Diskussionsforum über die NS Zeit möglich?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Phrygia, 4. Mai 2012.

  1. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Klasse Beitrag!

    Was mir an "Diskussionen" mit Revisionisten, Esoterikern noch auffällt ist das System Pippi Langstrumpf "ich mach mir die Welt, wie sie gefällt". Selbst die peinlichsten Fauxpas werden komplett ausgeblendet, nachdem man sich soeben geradezu surrealistisch blamiert hat.

    Die Blamage schmerzt aber doch, weshalb dann der Umgangston ein rauher wird. So, jetzt muss ich schlafen, ...ich werde später darauf eingehen, aber den Zeitpunkt bestimme ich. So bellt und kläfft er, sozusagen Rückzugsgeplänke, um erst mal die Wunden zu lecken, und die eigene Weltanschauung zu befragen.

    Noch der allergrößte Quatsch wird weltanschaulich verzapft
     
  2. hardy73

    hardy73 Neues Mitglied

    übrigens zu Hafner:

    Ich meine mich erinnern zu können das Haffner zwar Schlagworte wie Erfolge und Leistungen usw. verwendet, aber klar herausstellt das Hitlers "Erfolge" zu keiner Zeit auch seine Verdienste waren sondern eher den Rahmenbedingungen und schwachen Gegnern zu zollen sind. Zur Wirtschaftskriese erklärt er, sie wäre längst am abflauen und es wäre nur scheinbar Hitlers Verdienst gewesen einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeigeführt zu haben. --> sehr aus dem Zusammenhang gerissen, wenn man nur Überschriften liest.
     
  3. Phrygia

    Phrygia Neues Mitglied


    Ich besitze Sebastian Haffners "Anmerkungen zu Hitler" sowohl als Buch als auch als Hörbuch ("Sebastian Haffner liest Anmerkungen zu Hitler", Der Audio Verlag 2001; Produtktion SFB, 1979). Das letztere habe ich mindestens 12mal angehört. Hier hast Du ein paar Überschriften:

    Inhaltsübersicht:

    1) Hitlers Leben
    2) Hitlers Leistungen
    3) Hitlers Erfolge
    4) Hitlers Irrtümer
    5) Hitlers Fehler
    6) Hitlers Verbrechen
    7) Hitlers Verrat

    zu 2) a." In den ersten sechs Jahren: Hitler überrascht Freund und Feind mit nicht zugetrauten Leistungen!"; b."Hitlers Wirtschaftswunder ("Kanonen und Butter, nicht Kanonen statt Butter")

    zu Hitlers Wirtschaftswunder: Haffner betont, dass die Leistung des Wirtschaftswunders nicht allein auf Hitlers "Mist" gewachsen ist, sondern Hitler die Pläne Hjalmar Schachts hierfür "aus der Schublade gezogen hat". Jedoch hätte Hitler ein enormes politisches Gespür dafür gehabt, welche Mittel zu welchem Zeitpunkt anzuwenden seien. Diese haben dann zum gewünschten Erfolg geführt.

    zu 3) Erfolge: b."Das Geheimnis des Hitlerschen Erfolgs: die Schwäche seiner Gegner"; f. "Hitlers außenpolitischer Erfolg: ebenfalls Ergebnis der Schwäche seiner Gegner".

    Ist lesenswert/hörenswert.
    Kritiken:
    "Wie kaum ein anderer hat er (Haffner) die politische Lage Deutschlands kommentiert, wachsam, quertreibend und bissig..." (ARD)

    " Über die schlanken Werke Sebastian Haffners, einer der großen Publizisten dieses Jahrhunderts, wird man noch diskutieren, wenn die meisten dickleibigen Geschichtsbücher längst vergessen sind" (Die Zeit)

    "...Präzise und scharfsinnig fügt Sebastian Haffner Fakten und neue Aspekte der Akte Hitler zu einer erstaunlichen Analyse zusammen..."v (Der AudioVerlag, 2001)
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Mal unterstellt, Haffner hat das so formuliert (ich habe das jetzt nicht nachgeprüft): :winke:

    Seine Feststellungen wären dann aufgrund der wirtschaftshistorischen Forschungen der letzten 20 Jahre unhaltbar. Das s.g. "NS-Wirtschaftswunder" basiert auf der allgemeinen weltwirtschaftlichen Erholung, Rüstungskonjunktur, Abschmelzen des Arbeitsangebots. Schachts Rolle sollte nicht überinterpretiert werden, wie das vielleicht die Literatur der 1950er und 1960er noch so an sich hatte (vermutlich, weil die Finanzierung der NS-Rüstung ein kaum verständliches und erklärliches Phänomen darstellte, dass Autoren wie Boelcke jedoch sachlich und verständlich aufgearbeitet haben - dazu scheint irgendwie die Mischung aus "Arbeitswunder" und Reichsautobahnen bei den Nicht-Ökonomen im Kopf zu schwirren, ganz abgesehen von den "geheimnisvollen" Mefo-Wechseln, die endfällig 10% des "Finanzierungswunders" ausmachten).

    Siehe zB Christoph Buchheim: Das NS-Regime und die Überwindung der Weltwirtschaftskrise in Deutschland, VfZ 2008, Seite 381-414
    http://www.geschichtsforum.de/f39/gab-es-ein-ns-wirtschaftswunder-oder-nicht-26738/


    Das ist eine zu einfache Beschreibung des komplexen Phänomens "Appeasement", das hier die "Schwäche seiner (außenpolitischen) Gegner" beschreiben soll. Literatur hierzu siehe in der Diskussion:
    http://www.geschichtsforum.de/f67/a...tand-der-wissenschaftlichen-diskussion-34825/
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juni 2012
  5. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Haffner schreibt genau:

    "Hitler war wirtschaftlich und wirtschaftsolitisch ein Laie; die einzelnen Einfälle, mit denen das Wirtschaftswunder in Gang gesetzt wurde, stammten grösstenteils nicht von ihm, und besonders das halsbrecherische Finanzierungskunststück, von dem alles abhing, war eindeutig das Werk eines anderen Mannes: seines Finanzzauberers Hjalmar Schacht. Aber es war Hitler, der Schacht holte, erst an der Spitze der Reichsbank, dann auch das Wirtschaftsministeriums - und ihn machen liess. Und es war Hitler, der all die Ankurbelungspläne, die schon von ihm existiert hatten, aber vor ihm ebena aus allen möglichen, hauptsächlich finaziellen Bedenken gestrandet waren, aus den Schubladen holen und ins Werk setzten liess - von den Steuergutscheinen bis zu den Mefowechseln, vom Arbeitsdienst bis zu den Autobahnen."

    Quelle: Sebastian Haffner. Anmerkungen zu Hitler. Fischer Taschenbuch 2001. S. 35
     

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