Die Suche nach dem Längengrad

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Scorpio, 6. November 2014.

  1. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Jahrhundertelang haben Menschen die Meere befahren und sich dabei an den Gezeiten, den Sternen, dem Stand der Sonne orientiert. Die Kugelgestalt der Erde war bereits in der Antike bekannt, und den Zusammenhang zwischen dem Stand des Polarsterns kannten schon die Phönizier. die Polynesier legten Tausend von Kilometern von Tahiti nach Hawai zurück, indem sie sich an Wolken, meeresströmunen und gestirnen orietierten, sie segelten einfach so lange vom Äquator nordwärts, bis das Sternbild des Großen Bären (ursa maior) sichtbar war und wandten sich dann westwärts. Im Zeitalter der Entdeckungen war der Standpunkt des Schiffes auf dem Breitenkreis relativ einfach zu berechnen. Man maß den Stand der Sonne mittags und zog die Zenitdistanz, die Augenhöhe des Navigators, die Brechung des Lichtes und die Deklination ab und konnte die geographische Breite des Standorts recht genau berechnen der Äquator teilte die Erde in Breitengrade N und S, doch wie bestimmte man die geographische Länge, wenn es gar keinen gemeinsamen o Meridian gab, auf den sich die seefahrenden Nationen geeinigt hätten. Im Vertrag von Tordesillas teilte Papst Alexander VI. die bekannte Welt in eine West und Osthälfte zwischen Spanien und Portugal, die aber natürlich nicht von den Niederlanden, England und Frankreich akzeptiert wurde. man orientierte sich an der westlichsten europäischen Landmarke und segelte dann auf bekannten Breiten wo günstigen Windverhältnisse waren und segelte über den Atlantik bis man Land sah. Das wussten natürlich auch Piraten und Freibeuter. immerhin konnte man mit Kompass, Jakobstab Astrolabium, Quadrant und seit 1730 mit dem Sextant die Breite bis auf einige Bogenminuten bestimmen. Dass die Érde sich im Jahr um 360 ° grad dreht, und die Wahre Ortszeit Auskunft über die Länge geben kann, war prinzipiell bekannt.

    Barcelona und Warschau haben heute gemeinsame Zeitzone, in Warschau erreicht die Sonne aber 1 Stunde und 16 Minuten ihren Zenit. In einer Stunde legt die Sonnenbahn 15 ° Längengrad zurück, in einer Minute
    o,25 ° Barcelona liegt daher etwas mehr als 19 Längengrad entfernt von Warschau. Die wahre Ortszeit auf einem Nullmeridian konnte man aber nicht mitnehmen, da es keine Chronometer gab, die genau genug für eine längere Seereise waren, und wenn als es sie gab, konnten die meisten Seefahrer sich keine leisten.

    Im Jahre 1706 segelten vier englische Linienschiffe nach Kampf mit den Franzosen heimwärts. Der Admiral glaubte die gefährlichen Scillyinseln hinter sich, doch man hatte sich getäuscht, vier Schiffe liefen auf, und mehr als Tausend Seeleute und Offiziere ertranken.
    darauf wandte sich das Parlament an Queen Anne, die den Longitude act erließ. Eine Längengradkommission, der u. a. Issac Newton und Eduard Haley angehörten forschte nach einer astronomischen oder Mechanischen Lösung, die geographische Breite zu berechnen. Wer es schaffte, die Länge bis auf 30 Bogenminuten zu bestimmen, sollte 20.00 Pfund bekommen, ein Vermögen und wer es auf ein Grad genau schaffte, sollte 10.000 Pfund erhalten.
    Eine äußerst knifflige Frage, Jahrelang trat die Längengradkommission gar nicht zusammen, da sie eine menge Stuss entsorgen musste. Ein zeitgenosse schlug vor, die Kriegsschiffe sollten eine Linie von england bis Nordamerika bilden und sich über kanonenschüsse die englische Zeit mitteilen. William Hogarth skizzierte um 1730 die Lunatics, die nach dem Längengrad fahndeten.

    In dieser kniffligen wissenschaftlichen Frage brachte ein Insider, ein "mondsüchtiger" Astronom, Neville Maskelyne und ein genialer Autodidakt, ein Uhrmacher aus der Provinz namens John Harrison eine astronomische und eine mechanische Lösung des problems.

    Der Uhrmacher John Harrison musste allerdings Jahre warten, erst als er 72 war zahlte man ihm auf Intervention George III. die 20.000 Pfund aus, drei Jahre später starb er. Ein Modell der H 4 von John harrison hatte james Cook auf seiner Weltumsegelung dabei.

    Die Kapitäne, die sich kein Chronometer kaufen konnten, konnten anhand der Tabellen aus dem Nautic Almanach anhand der Tabellen die Maskelyne erstellte, die Länge berechnen.

    Fortsetzung folgt.
     
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  2. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Ein spannendes Thema. Noch ein bisschen Senf von mir, bei dem ich hoffe, den nicht aus Scorpios angekündigter Fortsetzung geklaut zu haben:

    James King, einer der Offiziere, die an Cook's letzter Reise teilgenommen hatte, war nach seiner Rückkehr im Krieg gegen Amerikaner und Franzosen als Führer eines Handelsschiffskonvois eingesetzt. Einer seiner Offiziere - James Trevenen, ebenfalls auf Cooks letzter Reise mit dabei - berichtete später mit einem gewissen Schmunzeln, dass King, entgegen althergebrachtem Seemannsbrauch und guter Tradition, seinem Konvoi aufgab, nicht erst x Wochen nach Süden und dann stumpf nach Westen zu halten, eben um amerikanische und französische Kaperschiffe zu umgehen. Stattdessen würde man direkt zum Zielort segeln. Die Reaktion der konservativen Handelsschiffskapitäne angesichts der akademischen Vorschläge des studierten Marineheinis (King stand damals im Ruf, ein Intellektueller zu sein) erstreckte sich von Belustigung über Empörung bis hin zum Vorwurf der Hexerei, als man feststellte, dass man mit diesen der schwarzen Magie entnommenen Methoden nicht nur unbehelligt, sondern auch noch schneller am Ziel angekommen war.

    Diese exakten Chronometer waren noch lange sehr selten und damit extrem teuer. (Dazu kommt bestimmt noch mehr von Scorpio). Besitzer von genauen Uhren wurden schlagartig sozial aufgewertet. Mein Steckenpferdkommandant, dem die Admiralität für eine Reise nach Australien keinen Chronometer stellen konnte, wandte sich 1789 z. B. an den Grafen Bülow, der im Ruf stand, hin und wieder einen seiner Chronometer an Seefahrer zu verleihen.
     

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