Brüskierung und eine geplante Verletzung des Abkommens von Madrid. In diesem Abkommen wird u.a. die Souveränität des Sultans und die Handelsfreiheit garantiert.

    Die Liquidation Marokkos sollte gemäß Lansdowne in einen separaten Dokument geregelt werden, denn England habe sich immer an internationale Abmachungen gehalten und ist gegen die Mächte Stellung bezogen, die das nicht taten. Lansdowne war es wichtig, das nicht öffentlich wird, das man auf die Seite der Rechtsbrecher getreten und ein schwerer Schlag für die eigene Reputation wäre. (Schmidt, S426)

    Delcassé führte vor dem Kabinett aus, was für schöne Horizonte sich auftäten, wenn man sich auf Russland und England stützen könne und wie stark man dann gegenüber Deutschland sei.

    Die Gespräche zwischen England und Frankreich erstrecken sich über einen längeren Zeitrum; Gesprächsgegenstand war natürlich auch Marokko. Deutschland und die anderen 13 Signatarstaaten des Abkommens von Madrid ließ man außer Acht. Frankreich wollte Deutschland aus Marokko fernhalten und vor vollendete Tatsachen stellen. (Schmidt, S.425)

    Um 1900 hatte Italien mit Frankreich ein Abkommen geschlossen, das Marokko als französische Einflusssphäre anerkannt und das lybischnolis als italiensiche. Das war nicht unbedingt Dreibundpolitik. Am 01.November 1902 hatte Italien dann mit Frankreich das bekannte Geheimabkommen geschlossen, in welchem die Einflusszonen in Nordafrika festgelegt worden waren.


    Schmidt geht insgesamt auf die Vorgeschichte, also die Brüskierung Berlins, gar nicht umfänglich ein.
     
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