Die Mauren in Europa

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von iflow, 5. November 2006.

  1. iflow

    iflow Neues Mitglied

    Hallo :winke:!
    Ich habe wichtige Fragen zu den Mauren (ab 711 in Spanien), die ich durch Wikipedia und google noch nicht selbst beantworten konnte.
    1. Also warum fielen die Mauren (oder Araber) plötzlich in die Iberische Halbinsel (oder das heutige Spanien) ein?
    2. Stammen die Mauren von den Arabern ab bzw. was haben sie mit Mauretanien zu tun?
    3. Schlacht von Tours und Poitiers (Richtige Aussprache????)
      In diesem wirklich coolen Forum konnte ich schon erfahren, dass
      Karl Martell gar nicht so wichtig war und nicht als Retter von Europa bezeichnet werden darf (obwohl er laut Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Tours_und_Poitiers

      ein arabisches Heer von 35.000 Mann besiegt hatte!!!)
    4. Welche Auswirkungen hatten die Mauren damals auf das damalige Frankenreich noch?
    5. Welche Auswirkungen haben die Mauren / Araber HEUTE auf Europa
      (Kunst, Wissenschaften,...)?
    Puh, :S ein bisschen viel Fragen ;), ich freue mich über jede Antwort!
    mfg iflow
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du kannstDir eine Antwort aussuchen:
    a) es war Schicksal
    b) es war ein Rachefeldzug
    c) es war ein Beutefeldzug, der sich durch seine Dynamik zum Eroberungsfeldzug auswuchs.
    d) es war politischer Verrat

    Antwort a und b entstammen historischen Texten. Danach habe es a) in Toledo einen Raum gegeben, welcher versiegelt gewesen sei. Don Rodrigo sei aber entgegen eines Verbotes - er war ja der König und meinte sich darüber hinwegsetzen zu können - den Raum betreten und darin Bilder von fremdartigen Reitern vorgefunden und die Prophezeiung, dass diese Reiter nach Brechen des Siegels sein Reich erobern würden. B) berichtet von der Vergewaltigung Florindas, der Tochter des Statthalters von Tingis (Tanger) Julian durch König Rodrigo. Julian habe daraufhin die Eroberung der Mauren mit Schiffen und landeskundlichen Hinweisen unterstützt.
    Zu c) die Westgoten hatten ein sehr diffiziles politsiches System, nämlich das Wahlkönigtum. Dieses System war aber mehrfach dynastisch aufgebrochen worden und Rodrigo war - vermutlich - nur ein General, der nach dem Tod seines Vorgängers (Witiza) an die Macht kam und dessen Söhne wiederum sahen sich übergangen und holten die Mauren zuhilfe (Version d) ). Dummerweise war irgendwann einmal festgelegt worden, dass die Königswahl in Toledo stattfinden solle, was die Mauren aber dank Julian (Version b) ) wussten, weshalb sie die Stadt bald eroberten, nachdem Rodrigo gefallen oder verschwunden war. Ergo konnte sich der westgotische Adel nicht zu einer Königswahl treffen.
    Mauretanien ist nicht der heutige Staat Mauretanien sondern etwa das heutige Marokko + Teile Nordalgeriens (also die ehem. römische Provinz Mauretanien). "Maure" ist also die Herkunftsbezeichnung der Eroberer aus römisch geprägter Sicht. Mauren sind vor allem kaum oder teilarabisierte Berber und wenige Araber gewesen.
    Zahlen in Quellen sind mit Vorsicht zu genießen!
    Auf der einen Seite gab es Piraterie, auf der anderen Seite einen blühenden Handel. Du sprichst über einen mehrhundertjährigen Zeitraum, da kann man entweder nur extrem einfache Antworten geben oder Romane schreiben.
    Du meinst welchen Einfluss die Mauren von al-Andalus auf Europa heute haben?
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2006
  3. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Hallo iflow :winke:
    Die Bedeutung der Schlacht von Tours und Poitiers sowie die Beurteilung Karl Martells ist in diesem Forum ganz und gar nicht eindeutig.
    Ich verweiße dabei gern (tapfer das Lilienbanner haltend) auf meinen Beitrag zu dieser Thematik: http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?p=175614&postcount=37

    Der politische Einfluß der Mauren auf das Frankenreich (Westfanken, Frankreich) blieb gering. Durch die Gründung der spanischen Mark Ende des 8. Jahrhunderts und der einsetzenden Reconquista wurde dem Vordringen der Mauren Einhalt geboten. Die fränkischen Herren und Könige nördlich der Pyrenäen konnten ein von den Mauren unbeheligtes Leben führen (dafür machten sie sich gegenseitig das Leben schwer).
    Es waren hingegen die Franken die einen gewissen Einfluß auf die Ereignisse der iberischen Halbinsel nehmen sollten. Besonders im 11. Jahrhundert zogen viele französische Ritter über die Pyrenäen nach Süden um sich in den Maurenkämpfen an der Seite der christlichen Könige ihre Sporen zu verdienen. Unter ihnen z.B. der spätere Kreuzfahrer Raimund IV. von Toulouse. Einige fränkische Dynastien gründeten dabei Ableger in Kastilien und Portugal.
     
  4. iflow

    iflow Neues Mitglied

    Danke, für die Antworten, erstmals!

    Ich wollte fragen, was heute noch "übrig" geblieben ist von den Mauren.
    Inzwischen konnte ich erfahren, das sie in Sachen Wissenschaften viel in Europa eingeführt hatten, und man sie sogar mit der kulturellen Höhe von Konstantinopel gleichsetzen konnte.
    • Schlacht von Tours und Poitiers (Richtige Aussprache????
      Stimmt es wenn ich sage: Schlacht von Tors und Porteus ?
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich habe heute Nacht noch mal den Artikel von Ulrich Nonn gelesen. Der nennt als früheste Quelle für die Schlacht bei Tours und Poitiers einen anonymen spanischen Chronisten und nennt dann noch die Jahreszahl 754, da kann es sich nur um einen Text handeln, der in der spanischen Historiographie als Crónica (anónima) mozárabe de 754 bekannt ist, eines der frühesten Zeugnisse aus dem maurischen Spanien, aber christlicher Provinienz. Auch noch relativ zeitnah schreibt Paulus Diaconus, der im Prinzip derjenige ist, dem diese Schlacht ihren Ruhm zu verdanken hat. Er hat die Zahl 1.500 für die Gefallenen christlicher Seite und die Zahl 375.000 für die Gefallenen muslimischer Seite ins Spiel gebracht.

    Tours spricht man [Tu:r] aus, Poitiers [Poat'je:].
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. November 2006
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was die Hinterlassenschaften in Kunst und Wissenschaft angeht: anfänglich profitierte man von den guten Beziehunen zu Byzanz, so wurden die Mosaiken in der großen cordobeser Moschee von byzantinischen Handwerkern gefertigt. Aber der Einfluss aus Bagdad wurde seit dem 10. Jahrhundert stärker. Die griechischen Philosophen waren in Bagdad und Kairo ins Arabische übersetzt und kommentiert worden. Mit dem Transfer von Kulturgut aus Bagdad nach Córdoba sind viele solcher Schriften nach Spanien gekommen und dort kommentiert und weiterentwickelt worden. Nach der Eroberung Toledos hat man dann angefangen die arabischen Texte ins Lateinische zu übersetzen und später ins Kastilische, die erste volkssprachliche Kanzleisprache in Europa. Diese Übersetzungen machten das erste Mal wieder viele antike Texte im lateinischen Europa zugänglich. Erst mit der Eroberung Konstantinopels sind viele dieser Texte dann im "Original" nach Westeuropa geflossen. Insofern hatten die Araber für die mittelalterliche Wissenschaft ein hohe Bedeutung, spätestens seit dem Humanismus aber nicht mehr, zumindest nicht, was das griechsiche Ereb angeht, wohl aber noch, was das chinesische und indische Erbe angeht.
    Für das Judentum hatte al-Andalus auch eine wichtige bedeutung,denn die Juden entwickelten hier die hebräische Schriftsprache, die eine Renaissance erlebte weiter. Ähnlich dem Arabsichen, welches mit dem Qur'an Vokalzeichen entwickelt hatte, entwickelten nun die Juden (Hasday Ibn Shaprut, Solomon Ibn Gabirol, Samuel Ibn Nagrellah) die seit Jahrhunderten erstmals das Hebräische wieder aus der Mottenkiste der Ritualsprache holten und zu einer Literatursprache machten, Vokalzeichen für das Hebräische.
    Ansonsten haben die Mauren einige Bauwerke hinterlassen und den mudejaren Baustil nachhaltig geprägt.
     
  7. iflow

    iflow Neues Mitglied

    aha, danke für die weiteren Antworten.
    Ich hätte da noch eine Frage zu der Schlacht von Tours und Poitiers:
    Auf dem Gemälde von Carl von Steuben ist Karl Martell abgebildet (Link zum Bild:http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Steuben_-_Bataille_de_Poitiers.png
    )
    Doch welcher auf dem Bild ist Karl Martell? Der Reiter mit der Axt oder der blondbärtige Mann mit dem Pfeil im Bein?
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich würde sagen, derjenige mit der Axt, denn der Herr mit dem nicht blonden sondern weißen Bart mit dem Pfeil im Bein hat deutlich orientalisierende Kleidung, einen runden Schild und einen Krummsäbel. Das sind in der europäischen Ikonographie Merkmale eines Orientalen.
     
  9. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    So orientalisch sieht er aber wirklich nicht aus. Der Bart ist schon sehr gelbstichig und das Schwert ein antikes Modell wie Iberer und Griechen es verwendeten.
    Wer könnte es denn sein? Es ist eine sehr zentrale Figur, gibt es einen maurischen Anführer, der in Frage kommt? Nur ein Statist ist es bestimmt nicht.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Iberer und Griechen kommen wohl kaum in Frage ;)
    'Abd ar-Rahmân al-Ghafîqî war der Heerführer der Mauren.
    Als weiteres orientalisierendes Merkmal westlicher Ikonographie kannst Du die Pluderhose nehmen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2006
  11. iflow

    iflow Neues Mitglied

    Ich hab mir auch dann gedacht der Reiter mit der Axt könnte Karl Martell sein, obwohl das Gesicht von ihm sehr dunkel ist.
    Der Mann mit dem Bart ist mir ein Rätsel, der ist so eine Mischung aus Wikinger/Araber/Sachse :rofl:
     
  12. iflow

    iflow Neues Mitglied

    Naja, noch eine andere Frage: Kennt jemand von euch gute Links zu Landkarten von Spanien/Iberische Halbinsel zwischen 600 n.Chr. und
    1400 n.Chr?
     
  13. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Hu! Es ist fast ein Roman geworden, was ich da recherchiert und geschrieben habe. :)
    Also für mich stellt sich die Geschichte mit den Arabern so dar:
    Nachdem im Jahre 632 der Begründer des Islam Mohamed gestorben war, begann unter seinen Nachfolgern, den Kalifen ("Befehlshaber der Gläubigen") ein großer Eroberungszug nach allen Seiten der Arabischen Halbinsel: Syrien und Palästina, die zu Byzanz gehörten konnten zw. 633/640 noch ohne nennenswerten Widerstand eingenommen werden, das Zweistromland mit Bagdad, das zum Sassanidenreich gehörte, wurde nach der Schlacht bei Qadisiya 637 eingenommen. Dazu muß erwähnt werden, daß diese beiden zuerst von den Eroberungszügen betroffenen Staaten gerade erst (610-629) mehrere Kriege gegeneinander geführt hatten und daher geschwächt waren. So wurde Persien bis 656 vollständig von den Arabern erobert und erst am Indus nach der Eroberung der Westindischen Provinz Sindh und Teile Nordindiens (nach mehreren erfolglosen Versuchen) im Jahre 712, konnten sie gestopt werden.
    Auch gegen Byzanz im Norden Arabiens gingen die Eroberungen weiter und die Araber versuchten auch, 673/678 und 717/718 Konstantinopel zu Land und von der See her zu erobern, was aber nicht gelang, da der byzantinische Widerstand zu groß wurde (auf der See kam auch das neuentwickelte "Grichische Feuer" zum Einsatz, das auch im Wasser brannte) und auch "ein überaus harter Winter, der über hundert Tage Schnee bringt" machte den Arabern zu schaffen, sodaß sie gezwungen waren, "ihre verendeten Pferde, Esel, Kamele und sogar die Leichen der Gefallenen" zu essen. "Unzählige wurden von einer pestartigen Krankheit befallen."
    Unterdessen konnten die Araber weiter nach Westen in das nördliche Afrika vordringen. 639/641 wurde Ägypten erobert, 642/43 das nördliche Libyen und ab 645 begannen mit Vorstößen nach Tunesien, wobei sie hier offensichtlich erstmals auf Widerstand stießen, denn das byzantinische Kathargo konnte erst 698 erobert (und zerstört) werden. 699 wurde dann Nordalgerien und bis 705 Marokko erobert.
    Dann 711: Die moslemischen Truppen überqueren mit einem Expeditionscorps von mindestens 8000 Mann die Straße von Gibraltar und besiegten den Westgotenkönig Rodrigo in der Schlacht von Guadalete. Der König fiel in einem der Schlacht folgenden kleineren Gefechte. Bis 718 wurde die Iberische Halbinsel mit Ausnahme der Provinz Asturien erobert.
    Nach der Machtübernahme durch die Mauren setzte sich Pelayo an die Spitze des Widerstandes gegen den maurischen Gouverneur, dem Berber-Führer Munuza, der sein Hauptquartier in Gijón hatte. Um diesen Widerstand zu brechen wurde Pelayo im Jahr 716 oder 717 verhaftet und als Geisel nach Córdoba gebracht. Noch im selben Jahr gelang ihm die Flucht. 718 wurde er nach westgotischem Brauch von seinen Landsleuten zum Herrscher gewählt - ob als Fürst oder König ist unklar.
    Zwischen 721 und 725, wahrscheinlich 722, besiegte er in der "Schlacht" von Covadonga eine maurische Militärabteilung. Dies war der erste Sieg eines christlichen Herrschers nach der Eroberung Spaniens durch die Mauren und wird als Anfang der Reconquista angesehen. Diese "Schlacht" war eher ein kurzes Scharmützel, da Pelayo wahrscheinlich nicht mehr als 300 Kämpfer zur Verfügung standen, und die diese Region besetzt haltenden Berber wenig Interesse zeigten, Gebirgsfeldzüge zu unternehmen. Sowohl durch seinen ständigen Guerillakrieg gegen die Mauren sowie durch die in einen Berberaufstand mündenden wachsenden Differenzen zwischen Berbern und Arabern gelang es Pelayo, sich im Norden und Nordwesten der iberischen Halbinsel zu behaupten. Auf Grund seines Sieges bei Covadonga wurde Pelayo, der erste König von Asturien (718/22-737), von späteren Chronisten und Historikern zum nationalen Helden und Begründer der christlichen Reconquista aufgebaut.
    Ab 719/20 stürmten die Araber über die Pyrenäen und eroberten 721 Narbonne. Jedoch - es vollzog sich ein Wandel bei der Kampftechnik der Araber: "Mordend, sengend und plündernd fressen sich ihre Züge durch das südliche Gallien. Es ist die Periode, die den Arabern den Ruf verschafft, den Islam mit Feuer und Schwert verbreitet zu haben. Beim Sturm auf Toulouse erleiden sie ihre erste Niederlage gegen die Franken. Sie treffen das erste Mal auf organisierten Widerstand... Eine neue Situation für die Araber. Sie verhalten - gruppieren sich um. Dann geht der Vormarsch weiter. 732 geht Bordeaux in Flammen auf. Abd er Rachman, der spanische Statthalter der Araber, führt das Heer. Geschickt weicht er einem fränkischen Heer, das sich ihm entgegenwirft, aus und marschiert in Richtung auf das fränkische Nationalheiligtum, den Dom des heiligen Matin von Tours... Karl Martell faßt alles, was kämpfen kann, zusammen. In Verhandlungen war es ihm (auch) gelungen, langobardische Unterstützung zu gewinnen, die in Eilmärschen herangeführt worden ist... Ein Aufgebot aus dem ganzen Frankenreich folgte Karl in die Entscheidungsschlacht..." Jedoch Europa - das Abendland - oder wie immer man es nennen mag, ist ganz auf sich allein gestellt.
    Noch bevor die Araber Tours erreichen, tritt ihnen Karl Martell entgegen - bei Poitiers. Sieben Tage dauert die Schlacht und als Abd er Rachman fällt, lösen sich die Araber unbemerkt in der Nacht.
    Die Raubzüge im Süden des Frankenreiches gingen weiter und konnten sogar Arles und Avignon besetzen, aber die dynamische Kraft der Araber war gebrochen, wohl auch durch innenpolitische Spannungen, die nach der Schacht ausbrachen. Denn - auch nicht unbedeutend für die weitere Geschichte: Das Ende der Omaijadenherrschaft im Arabischen Kalifat. Der letzte Omaijade Abd ar Rahman I. konnte nach seinem Sturz durch die Abbasiden 750 fliehen und errichtete 756 in Spanien das unabhängige Emirat von Cordoba, das 929 zum ebenfalls unabhängigen Kalifat erhoben wurde. Dieses Emirat dürfte nun wohl eher auf die Erhaltung der Eigenständigkeit bedacht gewesen sein, als auf weitere Eroberungen.
    War das nicht eine gute Zusammenfassung?
    :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2006
  14. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Hab was sehr Interessantes für dich (und für mich :D ) gefunden:
    Hier kannst du klicken, bis du umfällst.
    Und hier die Karte der Reconquista in Spanien.
    Viel Spaß!
    :)
     
  15. iflow

    iflow Neues Mitglied

    @Barbarossa

    wirklich gute Zusammenfassung, aber fehlt da nicht noch was?
    Die Geschichte der Mauren reicht ja bis 1492, als die letzte Festung der Mauren: Granada gefallen war.
    ;-)
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2006
  16. iflow

    iflow Neues Mitglied

    Danke! Da fallen mir ja die Augapfel raus, so gut sind die Bilder :yes:
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hallo Barbarossa,

    einige der von Dir dargestellten Daten kamen mir Spanisch vor...

    Ein genaues Datum, wann Roderich fiel, gibt es nicht. Wahrscheinlich ist, dass er in der Schlacht am Guadalete fiel, am 19. Juli 711. Aber die Quellen sind diesbezüglich widersprüchlich, spätere Quellen berichten gar von einem Grab Rodrigos in Viseu (Pt). Jedenfalls endet seine Herrschaft mit der Schlacht am Guadalete.

    Diese Passage ist eigentlich die, wegen der ich interveniere. Die Gefangenschaft Pelayos kam mir unbekannt vor. In der Tat wird diese Version in der deutschen, der englischen, der spanischen und der katalanischen Wikipedia so erzählt.
    In der asturanischen, der niederländischen und in der französischen Wikipedia dagegen nicht, die polnische Wikipedia fasst sich sehr kurz, die russische und serbsche Wikipedia kann ich nicht lesen.
    Ich nehme an, dass die Geschichte von der Gefangenschaft Pelayos ihren Ursprung in der spanischen oder englischen Wikipedia hat und dann sukzessive in die anderen übersetzt wurde. Ich habe jedenfalls folgende Bücher gewälzt:
    Luis A. García Moreno, Hª de España Visigoda ('Geschichte des westgotischen Spanien'), Anwar G. Chejne, Hª de España Musulmana ('Geschichte des muslimischen Spanien'), Paulino Iradiel, SalustianoMoreta u. Esteban Sarasa Hª Medieval de la España Cristiana ('Mittelalterliche Geschichte des christlichen Spanien') und Margarita Torres Las batallas legendarias y el oficio de la guerra ('Die legendären Schlachten und das Kriegshandwerk').
    Die 'Geschichte des westgotischen Spanien' klammert Pelayo aus, die 'Geschichte des muslimischen Spanien' und die 'Mittelalterliche Geschichte des christlichen Spanien' schreiben darüber, aber auch wegen des legendenhaften Charakters der Episodewerden nur die wichtigsten Daten genannt. Frau Torres dagegen liefert eine quellenkritische Studie in der sie die verschiedenen christlichen und muslimischen Quellen gegenüber stellt. Die muslimischen Quellen berichten nichts von einer Gefangennahme, in der Chronik Alfons III, von der es zwei Versionen gibt, die "Ad Sebastianum" und die "Rotense", die etwa 180 Jahre nach den Ereignissen entstanden, wird von einer versuchten Gefangennahme Pelayos berichtet, die eben zur besagten Schlacht führte, in der sogar die Berge gegen die Muslime kämpften. Zur Wahl Pelayos gibt es zwei Überlieferungsstränge, welche die Hª Medieval de la España Cristiana in den pro-gotischen und den lokalen Überlieferungsstrang teilt. Der pro-gotische Strang berichtet von einer nach westgotischen Regeln vollzogenen Königswahl durch den westgotischen Adel, die lokale Version berichtet von eienr Königserhebung durch das Volk.


    Von "seinem" Sturz kann keine Rede sein 'Abd ar-Rahman war nur einer von vielen Enkeln des Kalifen, seines Großvaters. Er war also nicht einmal designierter Thronfolger. Er war halt derjenige Umayyade, dem es gelang, den Abbassiden immer wieder zu entkommen, bei den Berbern Unterschlupf zu finden und schließlich den Umayyaden treue Truppen in al-Andalus vorzufinden, mit deren Hilfe er den Statthalter besiegen konnte. Dann, als Mitglied der umayyadischen Familie und Verwandter des Propheten, konnte er auch die Macht ergreifen. Es wird zwar immer kolportiert, dass er der letzte überlebende Umayyade gewesen sei, auf der anderen Seite heißt es dann aber auch, dass er nach 756 andere überlebende Verwandte nach al-Andalus geholt habe.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. November 2006
  19. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Zur Thematik "Mauren im Frankrenreich" sollte erwähnt werden, das die Mauren nur 10 Jahre nach der Eroberung des Gothenreiches vom aquitanischen Herzog Odo (Eudes) vor Toulouse geschlagen worden sind. Dieser Herzog verband sich wenig später mit dem Berberfürst Munnuz gegen die Mauren. Hier wurde wohl ein Konflikt innerhalb der Mauren (Araber vs. Berber ?) ausgenutzt um sie zu schwächen.

    Zu den Auswirkungen der verhältnismäßig kurzen Maurenherrschaft in Narbonne (Languedoc):
    Nach der erfolgreichen Vertreibung der Mauren aus dieser Region durch Karl dem Großen wurde, Ende des XIII. Jahrhunderts, die gothische Mark (Septimanien, Gothien) eingerichtet. Ähnlich wie die spanische Mark war deren Zweck die Verteidigung der Südgrenze gegen die Mauren. Diese Grenzmark wurde der Familie des Kampfgefährten Karls, Wilhelm von Toulouse (auch als Wilhelm von Gellone bekannt) anvertraut, wo er und seine Söhne sich schnell etablierten. Dies hatte zur Folge das sich diese Region und ihr lokaler Adel (Grafen von Carcassonne, Razès u.a.) sehr früh verselbstständigten. Eine Entwicklung die in den anderen Teilen des Frankenreiches erst etwa 100 Jahre später einsetzen sollte.
    Diese Selbständigkeit überdauerte fast 400 Jahre und konnte erst durch den Albigenserkreuzzug beendet werden.

    Hier eine etwas schlichte Karte zu Septimanien:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:537SeptimaniaGIF.gif
     
  20. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Hallo El Quijote,
    Zur "Pelayo-Story" klicke hier.

    Und hier zur Dynastie der Umayyaden oder Omaijaden.

    Beides sehr interessant finde ich.
    Also kleine Korrektur von mir: Der "letzte Omaijade" Abd ar Rahman war nur ein Prinz, also noch nicht Kalif und nach dem Sturz des letzten Omaijaden-Kalifen konnte er als Einzigster nach Spanien flüchten, wärend die anderen Omaijaden getötet wurden.
     

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