Drogen im antiken Griechenland

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von NarzisstNathanael, 29. Mai 2019.

  1. NarzisstNathanael

    NarzisstNathanael Neues Mitglied

    Guten Abend,
    ich würde gerne wissen ob Sie mir Bücher, Aufsätze über diesen Themenbereich empfehlen könnten? Von der Herstellung bis zum Handel und Konsum.
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Wie kommt man / frau auf diese "ungewöhnliche Fragestellung"?
     
  3. NarzisstNathanael

    NarzisstNathanael Neues Mitglied

    Johann Haris "Chasing the Scream" befasst sich auf einigen Seiten mit der "mondänen" Drogenkultur der Antike. Da war ich schon ziemlich überrascht und mein Interesse, auf weiterführende Literatur wurde geweckt.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ein sehr interessantes Thema. Ich weiß nicht so recht, ob diese Werke deine Neugier wirklich voll befriedigen.

    Hans Georg Behr, Von Hanf ist die Rede-Kultur und Politik einer Pflanze

    beschäftigt sich mit der Kulturgeschichte des Hanfs und zeichnet sich durch Sachkenntnis und einen gut lesbaren Stil aus, ist recht ausführlich für das 19. und 20. Jahrhundert, aber weniger ausführlich für die Antike. Trotzdem gut lesbar und informativ, allerdings eher als Einstiegsliteratur geeignet.

    Rausch und Realität Bd. 1-3

    entstand Anfang der 1980er Jahre aus Beiträgen zu einer Ausstellung im Rautenstrauch-Jost Museum in Köln.
    Da waren, wenn ich mich recht erinnere auch einige Beiträge enthalten, die sich mit der Drogenkultur der Antike beschäftigte, allerdings vor allem beschränkt auf die Trinkkultur der Antike und den Wein.
    In den 1980er Jahre war das Buch ein Lichtblick, ist mittlerweile in vielen Passagen veraltet, als Einstieg mag es aber durchaus brauchbar sein.

    Man muss sich eingestehen, dass man nicht wirklich viel darüber weiß. Immerhin finden sich bei Autoren wie Homer (Odyssee 6. Gesang), bei Herodot (Exkurs über die kiffenden Skythen) und in medizinischer Literatur wie bei Galen von Pergamon Informationen.

    In klassischer Zeit waren den Griechen Opium und Cannabis bekannt, und natürlich auch Arzneipflanzen/Gifte/Rauschdrogen wie Nachtschattengewächse, Digitalis, Akonit u. v. a.

    Homer erwähnt in der Odyssee verschiedene Drogen, Wundermittel. Telemachos, der Sohn des Odysseus will erfahren, was mit seinem verschollenen Vater Odysseus geschehen ist, und er besucht die Höfe von Phylos und Sparta. Als die Gesellschaft vom Krieg spricht und den vielen Toten, überkommt sie das heulende Elend, und die schöne Helena weiß Rat und Abhilfe und greift zu einem Wundermittel, das Menelaos aus Ägypten mitgebracht hat.

    Doch die zeusgeborene Helena hatte anderes im Sinn,
    Und sie warf in den Wein, von welchem sie tranken
    Das Mittel Nepenthes gegen Kummer und Schmerz
    und aller Übel Gedächtnis.
    Wer das hinunterschluckt, nachdem es im Kessel gemischt,
    Dem rinnt am nämlichen Tage keine Tränen die Wangen herab
    und sind ihm auch Vater und Mutter verstorben.

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass Homer Opium beschrieb, aber anscheinend vom Hörensagen berichtete, denn er nennt nicht den Schlafmohn, der in klassischer Zeit den Griechen gut bekannt war. Auch bei der Lotospflanze, die Odysseus Männer die Heimkehr vergessen lässt oder bei dem Kraut Molys, das Hermes Odysseus gibt, um sich gegen die Zauberkünste der Kirke zu verteidigen, könnte man an verschiedenen Rauschdrogen denken, bei diesen Passagen könnte es sich aber um ein literarisches Topos handeln, während sich beim Wundermittel Nepenthes eine Identifikation miut dem Schlafmohn geradezu aufdrängt.

    Vom Hörensagen berichtet auch Herodot in seinen Historien, der über die Skythen, die sich eine Art Cannabis-Sauna, Cannabis-Schwitzhütte bastelten. Herodot schreibt, dass die Skythen die Samen verdampften und inhalierten. Die Samen enthalten freilich kein oder kaum THC und CbD. Behr vermutet, und das ist einleuchtend, dass nicht die Samen, sondern die ganzen Blütenstände gemeint waren. Gräberfunde haben Herodot bestätigt, und es wurden aus der Antike kleine Pfeifen gefunden.

    Tabak konnte freilich daraus nicht geraucht worden sein, denn der stammt aus Amerika, und das rauchen von Opium verbreitete sich erst nachdem sich Tabakrauchen etabliert hatte, außerdem muss Opium mit einem Schimmelpilz fermentiert werden, um von Rohopium zu Rauchopium weiterverarbeitet zu werden.

    Aus römischer Zeit sind aus vielen Provinzen kleine Pfeifchen erhalten. Griechen und Römer rauchten allerdings selten, verbreitet haben solche Pfeifen, so vermuten einige Wissenschaftler, Hilfstruppen aus dem Orient.

    Wein und Opium waren spätestens in klassischer Zeit verbreitet und bekannt und begehrte Handelsartikel, und auch Cannabis dürfte nicht nur für medizinische Zwecke, sondern auch für hedonistischen Gebrauch verwendet worden sein. Hanf ist eine anspruchslose Pflanze und auch Mohn ist relativ pflegeleicht und kann auch in Mitteleuropa gezogen werden. Hochwertige Kapseln können bis zu 15% Morphin enthalten, fast soviel wie Kapseln aus Afghanistan oder dem Goldenen Dreieck. Ungarn und Frankreich haben von der UNO die Erlaubnis, Mohn zur Gewinnung von Medikamenten anzubauen, und im 1. Weltkrieg schon tat Österreich-Ungarn das Gleiche.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Dezember 2020
    flavius-sterius, Clemens64 und Eumolp gefällt das.
  5. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Ich habe mal vor einiger Zeit über die Lotosesser auf der eigentümlichen Insel Aprapolis bei Capri geschrieben, die Kaiser Augustus in seinen letzten Lebenstagen besucht haben soll (nach Sueton).

    Masgaba, der Lotosesser

    Ob es hier wirklich um Drogenkonsum ging, ist nicht ganz klar.
     
  6. stefan73at

    stefan73at Mitglied

    In Österreich wurde immer schon Mohn angebaut ist und nach wie vor erlaubt. In ganz anderem Zusammenhang. Der Mohnstrudel und seine Varianten sind einfach ein traditionelles Lebensmittel. Ob man davon berauscht werden kann, weiß ich nicht, aber man müsste wohl eine gigantische Menge verzehren. Soll man eine harmlose, traditionelle Mehlspeise verbieten weil Missbrauch denkbar wäre. Zu diesem Kniefall ist man nach wie vor nicht bereit. In den Anbaugebeiten gibts übrigens keine Opium Communities. Der Zugang ist eben ein Anderer. Naja ein wenig Selbstkritik ist schon angebracht. Früher gab man schreienden Babys durchaus einen leckeren "Mohnzutz" damit sie Ruhe gaben. Wurde aber dann abgestellt. Der Adolph hat aber offenkundig ganz Anderes in seinen Zutz bekommen /ot

    Zu den Drogen der Griechen finde ich bemerkenswert, dass deren Wein imo als dicker Sirup gehandelt wurde. Der mit viel Wasser aufgespritzt wurde. Das erklärt auch, warum der große Polyphem von einem Schlauch dieses Sirups schon fett wie ein Zyklop wurde :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. März 2021
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Auch in Nordhessen, vor allem im Werra-Meißner Kreis wurde und wird Mohn kultiviert. Weiter südlich waren es vor allem Flüchtlinge aus Schlesien, Ostpreußen und Böhmen, die Mohn und Kürbisse kultivierten. An ein Rauschmittel dachten die ebenso wenig wie die russlanddeutschen Spätaussiedler, die fast so schöne Rezepte für Mohn kennt wie die altehrwürdigen Küchentraditionen der Donaumonarchie.

    Es wird im Werra-Meißner Kreis morphinarmer Mohn angebaut. Der medizinische Mohn unterscheidet sich von schwachen Sorten dadurch, dass er immer nur 4 Blütenblätter bildet, die Kapseln sind groß und oval und die Samen stets nierenförmig. Viele von den älteren Russlanddeutschen machen nicht viel Gewese um dergleichen, die meisten wissen aber auch die schmerzlindernden Qualitäten eines Tees zu schätzen aus getrockneten Kapseln.
     

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