Die Monroe-Doktrin und die neue Strategy der USA

Bockstein

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Die Monroe-Doktrin (englisch Monroe Doctrine) geht auf die Rede zur Lage der Nation vom 2. Dezember 1823 zurück, in der US-Präsident James Monroe vor dem Kongress die Grundzüge einer langfristigen Außenpolitik der Vereinigten Staaten entwarf. In der Tradition Jeffersons stellte er dabei eine irreversible Unabhängigkeit der Staaten auf dem amerikanischen Doppelkontinent von den europäischen Mächten fest, d. h. von der Alten Welt.

Monroe formulierte die Existenz zweier politischer Sphären (two spheres). Er betonte das Prinzip der Nichteinmischung (non-intervention) der Vereinigten Staaten in europäische Konflikte und forderte ein Ende aller Kolonialisierungsbestrebungen in der westlichen Hemisphäre (non-colonization). Außerdem kündigte er ein Eingreifen der USA für den Fall an, dass die europäischen Kolonialmächte diese politischen Grundsätze ignorieren sollten. Die Forderung an die europäischen Mächte, die nunmehr unabhängigen Staaten Lateinamerikas nicht zu rekolonialisieren, wurde verkürzt zur Parole „Amerika den Amerikanern“.[1](Wiki)

In welchem Zusammenhang steht die Monroe-Doktrin zur neuen Strategy(Außenpolitik) der USA.Meinte "splendid isolation" nicht etwas anderes?
 
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Das wird man hier gemäß Forenregeln als die Tagespolitik tangierendes Thema in dieser Form nicht diskutieren können.

Eine historische Anregung allerdings zum Thema "splendid isolation".

Der Begriff meint ja vor allen Dingen die Herangehensweise der britsichen Politik sich nach den Napoléonischen Kriegen und vor der Allianz mit Japan am Anfang des 20. Jahrhunderts, sich in keine längerfristigen , über einen konkreten Konflikt hinausgehenden festen Bündnisse auf dem europäischen Kontinent mehr einzulassen und sich somit nicht mehr fest an die kontinentalen Großmächte zu binden um nicht in ihre Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden.

"Isoliert" im eigentlichen Sinne war Großbritannien aber niemals. Es war mit seinem Empire natürlich auf sämtzlichen Kontinenten präsent und es unterhielt durchaus auch noch langfristige verbindliche militärische Verpflichtungen (nämlich mit seinen Protektoraten, im Besonderen den Indischen Fürstenstaaten, die sich dem Empire unterstellt und dafür aber die Zusage militärischen Schutzes erhalten hatten.
Insofern bezog sich der Begriff "Isolation" lediglich auf die Rolle in Europa und die Allianzsysteme der kontinentalen Großmächte.

Bei dem im Bezug auf die amerikanische Geschichte immer wieder gern benutzten Begriff "Isolationismus" sieht das ähnlich aus.

Die USA weigerten sich aus ähnlichen Gründen wie die Briten, um nicht in die europäischen Großmachtsrangeleien verwickelt zu werden sich im Rahmen irgendwelcher Verpflichtungen an den Europäischen Kontinent zu binden.
Das bedeutet aber nicht, dass sich die USA dabei einzig auf Nordamerika fixiert hätten. In den 1820er Jahren unterstützten die USA die Unabhängigkeitsbewegungen der lateinmaerikanischen Staaten, und bauten da zunehmend ihren Einfluss aus, ebenfalls um diese Zeit herum führen sie auch mal Krieg im Mittelmeer gegen die Maghrebstaaten, die damals noch nicht von Frankreich unterworfen waren, weil es von dort immer wieder Überfälle auf Handellschiffe gegeben hatte. Faktisch operierten die USA also schon damals, wenn auch nur kurzzeitig im Mittelmeer und führten Krieg an den Afrikanischen Küsten um ihre Interessen durchzusetzen.
Durch den Krieg der USA gegen Mexiko in den 1840er Jahren und den Bürgerkrieg in den 1860er Jahren geht ein wenig unter, dass auch bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, die USA ihre Seestreitkrfägte nach Japan schicken und die gewaltsame Öffnung des Landes für den amerikanischen und europäischen Außenhandel erzwingen.
Ende des 19. Jahrhunderts führten die USA einen faktischen Kolonialkrieg gegen Spanien, an dessen Ende auf der einen Seite die Unabhängigkeit Kubas von Spanien, andererseits aber auch die Annexion der verbliebenen spanischen Besitzungen in der Karibik (Puerto Rico, amerikanische Jungferninseln), von Guam, einigen pazifischen Inseln und die Errichtung eines faktischen Protektorates über die Philippinen stand.
Etwa zur selben Zeit wurde auch Hawaii annektiert.
Ebenfalls setzten die USA im Zuge des Baus des Panamakanals um die Jahrhundertwende durch, dass die USA in Panamá mit der "Kanalzone", als gesonderter Einfluss und Rechtszone ähnliche machtpolitische Zugeständnisse für sich bekamen, wie die Europäischen Mächte in Teilen Chinas.

An der gemeinsamen Aktion der europäischen Großmächte gegen China an deren Ende die Durchsetzung von diversen "Konzessionen" zu Gunsten dieser Mächte stand und die China auf einen halbolonialen Status insofern herbadrückten, dass es damit die Souveränität über Teile seines Staatsgebietes praktisch verloren hatte, beteiligten sich im übrigen auch die USA und auch die USA sicherten sich dort eigene "Konzessionen".

Insofern ist es im Bezug auf die USA irreführend, wenn man für die Geschichte des 19. Jahrhunderts, oder auch die Zeit zwischen den Weltkriegen im Hinblick auf die USA von "Isolationismus" spricht.
Es gab nur immer eine hartnäckige Weigerung sich im Bezug auf Europa zu irgendwas zu verpflichten, was daran gelegen haben mag, dass Europa im 18. und 19. Jahrhundert ein sehr dynamischer Raum war, in dem laufend irgendwo Konflikte entstanden und nicht zuletzt auch deswegen, weil im Gegensatz zu anderen Erdteilen, europäische Kriege mit Waffen geführt wurden, die das ganze viel verlustreicher und teurer machten, als einzele Feldzüge in anderen Teilen der Welt.
Es mag zudem auch historisch den Grund gegeben haben, dass der größte Teil der Einwohner der USA Einwanderer vom europäischen Kontinent waren, die zum Teil noch über Angehörige oder Freunde Kontakte und kulturelle Bindungen in die Heimatländer hattn. Mit der Dampfschiffahrt, der Eisenbahn und der Telegraphie rückte die Welt ja viel enger zusammen, so dass solche Kontakte zunehmend intensiver aufrecht erhalten werden konnten.
Das aber musste bedeuten, dass eine Bindung in Europa und Parteinahme in den europäischen Auseinandersetzungen eine Rückkopplung zur innenpolitischen Situation in den USA gehabt hätte.
Viele Einwanderer hätten es wohl nicht gutgeheißen wenn die USA sich mit irgendwem anders gegen ihr altes Heimatland zusammgengeschlossen hätten und natürlich stellten die Einwanderer Communites zunehmend auch wichtige Wählergruppen in den USA.


Insofern liegen da ein paar historsiche Missverständnisse vor und wenn so viel Tagespolitik erlaubt ist, würde ich sagen, dass die Annahme, die USA gingen mit der jetztigen Politik nur wieder zu einem früheren außenpolitischen Grundverständnis zurück, wahrscheinlich nicht zutreffend ist, weil die historischen Gründe andere waren.
Europa ist heute machtpolitisch ein weit weniger dynamischer und zu dauernden Kriegen neigender Raum, als zwischen dem 30-Jährigen Krieg und dem zweiten Weltkrieg (vielleicht etwas durch die letzten 2 Dekaden des 19. Jahrhunderts und die Erste des 20. Jahrhunderts unterbrochen.
Auch sind die USA heute keine mehr dermaßen an Europa gebundene Einwanderergesellschaft mehr, wie damals, so dass es sich empfohlen hätte aus innenpolitischen Gründen eine Parteinahme in Europa zu vermeiden.
Die heutigen USA sind natürlich noch immer eine Einwanderergesellschaft, aber die meisten Einwohner leben mittlerweile seit mindestens 5-6 Generationen dort und haben keine familiären und kulturellen Bindungen mehr nach Europa.
Gleichzeigig ist die Einwanderung in die heutigen Vereinigten Staaten wesentlich diverser und nicht mehr einseitig an die europäische Auswanderung gekoppelt.
Lateinamerika dürfte heute, was Einwanderung angeht, eine größere Rolle spielen, Ostasien wahrscheinlich eine ähnlich große.
 
Die Ausgangslage war eine völlig andere als heute. Die USA haben sich ›gerade‹ unabhängig gemacht und hatten noch die Kolonialherren in Erinnerung. Europa galt als kolonialisierungfreudig, mit all den Nachteilen für die Beherrschten, allen voran der Ausbeutung von Ressourcen, ohne Rücksicht bspw. auf die Ausrottung von Tierarten (da denke ich an die Beinahe-Ausrottung Indischer Elefanten durch englische Lustjäger, sei es zwecks Material für Klaviertasten).

Was mich bisschen erstaunt, ist das frühe Imperialismus-Gehabe der USA (siehe auch »Panamerikanismus« @ dt. Wikipedia), der Anspruch, als mehr oder weniger internationale Polizei zu agieren, steckt doch hinter jeder Schutzmacht-Politik auch ein gewisser Besitzeranspruch (hier auf heutige Parallelen einzugehen, wäre natürlich no-go). »Isolation« bedeutete also hauptsächlich die Unabhängigkeit der Verwaltungen (zumindest) vor europäischer Einflussnahme, während damit wirtschaftliche Abhängigkeiten, wie ich annehme, nicht gemeint waren (im Gegenteil zum Sakoku Japans {17.–19.Jh., siehe dt. Wikipedia}, oder zur heutigen Motivation des US-Anführers, was eher an den Merkantilismus eines Sonnenkönigs erinnert).
 
ich glaube nicht, dass man sich darüber im 19. Jh. Sorgen machte.
Hätte die schönen Klaviertasten nicht erwähnen dürfen … :) (Waren aber tatsächlich einer der Gründe für die Dezimierung der Elefanten im 19. Jh.) Dennoch: »1824 wurde mit der Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals in Grossbritannien die erste Tierschutzorganisation der Welt gegründet.« (NZZ vom 6. Sep. 2021)
 
Dennoch wäre zu erwähnen: »1824 wurde mit der Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals in Grossbritannien die erste Tierschutzorganisation der Welt gegründet.« (NZZ vom 6. Sep. 2021)
aber nicht aus heutigen Ökobewussteinsgründen, sondern wegen Tierquälereien - vgl. auch Dostojevski (Verbrechen und Strafe) sowie der Eklat in Bayreuth um Wagner und einen Kutscher. ...aber...wir bewegen uns vom Thema weg.
 
Europa galt als kolonialisierungfreudig
Im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert eigentlich eher nicht so unbedingt, jedenfalls passierte da in Richtung Afrika (Ausgenommen die Südspitze) und amerikanischer Doppelkontinent (da war die Expansion ja weitgehend abgeschlossen und die europäischen Kolonialreiche gingen ihrem Ende entgegen) war damals auch von europäischer Seite kein dynamisches Expansionsfeld mehr, mit Ausnahme vielleicht der mittleren und westlichen Regionen des heutigen Kanada und wenn man das noch dazunehmen möchte Alaska, wobei da von Russischer Seite her ja nie mehr als ein paar Fischerdörfer entstanden und effektiv kaum Besiedlung stattfand.

Die Monroe-Doctrine ist ja nicht in einer Phase dynamischer europäischer Kolonisation in den Amerikas entstanden, so dass man sie als ein Dokument der Angst vor europäischer Expansion deuten könnte, sondern im Zuge der lateinamerikanischen Unabhängigkeitskriege und des Zusammenbruchs der europäischen Reiche.
In dem Sinne markierte sie eher eine Warnung an die Adresse Europas sich aus den Amerikas künftig herauszuhalten, aus einer relativ starken, keiner schwachen Position heraus.

Es ist sicherlich richtig, dass ungeführ in der Zeit die britischen Positionen in Indien nochmal massiv ausgebaut werden, aber das dürfte für die USA kaum Anlass zur Sorge gewesen sein, es bedeutete ja, dass die britischen expansiven Energien anderswo hin abgeleitet wurden.

ich glaube nicht, dass man sich darüber im 19. Jh. Sorgen machte.
Kommt drauf an, wenn die entsprechenden Tierarten ökonomisch bedeutend waren möglicherweise schon.
 
als ich den Thread begann, habe ich mich gedanklich nicht rückwärts gewandt, um die Ursache der Monroedoktrin offenzulegen.
Es war meine Absicht, die Gedanken der hier lebenden Historiker auf die Donroedoktrin zu lenken; es fällt ins Auge, daß die USA ein altes Spielzeug im neuen Gewand haben. Inwieweit alte Absichten die neuen tangieren, kann hier Thema sein. Ob es Überschneidungen gibt, ist möglich nicht gegen die Forenregeln.....ansonsten dürfte der Ukrainekrieg auch nicht diskutierfähig sein.
 
Der Thread zum Krieg in der Ukraine stellt eine Ausnahme dar, da er der Dokumentation dient. Unser Forum soll weiterhin ein Geschichtsforum bleiben und nicht in ein Politikforum abdriften.

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als ich den Thread begann, habe ich mich gedanklich nicht rückwärts gewandt, um die Ursache der Monroedoktrin offenzulegen.
Die Monroe-Doctrine muss aber aus ihrer Zeit heraus verstanden werden.

Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich die USA unter großen Anstrengungen die Trennung/Unabhängigkeit von der britischen Krone erkämpft, 1812, war man wegen Problemen, die die Seefahrt, aber auch Kanada betrafen, erneut mit den Briten militärisch aneinander geraten.

Den Krieg von 1812 zwischen den USA und Großbritannien hat man in Europa in der Regel nicht so unbedingt auf dem Schirm, weil er von der Napoléonik überlagert wird, aber für die Geschichte Nord- und Zentralamerikas ist das durchaus von Belang.
Im Rahmen dieses Krieges gelang es den Briten (übrigens während substanzielle Teile der britischen Streitkräfte unter Wellington auf der iberischen Halbinsel gebunden waren und Britanniens Staatskasse durch Subsidien an Russland, Preußen und Österreich belastet war) zeitweise amerikas neue Hauptstadt Washington D.C. einzunehmen, wobei Kapitol und Weißes Haus beschädigt wurden.

Letztendlich ging der Krieg für die USA glimpflich aus (unter anderem, weil für Großbritannien Europa einfach wichtiger und GB nach 2 Jahrzehnten Dauerkrieg gegen Frankreich mehr oder weniger auch erschöpft war), dürfte die Eliten der USA aber durchaus daran erinnert haben, wie verwundbar man noch immer war und wie bedrohlich die Präsenz größerer europäischer Mächte in Amerika (namentlich vor allem die Britische in Kanada) immernoch sein konnte.
Es darf dabei nicht übersehen werden, dass die damaligen USA nicht die Großmacht waren, die sie heute sind.
Die Vereinigten Staaten hatten, damit man sich mal klar macht, worüber wir hier reden, gemäß Zensus von 1820 gerade einmal 9,5 Millionen Einwohner, das entsprach weniger als einem Drittel der Bevölkerung Frankreichs zu diesem Zeitpunkt.

Insofern ist die ursprüngliche Monroe-Doctrine, die im Zuge der lateinamerikanischen Unabhängigkeitskriege entstand, durchaus zu einem erheblichen Teil als eine eher defensive Idee zu verstehen, bei der es darum ging, die europäischen Großmächte, die damals potentiell noch ebenbürtige, möglicherweise auch potentiell überlegene Gegner darstellten, auf Distanz zu halten.

In dieser Hinsicht sind Vergleiche mit der heutigen Situation nicht wirklich sinnvoll, weil die heutigen USA nicht ein junger Staat, im Schatten interkontinentaler Großreiche sind, der Anlass hätte seine Unabhängigkeit bedroht zu sehen.
Die heutigen USA sind Weltmacht Nr.1, die nichts mehr zu fürchten haben.
Als die Monroe-Doctrine in den 1820er Jahren entstand, hatte das im Wesentlichen defensiven Charakter, aber diesen ursprünglich gegen die europäischen Reiche gerichteten defensiven Charakter, hat die USA-Amerikanische Lateinamerika-Politik allerspätestens mit dem Krieg gegen Spanien 1898, wenn nicht schon mit dem México-Krieg in den 1840er Jahren endgültig verloren und der ist seitdem auch nicht wiedergekehrt.
Spätestens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert geht es in der Lateinamerikapolitik der USA nicht mehr um die Abwehr potentieller europäischer Angreifer (das war wahrscheinlich zum letzten mal in den 1860er Jahren während des "México-Abenteuers" Napoléon III. ernsthaft ein Thema), sondern um Machtprojektion.

Das ist nicht mehr wirklich vergleichbar und deswegen ergeben Wortschöpfungen wie "Donroe-Doctrine" aus historischer Perspektive nicht wirklich Sinn.
 
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