Einfluss des Kaiserreiches auf das 20. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von juler., 4. März 2016.

  1. juler.

    juler. Neues Mitglied

    Hallo,

    ich bin auf dieses Forum gestoßen und erhoffe mir hier ein paar hilfreiche Tipps für meinen Geschichtsaufsatz..

    Es soll erläutert werden, in wie weit das Kaiserreich nach 1871 die Geschichte des 20. Jahrhunderts beeinflusst hat.

    Mir fallen ein paar Aspekte ein, wie die Militarisierung und schnelle Industrialisierung. Des weiteren sind viele Personen, die in der NS-Zeit etwas zu sagen hatten, während der Zeit des Kaiserreiches aufgewachsen..

    Jedoch fallen mir sonst hauptsächlich Unterschiede ein und nach diesen wird leider nicht gefragt..

    Kann mir jemand weiter helfen?

    Vielen Dank schon mal! :winke:
     
  2. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Kannst du genauer sagen, was du bereits herausgefunden hast?

    Gerade in Richtung Einigung Deutschland und die Auswirkungen auf das Mächtegleichgewicht wäre eine Erwähnung wert....
     
  3. juler.

    juler. Neues Mitglied

    So viel genauer habe ich leider nichts herausgefunden.. Nur das Militär bei beiden eine große Rolle gespielt hat. Ebenso wie die schnelle Industrialisierung, die zwar viele neue Arbeitsplätze schuf, jedoch auch viele negative Aspekte hatte. Das ist zwar eine Gemeinsamkeit, jedoch bin ich mir hierbei auch unsicher ob man es als Beeinflussung sehen kann..
     
  4. J-M-K

    J-M-K Neues Mitglied

    Hallo Juler.,
    ich denke das man gerade in Gesellschaftlichen und Kulturellen Bereich einige Gemeinsamkeiten finden wird. Ich habe mich gerade etwas mit der deutschen Kolonialgeschichte befasst und es ist erschreckend, dass viele Themen der NS-Zeit bereits Ende des 19. jhd verbreitet waren.
    - Der Nationalstolz
    - Das Thema, des Volkes ohne Raum
    - Sozialdarwinismus und Antisemitismus
    - Generell die Identifikation mit der Indogermanischen Abstammung, anstatt der Identifikation mit einer traditionellen Christlichen Kultur (Wobei ich mir da nicht sicher bin ob das nicht schon vorher einsetzte)
    Es Gibt natürlich auch gute Errungenschaften, wie z.B. Bismarks Sozialgesetze, die noch bis heute wirken.
    Literatur zu diesem Thema hab ich leider keine, da ich mich, wie gesagt eigentlich mit der Kolonialgeschichte beschäftigt habe.
     
  5. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Hast du dir schon angeguckt, unter welchen Umständen das dt. Kaiserreich gegruendet wurde? Wo man den "dt. Kaiser" ausgerufen hat?
    Was fuer Folgen hat das auf die Aussenpolitik Frankreichs und auch Deutschlands?

    Gruss, muheijo
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was war vor und was war nach 1871?
    Wie sah es mit dem Versicherungswesen aus?
    Wie mit dem BGB?
    Personelle Kontinuitäten sprachst du schon an. Aber zwischen Kaiserreich und Drittem Reich - da war doch auch noch was...
     
  7. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Auch ist die Wirtschaft nicht zu vergessen. Einige heutige DAX-Konzerne haben in der Zeit ihre Wurzeln. Und dann mal die Unternehmerpersönlichkeiten nachgucken. Oder auch die Naturwissenschaftliche Forschung...., und wie sich das gegenseitig befruchtet hat, ein spannendes Thema und viel nachzugucken.
    Ach ja die Entwicklung des Parlamentarismus ist auch einen Blick wert.

    Apvar
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. März 2016
  8. J-M-K

    J-M-K Neues Mitglied

    Nicht zu vergessen die beiden großen Parteien SPD und Zentrum. Auch wenn es heute noch kaum bekannt ist war die Zentrums Partei auch in der BRD noch vertreten. Allerdings wurden beide Parteien schon vor 1871 gegründet.
     
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Durch zwei Prämissen der Reichsgründung 1871 ergaben sich für die Innen- bzw. die Außenpolitik strukturierende, aber nicht determinierende Voraussetzungen für folgende Ereignisse:

    1. Die Reichsgründung von "Oben" ist ein zentrales Element, das die - konträre - Diskussion über den deutschen "Sonderweg" mit definiert hatte.

    Die Reichsgründung war ein Akt der deutschen Monarchen, die als souveräne Akteure agiert haben und es war nicht das Ergebnis einer Entscheidung durch das Volk, inspiriert durch eine "national-liberale" nationalistische Ideologie, getragen von einer mittelständischen "Bourgeoisie".

    Dieser Aspekt erklärt die politischen Antinomien und sozialen wie politischen Verkrustungen, die im Kaiserreich besonders hart - wenig moderiert durch den Interessenausgleich im Rahmen eines quasi-parlamentarischen Systems - aufeinandertrafen und eine Hypothek für die politische Kultur in Deutschland im 20. Jahrhundert gebildet haben und sich direkt in der WR auswirkten und dann im 3. Reich.

    2. Der zweite Aspekt der Reichsgründung, den Hillgruber im Ergebnis als die "gescheiterte Großmacht" bezeichnet, betrifft die zentrale Lage in Europa und die damit zusammenhängende Frage nach der politischen Rolle.

    Das Ökonomie Potential, die rasante demographische Entwicklung der Bevölkerung und sein militärisches Potential warfen die Frage auf, welche Rolle das Deutsche Reich in Europa spielen kann und will.

    Dabei waren die zwei Kriege, die auf die Erlangung einer Hegemonie in Mitteleuropa abzielten durchaus nicht die einzigen Möglichkeiten und eher der "kriegerischen Reichgründung" und dem damit zusammenhängenden preußischen Militarismus geschuldet.

    Diese beiden Aspekte, zum einen die gescheiterte demokratische Zivilgesellschaft und zum anderen die gescheiterte Hegemonie in Europa bilden das zentrale Vermächtnis des Kaiserreichs für Deutschland im 20. Jahrhundert.

    Und wurden erst nach 1945 radikal neu ausgerichtet und auch als Problem gelöst.

    Eine lesbare Zusammenfassung des langen 19. Jahrhundert von Hellfeld wird derzeit durch die Bundeszentrale angeboten, die einen guten Überblick gibt.

    http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/219472/das-lange-19-jahrhundert
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. März 2016
  10. hatl

    hatl Premiummitglied

    Es wurde auch vor dem Hintergrund eines offensichtlichen Erflogs des neu gegründeten Deutschen Reiches die Frage, u.a. im Balkan, interessant,
    ob eine ethnisch-kulturell begründbare Nationalstaatlichkeit, nicht grundsätzlich dem weiter zurückreichenden Modell einer multiethnischen Monarchie überlegen sei.
    Das vermute ich mal.
     
  11. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Du liegst mit Deiner Vermutung richtig. Der serbische Nationalismus orientierte sich beispielsweise in seinen Zielen am dem erfolgreichen Modell der deutschen Reichsgründung (präzise Literaturhinweise müßte ich suchen)

    In diesem Sinne war die Reichsgründung von 1871 ein "Modellbeispiel" für "späte Nationalstaaten", die als "Zerfallsprozesse" feudaler multiethnischer Staaten entstanden sind.

    Dieses gilt sicherlich in einem hohen Maße für den sich entwickelnden Nationalismus in SO-Europa im Vorfeld des WW1. Und erklärt ja auch teilweise die neuen politischen Konfliktlinien, die sich im Zuge des Zerfalls des Osmanischen Reichs entstanden.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Daneben wird mE allerdings auch in einigen Balkan-Historien (und zB auch in russlandbezogener Literatur) auf den "Kopiereffekt" des italienischen Risorgimento für den eigenen Nationalismus hingewiesen.

    Wobei ich mich immer frage, wie man die Wirkmächtigkeiten separieren will, und die Einflüsse gegeneinander "gewichten" kann. Eine gewisse Pauschalierung scheint da nicht vermeidbar.
     

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