Die polnisch-französischen Beziehungen unter Louis XV

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Brissotin, 31. März 2008.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Da mir schon mehrfach aufgefallen ist, dass diese Beziehungen als bedeutend dargestellt werden, habe ich hier mal meine Gedanken dazu zusammen gefasst. Vielleicht wird es ähnlich wie der Thread zum sächsisch-preußischen Konflikt zur Zeit August des Starken.

    Man muss jede Vorgeschichte irgendwo beginnen lassen und auch wenn dies sicherlich nicht der erste wichtigere Kontakt zwischen Frankreich und Polen war, so zeigt die Erhebung des späteren französischen Königs Henri III zum polnischen König, welche Bedeutung die Polenpolitik für Frankreich hatte und auf welche Tradition sie dann im 18.Jh. zurückschauen konnte. Henris Mutter Catherine, die erste berühmte Königin der Medicis in diesem Jahrhundert an Frankreichs Spitze, soll sich für ihre Söhne emsig nach Kronen und mögliche Gemahlinnen umgesehen haben. 1573/74 war Henri III wohl nach umfangreichen Bestechungsgeldern an den Adel und noch gewaltigeren politischen Zugeständnissen, welche in den „Articuli Henriciani“ und der „Pacta Conventa“ ihren Ausdruck fanden, König von Polen. Doch verließ er sogleich sein Wahlkönigtum, das ihm nach all den Kompromissen wenig verlockend zu „beherrschen“ erschienen haben muss, als er vom Tode seines Bruders Charles IX erfuhr.

    Im 17.Jh. war der Einfluss Frankreichs auf Osteuropa vorerst etwas unbedeutender und eher indirekt über die Schweden entwickelt. So hatte das Frankreich unter Louis XIII den Vertrag von Bärwalde über Subsidien für den Verbündeten Schweden abgeschlossen, ehe Frankreich dann schließlich selbst im großen europäsischen Ringen eintrat, welches auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches ausgefochten wurde.
    Schweden hatte durch den Kampf um die Vorherrschaft im Ostseeraum früh schon engen Kontakt mit Polen, der von einem Konflikt geprägt war, welcher in den Kriegen des 17. und frühen 18.Jahrhunderts ausgetragen wurde. Frankreichs Rolle als mächtiger Alliierter der Wasakönige und ihrer Nachfolger ist dabei sicherlich nicht zu unterschätzen und die Wechselhaftigkeit der Unterstützung ebenso nicht zu vergessen. So sorgte doch der Krieg, den Schweden mit seinen Nachbarn immer wieder führen musste, zu einer gewissen Bindung von Kräften, welche dann dem Heiligen Römischen Reich bei der Verteidigung der Westgrenze fehlte, so vor allem wohl der sehr früh schlagkräftigen Armee Kurbrandenburgs. Ähnlich verhielt es sich dann im Großen Nordischen Krieg, als es den Schweden gelang, die sächsischen und polnischen Streitkräfte am Beginn des Krieges empfindlich zu schlagen und sogar Sachsen eine Weile zu besetzen, dessen Kurfürst, der als August II. König von Polen war, gedemütigt wurde.

    Aber hiermit sind wir fast wieder zu weit, denn noch vor dem großen Krieg um die Vermacht am Baltikum, hatte 1697 die Wahl des polnischen Königs stattgefunden. Diese Wahl sollte bezeichnend für die Geschichte Polens in der Folge werden, da sich hier schon die selben Großmächte entscheidend in die Findung des neuen Königs einmischten, die später die Geschicke des Wahlkönigreichs im 18.Jh. entscheidend beeinflussen sollten. Der Cousin des Sonnenkönigs Francois I. Louis de Bourbon, Prince de Conti bemühte sich mit wohl den üblichen Mitteln um die Stimmen des Adels während der Wahl und wurde am 27.Juni zum König von Polen gewählt. Man kann sich vorstellen, dass nur die Macht eines Königreichs Frankreich hinter der Wahl des erfolgreichen Feldherrn des holländischen Krieges gestanden haben kann. Jedoch gelang es schließlich vorrangig der Geschicklichkeit des Jacob Heinrich von Flemming, welcher der engste Vertraute des Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen bis zu seinem Tode war, in einem 2. Wahlgang das Ruder im Sinne seines Kurfürsten herum zu reißen. Hierbei spielten allerdings auch die Unterstützungen der Gesandten Österreichs, des Papstes und des Zaren Peter I. von Russland eine nicht zu unterschätzende Rolle. An ihnen, so sollte es sich nicht nur im Nordischen Krieg erweisen, sollte kein Weg bei der Entscheidung über die polnische Krone vorbei führen. Vorerst war damit der Einfluss von Versailles auf Warschau abgewendet. Dies gelang aber den Sachsen vor allen Dingen, da die Bajonette der Truppen den Kurfürsten weiter reichten als die Wahlstimmen, die mehrheitlich für den Prince de Conti votiert hatten.

    Auch wenn es nicht direkt mit Frankreich zu tun hat, sollten noch die Umstände der Krönung des polnischen Adeligen Stanislaus Leszcynski verdeutlicht werden, da dieser König für die Außenpolitik Frankreichs später von elementarer Bedeutung wurde. Immerhin konnte er sich mit dem Rückenwind der Konföderation von Warschau gegen einen litauischen Fürsten Radziwill und den polnischen Magnaten Lubomirski ebenso wie gegen den von Frankreich unterstützten Prince de Conti bei der Wahl von 1704 durchsetzen. Allerdings war Stanislaus I. von der militärischen Macht der Schweden enorm abhängig, was ihm zugleich schadete, denn diese waren durch die Verheerungen, die Durchzüge der Truppen über Jahrzehnte unbeliebt. Karl XII. von Schweden hatte August II. von Polen 1704 zum Thronverzicht gezwungen und tatsächlich sah sich August II. der Starke über fünf Jahre auf sein Kurfürstentum beschränkt. Mit dem Abzug der Schweden und deren Niederlage gegen die Russen Peter I. sowie der darauf folgenden Verlagerung der Kampfhandlungen nach Skandinavien brach auch die Herrschaft Stanislaus I. zusammen, wogegen sich zuletzt eine neuerliche Konföderation des Adels vereinigt hatte, die zum Ziele hatte August II. wieder auf den Thron zu bringen. Die Flucht Stanislaus I. führte ihn über Stockholm, zu seiner eigentlichen Stütze, schließlich nach Weißenburg im Elsass.
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1. Phase (1715-1738)


    Mit dem Tode Karl XII. 1718 bei Frederikshald im Felde, war der wichtigste Verbündete Frankreichs im Ostseeraum gestorben, der letztlich eine antikaiserliche Politik mit dem Kampf gegen August II. von Polen verfolgt hatte. Der Nordische Krieg endete dann auch desaströs für die ehemalige Großmacht Schweden, das nicht nur an Russland, sondern auch an Preußen entscheidende Gebiete mit dem Frieden von Nystad 1721 verlor. Die Folge war der Abstieg Schwedens in eine Dimension welche sich etwa gleichstark neben den Staaten wie Dänemark ausmachte. Innenpolitisch gewann der Adel somit an Macht, welche er trotz eines Umsturzversuches der Monarchie in den 1750ern bis zur Revolution von 1772 behaupten konnte. Vorerst war Schweden aber als starker Verbündeter Frankreichs ausgeschaltet.

    Überhaupt schien nach außen hin August II. als strahlender Sieger des Machtkampfes um Polen. Letztlich hatte sich aber im Zuge des Nordischen Krieges die Schwäche Polens offenbart, denn die polnisch-sächsischen Verbände waren immer wieder von bisweilen zahlenmäßig weit unterlegenen schwedischen Streitkräften geschlagen worden, die Kriegsziele einer Wiedergewinnung polnischen Bodens an der Ostsee und eine Mehrung der polnischen Macht in dem Raum waren gründlich misslungen, stattdessen hatte man dem großen Nachbar Russland in die Hände gespielt. Zum anderen misslangen August II. alle seine Versuche dem Hochadel den politischen Einfluss zu entwinden. Unter anderem hatte der polnische König August II. eine Intervention mit sächsischen und preußischen Truppen zum Sturz des Adelsregiments in Polen beabsichtigt, schließlich mussten sich aber sogar, die preußische Hilfe blieb trotz aller Verhandlungen aus, die sächsische Armee aus Polen zurück ziehen. Hatte Polen noch bei der Befreiung Wiens unter Jan Sobieski eine wichtige Rolle gespielt, wurde es nun selbst vielmehr zum Spielball der anderen Mächte.
    Jedoch änderte diese angeschlagene Situation August II. und das Scheitern seiner polnischen Visionen nichts an dem Fehlschlag der französischen Polenpolitik. Über diese Lage konnten auch französisch-sächsische Höflichkeiten nicht hinweg täuschen, die noch anlässlich des Besuches des Kurprinzen Friedrich August (dann der II. (1696-1763) natürlich ausgetauscht wurden.

    Trotz der pro Forma gestärkten Position August II. in den 1720ern, war dies auch kurzfristig nicht das Ende der polnischen Ambitionen der Versailler Regierung. So wurde anfangs geplant die zweite und einzige noch lebende Tochter des Exilkönigs Stanislaus I. von Polen Maria Leszcynska mit dem Louis IV. de Bourbon, prince de Condé, der neben seiner hohen Abkunft noch Premierminister Louis XV war, zu vermählen. Schließlich wurde dieser Plan aber fallengelassen und stattdessen die polnische Prinzessin mit König Louis XV selbst am 5.9.1725 vermählt. König Louis war dabei 15, während sie schon 22 Jahre zählte, was aber keine Hinderung für eine kinderreiche Ehe darstellte.

    Trotz der bis dahin von Frankreich anvisierten Allianzpolitik, die zu einer Trippel- und dann Quadrupelallianz gegen das ausgreifende Spanien geführt hatte, sollte sich dies mit den wieder aufgenommenen Möglichkeiten bezüglich Polens Thron vollständig ändern. So wurden in den 1720er und 1730er Jahren schon einmal Subsidienverträge mit Kurköln, Kurbayern und Kurpfalz abgeschlossen, die allerdings wegen der Verpflichtungen dieser Reichsstände im Rahmen des Reiches nichts Frankreich nutzten.

    Am 1.2.1733 starb König August II. und wiederum sollte sich erweisen, dass durch die Unwegsamkeiten der polnischen Verfassung, die von August II. forcierte Nachfolge durch seinen Sohn Friedrich August II. von Sachsen keinesfalls gesichert war. Zwar standen diesmal anders als 1697 weniger Gegner in Sachsen selbst dem Thronerwerb in Warschau entgegen, aber dennoch wurde am 11. September 1733 zum zweiten Male Stanislaus I. zum König von Polen gewählt. Dabei stand vor allem der Kleinadel der Schlachta hinter ihm. Währenddessen hatte bereits im Juli 1733 Russland den sächsischen Kurfürst Friedrich August II. als August III. von Polen anerkannt. Hier zeigt sich wiederum, dass die innerpolnischen Entscheidungen vom Ausland revidiert wurden und es standen wiederum Österreich und Russland hinter dem sächsischen Thronanwärter, wobei Frankreich mit Krieg drohte, wenn man nicht den gewählten Schwiegervater des französischen Königs eingesetzt ließe. Dennoch kam am 5. Oktober 1733 eine Wahl August III. unter russischem „Schutz“ zu Stande. Am 17. Januar 1734 wurde August III. in Krakau gekrönt. So glänzend sich bis dahin die Situation für Sachsens Herrscher entwickelt hatte, so bedrohten nun das französisch gesinnte Preußen, das Sachsen schon seit einer Weile mit einem Wirtschaftskrieg attackiert hatte, sowie das mächtige Frankreich den Kurstaat. Außerdem mussten zur Gewinnung der polnischen Krone an Bestechungsgeldern usw. 8 Millionen Taler von Sachsen bis 1736 aufgebracht werden. Es war in der Zeit der Konfrontation der pro August III. gerichteten Konföderation von Warschau gegen die Konföderation von Dzikau kaum möglich sächsische und polnische Angelegenheiten voneinander zu trennen, so dass ein Pole Sulkowski in dieser Phase zu einem bedeutenden Minister im Geheimen Rat avancierte, der allerdings mit dem Abflauen der Krise und durch die sächsische, adelige Opposition wohl um den Grafen Brühl zu Fall gebracht wurde.

    Indes machte Frankreich Ernst und der Konflikt eskalierte im Polnischen Thronfolgekrieg, wobei vor allen Dingen am Rhein und in Italien die Heere aufmarschierten. Dabei standen Sardinien und Spanien an Frankreichs Seite, denn diese Staaten erhofften sich, dass für sie auch etwas in Italien zu gewinnen sei. Allerdings drang Fleury wie auch der Kaiser Karl VI. auf ein rasches Ende des Krieges. Der Kaiser seinerseits befürchtete wohl einen Einflusszuwachs Preußens, dessen Friedrich Wilhelm I. gegen Zusicherungen von Unterstützung in der Erbfrage um Jülich und Berg gern noch mehr Truppen gegen Frankreich entsendet hätte, zum anderen stand neuerlich ein Krieg gegen die Türken ins Haus. Nach einem Präliminarfrieden Frankreichs mit dem Kaiser von 1735 folgte 1738 die Verkündung des Wiener Friedens, dem sich dann auch die beiden anderen Mächte auf Frankreichs Seite Sardinien und Spanien anschlossen.

    Stanislaus I. wurde mit den Herzogtümern Lothringen und Bar schon 1736 entschädigt, die mangels männlicher Nachkommenschaft an den Schwiegersohn Louis XV fallen sollten. In Nancy und Lunéville entwickelte der langjährige Exilkönig einen blühenden Hof, den Voltaire später literarisch loben sollte.

    Vorerst waren aber wieder die Bemühungen um eine Etablierung eines bleibenden Einflusses in Polen und somit Osteuropa für Frankreich missglückt. Vielmehr hatte sich Russland als hartnäckiger Feind erwiesen, dem nun schon mehrfach gelungen war, die anderen missliebigen Konkurrenten um die polnische Krone aus dem Rennen zu werfen. Somit verhinderte der enorme Einfluss Russlands im gesamten osteuropäischen Raum eine profranzösische Politik der polnischen Könige, die eng an sowohl Russland als auch Österreich als eigentliche Königsmacher gebunden blieben.
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    2. Phase


    So jetzt wird es schon deutlich schwieriger wegen den ereignisreichen 1740er Jahren das Ganze möglichst chronologisch zu halten.

    1740 traf der unerwartete Tod Kaiser Karl VI. Österreich und vielleicht ganz Europa wie ein Schlag. Österreich selbst hatte seine Kräfte in einem Krieg gegen die Türken aufgezehrt, welcher mit einem ungünstigen Frieden zu Abtretungen von Gebieten endete. Insgesamt wurde dabei viel wieder preisgegeben, was Prinz Eugen über Jahrzehnte gewonnen hatte. Nun musste sich erweisen, ob die ausländischen Mächte die Schwüre auf die Pragmatische Sanktion einhielten, die ihnen von Karl VI. noch mit viel Aufwand bei den Gelegenheiten einiger Friedensschlüsse und dergleichen abgerungen hatte.

    Zugleich geschah aber auch in Preußen und Russland ein Politikwechsel, in Berlin bedingt durch den Tod Friedrich Wilhelm I., in St. Petersburg durch den Staatsstreich der Elisabeth Petrowna mit welcher wieder eine zielstrebige und letztlich erfolgreiche Frau an Russlands Ruder kam.

    Während Versailles, München und Dresden über ein Handeln gegenüber der Erbin des standesbewussten Karl in Wien grübelten, schuf Friedrich II. Fakten indem er in Schlesien einfiel. Er hatte wohl geglaubt, dass die Hauptgegner Österreichs auch sogleich auf dem Plan wären, sollte sich aber getäuscht sehen und stand nun erst mal allein den Österreichern gegenüber.

    Denn in Versailles war der Kurs noch keineswegs sicher. Der schon 87-jährige Kardinal Fleury (1653-1743) sah sich einer großen Herausforderung gegenüber, wohl der größten seiner politischen Laufbahn bei Louis XV, weil sich natürlich sogleich eine Kriegspartei bei Hofe um den Duc Louis-Charles-Auguste Fouquet de Belle-Isle (1684-1761) formierte. Fleury verfolgte zwar eine Politik des Friedens wie sich schon im Ende des Polnischen Thronfolgestreits erwiesen hatte, hatte aber hier auf der anderen Seite das Problem, dass man dem traditionellen Verbündeten Bayern schon Versprechungen bezüglich einer Unterstützung bei der Bewerbung des Kurfürsten Karl !. Albrecht (1697-1745) um die Kaiserkrone gemacht hatte.

    Im Zuge des sich anbahnenden Österreichischen Erbfolgekrieges (1740-1748) trat ein völlig neues Verhältnis der sächsisch-polnischen Personalunion zu Österreich und Frankreich ein. Hatte Österreich noch kurz zuvor den Wettiner auf den polnischen Thron gehoben und dort gehalten, schloss sich nun dieser einer Allianz Bayerns und Frankreichs an, welcher durch den Angriff Friedrich II. schon allein auch Preußen angehören musste. Sachsens Friedrich August II. erhob ähnlich wie Bayerns Karl I. Albrecht als Gatte einer Habsburgerin Ansprüche auf das österreichische Erbe. Hierbei ging es der Regierung in Dresden in erster Linie um eine Landverbindung Sachsens zu Polen, einem Projekt, welches seit langem verfolgt worden war und welches schon allein dadurch an Notwendigkeit verdeutlicht wurde, dass der König von Polen zu seinen Geschäften nach Warschau stets durch fremde Gebiete reisen musste, was ihm bisweilen erschwert wurde, von den Behinderungen des Warenaustausches ganz zu schweigen. Doch stand diesem verständlichen Ansinnen das Kriegsziel Preußens, der Erwerb der reichen Provinz Schlesien deutlich entgegen und an Preußen führte aufgrund von dessen militärischer Potenz kein Weg vorbei.

    Trotz anfänglicher militärischer Aktivitäten Sachsens auf der Seite der bayerisch-französischen Allianz, fand sich der Kurstaat Sachsen in der 2. Hälfte des Österreichischen Erbfolgekrieges an der Seite Österreichs wieder, welches nach dem Tode Karl VII. 1745, der ein eher klägliches Dasein als Kaiser in Frankfurt hatte fristen müssen, für den Gemahl Maria Theresias doch die Kaiserwürde erlangen konnte. Somit wurde jegliches Vorgehen gegen den Kaiser im Zusammenhang der Treuepflichten der Reichsfürsten ohnehin eine schwierige Angelegenheit. Vor dem Ende des Wittelsbacher Kaisers hatten schon Sachsen neben Österreichern gegen Preußen bei Hohenfriedeberg und Kesselsdorf gefochten und waren schwer geschlagen worden.

    Die polnischen Verhältnisse, vor allem der Streit der Fraktionen der Potocki und Czartoryski machten ein absolutistisches oder überhaupt effektives Regieren August III. in Polen unmöglich. Im Rahmen des Sejm wurden diese Parteikämpfe so überwiegend, dass andere politische Fortschritte gänzlich illusorisch waren. Wenngleich die „pacta conventa“ und die anderen historischen Zugeständnisse der polnischen Könige an die mächtigen Magnatenfamilien das Regieren erschwerten, so wurde diesem Vorhaben in den Zeiten innenpolitischer Zerrüttung Polens noch mehr ein Strich durch die Rechnung gemacht. Ein getrenntes Regieren Sachsens und Polens wurde somit August III. noch mehr als schon seinem Vorgänger aufgezwungen. An gar eine militärische Unterstützung der Pläne August III. im Krieg um Schlesien durch königlich polnische Heere war indes gar nicht zu denken, so kämpften die Sachsen, die wie schon unter Friedrich August I. kaum über die 30.000 Mann an Heeresstärke hinaus kamen, sowohl im Österreichischen Erbfolgekrieg als auch im 7-jährigen Krieg alleingestellt von Polen, welches eher vom Titel her statt tatsächlich zugleich vom Kurfürsten Sachsens beherrscht wurde. Bei der Polenpolitik wie auch in allen anderen Fragen war der zum Reichsgrafen erhobene Heinrich von Brühl federführend. Man bemühte sich zwar, die inneren Zerwürfnisse des Sejms auch für sich auszunutzen, indem man August III. ergebene Magnaten in wichtige Posten erhob, aber letztlich genügten diese Versuche nicht, um von Grund auf die polnischen Verhältnisse im Sinne des Königs zu bessern. Zudem befand sich das Sachsen Brühls in einer schweren Staatskrise, da zugleich die Kosten für den eigentlich gewinnlosen Krieg aufgebracht werden mussten, zum anderen aber die Finanzschraube nutzbringend kaum fester anzuziehen war, da der sächsische Export durch den preußischen Wirtschaftskrieg gegen Sachsen wie sogar die Leipziger Messe extrem behindert wurde und das musste für eine eigentliche Wirtschaftsmacht wie Sachsen entscheidende Folgen haben, da Sachsen schon für die polnische Königswürde des Kurfürsten hatte tüchtig finanziell bluten müssen. Ab den späten 1740ern besuchte der polnische König wohl auch wegen der wenig verlockenden dortigen Lage seine Hauptstadt Warschau auch nicht mehr bis er im Zuge des 7-jährigen Krieges zwangsweise dorthin übersiedeln musste.
    Letztlich führte die desaströse Finanzlage, die Brühl mit der Ausschau nach immer neuen Geldquellen zu flicken suchte, dazu, dass Sachsen sein Heer, das trotz all der Niederlagen in den letzten Kriegen einen guten Ruf wegen ihres Wertes genoss, empfindlich abstocken musste, was sich bei einem neuerlichen Waffengang in den 1750ern rächen musste.

    Ich komme nun aber wieder zu den polnisch-französischen Beziehungen zurück, die aber natürlich ganz erheblich von der innerpolnischen aber auch innersächsischen Situation beeinflusst wurden.

    Mit dem Abtreten und schließlich dem Sterben des Kardinals Fleury 1743 gestaltete sich die französische Außenpolitik zusehends anders, da der auf Ausgleich und grundsätzlich auf Frieden bedachte bedeutende Minister fehlte. Statt seiner gewann die Partei derjenigen die Oberhand, welche eine entschieden antiöstereichische Politik vertraten. Als Gemahl einer Spanierin war der Dauphin Louis Ferdinand (1729-1765) ein wichtiger Wortführer einer gegen Österreich gerichteten spanisch-französischen Allianz, da Spanien in Italien die Erfolge des Polnischen Thronfolgekrieges auszuweiten suchte und Frankreich sich eine Arrondierung gegenüber Österreich in den Österreichischen Niederlanden versprach, wo nun der Österreichische Erbfolgekrieg auch tatsächlich mit den Schlachten von Fontenoy (1745) und Roucoux (1746) erbittert tobte, während Friedrich II. mit dem Dresdener Frieden von 1745 erneut seinen französischen Verbündeten im Stich gelassen hatte.

    In dieser Situation des schweren Zerwürfnisses zwischen Wien und Versailles, welches ohne Fleury noch weit schwerer wog als noch in dem Krieg zehn Jahre zuvor, kam es zu einer wunderlichen diplomatischen und dynastischen Entscheidung, die eine neuerliche Phase der Beziehungen Polens zu Frankreich einläutete.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    3. Phase

    Nach dem Tode seiner ersten Gemahlin Maria Thersia von Spanien im Juli 1746 wurde der Dauphin Louis Ferdinand dazu gedrungen eine Heirat mit der polnischen Prinzessin, also der Tochter des Feindes der preußisch-französischen Allianz König August III., Maria Josepha schon im Februar 1747 einzugehen. Man kann sich den Eklat in der ehelichen Verbindung vorstellen, da zum einen der Dauphin an seiner letzten Gemahlin sehr gehangen hatte und zum anderen diese neuerliche Verbindung in ein gegenteiliges politisches Lager wies. Sachsen war nach wie vor an der Seite Österreichs, wenngleich sich der Krieg um die Österreichische Erbfolge durch das Einlenken Bayerns schon 1745 in den letzten Zügen nunmehr befand. Frankreich gingen im Reich die Verbündeten aus und mit einem dieser abgefallenen Alliierten sollte sich nun der Dauphin, der ein erklärter Feind Österreichs war, ehelich binden(!). Jedoch hatte wohl der König Louis XV keine Wahl, er musste aus dynastischen Gründen auf eine rasche Wiedervermählung des Thronfolgers drängen, da dieser der einzige Sohn aus der Ehe mit Königin Maria von Frankreich war und der Dauphin in der ersten Verbindung mit Maria Theresia keinen Sohn hervorgebracht hatte.

    In der Tat sollte sich daraufhin erweisen, dass die neue Dauphine es verstand, die polnisch-sächsischen Interessen ihres Vaterhauses in Versailles zu vertreten, was aber erst noch entschiedener zum Tragen kam, als ihre Kinder ins heiratsfähige Alter kamen. Ohne viel vorwegzunehmen kann ich wohl andeuten, dass sie einer Hochzeit ihres ältesten, überlebenden Sohnes Louis Auguste, der als Louis XVI König wurde, mit einer sächsischen Prinzessin förderte. Doch dieses Heiratsprojekt, welches vor dem Hintergrund einer dauerhaften sächsisch-französischen Allianzpolitik geschehen sollte und sogar vom ehemaligen sächsischen Kuradministrator Prinz Xaver (1730-1806) vor Ort in Versailles unterstützt wurde, scheiterte schließlich an dem unbedingten Willen Choiseuls, Louis Auguste mit der Erzherzogin Maria Antonia zu vermählen.

    Ein dauerhaftes Bündnis mit einem Mächtigen wie Frankreich hatte Sachsen nach der schweren Niederlage und den preußischen Begehrlichkeiten, welche Friedrich II. in seinem politischen Testament von 1752 formulierte auch bitter nötig. Bereits der Soldatenkönig hatte seinem nach außen hin verbündeten Kurkollegen Friedrich August I. ganz intensiv misstraut und auch wirtschaftlich empfindlich bekämpft. Nun hatte der Österreichische Erbfolgekrieg diese Wunde noch vertieft.

    In Versailles standen sich grundsätzlich zwei Parteien gegenüber, welche aber in sich wiederum zwiespältig waren, was die Außenpolitik mit Polen und Österreich anbelangte. Zwischen diesen Parteien lavierte der König, welcher von beiden enorm beeinflusst wurde, da die Vertreter wie die Mätresse Pompadour (2.) und der Prince de Conti (1.) ihm sehr nahe standen.

    I.
    Die eine scharte sich um Louis-Francois I de Bourbon, Prince de Conti (1717-1776). Conti hatte sowohl juristische als auch politische Kenntnisse in großem Umfang gewonnen und sich sogar als Befehlshaber in den letzten beiden Kriegen bewährt, als er um 1750 zusehends für die Außenpolitik immer tonangebender wurde. Louis XV beabsichtigte diesen Prince de Conti, wie es schon Louis XIV mit dessen Großvater Francois Louis I de Bourbon, Prince de Conti (1664-1709) 1697 versucht hatte, auf den polnischen Thron zu heben. Zu diesem Behufe wurde eine umfangreiche Geheimdiplomatie entwickelt, der dieser Prince de Conti selbst im „sécret du roi“ vorstand. Man kann sich die Brisanz dieses ehrgeizigen Projektes wegen der jüngsten dynastischen Verbindung der Wettiner mit den Bourbonen von 1747 leicht ausmalen. Die Hauptaufgabe des „sécret du roi“ war es die Unterstützung ausländischer Mächte für die Pläne Louis XV und des Prince de Conti zu gewinnen, dass es nicht wieder zu solchen Debakeln wie 1697 und 1733 vor allen Dingen kam, als sich sämtliche stärkere polnische Nachbarn entschieden gegen eine französischfreundliche Kandidatur mit aller Energie und gar mit Truppenmacht verwahrt hatten. Neben der Blamage vor der Weltöffentlichkeit wollte man sicherlich auch nicht ein weiteres Mal nutzlos und gar schädlich in dieses Projekt mit umfangreichen Mitteln investieren.
    Der Prince de Conti konnte sich auf eine breite Partei stützen, welche eine traditionelle Feindschaft gegenüber den Habsburgern für bei weitem am nützlichsten für die Fortsetzung der französischen Eroberungspolitik auf dem Festland erkannten. Die Macht dieser Partei hatte sich schon bei der entschiedenen Kriegspolitik der 1740er gezeigt, als Frankreich sieben Jahre lang und letztlich sogar fast auf sich allein gestellt, der österreichisch-englischen Allianz die Stirn bot.

    II.
    Auf der anderen Seite stand nicht nur die Dauphine sondern vor allen Dingen Etienne-Francois Duc de Choiseul (1719-1785), Francois-Joachim Kardinal de Bernis (1715-1794) und die übrigen Günstlinge der Marquise de Pompadour. Aber die Partei war gerade was die Dauphine anbelangt nicht ganz konform mit jener der Mätresse, denn diese vertrug sich nicht mit dem Dauphin Louis Ferdinand, der seinerseits natürlich auch auf die Politk bei Hofe den Einfluss behielt. Diese Kräfte hatten ungefähr ähnlich viel Gehör wie die anderen beim König, nahmen aber an Einfluss während der 1750er zusehends zu. Choiseul war ebenso wie Conti am Österreichischen Erbfolgekrieg beteiligt gewesen und hatte ebenfalls bei Coni (1744) mitgekämpft. Wie auch Conti war Choiseul in den frühen 1750ern diplomatisch aktiv, allerdings nicht geheim sondern ganz offen damit betraut als Botschafter beim Heiligen Stuhl bezüglich der Bulle „Unigenitus“ zu verhandeln. Choiseul gelang es späterhin nach dem Scheitern seines Konkurrenten um die Gunst der Pompadour (1721-1764) des Außenministers de Bernis, diesen im Amt zu beerben und daraufhin derartig an Einfluss zu gewinnen, dass man schlichtweg vom „Ministerium Choiseul“ bis zu dessen Sturz 1770 spricht, wenn man von der Regierung Frankreichs redet.

    Lange Rede kurzer Sinn, die Partei um de Bernis und die Pompadour triumphierten und es gelang ihr den König von einer Allianz mit Österreich zu überzeugen, welche übrigens auch vom Grafen Brühl in Dresden betrieben wurde. Das « Renversement des alliances » schien dem Wunsch Brühls zu entsprechen, ein mächtiges Bündnissystem zu etablieren, welches wirklich den Erzfeind Preußen vernichtend schlagen könnte, wozu Sachsen mittlerweile endgültig nicht mehr auch nur mit einem stärkeren Partner allein an der Seite fähig gewesen wäre. Premierminister Brühl war sicherlich ein intelligenter Mann und der Plan einer solchen Allianz nicht verkehrt. Doch konnte er nicht die katastrophalen Konsequenzen seiner sächsisch-französisch-österreichisch-russischen Bündnispolitik für Sachsen ahnen und dass Friedrich II. wie schon 1740 überraschend allein losschlagen würde, während die Gegner erst einmal die Kräfte mobilisieren und koordinieren mussten.

    So wendete sich, was in Dresden und Versailles in den außenpolitischen Kabinetten geplant worden war in das Gegenteil des strahlenden Erfolges den sich der polnisch-sächsischen Minister erträumt hatte. Während noch die französischen Gesandten emsig in Berlin meinten das Handeln des Preußenkönigs abzuschwächen, letztlich schickte man sogar den Duc de Nivernais (1716-1798) extra nach Berlin um den dortigen Botschafter zu unterstützen, zu verhindern oder zumindest hinaus zu zögern, hatte dieser schon zuviel mit der Konvention von Westminster und dem Bündnis mit England gewagt, um zurück zu gehen. Er wollte unbedingt seinen Feinden zuvor kommen und fiel daher noch im Herbst 1756 in Sachsen ein. Die wenigen sächsischen Truppen waren hoffnungslos unterlegen und deren Gros kapitulierte bei Pirna unter den Augen ihres Kurfürsten der sich auf die Festung Königsstein zurückgezogen hatte. Während die Kurfürstin Maria Josepha in Dresden blieb, durfte sich Friedrich August II. in seiner Funktion als polnischer König nach Warschau absetzen, wohl da der preußische König genau wusste, dass der Sejm sowieso keine militärische Einmischung in die fatale Lage des Königs August III. in Polen unternehmen würde.

    Während Sachsen nun von den Preußen durch Kontributionen und den Kriegsverlauf ruiniert wurde blieb August III. das erste Mal über eine wirklich lange Zeit nämlich bis zum Kriegsende zwangsweise in seiner polnischen Hauptstadt. Seine Präsenz dort nutzte ihm aber gar nichts in seinen innerpolnischen Absichten, die innerhalb der nunmehr fast 20-jährigen „Herrschaft“ recht festgefahren waren. Immerhin vermochte August III. in dieser Zeit gewisse Zusicherungen bezüglich der polnischen Thronfolge durch andere Mächte, die vorsahen, dass der Kurprinz Friedrich Christian (1722-1763) in der Königswürde seinem Vater folgen sollte.
    Diese Pläne standen natürlich entgegen der Ambitionen des Prince de Conti, der schon die Niederlage in der Bündnisfrage gegenüber Österreich hatte erkennen müssen.

    Letztlich sollten aber selbst des Königs August III. scheinbar sicheres Projekt aus einem für ihn damals völlig undenkbaren Grunde misslingen, worauf er dann allerdings keinen Einfluss mehr nehmen konnte.
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    4. Phase

    Alle Kinder August III. genossen eine ausgesprochen gute Bildung, wovon Sachsen späterhin profitieren sollte, da der Bruder des Kurfürsten Friedrich Christian der Prinz Xaver ein sehr fähiger Regent für seinen minderjährigen Neffen Friedrich August III. wurde. Friedrich Chirstian selbst war von Kindesbeinen an körperlich behindert, weshalb man erwog, statt seiner den Prinzen Xaver zum Kurprinzen zu machen, was aber aufgrund von Bedenken der dynastischen Legitimität durch Friedrich August II. verworfen wurde. Schon früh übte Friedrich Christian eine scharfe Kritik an der Außen- und Innenpolitik Brühls, worin er durch den schrecklichen Ausgang des 7-jährigen Krieges und der Finanzlage bestätigt wurde. Wegen dieser Haltung wurde Friedrich Christian aber auch von den Regierungsgeschäften vom Vater letztlich dann doch fern gehalten. Nachdem August III. von Polen nach Warschau geflohen war, harrte Friedrich Christian bis 1759 also sehr lange noch in Dresden aus. Als die Übergriffe der Preußen aber zunahmen, ging der „junge Hof“ des Kurprinzen nach München zum Schwager Max III. Joseph ins Exil. Von hier aus wurden die Geschehnisse in Sachsen aber nicht lange beobachtet, schon Anfang 1762 kam Friedrich Christian zurück in seine Hauptstadt, wo er sogleich mit Hilfe von Thomas von Fritsch begann, das „Rétablissement“ - den Wiederaufbau Sachsens und völligen Politikwechsel - vorzubereiten.

    Beim Friedensabschluss von Hubertusburg, unweit Dresdens im vollständig geplünderten ehem. Sitz Brühls, im Februar 1763 war Friedrich Christian persönlich anwesend, während August III. noch in Warschau weilte. Der fatale Vertragsabschluss sah schlimme finanzielle Verluste für Sachsen und sogar die Preisgabe einiger Gebiete an Preußen vor. Am 30.4. des Jahres kehrten August III. und sein Minister Brühl zurück nach Dresden, wo sie nochmals das politische Ruder herum werfen wollten. Doch wurde all dies mit dem Tod König August III. von Polen am 5.10.1763 beendet, auch Brühl starb wenige Tage darauf, bevor ihn Friedrich Christian in Persona belangen konnte.

    Die Herrschaft Kurfürst Friedrich Christians sollte nur kurz sein, aber auch der Tod, der ihn an den Blattern im Dezember 1763 ereilte änderte grundsätzlich nichts an der sächsischen neuen Politik der „Generation von 1763“ (Thomas Nicklas). Prinz Xaver führte als Kuradministrator Sachsens für seinen Neffen eine Politik des Sparens und des Wiederaufbaus Sachsens entschieden fort. Ein Punkt dieser Politik war der Verzicht auf die polnische Krone von 1765, wogegen sich zwar die Mitregentin Maria Antonia aus dem Hause Wittelsbach, die Gemahlin des verstorbenen Friedrich Christian einsetzte, doch ging das Zerwürfnis der beiden Regenten zu Gunsten von Xavers Linie aus.
    Die Politik Xavers wurde dann auch unter Friedrich August III. dem Gerechten ab 1768 fortgesetzt, was zu einer Erholung Sachsens führte. Xaver ging nach Frankreich um seine Schwester dann bei dem schon erwähnten Streit um die Vermählung des Neffen Dauphin Louis Auguste zu unterstützen.

    Derweil hatte der polnische Adelige Stanislaus II. August Poniatowski 1764 die polnische Krone erringen können. Dies war wie vordem bei den Wettinern nur unter kräftiger Hilfe Katharina II. möglich gewesen. Nun schien endgültig die Abhängigkeit von russischen Gnaden etabliert, was sich noch unter den Wettinern als zweifelhaft im Falle einer anderen politischen Kursstellung in den letzten Jahrzehnten erwiesen hatte, war nun offenbar gesichert. In Polen brach im Sejm jedoch in den späten 1760ern ein Zwist aus, es bildete sich die Konföderation von Bar, welche die russischen Einmischungen brüsk ablehnte, da diese auch die adeligen Privilegien zu bedrängen schienen. Zwar gelang es den Russen mit Waffengewalt den Hajdamakenaufstand und Empörungen des Adels niederzuschlagen, aber dennoch war die Lage unter König Stanislaus II. kritisch.
    Stanislaus II. war bemüht soweit wie möglich mit der alten sächsischen Tradition seiner zwei Vorgänger zu brechen, was z.B. dadurch zum Ausdruck kam, dass er bei den Stadtansichten Warschaus, die er mit Beginn seiner Regierung bei Bernardo Bellotto in Auftrag gab, bewusst die Gebäude der Sachsenzeit nicht abbilden ließ, indem er die Bildmittelpunkte geschickt wählte.

    In den drei Großmächten Russland, Preußen und Österreich reiften durch die unsicheren Umstände innerhalb Polens die Pläne zur Teilung Polens. Es schien schließlich möglich, dass die polnische Fraktion, welche die ausländischen Begehrlichkeiten abwehren wollten im Sejm die Oberhand gewannen.

    Frankreichs Außenpolitiker sahen ihrerseits diese Pläne der drei besagten Mächte mit empfindlicher Sorge. Die Veränderungen in Polen drohten die nur noch bescheidenen Ambitionen Frankreichs in dem Raum Osteuropa endgültig zunichte zu machen. Jedoch war Frankreich selbst innenpolitisch zerrissen durch die Kämpfe zwischen dem Parlament, dessen Wortführer sowohl Louis-Francois I, Prince de Conti seit dem Sturz seiner außenpolitischen Pläne von 1756/57 und dann später sogar der Minister Louis XV der Duc de Choiseul gegen die Autorität und die Reformen des Königs waren, und Louis XV. 1770 erfolgte die Absetzung und der Fall Choiseuls als mächtiger Minister des Königs, daraufhin wurde eine rigorose Politik der außerordentlich fähigen Minister Joseph Marie Terray (1715-1778) und René-Nicolas-Charles-Augustin de Maupeou (1715-1792) eingeschlagen, welche zu einer Verbesserung der durch den langen Krieg geschwächten Finanzen und einem entschiedenen Vorgehen gegen die Adelsopposition (die nahen Verwandten des Königs Conti, Condé, Orléans gehörten ihr an) führte.

    Mit Argusaugen wurde aus Versailles das Verhalten der drei Höfe beobachtet. Doch es gelang Friedrich II., laut Thiébault, völlig die französischen Beobachter hinters Licht zu führen, indem die Zusammenziehung der preußischen Streitkräfte an der polnischen Grenze als ein Sicherungskordon gegen eine angeblich in Polen ausgebrochene Pestepidemie dargestellt wurde. Noch kurz bevor die Nachricht von der Durchführung der Teilung Polens 1772 in Versailles eintraf, waren der französische Gesandte in Wien, der Prince Louis de Rohan, als auch der französische Minister des Auswärtigen, der Duc d’Aiguillon, in Versailles davon überzeugt die Teilung Polens sei eine Fabel.
    Am Versailler Hof geriet natürlich auch die Dauphine Marie Antoinette ins Räderwerk der Diplomatie, da sie neben dem österreichischen Gesandten Florimund Graf Mercy d’Argenteau (1727-1794) die Interessen ihres Bruders Kaiser Joseph II. (1741-1790) vertreten sollte, der ja auch an der geplanten Teilung Polens profitierte. Jedoch wurden ihre von Wien gesteuerten Versuche schon durch die Dummheit der Dauphine torpediert, indem sie weiterhin den in Ungnade gefallenen Duc de Choiseul unterstützen wollte, der ja ihre Vermählung mit dem Dauphin arrangiert hatte. Louis XV war aber niemand, der sich in seine personellen Entscheidungen, die er im Geheimen traf, hinein reden ließ. Dadurch wurde die anfangs vom König galant umgarnte Dauphine bei ihm unbeliebter.

    Ein kleiner Hoffnungsschimmer für Frankreich blieb in Osteuropa Schweden. Nachdem Gustav III. Frankreich besucht hatte, wo eben die Revolution des Königs Louis XV gegen den Einfluss der Parlamente und des Hochadels geglückt war, gelang ihm ein ähnlicher Streich auch gegen seinen Adel. 1772 wurde dieser geschickt durch einen provozierten Unruhr durch den König entmachtet. Eine wesentliche Rolle soll seine Mutter Luise Ulrike aus dem preußischen Königshaus gespielt haben, welche den König Gustav III. dazu ermunterte, obwohl der Versuch ihres eigenen Gemahls von 1756 völlig vereitelt worden war. Gustav III. zeigte auch in der Folge eine enge Beziehung zu Versailles, welche sich nicht nur in Reisen dorthin später zur Zeit der Regierung Louis XVI offenbarte. Die Außenpolitik Schwedens, das noch im 7-jährigen Krieg zusammen mit Russland gegen Preußen gekämpft, richtete sich nun entschieden gegen Katharina II. von Russland. Doch die folgenden Kriege Schwedens gegen die russische Vorherrschaft in Osteuropa erschöpften Schweden mehr als sie nützten, die russische schon allein numerische Überlegenheit war anders als am Beginn des 18. Jahrhunderts nicht mehr wettzumachen.

    Louis XV konnte von dem endlichen Debakel der Schweden und dem Ende Gustav III. aber nichts mehr mitbekommen, denn er starb 10. Mai 1774.

    Eine Bilanz unter die französischen Versuche einer weitreichenden Einflussnahme auf Polen und Litauen , welches mit Polen verbunden war, und somit einen der größten Staaten Osteuropas ist schwer. Die außenpolitischen Projekte zeigten sich als wechselhaft, aufwändig und schließlich kaum von Erfolg gekrönt. Indirekt mögen manchmal Gewinne wie Lothringen und Bar im Polnischen Thronfolgekrieg erlangt worden sein, aber ein dauerhafter Fuß in der Tür in Warschau wurde immer wieder von Österreich und Russland vereitelt. Bei den Einmischungen sollte mit den Jahrzehnten zusehends stärker zu Tage treten, dass eine Herrschaft des Königs von Polen, wenngleich immer wieder Vision der beiden sächsischen Herrscher Polens und Litauens, eher eine Illusion blieb und hauptsächlich Unmengen an Mitteln verschlang. Österreich trat unter den großen Nachbarn im Vergleich zu Russland ab der 2. Jahrhunderthälfte im Einfluss in Polen selbst zusehends in den Hintergrund, wenngleich es ebenso wie Preußen an der großen Teilung von 1772 beteiligt war.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. April 2008
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    So jetzt steht alles da und meine Ansichten und Schlussfolgerungen können verrissen werden. ;):D

    Die Tage gebe ich, wenn ich noch dazu komme, meine Quellen an. Ich werde versuchen, die Quellenangabe in einem Beitrag zu bündeln.
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Quellenliste

    Literatur:

    1. Dieudonné Thiébault: „Friedrich der Große und sein Hof...“ Berlin Story Verlag, Berlin, 2005
    -> v.a. zur französisch-preußischen Diplomatie ab 1765 u.a. zur polnischen Teilung und französischer Ansicht dazu u. zu den Verhältnissen Schwedens

    2. E. A. H. Graf von Lehndorff: „Die Tagebücher des Grafen Lehndorff ...“ Berlin Story Verlag, Berlin, 2007
    -> franz.-preußische Diplomatie 1755-1757

    3. Peter Claus Hartmann: „Ludwig XV. (1715-1774)“
    -> zur französischen Innen- und Außenpolitik unter Louis XV
    Peter Claus Hartmann: „Ludwig XVI. (1774-1789/92)“
    -> zu Dauhine Maria Josepha von Sachsen (1731-1768) u. Beziehungen um Dauphin Louis Auguste (Louis XVI)
    In: „Die Französischen Könige und Kaiser der Neuzeit 1498-1870“ beck’sche reihe, München, 2006

    4. Karl Czok: „August der Starke und seine Zeit“ Piper, München, 2006
    -> zur polnisch-sächsischen Personalunion und August II. und August III. von Polen

    5. Heinz Schilling: „Höfe und Allianzen 1648-1763“ Siedler, Berlin, 1998
    -> zur Vorgeschichte der Bündnispolitik, sowie Kriege, hier v.a. Polnischer Erbfolgekrieg

    6. Horst Möller: „Fürstenstaat oder Bürgernation 1763-1815“ Siedler, Berlin, 1998
    -> zu Preußen, polnische Teilungen etc.

    7. Sylvia Jurewitz-Freischmidt: „Galantes Versailles“ Piper, München, 2006
    -> zum Versailler Hof, Pompadour usw.

    8. Thomas Nicklas: „Friedrich August II. (1733-1763)/ Friedrich Christian (1763)"
    -> zur Politik Brühls, sowie zum Wechsel von 62/63 unter Friedrich Christian
    Winfrid Halder: „Friedrich August III./I. (1763/1806-1827)
    -> zur Kontinuität unter Kuradministrator Xaver 1763-1768 u. Friedrich August III. von Sachsen
    In: „Die Herrscher Sachsens“ beck’sche reihe, München, 2007

    9. Bernard Fay: „Ludwig XVI. - Der Sturz in den Abgrund“ Heyne, München, 1976
    -> zur Heiratspolitik und österreichisch-französischem Ausgleich rund um Dauphin Louis Auguste u. Haltung von Dauphine Marie Antoinette gegenüber Choiseul, zu Dauphin Louis Ferdinand und Dauphine Maria Josepha von Sachsen

    Kann sein, dass ich was vergaß, gerade zu den Conti fand man leider wenig.:weinen:
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2008
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wie es zu der Ehe denn kam und die Reaktionen in Frankreich darauf, finde ich recht interessant. So soll die Mätresse des Premierministers Louis IV de Bourbon, prince de Condé (1692-1740), die Marquise de Prie auf ihn diesbezüglich eingewirkt haben. Kurz vor dem Heiratsprojekt war es dem Duc d'Orléans (1703-1752) im Juli 1724 gelungen, sich mit der baden-badischen Prinzessin Auguste Marie Johanna zu vermählen. Mochte Baden-Baden auch klein gewesen sein (nur die wenigen Gebiete rund um Baden-Baden und Rastatt sowie die Ortenau bei Offenburg), so heiratete damit der Herzog in ein souveränes Herrscherhaus ein und stellte den Premierminister, dessen Wohl und Wehe vom Leben und den Kindern von Louis XV abhing, vor die Problematik, dass sein "Schützling" noch nicht die spanische Infantin heiraten konnte, die noch viel zu jung war und auf absehbare Zeit nicht ins heiratsfähige Alter kommen würde. Starb der anfangs kränkelnde jugendliche König aber, fiel die Thronfolge an den Duc d'Orléans, der ein natürlicher Widersacher des Monsieur le Duc wurde, weil dem Duc d'Orléans nicht die selbe bedeutende Rolle im Staate wie seinem Vater ehedem eingeräumt worden war.

    Monsieur le Duc (das war die übliche Bezeichnung für Louis IV Henri de Bourbon, Prince de Condé) musste also um alles in der Welt eine Gemahlin für den König auftreiben. Nachdem man in verschiedenste Richtungen sogar bis hin nach Russland (Großfürstin Elisabeth Petrowna, die aber mütterlicherseits zu schlechter Abkunft war) erfolglos Ausschau gehalten hatte, fiel der Blick auf die unweit in Wissembourg lebende polnische Prinzessin Maria(1703-1768).
    Diese brachte für sich allerdings nur ins Feld, dass sie mit ihren über 20 Lebensjahren durchaus bald schon Erben oder zumindest Nachkommen für den König zeugen können würde. Das genügte und der Plan sie mit Monsieur le Duc zu vermählen wurde aufgegeben. Monsieur le Duc folgte der Empfehlung seiner Mätresse, man meinte, die Prinzessin Maria werde für die Protegierung durch den Premierminister unendlich dankbar auf Lebenszeit sein und den König im Sinne von Monsieur le Duc beeinflussen. In der Tat waren die Lebensumstände der Leszcynskis in Wissembourg kärglich, denn sie mussten von einer für einen Exilkönig bescheidenen französischen Pension leben, die zum Teil durch die Schulden des Königs Stanislas I. bei den Financiers Pâris noch weiter geschmälert wurde. Daher kann es nicht verwundern, dass sich Stanislas Leszcynski sehr geehrt über den Heiratsplan aus Versailles fühlte und sowohl Gott als auch der Marquise de Prie inständig für die Wahl seiner Tochter dankte. Die Absichten des Monsieur le Duc und seiner offiziellen Mätresse schienen also vollständig zu gelingen.

    Es störte sie auch weniger, dass sowohl der Hof als auch das Volk wenig angetan von der Ehe des französischen Königs mit der Tochter eines Habenichts waren, der gänzlich vom Mitleid Frankreichs abhängig gewesen war. Zu dem Zeitpunkt der Vermählung, als der Duc d'Orléans die "ehrenhafte" Aufgabe hatte in Straßburg, wohin die Leszcynskis nun übergesiedelt waren, an des Königs statt die Vorhochzeit zu übernehmen, konnte auch noch niemand ahnen, welche kurze aber glanzvolle Zukunft König Stanislas noch fast 10 Jahre später bevorstehen würde, als sich seine Verbindungen zum polnischen Adel ein letztes Mal noch als sehr nützlich für die französischen Ambitionen erweisen sollten.

    Letztlich nutzte selbst Monsieur le Duc diese Vermählung nichts mehr. Zum einen erlangte die Königin nie den erhofften Einfluss beim König, welcher zur Gänze in diesen ersten Jahrzehnten für Fleury reserviert schien, zum anderen wurde der Premierminister noch im Jahre nach der Hochzeit mit einem Lettre de Cachet nach dem schönen Schlosse Chantilly verbannt. Das Projekt Fleury endgültig zu entmachten war ins Gegenteil umgeschlagen und das Heiratsprojekt sollte zwar glücklicher verlaufen und Frankreich einen Dauphin schenken, aber das brachte dem Monsieur le Duc dann auch keinen Dank mehr ein.

    Quelle: Olivier Bernier: "Ludwig XV."
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Brissotin:

    Hier nun etwas ausführlicher zum Abenteuer vom Schwiegerpapa von Louis XV:
    Nach der Königswahl von Stanislas I. marschierten rasch im Herbst 1733 russische und österreichische Truppen in Polen ein. Die wenig organisierte und zu kleine Armee des polnischen Königs Stanislas hatte nicht den Hauch einer Chance gegen die Invasoren und so floh Stanislas ein zweites Mal als König aus Warschau. In Danzig tauchte er wieder auf, doch schon bald wurde die Stadt von gegnerischen Truppen belagert. Man kann sich die brenzlige Situation für den König vorstellen und wie auch in Versailles Königin Maria um ihren Vater in Sorge begriffen war, während die französische Politik die polnischen Ambitionen so gut wie für gescheitert anerkennen musste. Aber wiederum gelang Stanislas I. die Flucht im Frühjahr 1734 von Danzig nach Paris „als Matrose verkleidet“ (Jurewitz-Freischmidt) per Schiff. Bis dahin hatte sich der französische Hof und ganz Frankreich in Ungewissheit über den verschwundenen König von Polen befunden.

    Interessant wäre wie das Wiedersehen der beiden Monarchen Louis XV und Stanislas I. aussah. Jedenfalls ist der Krieg Frankreichs gegen Österreich doch zumindest anfänglich als eine Intervention Frankreichs in die Angelegenheiten des Schwiegervaters des Königs von Frankreich zu betrachten, der sich nicht selbstständig in Polen hatte behaupten können. Dass der lange Arm Frankreichs nicht bis nach Polen reichte und zum anderen Fleury vermutlich von Anfang an eher auf Lothringen spekulierte steht auf einem anderen Blatt. Dass die Verbindung des lothringischen Erben Franz Stephan als eine Bedrohung am politischen Himmel Frankreichs heraufzog, da damit Lothringen und Bar Frankreich entfremdet würden, war aber allzu gewiss, ebenso wie dass der Gewinn der Herzogtümer einen ähnlichen Zuwachs wie die gesamten Kriege Louis XIV zusammen bedeuten würde.

    Über die Ursachen für die Fortführung des Krieges nach 1735/36 scheinen aber die Meinungen auseinander zu gehen.

    So erwähnt Bernier in „Ludwig XV.“:

    *

    Hingegen scheint P. Cl. Hartmann eher eine Schuld für die Fortführung des Krieges bei Sardinien und Spanien zu suchen:

    **

    Zur Verantwortung bei Fleury für die Fortführung des Krieges gibt es einige Argumente. Fleury war in den 1730ern eine weites gehende finanzielle Konsolidierung des Staates geglückt. Nachdem der Regent schon einen Abbau der Schulden aus dem Spanischen Erbfolgekrieg betrieben hatte, vermochte Fleury durch Einsparungen z.B. gerade beim Militär, das während der stabilen außenpolitischen Lage und dem englisch-französischen Bündnis nicht so wichtig erschien, und einer Erhöhung der Steuereinnahmen erstmalig um 1733 ein ausgeglichener Staatshaushalt, der erste seit den 1680ern. Der Krieg und die finanziellen Erfordernisse desselben passten also Fleury gar nicht ins Konzept, denn dieser Krieg schien bei einer allzu langen Dauer die Erfolge der letzten Jahre bedrohen zu können.

    Neben der Verachtung Fleurys und des Königs für den Krieg trat aber auch, dass Fleury keinesfalls der antiösterreichischen Partei angehörte. Natürlich war wegen deren Übermacht in der öffentlichen Meinung und im Hof- und Hochadel ein Bündnis mit Österreich undenkbar, aber Fleury beabsichtigte dennoch zumindest eine Politik des Ausgleichs und der Verständigung mit Österreich zu pflegen. Der Polnische Thronfolgekrieg kam ihm dabei in die Quere und es erscheint wenig unwahrscheinlich, dass Fleury früh schon zu weitreichenden Kompromissen bereit war.

    Ungefähr ähnlich verhielt er sich nämlich nochmals während des Österreichischen Erbfolgekrieges, als er schon nach einjähriger Aktivität der französischen Truppen im Sinne Karl Albrechts von Bayern, durchscheinen ließ, dass er durchaus nicht ein Kriegstreiber war, sondern eigentlich den Ausgleich mit Österreich suche. Der Brief Fleurys an den Feldmarschall Königsegg, der in Wien viel Einfluss hatte, kam an den österreichischen Hof und wurde angeblich aus Rachlust Maria Theresias gegenüber Frankreich und um Fleury zu demütigen veröffentlicht. Wiederum hatte Fleury seine außenpolitischen Ansichten selbst verraten und stand als Narr in der Öffentlichkeit, der sich die Angriffe der mächtigen antiösterreichischen Partei in Frankreich gefallen lassen musste. Laut Thièbault soll der Versuch Fleurys mit Österreich über einen Frieden überein zu kommen, Friedrich II. veranlasst haben, da er vor der Öffentlichkeit durch Zufall davon erfuhr, mit Österreich rasch Frieden zu schließen, womit er den scheinbar unehrlichen Alliierten Frankreich allein ließ. Tatsächlich brach ja dann auch die französisch-bayerische Offensive zusammen und Prag wurde kurz vor dem Tode des berühmten Kardinals durch die österreichischen Truppen um den Jahreswechsel 1742/43 belagert und zurückerobert.

    Literatur:
    * Bernier, Olivier: „Ludwig XV.“ - Zürich : Benziger, 1986 S. 178/179

    ** Peter Claus Hartmann: „Ludwig XV. (1715-1774)“ In: “Die Französischen Könige und Kaiser der Neuzeit 1498-1870“ beck’sche reihe, München, 2006 S. 267
     
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  10. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Dankeschön für diesen sehr schönen Überblick. :yes:

    Ich habe da noch eine Frage:

    Spielten eigentlich Madame de Mailly, die Marquise von Vintimille und die Herzogin Chateauroux bei der Entscheidung auf der Seite Preußens in dem Krieg gegen Österreich einzutreten eine Rolle?

    Eigentlich waren Fleury und der Ludwig XV. sich doch einig, sich aus diesem Konflikt herauszuhalten, denn man hatte ja die Pragmatische Sanktion garantiert gehabt. Trotzdem verbündete sich Frankreich mit Sachsen und wählte den Kurfürsten Karl Albrecht von Bayern mit anderen Kurfürsten zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe dafür bis jetzt keinen Hinweis gefunden. In allen mir vorliegenden Büchern hatte vor allem die öffentliche Meinung dahingehend gewirkt. Am Hof war ein Großteil des Hochadels, wie gesagt, gegen Österreich. Der Prince de Conti befand sich gerade in den 1730ern und frühen 1740ern im oder am direkten, privaten Kreis des Königs. Louis XV war ja schüchtern und vertrauten kaum einem und der Prince de Conti scheint zumindest dem König anfangs gefallen zu haben, so dass sich der Conti ausrechnete vielleicht wenn nicht König von Polen, dann doch Premierminister an Stelle des 87-jährigen Fleury zu werden.

    Bei der Kaiserwahl von 1741/42 war wie eigentlich bei allen möglichen solcher Treffen ein französischer Gesandter anwesend. Blondel, der anfängliche Gesandte in Frankfurt, hatte sich immer wieder für den Kurs Fleurys ausgesprochen und dafür plädiert für Franz Stephan einzutreten, als aber der König nachgab und Belle-Isle als Gesandten nach Frankfurt schickte, änderte sich die Aktivität Frankreichs in Frankfurt schlagartig. Belle-Isle war ja der herrausragende Vertreter der Kriegspartei, die durch den Erfolg von Belle-Isle in den Verhandlungen mit den Kurfürsten im Sinne Karl Albrechts einen enormen Aufschwung erfuhr. Dabei war ja eigentlich auch der Erfolg von Belle-Isle vorprogrammiert auch ohne gewaltige Geldzahlungen an die Kurfürsten.
    Immerhin waren drei Kurfürsten schonmal Wittelsbacher: Kurköln, Kurbayern, Kurpfalz, mit Kurbrandenburg war somit schon die Hälfte des Kurkolegiums gewonnen. Es kam also "nur" noch darauf an einen weiteren zu gewinnen, was im Falle Sachsens, das ja auch Ansprüche auf das habsburgische Erbe geltend machte, kein Problem darstellte.

    Aber ich schau heute Abend oder die Woche noch, ob die Mätresse, die Marquise de Vintmille, überhaupt politischen Einfluss auf den König gewann. Meines Erachtens, bis jetzt, war die Pompadour die einzige, welche dies vermochte. Sie tauchte aber auch zu dem Zeitpunkt auf, als Fleury als wichtigste Bezugs- und Vertrauensperson des Königs gestorben war.
     
  12. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Danke für diese Informatioen.:)

    Ich könnte mir gut vorstellen, das diese Damen, auf die wie ich meine doch eigentlich entscheidungsschwache Persönlichkeit Ludwigs, Einfluss genommen hatten. Ludwig hatte, wenn ich mich richtig erinnere, sich doch erst am Ende seiner Regentschaft, so von 1770 bis 1774, entschlossener gezeigt, in dem er beispielsweise Minister seiner Wahl durchsetzte.
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich glaube, es gilt da der alte Spruch von den vielen Gelehrten mit vielen Meinungen. Bislang wurde über Jahrzehnte davon ausgegangen, dass z.B. Fleury einzig und allein von 1726 bis 1743 die politischen Entscheidungen getroffen habe. Dem widerspricht Bernier, der betont, dass durchaus ab der 2. Hälfte der 1730er schon, zusehends Louis XV nicht alle personellen Vorschläge des Kardinals befolgt hätte.

    Dennoch denke ich, klafft eine gewisse Spanne zwischen dem Anspruch von Louis XV und der Verwirklichung desselben. So hatte Louis XV nach der Verbannung von Monsieur le Duc verkündet, dass er nunmehr wie sein Vorbild Louis XIV ohne Premierminister allein regieren wolle. Diese Entscheidung mag zwar von ihm ernst gemeint gewesen sein, aber er unterschätzte sich dennoch, wenngleich Zeitgenossen schon in den 1730ern bemerkten, dass Louis XV zusehends mehr selbst die Dinge in die Hand nähme und seine Entschlüsse immer richtig seien. Ich denke auch, dass er seine Überzeugung ohne einen ersten Minister regieren zu wollen, erst ab 1770 vollumfänglich umsetzte, zu einem Zeitpunkt allerdings als sein Ansehen in der Öffentlichkeit unter vielerlei schon stark gelitten hatte.
     
  14. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Ich habe mich mal gezielt auf deine Fragestellung informiert.

    Folgendes konnte ich in Erfahrung bringen:

    Fest steht, dass Louis Julie de Mailly keine politischen Einfluss auf den König ausübte.
    Ich denke nicht, dass Pauline de Mailly, Marquise de Vintimille und ihre Schwester Diane-Adélaide de Mailly, Duchesse de Lauraguais großen politischen Einfluss ihrerseits auf den König und die Politik ausübten.
    Ich getraue mir aber hier keine genauen Urteile zu fällen, da ich nicht genug über die zwei Damen weiß.
    Letztere der Schwestern, Marie-Anne de Mailly, Duchesse de Chateauroux hatte ihre größte politische Einflussnahme durch das Bündnis Ludwig XV. mit Friedrich II, 1744. Doch dieses Büdnis festigte nur das Erstere, welches bereits 1741 geschlossen wurde. Moment mal, sie war schon 1740 maitresse en titre! Also da haben wir sie...

    (Den starken Einfluss, den die Duchesse de Chateauroux hatte, wird auch dadurch deutlich, dass Madame de Pompadour sich im Klaren war, dass sie den König niemals erreichen könne, bevor nicht die maitresse en titre verstorben wäre, was 1744 dann geschah.)

    Das Bündniss von 1741 hatte das gesamtpolitische Ziel für Frankreich Österreich, den Erzfeind, zu schwächen.
    Ich stellte mir die Frage, wer daran Interesse haben könnte und denke nicht, dass es allein der Wunsch von Ludwigs Mätresse war.
    Schnell kam ich auf eine Person, die auch schon von Brissotin erwähnt wurde - der Marschall de Belle-Isle. Als ich dann noch las, dass ihm das Vertrauen Fleurys gehörte kam ich zu dem Schluss, dass der Bündnisschluss auf Belle-Isle zurück geht und dass (ich bin mir in dem Punkt nicht sicher) er sich an die maitresse en titre, Duchesse de Chateauroux, wande und sie ihren Einfluss geltend machte, als Belle-Isle Fleury nicht recht von einem Bündnis mit Preußen überzeugen konnte.
     
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    So jetzt einmal schnell zu dem was ich gefunden habe.
    Louise-Julie de Mailly (1710-1751) war schon eine Weile Mätresse des Königs, als ihre Schwester Pauline um 1739 in die Nähe des Königs rückte. Frau Jurewitz-Freischmidt nennt schon Louise-Julie de Mailly maîtresse-en-titre, während aber Bernier die Geheimhaltung der Beziehung des Königs zu ihr betont und erst von Madame de Tournelle, der späteren Duchesse de Châteauroux, von einer maîtresse déclarée spricht.

    Aber schön der Reihe nach. Zuerst musste Pauline-Félicité de Mailly (1712-1741) mit dem Comte de Vintimille vermählt werden, denn dies galt als notwendig für die künftigen Mätressen. Zu den Ambitionen der Comtesse de Vintimille schreibt Jurewitz-Freischmidt:


    (Hervorhebung von mir)
    *

    Wir wissen leider nicht wie weit der Wunsch, den König zu beeinflussen gelungen ist. So konkrete politische Pläne wie sie Jurewitz-Freischmidt für Pauline de Vintimille zeichnete, kamen mir in den anderen Büchern noch nicht vor. Sie scheint jedenfalls zwischen 1740 und 1741 die ausschlaggebende der zwei Nesle-Schwestern gewesen zu sein, wenngleich der König Louise-Julie vom Hof noch nicht verwies, sondern sogar beide Mätressen zeitgleich bei sich hatte, was aber für die nächtlichen Aktivitäten nur gemunkelt wurde.

    Bernier hingegen betonte das Besondere an der Madame de la Tournelle, welche nach dem Tode der Marquise de Vintimille (der König hatte sie zur Marquise erhoben) die Mätresse wurde:


    **

    In der Tat war Marie-Anne de la Tournelle (1717-1744), die 1740 an den Hof gekommen war, ehrgeiziger wohl als ihre zwei Schwestern. Louise-Julie de Mailly hatte kaum bis keine Zuwendungen vom König erhalten und teilweise wegen ihrer Ausgaben am Spieltisch für schlecht gekleidet gegolten. Ihre Schwester Pauline-Félicité de Vintimille hatte die eher abgelegte Mätresse Louise-Julie neben sich geduldet. Aber die Absichten der Marquise de la Tournelle waren umspannender. Sie wollte eine gesicherte Stellung, Geldgeschenke des Königs und letztlich auch politischen Einfluss, worin sie von ihrem Unterstützer und Vertrauten dem Louis-François-Armand de Vignerot du Plessis Duc de Richelieu (1696-1788) noch bestärkt wurde, denn dieser wollte für sich nicht weniger als den Posten des Premierministers. Richelieu selbst war General und so verwundert es wenig, dass die Duchesse de Châteauroux den König dazu antreiben wollte, selbst in den Krieg zu ziehen, wobei sie ihn, wie zuvor die Montespan, begleiten wollte.
    Bei dem Bündnis Frankreichs mit Preußen von 1744 bin ich mir auch nicht ganz sicher, warum es dafür einer Duchesse de Châteauroux bedurft hätte um dieses zu schließen. Friedrich II. in Preußen wollte die Österreicher angreifen und Frankreich, wenngleich es sich durch den Preußenkönig getäuscht sah, kämpfte gegen Österreich noch immer und hatte sicherlich einen Bündnispartner nötig.

    Literatur der Zitate:
    * Sylvia Jurewitz-Freischmidt: „Galantes Versailles“ Piper, München, 2006 S. 364
    ** Bernier, Olivier: „Ludwig XV.“ - Zürich : Benziger, 1986 S. 232
     
  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Leider erwähnt Bernier nichts zu der polnisch-sächsischen Diplomatie im Zusammenhang mit dem Bündnis mit Frankreich am Beginn des Österreichischen Erbfolgekrieges, dafür muss man sich scheinbar mit der Biographie des Grafen Brühl auseinandersetzen.
     
  17. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ich bedanke mich für diese hochinteressanten Informationen.:)
     
  18. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Hier noch Ergänzungen zur Vermählung der Prinzessin Maria Josepha von Sachsen und Polen mit dem Dauphin Louis Ferdinand, welche die französischen Pläne verdeutlichen:

    Jean-Jacques Amelot de Chaillou war bis zum 23. April 1744 Außenminister von Louis XV gewesen und war in seiner Politik weit es gehend weiterhin den Maximen des verstorbenen Kardinal Fleury gefolgt, durch dessen Gunst er in seine Position gelangt war, auch wenn seine Fähigkeiten nicht sehr ausgeprägt waren. Nachdem der Maréchal Adrien-Maurice Duc de Noailles (1778-1766) in Ungnade gefallen war, wurde der lange auf eine hohe Stellung ehrgeizige René-Louis de Voyer de Paulmy, Marquis d'Argenson (1694-1757) im November des Jahres 1744 Außenminister. Sein Bruder bekleidete bereits seit einiger Zeit den Posten des Kriegsministers und so schien der Weg d’Argensons für eine dauerhafte Karriere in der Außenpolitik geebnet. Grundsätzlich war d’Argenson ein erklärter Feind Spaniens und Österreichs. Während sich Frankreich mit Ersterem in einer Allianz gegen Letzteren befand, kann man sich die Wirkung der Pläne des Marquis d’Argenson vorstellen, der ein Bündnis gegen Spanien zustande bringen wollte, dafür aber gern den Krieg beenden wollte, nicht ohne Österreich schwer zu schlagen und diesem bedeutende Gebietsabtretungen abzuverlangen. Ein Schritt in Richtung der Schwächung der österreichischen Außenpolitik war die Allianz, welche d’Argensons Außenministerium mit Sachsens Kurfürst und Polens König August III. zu schließen vermochte. Natürlich hoffte man damit Sachsen dauerhaft aus dem österreichischen Bündnissystem heraus zu brechen, denn Sachsen war ja seit jeher ein recht treuer Verbündeter der Habsburger gewesen, von dem kurzen Intermezzo am Beginn des Österreichischen Erbfolgekrieges abgesehen. Alte Pläne eines sächsisch-französischen Bündnisses August des Starken waren nicht mehr als ganz kleine Versuche gewesen, die letztlich durch die Einmischungspolitik Frankreichs in Polen zunichte gemacht wurden. Hinzu kam für d’Argenson der glückliche Zufall, dass die Dauphine Marie Therese, die Infantin aus dem für d’Argenson verhassten Spanien, starb am 22.Juli 1746. Im Dezember 1746 schon verkündete Louis XV die anstehende Vermählung seines Sohnes Louis Ferdinand mit der sächsisch-polnischen Prinzessin. 1747 schon wurde d’Argenson. trotz des Erfolges seines Heiratsprojekts und seiner Bündnispolitik, entlassen.

    Anstelle des recht uneinsichtigen d’Argenson trat nun Louis Philogène Brûlart, Vicomte de Puisieulx, der schon diplomatische Fähigkeiten als Gesandter in Neapel bewiesen hatte. Puiseulx handelte im Sinne des Königs, als er auf einen baldigen Frieden hin arbeitete, denn die Finanzen konnten durch den anhaltenden Krieg zerrüttet werden, außerdem drohte Russland sich in den Konflikt einzuschalten. Diese Politik führte zum Frieden von Aachen, der einen recht umfangreicher Kompromiss Frankreichs bedeutete. Die eben eroberten Österreichischen Niederlande wurden geräumt, dafür bekam des Gemahl der ältesten Tochter von Louis XV Parma, welches somit unter dem Einfluss Frankreichs stand. Auch wenn dies künftige Ambitionen Frankreichs in Italien eröffnete, so sollte sich Protest über den, aus vieler wichtiger Leute Sicht, zu ungünstigen Friedenschluss für Frankreich Luft machen. Einer, der am heftigsten über die Aufgabe der Österreichischen Niederlande protestierte, war der Maréchal de Saxe, welcher diese eben erst mit viel Aufwand und vielen Siegen eingenommen hatte.

    Man kann es wohl als eine Ironie der Geschichte betrachten, dass die Politik von d’Argenson einer Allianz Sachsens mit Frankreich letztlich dahin führte, dass Frankreich im Sinne Brühls auf Seiten Österreichs in den Siebenjährigen Krieg eintrat.
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe jetzt mal nochmal über das Kurkolleg von 1741 gegrübelt.

    Hier kurz meine Gedanken dazu:

    Kurköln
    wittelsbachisch, traditionell an Frankreich orientiert (Span. Erf.krieg z.B.)
    Clemens August I. von Bayern (Kurf. 1723-1761) - stimmte für Karl VII., seinen Bruder, und krönte ihn auch

    Kurmainz
    ? Wohl von Belle-Isle umworben,
    Philipp Karl von Eltz-Kempenich (Kurf. 1732-1743)

    Kurtrier
    ?
    Franz Georg von Schönborn (Kurfürst 1729-1756)

    Kurbrandenburg
    mit Bayern alliiert,
    Kurf. Friedrich IV. (Kurf. 1740-1786)

    Böhmen
    erkannte Karl Albrecht als König und Kurfürst an, dann nach Anerkennung Maria Theresias durch Stände ohne Kurfürst (?), zum Zeitpunkt der doppelten Kur durch Karl Albrechts Kur in Bayern war diese Kur wohl bedeutungslos

    Kurpfalz
    wittelsbachisch
    Karl III. Philipp (Kurf. 1716-1742), bedeutenster politischer Kopf der Wittelsbacher, deutlich auf der Seite seines bayerischen Genossen

    Kursachsen
    ? anfangs mit Frankreich alliiert
    Friedrich August II. (Kurf. 1733-1763)


    Kurbayern
    Karl Albrecht (1726-1745 Kurf.) selbst, war wohl für seine eigene Wahl

    "Kurhannover"
    eigentlich Kurf.tum Braunschweig-Lüneburg
    mit Österreich alliiert, gegen Wahl Karl VII.
    Georg II. (Kurf. 1727-1760)
     
  20. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Erst einmal vielen Dank für diese ausführliche und interessante Darstellung.

    Das war mir völlig neu.
    Daß ausländische Mächte bei den Kaiserwahlen heftig mitmischten ist ja bekannt.
    Aber ich hätte nicht gedacht, daß dies auch offiziell durch Anwesenheit von Gesandten beim Wahlakt dokumentiert wurde.
    Ab wann wurde das üblich?
    Und welche andere Staaten neben Frankreich waren da normalerweise präsent?
     

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