Epochen/ Perioden - Diskussion - Tips ?!

Dieses Thema im Forum "Historische Hilfswissenschaften mit Genealogie" wurde erstellt von KiliannailiK, 16. April 2007.

  1. KiliannailiK

    KiliannailiK Neues Mitglied

    Guten Tag,

    in Vorbereitung auf eine Zwischenprüfung in Geschichte suche ich nach
    Literatur und vor allem nach Diskussionsansätzen zu folgender Frage:

    Sollte man oder sollte man nicht Mittelalter und Frühe Neuzeit als separate Geschichtsepochen betrachten?

    Ich suche Forschungsdiskussionen.

    Angriffspunkt: Gab es wirklich eine mediale Revolution (Buchdruck) die gemeinsam mit der Reformation einen neuen Epochenbegriff rechtfertigt?

    Oder wird dieser Bruch überbewertet?

    Ich wäre für Anregungen sehr dankbar.

    Kilian
     
  2. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Was ist mit dem Niedergang des Rittertums und dem Aufblühen der Städte? Zumindest ersteres ist mWn schon ein Umschwung von relativ kurzer Dauer.
     
  3. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Ob der Bruch überbewertet wird, ist eine anregende Frage; aber ich kann mir kaum vorstellen, daß dem so ist. Die Reformationsbewegungen profitierten sicherlich vom Buchdruck, der selbst eine einschneidende Veränderung ausgelöst haben dürfte und die man eher nicht unterschätzen sollte.
     
  4. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich erlaube mir, einmal noch drei Aspekte, welche in der Fachwelt gemeinhin Berücksichtigung finden, anzuführen:
    • (Wieder-)Entdeckung der Neuen Welt durch Columbus
    • Reconquista/Conquista
    • Übergang zwischen den Herrschern Maximilian I. und Karl V.
     
  5. Kaiser Wilhelm

    Kaiser Wilhelm Neues Mitglied

    Also ich habe den zweiten Abischwerpunkt "Monarchien der frühen Neuzeit". Dort wird auch darauf eingegangen. :winke:

    Punkte, die eine neue Epoche unter einem solchen Begriff rechtfertigen, wären:

    - das, was wir heuzutage Staat nennen, trägt früneuzeitliche Züge (Beginn mit dem Aufstieg der Fürstenstaaten und verschiedene Vorstellungen über ständische Repräsentationen [Parlament])
    - die Kirchen sind in dieser Phase als Konfessionskirchen entstanden
    - die Universitäten haben ihre Gestalt zu einem nicht geringen Teil in dieser Zeit ausgeprägt
    - unser Weltbild verdankt sich der Epoche (astronomisch, geographisch), ebenso unser Zeit- und Geschichtsbewusstsein
    - unsere Denkformen und Lebensweisen, unser Habitus und unsere Normen haben sich wesentlich in dieser Epoche herausgebildet

    MfG K.W.

    Quelle: "Monarchien in der frühen Neuzeit" Buchners Kolleg Themen Geschichte
    -
     
  6. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Die Schule um Karl Bosl hat die Ansicht vertreten, dass in der gängigen Epochengliederung der zeitliche Rahmen für das Mittelalter zu eng gefasst ist.

    Seine Gründe:

    "Es gibt sehr gute Gründe dafür, das "Mittelalter" als eine Form der Gesellschaft und Kultur erst mit dem Sieg der Aufklärung im 18. Jahrhundert auslaufen zu lassen; denn erst der Rationalismus, der Absolutismus und die Anfänge des industriellen Zeitalters haben die Grundstrukturen des Lebens der europäischen Völker, die "altständische Gesellschaft" aufgelöst, deren Wurzeln in den Anfängen des Mittelalters stecken. Wer etwa das Mittelalter mit dem Zerfall der kirchlichen Einheit in christliche Konfessionen beenden möchte, muss immerhin feststellen, dass die Reformation eine Intensivierung des religiösen Lebens und Erlebnisses brachte und dem Staat neue religiöse Aufgaben stellte, damit die Trennung von geistlichem und weltlichem Bereich sogar in den katholischen Staaten wieder überwiegend (Staatskirchentum); er muss auch feststellen, dass erst mit der Aufklärung eine Säkularisierung des Geistes einsetzte, die das Religiöse als bestimmende Kraft des öffentlichen Lebens außer Kraft zu setzen begann.
    Niemand kann das Wort "Mittelalter" nur als Epochenbezeichnung chronologischen Charakters für die Zeit etwa von 568 bis 1500 verwenden."


    Bosl, Karl: Europa im Mittelalter, neu herausgegeben von Georg Scheibelreiter, Darmstadt 2005.

    In der Tat ist es schwierig, Epochengrenzen zu ziehen. Für viele Zeitpunkte oder Zeiträume gibt es gute Gründe, doch deshalb, weil die Periodisierung etwas nachträgliches ist, wird man nie auf eine Lösung kommen, mit der alle Forscher einverstanden sind. Trotzdem ist eine Periodisierung notwendig, denn der historische Verlauf muss überschaubar gemacht werden. Im Idealfall gibt es dann eine Epoche, die einheitliche, charakteristische Merkmale aufweist.

    Das Problem am Streit um die Anfangs- und Endpunkte liegt darin begründet, dass die charakteristischen Merkmale einer Zeit nie alle auf einmal enden, sondern sich das menschliche Zusammenleben nach und nach wandelt. Und daraus ergibt sich auch, dass Wissenschaftler verschiedener Disziplinen auch verschiedene Zeitpunkte favorisieren. Archivare haben das Jahr 1500 als Übergang von Urkunden- zum Aktenzeitalter gewählt, weil dieser Aspekt für ihre Arbeit besonders wichtig ist. Militärhistoriker würden vielleicht als Epochengrenze das Auftreten von Sölnern (Condottieri) für wichtig halten, andere den Fall Konsantinopels 1453.

    Die Ansicht von Karl Bosl enthält meiner Meinung nach viele Punkte, worüber man nachdenken sollte. Trotzdem halte ich die momentane Einteilung für gut. Das hat zum einen den Grund, dass der ganze wissenschaftliche Betrieb seit Cellarius mit dieser Einteilung arbeitet, was in der Fachliteratur oder im Universitätsbetrieb tiefe Furchen hinterlassen hat. Die Forschung hat sich auf diese Dreiteilung mit ihren ungefähren Grenzen gut eingestellt und eine Diskussion darüber, jetzt das System umzuschmeißen, finde ich unfruchtbar. Zum anderen ist es in der Tat so, dass die Zeit um 1500 radikale Neuerungen brachte; einige wurden ja in diesem Pfad bereits genannt.
     

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