Die Valois (1328-1589)

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von Konradin, 20. August 2004.

  1. Konradin

    Konradin Gesperrt

    Direkte Valois-Linie (1328-1498)

    PHILIPP VI. DER GLÜCKLICHE / DER KATHOLISCHE
    König von Frankreich 1328-1350
    * 1293, † 1350

    Philipp VI. der Glückliche war seit 1314 Graf von Anjou, Seigneur de Courtenay und de la Roche-sur-Yon, Graf von Maine und Chartres, Mitglied des königlichen Rates und kämpfte 1319/20 gegen Mailand mit und scheiterte bei Vercelli. 1314 und 1328 war er der deutsche Thronkandidat seiner Familie und des Avignon-Papstes. Im Auftrag der königlichen Vettern bekämpfte er erfolgreich Adelsrebellionen und bestieg 1328 als der nächste männliche Seitenverwandte nach dem Tode Karls IV., des letzten direkten Kapetingers, der nur Töchter hinterließ, den Thron und wurde am 23.3.1328 in Reims gekrönt. Er wurde durch eine Notabelnversammlung in seinem "salischen Erbrecht" bestätigt und verdrängte damit zwei andere Kron-Prätendenten: Philipp von Evreux, ebenfalls Vetter Karls IV., und den englischen König Eduard III., dessen Mutter Isabella eine Schwester Karls IV. war und der zunächst der neuen Lage zuzustimmen schien. Philipp VI. war dünkelhaft, etwas leichtfertig und impulsiv. Durch die Schlacht bei Cassel führte er den verjagten Grafen von Flandern zurück, der seitdem (1328) nur noch als französischer Statthalter fungierte. Seiner Cousine Johanna, Tochter König Ludwigs X., die ihre französischen Thronansprüche aufgab, überließ er Navarra, Evreux und Champagne und behauptete in letzterem eine königliche Vormacht als Pfalzgraf. Philipp hintertrieb alle kaiserlichen Bemühungen, zum Ausgleich mit den Päpsten zu kommen, da er die in Avignon residierenden Päpste in völliger Abhängigkeit hielt. Er schloß 1341 ein Bündnis mit Kaiser Ludwig IV., ohne dessen Hoffnungen auf eine Aussöhnung zu erfüllen. Er zog die Grafschaft Artois als erledigtes Lehen ein und führte ab 1341 Erbkriege um die Bretagne zugunsten seines Neffen Karl I. von Blois. Er wurde, ohne es zu wollen, in die Machenschaften Eduards III. hineingezogen, dem es darauf ankam, das Lehen des Hauses Plantagenet auf dem Kontinent zurückzugewinnen. In die Regierungszeit Philipps VI. fiel der Ausbruch des Hundertjährigen Krieges, da Eduard III. von England wegen Auseinandersetzungen um die Guyenne ebenfalls Thronansprüche erhob. Der Aufstand in Flandern (1338) und die Vernichtung der französischen Flotte bei Sluys (23.6.1340) an der Scheldemündung hatten entscheidende Bedeutung für Eduard III. Wegen finanzieller Erschöpfung wurde 1341 ein Waffenstillstand abgeschlossen. 1346 landete ein großes englisches Heer in der Normandie. Am 26.8.1346 stellte sich Philipp VI. den Eindringlingen bei Crécy-en-Ponthieu entgegen. Dabei erlitt das vorwiegend aus Rittern bestehende zahlenmäßig überlegene französische Heer durch das im Kern aus freien bäuerlichen Bogenschützen bestehende englische Heer eine vernichtende Niederlage. In dieser Schicksalsschlacht fiel auf französischer Seite der König von Böhmen, Johann der Blinde, der sich trotz seiner Behinderung ins Getümmerl warf. Auf Philipps VI. Seite war auch Karl IV., Sohn Johanns, der soeben gewählte deutsche (Gegen-)König, der dem Gemetzel aber rehctzeitig entfloh. Es heißt, man habe Philipp VI. davon abhalten müßen, sich in den sicheren Tod zu stürzen.
    Die Pest erfaßte 1348/49 England und Frankreich und verschärfte die sozialen Widersprüche. Als Philipp VI. der Glückliche am 22. August 1350 in der Abtei Coulombs starb, hinterließ er ein Königreich, das durch Erbschaft um Anjou und Maine, durch Ankauf um die Dauphine, die dem jeweiligen französischen Thronfolger übertragen wurde (daher der Titel Dauphin) und Montpellier im Languedoc erweitert worden war. Der Zustand der französischen Streitkräfte erlaubte aber keinen erfolgreichen Widerstand gegen die Einfälle Englands.
    Sein erster Beiname, „der Glückliche“ (le Bien-Fortuné), klingt auf den ersten Blick absurd, zumal er kaum auf Glück im Kampf beziehen kann; wohl geht er auf sein Glück zurück, König von Frankreich zu werden, da seine drei Cousins vor ihm starben.
    Sein zweiter, weniger bekannte Beiname, „der Katholische“ (le Catholique), ist wohl auf seine tiefe Frömmigkeit zurückzuführen.

    JOHANN II. DER GUTE
    König von Frankreich 1350-1364
    * 1319, † 1364

    Johann II., war, im Widerpart zum strengen Vater, verschwenderisch und unfähig, dazu aufbrausend (etliche Todschläge im Affekt) und von größter geistiger Leere, einem sinnentleerten Ritterideal ergeben.
    Weshalb er seinen Beinamen „der Gute“ trägt, ist ein Rätsel.
    Nach seiner Krönung (26.9.1350 zu Reims) unterliefen ihm gleich zu Anfang seiner Herrschaft einige Fehler. So verstimmte er etliche Hofbeamte, ebenso Ständevertretungen seiner Provinzen und später sogar seinen eigenen Schwiegersohn Karl II. den Bösen von Navarra, einen gefährlichen Mann, der die herrschenden Meinungsverschiedenheiten ausnutzte und sich mit England verbündete. Dies geschah zu der Zeit, als der englische König Eduard III. den Besitz des Hauses Plantagenet auf dem Kontinent zurückzuerobern hoffte. Der mutige, aber übereilt vorgehende König Johann II. erlitt an der Spitze eines zahlenmäßig überlegenen französischen Ritterheeres am 19.9.1356 in der Schlacht bei Maupertuis (bei Poitiers) durch englische Bogenschützen unter Eduard, dem "Schwarzen Prinzen", eine vernichtende Niederlage und geriet sogar selbst in Gefangenschaft (bis 25.10. 1360). Die Niederlage verursachte eine heftige Opposition der Generalstände unter Führung des Pariser Stadtbürgertums. An die Bewilligung des Lösegeldes und der Mittel für die Weiterführung des Krieges wurden ökonomische und politische Forderungen geknüpft, für deren Durchführung erhoben sich, geführt vom Prevot der Pariser Kaufleute, Etienne Marcel, die Pariser Volksmassen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurden die gemachten Zugeständnisse zurückgenommen. Im Gebiet von Beauvauis brach im Mai/Juni 1358 der größte französische Bauernaufstand der Feudalzeit, die Jacquerie, aus. Im Frieden von Bretigny (1.5.1360) wurde das Herzogtum Guyenne, um eroberte Gebiete erweitert, sowie Calais und Gebiete um die Seinemündung souveräner Besitz des englischen Königs. Johann II. wurde gegen hohes Lösegeld (3 Millionen Goldstücke) und Stellen mehrerer Geiseln, darunter drei Söhne des Königs freigelassen. Im Jahre 1363 übergab er das Herzogtum Burgund, dessen Herzogs-Familie 1361 ausgestorben war, seinem dritten Sohn Philipp. In den ersten Tagen des Jahres 1364 begab sich König Johann, da sein Sohn Ludwig von Anjou aus der Gefangenschaft geflohen war, erneut freiwillig nach England in die Gefangenschaft, wo er wenig später, am 8. April 1364 in London, starb. Eduard III. konnte es kaum glauben, als er davon erfuhr.
    Noch ein Beispiel zu seiner Brutalität: Im Jahre 1346 hatte der Connetable Johann von Brienne bei Caen so nachlässig gekämpft, daß er in die Gefangenschaft Eduards III. fiel und dort vier Jahre warten mußte, bis seine Familie das Lösegeld zusammengebracht hatte. Kurz nach der Krönung Johanns II. kehrte er an den Hof zurück, wurde aber wenige Tage später festgenommen und auf Befehl des Königs ohne ordentliches Gerichtsverfahren im Hof des Louvre als Verräter enthauptet. Nicht nur die angesehene Familie des Opfers vermutet, daß Johanns II. Günstling Karl „von Spanien“ aus dem hochadligen kastilischen Haus de la Cerda und neuer Connetable von Frankreich, den Anstoß zu der Untat gegeben habe, denn seit ihrer gemeinsamen Jugendzeit bestand eine so enge Freundschaft zwischen Johann und Karl, daß Beobachter homoerotische Beziehungen nicht ausschlossen.

    KARL V. DER WEISE
    König von Frankreich 1364-1380
    * 1338, † 1380

    Karl V. der Weise war sicherlich nicht der typische Ritter: er war kränklich, häßlich, unritterlich, dafür aber von hoher Geistigkeit. Als Dauphin trug er den Titel eines Herzogs der Normandie und übernahm 1356-1360 die Regierung für seinen in englischer Gefangenschaft befindlichen Vater, dem er vollkommen unähnlich war. Der von geschulten Beamten umgebene, selbst geistig überaus interessierte Karl erreichte bedeutende Fortschritte in der Stabilisierung der inneren Verhältnisse. Sein Königtum war eine Zeit der harten Proben, denn die Engländer hielten den Westen seines Reiches besetzt, Paris war dem Ruf von Etienne Marcel gefolgt und befand sich im Zustand der Rebellion, und bei der Landbevölkerung sah es nicht viel anders aus. Die Schatzkammern waren leer, und einige Aristokraten machten es Karl II. dem Bösen von Navarra nach: Sie intigrierten gegen die Krone und strebten nach Unabhängigkeit. In dieser Lage bewies Karl V. Überlegenheit und Scharfsinn und verdiente sich den Beinamen „der Weise“, der ihm für immer blieb. 1360 schloß er als Dauphin den Vertrag von Bretigny, der trotz harter Bedingungen die Fortsetzung des unglückseligen Krieges verhindern sollte. Mit Hilfe des großen Strategen Bertrand du Guesclin (aus niederem bretonischen Adel) machte er den Ambitionen Karls II. von Navarra ein Ende. Seit seiner Thronbesteigung hatte der junge Monarch durch sein kluges Verhalten die königliche Autorität überall im Lande wiederherstellen können. Anschließend machte er sich daran, die Finanzlage in Ordnung zu bringen und die Engländer aus Frankreich zu vertreiben. Wieder half ihm Du Guesclin, der mit der traditionellen Verachtung des Ritters gegenüber nichtadligen Kriegern brach und sich vor allem auf eine starke Artillerie stützte, mit deren Hilfe er im Laufe der Zeit zahlreiche befestigte Städte eroberte und ohne große Schlachten die Engländer zurückdrängte, denen im Waffenstillstand von 1375 nur noch Calais und ein Küstenstreifen in der Gascogne mit Bordeuax blieb. 20 Jahre angestrengter Bemühungen genügten, den Ruf des Hauses Valois wiederherzustellen, den Städten zu neuem wirtschaftlichem Aufschwung sowie der Kunst und der Literatur zu hoher Blüte zu verhelfen und die Touraine und die Dauphine dem Kronland anzuschließen.
    Karl der Weise erlag am 16. September 1380 auf dem Chateau de Beaute bei Vincennes erst 42jährig einem Herzanfall. Der Tod dieses Monarchen bedeutete einen herben Verlust, zumal der Dauphin erst 12 Jahre alt und seinen Oheimen ausgeliefert war.

    KARL VI. DER VIELGELIEBTE / DER WAHNSINNIGE
    König von Frankreich 1380-1422
    * 1368, † 1422

    Obwohl sein Vater seine Großjährigkeit auf 14 Jahre festgesetzt hatte, kam er erst mit 20 Jahren zur Ausübung der Regierungsgeschäfte. Nach Karl V. fiel das blühende Frankreich durch die Intrigen der drei Oheime des jungen Karl VI., der Herzöge von Burgund, Berry und Anjou, in Armut und Anarchie zurück. Die Herzöge hatten die Ratgeber Karls V., die sogenannten Marmousets, ihrer Ämter enthoben, und finanzielle Krisen sowie Steuererhöhungen brachten die an sich schon schwer belasteten Städte in Unruhe und Aufruhr. Zwar stellten die schließlich zurückgerufenen Marmousets die Ordnung einigermaßen wieder her, doch tauchten neue schwere Sorgen um den jungen König auf, der trotz schwacher Gesundheit ein ausschweifendes Leben führte. Seit 1388 regierte er das Land selbst und bekam vom Volk den Beinamen „der Vielgeliebte“. Doch dies währte nicht lange: Im Jahre 1392 übernahm Karl VI. die Führung einer Strafexpedition gegen den Herzog der Bretagne. Als er an einem glühend heißen Sommertag den Wald von Le Mans durchquerte, sprang plötzlich ein zerlumpter Mann aus dem Dickicht, fiel dem König in die Zügel und rief: „König, du bist verraten!“ Der Monarch war durch diesen Zwischenfall sichtlich aus der Fassung gebracht. Man setzte den Weg fort, da ließ ein Page eine Lanze auf einen Helm fallen. Der König schreckte auf und mit dem Ausruf: „Faßt die Verräter!“ tötete er vier Männer aus seinem eigenen Gefolge. Durch einen Sonnenstich hatte er seinen Verstand verloren und kehrte nur noch sporadisch für kurze Perioden zurück. Seine Onkel übernahmen wieder die Macht. Im darauffolgenden Jahr geschah es, dass auf einem Ball vier Maskierte mit ihren Wergperücken Feuer fingen. Die Schreie dieses „Balls der leuchtenden Fackeln“ lösten bei dem König, dessen Zustand sich bereits gebessert hatte, einen neuen Anfall des Wahnsinns aus, von dem er sich nie mehr erholte. Seit diesen Tagen nannte man ihn „den Wahnsinnigen“. Er glaubte, er sei aus Glas, ließ niemanden an sich heran und wusch sich so gut wie nie. Tobsuchtsanfälle, Wahnvorstellungen, völlige Lethargie und kurze Phasen geistiger Klarheit wechselten sich ab. Dadurch entstanden am Hof die unwürdigsten Intrigen. Der Bruder des Königs, Herzog Ludwig von Orleans, und Philipp der Kühne, Herzog von Burgund, stellten sich an die Spitze zweier sich bekämpfender Parteien. So entstand die furchtbare Rivalität zwischen den sogenannten Armagnacs und den Burgundern, die, sehr zum Vorteil Englands, bis 1435 dauerte. Am 25.10.1415 wurde ein französisches Ritterheer bei Azincourt von den Engländern vernichtend geschlagen. Selbst die Gemahlin Karls VI., die Königin Isabeau, stellte sich später auf die Seite des burgundischen Herzogs Philipp des Guten, um den englischen König Heinrich V. zur französischen Krone zu verhelfen. Im Vertrag von Troyes 1420 wurde dem englischen Monarchen tatsächlich die französische Krone zuerkannt und Königin Isabeau ließ ihren Sohn Karl VII. zum Bastard erklären. Heinrich heiratete Katharina, die Tochter Karls VI. und der Isabeau. Karl VI. wurde das Palais Saint-Pol in Paris als Wohnung zugewiesen. Er starb zwei Jahre später, am 21. Oktober 1422 in Paris, und hinterließ ein auseinanderfallendes Königreich.

    KARL VII. DER SIEGREICHE
    König von Frankreich 1422-1461
    * 1403, † 1461

    Karl VII. der Siegreiche war noch Dauphin (seit 5.4.1417), als er durch den Vertrag von Troyes (21.5.1420) enterbt und von der Partei der Armagnacs als König anerkannt wurde. Diese Entscheidung wurde von der burgundischen Gegenpartei und England nicht anerkannt und sogar ins Lächerliche gezogen, denn sein Reich war bis auf das Herzogtum Berry und einige Landesteile südlich der Loire und an der Rhone zusammengeschrumpft. Karl VII., der in Bourges residierte, erhielt von seinen Gegnern den Spottnamen „König von Bourges“. Er besaß weder eine Armee noch Verbündete, noch Geld und er befand sich in scheinbar aussichtsloser Lage. Überdies war er ein mittelmäßig begabter Mensch, mißtrauisch, unentschlossen und ohne Selbstvertrauen. Glücklicherweise verfügte die königstreue Partei der Armagnacs noch über ausgeprägte Persönlichkeiten wie Jean Dunois, den "Bastard" von Orleans und Halbbruder Karls von Orleans, sowie zahlreiche hervorragende Mitglieder der Stadtparlamente von Poitiers, Lyon und Toulouse. Vor allem aber war es die überragende Erscheinung der Jungfrau von Orleans, die den Freiheitswillen der Franzosen neu aufflammen ließ und Tausende um ihr Lilienbanner scharte, um schließlich auch den König für die Sache Frankreichs zu gewinnen. Am 16.7.1429 wurde er in Reims gesalbt. Obwohl er seine Krönung allein Johanna verdankte, zog er sich anschließend nach Bourges zurück und sah ihrem Martyrium zu. Erst 1432 entschloß er sich auf Betreiben seines Ratgebers Richmont zu neuem Handeln. Er suchte die Verbindung mit der gegnerischen Burgunderpartei und konnte am 21.9.1435 den Vertrag von Arras abschließen, durch den das englisch-burgundische Bündnis aufgelöst wurde. Am 13.4.1436 zogen Truppen Karls VII. in Paris ein. Er stand jetzt nicht mehr an der Spitze der Armagnacs, sondern war König eines geeinten Frankreichs, dem sich die abgefallenen Gebiete um Paris und die Champagne wieder anschlossen. 1438 stellte Karl VII. auf der Reichsversammlung in Bourges die Rechte des Staates gegenüber der Kirche durch ein Staatsgesetz, die „Pragmatische Sanktion“ fest und schuf 1439 in den „Ordonnanzkompanien“ ein stehendes Heer. Den Aufstand der französischen Feudalherren („Praguerie“) gegen die auf Festigung der Zentralgewalt gerichteten Maßnahmen Karls VII. unterdrückte der Connetable Arthur von Richmond mit Waffengewalt. Nach dem Waffenstillstand 1444 waren nur noch die Normandie und die Guyenne in englischer Hand. Die Normandie wurde mit dem Sieg von Formigny 1450 zurückerobert, die Guyenne drei Jahre später durch den Erfolg von Castillon. Mit der Eroberung von Bordeaux (19.10.1453) endete der Hundertjährige Krieg mit einem vollständigen Sieg Frankreichs unter einem schwachen König, der jedoch von bedeutenden Persönlichkeiten umgeben war. Spätstens seit 1453 nannte man ihn „den Siegreichen“. Jeanne d'Arc lebte längst nicht mehr, als Karl VII. ein Verfahren anordnete, durch das sie am 7.7.1456 rehabilitiert wurde. Diese Maßnahme deutete keineswegs auf Veränderungen im Verhalten des Königs hin, denn wie von jeher waren es seine Berater, die sein Handeln beeinflußten und inzwischen auch die Staatsverwaltung und den Finanzhaushalt in Ordnung brachten. Der König vertraute ihnen und lebte an der Seite seiner Geliebten, Agnes von Sorel. Seine letzten Jahre waren von Sorge über seinen Sohn, den späteren König Ludwig XI., erfüllt. Karl VII. starb am 22. Juli 1461 auf seinem Schloß Mehun-sur-Yevre vereinsamt, mißtrauisch und in der ständigen Angst, vergiftet zu werden. Er wurde am 8.8.1461 in St-Denis begraben.
    Seine Geliebte Agnes Sorel gebar ihm vier Kinder.
    Karl VII. beweist uns, daß auch ein schwacher König erfolgreich sein kann, wenn er nur von guten Beratern umgeben ist.

    LUDWIG XI. DER GRAUSAME
    König von Frankreich 1461-1483
    * 1423, † 1483

    Ludwig XI. war frömmelnd und verschlagen-genial, gebildet, geizig und sehr häßlich und Gegner des Vaters wegen Agnes Sorel. Bei Lebzeiten seines Vaters paktierte er mit den mächtigen Repräsentanten des Hochadels, setzte aber als König die Politik der Zentralisation fort und wurde der Wegbereiter des Französischen Absolutismus. Von allen französischen Herrschern des Mittelalters war Ludwig XI. zweifellos der fähigste. Durch seinen festen Charakter unterschied er sich schon als Dauphin von seinem Vater, dessen Ansichten er durchaus nicht immer teilte. Nach seiner Krönung trennte er sich sofort von den bisherigen Ratgebern und ersetzte sie durch Persönlichkeiten seiner eigenen Wahl. Keiner von ihnen gehörte der hohen Aristokratie an, denn es war eines der Ziele Ludwigs XI., sich die allzu anmaßend gewordenen Fürsten zu unterwerfen. Ihr typischster Vertreter war Karl der Kühne, Herzog von Burgund, ein Urenkel König Johanns II. des Guten. Ludwig XI. begegnete allen Intrigen, indem er List und Klugheit der Gewalt vorzog. Er intrigierte zurück, ohne dass seine Gegner es merkten, ja er verriet sogar zuweilen seine Verbündeten, versöhnte sich mit alten Gegnern, machte hier und dort Versprechungen und hielt sein Wort nur, soweit es seinen eigenen Interessen diente. Er schloß Verträge mit England, Aragon und der Schweiz. Er veranlaßte eine seiner Töchter, Johanna, in die mächtige Familie der Orleans einzuheiraten. Einige hartnäckige Opponenten unter den Aristokraten ließ er hinrichten, so dass sich ihm schließlich auch der niedere Adel fügte. Durch den 1482 mit Österreich geschlossenen Vertrag von Arras fiel Burgund an Frankreich. Dazu gewann Ludwig XI. die Pikardie, Anjou, Maine und die Provence. Nie zuvor hatte ein Herrscher des Hauses Valois mit so wenig Blutvergießen so viel für sein Land erreicht.
    Seinen Beinamen „der Grausame“ trägt er nicht zu Unrecht: Er war ein gewalttätiger, rachsüchtiger und grausamer Mensch, seinen Unternehmungen fehlte jedes Maß.
    Dem Tod Ludwigs XI. ging ein langer physischer Verfall voraus. Schmerzen kannte der König schon lange, denn ihn plagten seit vielen Jahren Hämmorrhoiden. Und schon 1473 hatte der mailändische Gesandte Christophoro de Bollate eine Erkrankung des Königs als Schlag gedeutet. Sicher belegt sind zwei Apoplexien im März 1479 und im Jahre 1481. Blieb der König schon nach dem Anfall von 1479 schwach, so war sein Zustand nach dem zweiten bisweilen mitleiderregend. Er, der nach dem Urteil des Philipps de Commynes den Tod mehr fürchtete als jeder andere Sterbliche, änderte jetzt sein Verhalten, wurde wunderlich. Er gab für Kleidung und exotische Tiere plötzlich immense Summen aus. Viele Staatsgeschäfte konnten nicht mehr erledigt werden. Sein Mißtrauen gegen jedermann wuchs. Selbst der Dauphin wurde isoliert, damit keine Konspiration entstehe.
    Gleichzeitig leitete der zeitlebens bigotte König Maßnahmen ein, von denen er ausdrücklich eine Verlängerung seines Lebens erhoffte, die also nicht, wie man vermuten könnte, Vorsorge für das Jenseits waren. „Man hat den Eindruck, dass er nur gesund werden will, nicht selig“ (Paravicini, 1993, Seite 113). Er machte jetzt überaus reiche fromme Stiftungen, umgab sich mit Reliquien und hielt sich mit Francesco di Paola einen "lebenden Heiligen". Daneben versuchte er auch mit weltlichen Mitteln seinen Tod hinauszuzögern: Sein Leibarzt wurde dabei ein reicher Mann. Seinen dritter Schlaganfall erlitt Ludwig XI. am 25. August 1483 auf Schloß Plessis-du-Parc bei Tours. Sobald er konnte, leitete er jetzt die Machtübergabe an seinen Sohn ein, den er praktisch nicht kannte. Am 30. August starb er eines friedlichen Todes. Sein Grab fand er auf eigenen Wunsch in Notre-Dame de Clery, nicht in St-Denis, noch hierin manifestierend, dass er sich als Außenseiter unter den französischen Königen fühlte. Sein Grabdenkmal, das in den Religionskriegen zerstört und unter Ludwig XIII. durch ein neues ersetzt wurde, zeigte ihn als jugendlicher Jäger, kniend, vertieft ins Gebet vor dem Standbild der Jungfrau von Clery.

    KARL VIII. DER LEUTSELIGE
    König von Frankreich 1483-1498
    * 1470, † 1498

    Karl VIII. der Leutselige war häßlich, verwachsen, schwärmerisch, sehr triebhaft und fast schwachsinnig. Unter seiner Regierung erfolgte eine weitere Stabilisierung der königlichen Macht und es begannen die Italienzüge. Für den minderjährigen König führte seine Schwester Anne de Beaujeu klug die Regentschaft. Nachdem er 1487/88 eine Adelsrevolte niedergeschlagen hatte, heiratete er am 6.12.1491 Anna von der Bretagne, die Erb-Tochter des bei St. Aubin gefallenen Herzog Franz II., und unterstellte das letzte Herzogtum der französischen Krone. Um in Italien freie Hand zu bekommen, machte Karl VIII. große Konzessionen an England, Spanien und Habsburg. Spanien erhielt 1493 im Vertrag von Barcelona Roussillon und Cerdagne und Maximilian I. im Frieden von Senlis die Franche-Comte, Artois und Charolais zurück. Auf seinem Italienzug (1493-1497) verfolgte der zu einer abenteuerlichen Politik neigende Karl die Erbansprüche des Hauses Anjou, die 1480/81 an die Krone gefallen waren. Er wollte die inneren Gegensätze in Italien ausnutzen und das Königreich Neapel erobern. Dank militärischer Überlegenheit (Artillerie, schwere Kavallerie) erreichte er zunächst sein Ziel, scheiterte aber nach der Bildung der Liga von Venedig an Nachschubschwierigkeiten. Er gründete 1495 das Kloster Trinita del Monte in Rom.
    Am 7. April 1498 starb Karl VIII. an den Folgen eines Unfalls in seinem geliebten Schloß Amboise. Hier war er als Kind aufgewachsen, hier hatte er seine große Bautätigkeit entfaltet und erhebliche Summen in bauliche Verbesserungen investiert. Um der Königin, die noch unter den Folgen einer Fehlgeburt litt, eine Freude zu machen, schlug er ihr an diesem Tag nach der Rückkehr von der morgendlichen Jagd vor, gemeinsam von einer Galerie dem Ballspiel im Schloßhof zuzusehen. Auf dem Weg dahin stieß er sich in dem engen, dunklen und durch Bauarbeiten schlecht passierbaren Gang den Kopf an. Zunächst schien dies ohne Bedeutung, denn weder er noch die hinter ihm gehende Königin waren beunruhigt. Nach einigen Worten mit den Umstehenden und einer Äußerung gegenüber seinem Beichtvater, dem Bischof von Angers, keine läßliche und keine Todsünde mehr begehen zu wollen, wenn dies denn möglich sei, brach er bewußtlos zusammen. Wenige Stunden später starb er an derselben Stelle, wo man ihn auf ein Strohlager gebettet hatte, ohne bis auf ganze kurze Augenblicke wieder zu Bewußtsein gekommen zu sein. Über die Todesursache ist aufgrund der besonderen Umstände viel geschrieben worden. Zeitgenossen sprachen auch von Vergiftung, Gehirnblutung oder vielleicht die Folgen einer Herzkrankheit sind plausiblere Erklärungen.
    Schon zu seinen Lebzeiten hatten viele Zweifel an Karls Fähigkeiten, selbst wenn nicht alle so harsch urteilten wie ein venezianischer Gesandter: „Ich bin sicher, dass er sowohl körperlich als auch geistig wenig taugt“. Der kritische Commynes maß ihn wohl implizit an seinem Vater, dem er nicht gewachsen war; aber wie er zugesteht, habe ihn auch sein früher Tod nicht zur Entfaltung kommen lassen. Sein Mäzenatentum und auch seine Frömmigkeit werden gerühmt. Täglich ging er zur Messe, was ihn allerdings ebensowenig wie die Zuneigung zu seiner Frau von sexuellen Abenteuern abhielt. Im Umgang mit Menschen unterschied er sich wohl sehr positiv von Ludwig XI.
    Mit Karl VIII. starb 1498 die direkte Linie das Hauses Valois aus.

    Quelle
    z. T. Genealogie-Mittelalter.de

    Valois-Orléans und Valois-Orléans-Angoulême folgen!
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. August 2004
  2. Konradin

    Konradin Gesperrt

    [Der Inhalt dieses Beitrages wurde aufgrund einer Copyright-Verletzung entfernt. Der Stammbaum der Valois ist inhaltlich auf der folgenden Webseite nachzulesen: http://www.genealogie-mittelalter.de/ ]
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. August 2004
  3. Daniel Oswald

    Daniel Oswald Administrator Mitarbeiter

    Hallo Konradin,
    Deinen Beitrag musste ich aus obengenannten Gründen entfernen.
    Ich darf darauf hinweisen, das komplett kopierte Textpassagen in
    dieser Länge nicht pupliziert werden dürfen, es sei denn es liegt
    eine Genehmigung des Verfassers vor. Bitte schreib in Zukunft
    einen Quellen-Hinweis, eine kurze Einführung (in eigenen Worten)
    und eine Überleitung zum Diskutieren, damit der Thread einen Sinn
    erhält.

    Vielen Dank

    Gruss
    Daniel
     

Diese Seite empfehlen