Emser Depesche

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Gast, 11. Oktober 2005.

  1. Gast

    Gast Gast

    Ich habe mich heute einmal mit der Emser Depesche beschäftigt, und mir sowohl das ungekürzte als auch das von Bismarck gekürzte Telegramm durchgelesen ... mir wird allerdings immernoch nicht ganz klar, wieso sich der französische Kaiser dann so darüber erzürnt hat ... ich hab irgendwo gelesen, man habe in der gekürzten Fassung keine Etikette gezeigt und den französischen Kaiser durch Anrede degradiert. An welcher Stelle in dem Text tritt dies auf? Das erschließt sich mir gerade irgendwie nicht. Und wer oder was ist dieses ominöse S.M. in beiden Texten?

    Wär lieb, wenn mir jemand helfen könnte!
     
  2. hyokkose

    hyokkose Gast

    "S. M." heißt "Seine Majestät".

    Der Affront bestand meiner Meinung nach darin, daß der Eindruck entstand, der König habe sich geweigert, den Botschafter überhaupt zu empfangen und ihn stattdessen quasi durch einen Diener hinauwerfen lassen.
     
  3. Arne

    Arne Premiummitglied

    Als erstes den Link zu wikipedia, der dir nochmal die Zusammenhänge klar macht:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Emser_Depesche

    Die Brisanz der verkürzten Meldung wirkte meines Wissens auf zweifache Weise.

    Einmal in Frankreich. Da hatte der Kaiser hoch gepokert, wollte einen innenpolitischen Erfolg durch offensichtliche Demütigung Preußens, nachdem er mit dem Säbel gerasselt hatte.
    Jetzt, da seine Forderung so hart abgewehrt wurde, mußte er seinen Drohungen auch Taten folgen lassen, um nicht als Kasper dazustehen. Später fuhr er dann brav in seiner Kutsche neben Bismarck her....;)

    Dann wirkte sie in Preußen, ja in ganz Deutschland, weil es so aussah, als wäre der französische Kaiser unverschämt gewesen und wollte den preußischen König erpressen. Darauf kam es natürlich zu einer Empörung in der Bevölkerung und natürlich auch bei den anderen Monarchen.
     
  4. Arne

    Arne Premiummitglied

  5. parago

    parago Neues Mitglied

  6. Rüdiger

    Rüdiger Mitglied

    Hätte wohl eine "neutralere" Presseveröffentlichung einen deutsch-französischen Krieg auf Dauer abgewendet? Die Quasi-Kriegsdrohung der Franzosen für den Fall einer hohenzollerschen Thronbesteigung war ja schon ausgesprochen, und die anschließende Forderung- "niemals, nie und nimmer!"- war doch, zumindest nach meinem Verständnis, ganz schön frech. Gut, Bismarck hatte sicher nichts dagegen, Krieg zu führen, und er hat den Text bestimmt nicht dahingehend verändert, daß er die Situation hätte entschärfen können.
     
  7. SoulStep

    SoulStep Neues Mitglied

    Guten Tag allerseits... :winke: Ich bin neu hier dennoch würde ich gerne zu Klärung beitragen ! Ich habe vor nich allzu langer Zeit meine LK Facharbeit zum Thema Emser Depesche geschrieben und zwar unter der These ob Bismarck die Depesche bewusst so verändert hat, dass sie in Frankreich als Beleidigung aufgefasst werden musste oder ob durch seine Änderungen ehr eine zufällige Ereignisskette in gang gesetzt wurde.
    Dazu habe ich Artikel aus zwei verschiedenen Zeitungen aus dem Jahre 1870 verwendet. (Konservativ bzw. Liberale Blätter)
    Falls Interesse bestehen sollte, wäre ich gern bereit sie hier mal reinzustellen.

    MfG: SoulStep
     
  8. Arne

    Arne Premiummitglied

    Interesse besteht, wäre sicher eine gute Ergänzung. Aber der ganze Text deiner Facharbeit ist vielleicht etwas zuviel an dieser Stelle. Bekommst du da nicht einen "Extrakt" hin?
     
  9. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Ich möchte mal folgende Thesen aufstellen:

    1. Nach der Schlacht von Sadowa suchten die Franzosen nach einer Möglichkeit um den sich abzeichnenden Versuch der Preußen, Deutschland unter ihrer Führung zu vereinigen, abzuwenden ("Rache für Sadowa").

    2. Die französische Regierung sah in der spanischen Thronfolgerfrage die Möglichkeit zu einem Krieg mit Preußen zu kommen, der zur Abwendung einer für Frankreich existenziellen Bedrohung (Umklammerung) erforderlich gewesen wäre und so auch die wohlwollende Unterstützung der anderen Großmächte und der Neutralen gefunden hätte.

    3. ABER nachdem die Kandidatur des Hohenzollern zurückgezogen wurde, entfiel diese Möglichkeit. Nun versuchte Frankreich nachzulegen und überspannte den Bogen. Nachdem die Kandidatur zurückgezogen wurde, war klar, dass es eine neue Kandidatur eines Hohenzollern auch in Zukunft nicht geben wird. Die französische Forderung, Preußen solle dies für alle Zeiten garantieren lief also gerade darauf hinaus, eine Absage zu bekommen und über diese Absage einen Kriegsgrund. Freilich war dieser aber nicht mehr von einer existenziellen Bedrohung Frankreichs gedeckt sondern von seinem Streben nach Prestige, so die Neutralen eher mit Preußen sympathisierten als mit Frankreich. Frankreich hatte sich verspekuliert.

    4. Hätte Bismarck die Depesche nicht verfälscht, wäre es wahrscheinlich auch zu einem Krieg gekommen. Die Verfälschung erhöhte die Wahrscheinlichkeit des Kriegseintritts und nahm den Franzosen vielleicht die Möglichkeit, vom Kriegsentschluss wieder Abstand zu nehmen. Aber die Frage, ob Frankreich 1870 nicht sowieso Krieg geführt hätte, ist - meiner Meinung nach - aufgrund des französischen Strebens nach diesem Krieg eine Frage, die man nicht wirklich beantworten kann.

    5. Nach dem Krieg konnten sich die Franzosen aufgrund der Verfälschung und vor allem der Annexion Elsaß-Lothringens als Opfer einer von Bismarck geschickt inszenierten Aggression darstellen. Die Annexion liess natürlich auch die Verfälschung nachträglich in einem aggressiven Licht erscheinen. Und in der Tat strebte auch Bismarck nach dem Krieg.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. November 2005
    1 Person gefällt das.
  10. SoulStep

    SoulStep Neues Mitglied

    Wäre es nicht möglich sie als Dateianhang oder so beizufügen? Damit bleibe dann auch das Layout erhalten.

    Greets: SoulStep
     
  11. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Nun gab es keine "Schlacht von Sadowa". Was die Franzosen hier meinten war die "Schlacht von Königgrätz" 1866, als die Österreicher und ihre süddeutschen Verbündeten von den Preussen geschlagen worden waren. Da "Königgrätz" im Französischen sehr schwer auszusprechen ist, nannte man die Schlacht nach einem nahegelegenen (und leichter auszusprechenden) Dorf Sadowa.

    Die "Rache" war also keine Revanche für eine eigene, d.h. französische Niederlage.
    Es war eher eine politisch-diplomatische Pleite, denn Napoleon III. hatte aufs falsche Pferd - sprich Österreich - gesetzt und sich für seine wohlwollende Neutralität die preussischen Rheinprovinzen versprechen lassen (offiziell als unabhängigen Pufferstaat). Und wenn das nicht klappen sollte, dann wenigstens Luxemburg.
    Da aber dummerweise die Österreicher die Schlacht und den Krieg verloren, stand Napoleon (und mit ihm Frankreich) als blamiert da. Dass zur gleichen Zeit das von ihm initiierte Mexiko-Abenteuer (Maximilian gegen Suarez) voll in die Hosen ging, hat auch nicht gerade zur Linderung der Schmach beigetragen.

    Das ganze schrie also nach Revanche. Und da kam Preussen gerade recht. Bismarck konnte sich ruhig zurücklehnen und abwarten, bis der in den französischen Medien und dem Volk immer lauter werdende Ruf nach einer "Revanche pour Sadowa" Napoleon zu einem Fehler verleitete...
     
  12. Albatros

    Albatros Neues Mitglied

    Ganz so einfach ist das nicht (sie hätten ja auch Hradec Králové nehmen können.)

    Eine Schlacht wird "normalerweise" von den Siegern benannt, i.d.R. nach dem Ort, wo der Feldherr sein Quartier hatte. Allerdings wird auch manchmal ein anderer Ort genommen, weil er näher liegt oder besser ins Konzept passt. Daher auch z.B. Waterloo 1815, das in die preußische Geschichte als La Belle Alliance eingegangen ist. Aber La Belle Alliance Station hört sich auch bescheuert an.
     
  13. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Eigentlich ging ich ja davon aus, dass dies allgemein bekannt ist. ABER es ist sicherlich gut, dass Du genauer erklärt hast, was man sich unter "Rache für Sadowa" vorzustellen hat.:)
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das kenne ich eigentlich anders, Napoleon wollte sich von Preußen für sein Stillhalten 66 die bayr. Pfalz zusichern lassen.
    Bismarck hat nichts zugesagt aber auch nicht abgelehnt. also hinhaltend taktiert.
    Als Napoleon drängender wurde, hat er die Sache den südd. Staaten zugespielt. Die Angst vor den Franzosen war hier noch groß, und brachte diese endgültig auf die Seite Preußens.
    Etwa gleichzeitig wurde das "Projekt" Napoleons auch in Frankreich publik, und führte dort zu einem Ausbruch der großgallischen Begeisterung, verbürgt ist der Spruch Gambettas: Wenn dieser Kaiser uns die Rheingrenze bringt, verzeihe ich ihm alles.

    Grüße Repo
     
  15. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Hallo Repo,

    wir haben beide recht. Napoleon III. hatte seine Fühler sowohl nach Preussen als auch nach Österreich ausgestreckt, um möglichst viel für sich herauszubekommen.

    Ich zitiere hier wikipedia:
    "Napoleon gedachte eigentlich, für seine Vermittlung territoriale Belohnungen zu bekommen (Linkes Rheinufer), wurde aber vom Tempo des Krieges überrascht und kam mit seinen Forderungen zu spät. In Frankreich entstand daraufhin der Ruf nach „Rache für Sadowa“. Objektiv war dieser Ruf völlig unberechtigt, da Napoleon im Vorfeld des Krieges mit beiden Seiten verhandelt hatte in der Hoffnung, möglichst viel für sich einzustreichen. Dass er sich dabei verkalkulierte war seine eigene Schuld."
     
  16. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Napoleon hatte hoch gepokert und eben verloren.:grübel:
     
  17. Taiger11

    Taiger11 Gast

    Aber Napoleon III. ist auch nicht gerade oft von der Sohne beschienen worden.
    Er hatte ja schon zwei gescheiterte Putschversuche (1836 u. 1840) hinter sich. Bei jedem musste er ins Ausland fliehen. Beim ersten in die USA, beim zweiten nach einem Gefängnisaufenthalt ins Vereinigte Königreich.
    Fast hätte er mit seinem Verhalten 2 Jahre nach dem ersten Putsch einen Krieg zwischen Schweiz und Frankreich ausgelöst.

    Dieser Mann hatte anscheinend das zweifelhafte Talent sich immer zu verrechnen. Auch in Mexiko (1862-1867) hatte er kein glückliches Händchen (wie unten von Jacobum schon erwähnt).

    Den einzigen Krieg, wo er größere Erfolge vorzuweisen hatte, war der Krimkrieg
    (März 1854 - März 1856) gegen die Russen. :respekt:
     
  18. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Es gibt bei der Vorgeschichte aber noch was zu beachten.
    Das GH Luxemburg war in Personalunion mit dem Kgr. holland verbunden, Aber teil des dt. Bundes. Nach 66 gab es keinen dt. bund mehr, aber Luxemburg war Bundesfestung und hatte immer noch eine preußische Besatzung.

    Nun wollte Napoleon dem holl. König Luxemburg abkaufen, sie wurden sich auch handelseinig. Die Preußen saßen aber in der Festung, und Bismarck legte sein Veto ein. So wurde nix aus dem Deal und Napoleon war auch hier der angeschmierte. Was ihn Innenpolitisch natürlich noch mehr unter Druck setzte.

    Der Witz an der Sache ist auch noch, dass der Sigmaringer Hohenzoller mit Napoleon viel näher als mit dem Berliner Wilhelm verwandt war. Die Familien Bonaparte und Hzl-Sig. waren auch seit Jahrzehnten befreundet, beides war in Spanien bekannt, und es wurde von daher kein Widerstand erwartet.

    In Sigmaringen war vor ein paar Jahren auch das Original der "Emser Depesche" ausgestellt.

    Grüße Repo
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Mai 2006
  19. LadyChica87

    LadyChica87 Neues Mitglied

    Was ist die Emser Depesche ?

    Hallo Leute.


    Ich hatte eine frage an euch unswar
    was ist die Emser Depesche ich habe das als HA auf bekommen und ich brauche es innerhalb von 2 tagen kann mir jemand das vielleicht in eigenen wörtern erklären DANKE!!!



    Mit freundlichen Grüßen


    eure LadyChica87:winke:
     
  20. LadyChica87

    LadyChica87 Neues Mitglied


    himmm schuldigung aber was ist überhaupt die Emser Depesche
    kann mir das jemand vielleicht in eigenen wörtern erklaren?

    dankeschön
     

Diese Seite empfehlen