Die Spinne im Polen: Respekt und Freundschaft.

Bartek

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Heute morgen habe ich meine schone blaue Augen aufgemacht und wieder meinen Freund Tadzik gesehen. Tadzik ist eine Spinne, die in der Ecke meines Fensters ruhig lebt. Tadzik ist ein mannlicher Name, weil Spinne "pająk" auf polnisch Manskulinum ist. Seine Spinnwebe ist schon, besonders morgen fruh nach dem Regen, wenn sich die Lichtstrahlen in den zahlreichen Tropfen brechen. Unsere Freundschaft hat aber die tiefen kulturellen und geschichtlichen Wurzeln. "Das gluckliche Haus, wo es die Spinnen gibt" sagt unseres Sprichwort. Die Spinnen zu Hause bedeuten das Wohl. Eine Spinne zu toten - ein Pech! Noch in der Ende des XIX Jhndt. haben die wandernden Monche das Legende erzahlt, wie die Spinnen das Leben der Heiligen Famile geretet haben : als Josef mit Maria und klenem Jesus nach Egypten geflohen sind, die Morder Herods haben sie fast ergreift. Aber in dem letzten Moment hat Josef eine Hohle bemerkt. Sie sind schnell in die Hohle eingekommen und haben den Gott um Rettung zu bitten angefangen. In diesem Moment haben zahlreiche Spinnen gekommen und haben den ganzen Eingang der Hohle mit ihrem Spinnwebe zugemacht. Die Morder dachten also, dass die Hohle leer ist, weil niemand drin gekommen ist und sind weiter weg geritten. Und das ist der Grund, donnerten die heiligen Manner, dass der Gott die Spinnen segt ! Und die einfachen Leute haben das alles gehort und waren gehorsam dem Wille Gottes.
Aber die Sitte, um die Spinnen zu respektieren und sich um ihnen speziel zu kummern, hat eine sehr praktische Seite. Seit Mittelalter wurde die Spinnweben als Verband genutzt. Mann muste Spinnwebe zusammen mit Brot mischen und auf diese Weise eine Paste zu vorbereiten, die direkt auf die Wunde gelegt wurde. Die Wunden verheilen schnell, weil die Spinnwebe stark todlich fur den Baktierien (antiseptisch) ist, was wir heute beweissen konnen. Also in jedem Haus haben die Polen eine grosse Sorge, um vielen Spinnen zu haben, weil sie ihre Spinnweben in jedem Moment brauchen konnten.
PS. Tadzik wartet wachsam auf die nechste Opfer... :devil:
 
Ich töte auch keine Spinnen, ich fange sie und befördere sie nach draußen. Sogar eine riesige Heuschrecke musste ich mal aus dem Kinderzimmer befördern. Die allerdings (ich fasse solche Getier nicht an) blieb sehr hartnäckig an der Decke kleben, sogar ein Staubsauger konnte ihr nichts anhaben. Erst in einer Zimmerdeckenecke fiel sie ins Glas.
 
Da sind wir dann schon drei. Ich muß sagen, ich fand Barteks Beitrag überaus interessant. Mir waren diese Vorstellungen bisher nicht bekannt. Als Kind habe ich eine gewisse Außenseitersympathie für Spinnen gefaßt, weil bei uns sehr viele Leute eine Spinnenphobie haben. Die Spinne Thekla in Biene Maja hab ich immer eher als tragisch-komische Persönlichkeit angesehen, und schwarze Witwen oder Vogelspinnen übten als Jugendlicher eine gewisse Faszination auf mich aus. Ihre Netze empfand ich eigentlich immer als kleine Kunstwerke und nicht als Ärgernis. Aber eigentlich liebe ich sie so wenig, wie ich mich vor ihnen ekele, und ich schone sie, lasse sie sogar bei mir wohnen, weil sie erstens lästige Insekten fangen, und meine Hausspinne mich zweitens irgendwie an eine dicke Puffmutter erinnert, die so besitzergreifend ist, daß ich mich nicht einmal entschließen kann, auch nur ihr Netz zu zerstören.
 
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