Erdbeben in Mitteldeutschland zu DDR-Zeiten?

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von Gast, 17. Februar 2010.

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  1. Gast

    Gast Gast

    Liebes Geschichtsforum-Team,

    wir behandeln in der Schule gerade das Thema "DDR". Unsere Lehrerin hat erzählt, dass es in Mitteldeutschland aufgrund des Raubbaus der DDR an Erdschätzen - im speziellen von Kali-Salzen - mehrfach zu unterirdischen Einbrüchen der Stollen kam. Diese haben dann oberirdisch Erdbeben ausgelöst, die eine ganze Stadt in Thüringen in Schutt und Asche gelegt haben soll (Deutschental oder so ähnlich).

    Auf genauere Nachfragen konnte unsere Lehrerin leider nicht antworten. Aber jetzt bin ich schon neugierig und wende mich an euch. Habt ihr nähere Informationen dazu?

    Spannendes Thema, oder? Vor allem bewegt mich als in Eisennach-Lebender (mit dem Kali-Abbau direkt vor der Haustür) eine Frage: Wäre das auch heute noch möglich? *bibber*

    Vielen Dank und viele Grüße,
    Martin
     
  2. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    "In Schutt und Asche" - oh man wer erzählt nur solchen Mist. Und natürlich "Raubbau der DDR an Bodenschätzen". Klar die gibts ja nicht mehr, auf die kann man alles schieben. Und genaues dazu sagen kann sie natürlich auch nicht.:autsch:

    Sie meinte wahrscheinlich den Gebirgsschlag von Völkershausen – Wikipedia. Wobei man dann sagen muß, das alles so beschädigt wurde, das nur noch ein Abriss in Frage kam.

    In Deutschland bebt es aber gar nicht mal so wenig. Und nicht nur in ehemaligen und aktuellen Bergbaugebieten. Es gibt da schon Gegenden, wo man gefährlicher lebt.
    Hier mal ein paar Links dazu:

    Planet Wissen - Erdbeben in Deutschland?
    Freiburg-Schwarzwald.de: Geologie, Bergbau und Bergwerke
    BNS - Erdbebenstation Bensberg

    Im letzteren sind auch die Beben des aktuellen Monats registriert und es gibt einen Katalog bis 1975.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Februar 2010
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  3. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Im MDR ist vor einiger Zeit glaube ich eine Dokumentation zu diesem Thema gelaufen. Die Grube ist aber nun Geschlossen.
    Zu der frage, kann das wieder passieren? Im Prinzip ja, aber ob das bald wieder vorkommt? Vor einiger Zeit kam es durch Kohle-abbau an der Saar zu Erdbeben. Im Steinkohlebergbau werden die Abbaustrecken normalerweise nicht mehr verfüllt, so das das Deckgebirge nachgibt. Kann theoretisch auch beim Salzbergbau oder Erzbergbau passieren. Hier bleibt aber von dem Gebirge (Abzubauendes Gut) etliches stehen, so das das Deckgebirge unter normalen umständen nicht einbricht.

    Apvar
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zu den Oberflächen-Schäden durch die Senkungen in der DDR kann ich nichts sagen, aber zu dem Vorgängen:

    Kali-Bergbau fand im Südharz in mehreren Hundert Meter Tiefe statt. Anders als etwa bei der Steinkohle wird Kali großflächig abgebaut, einige Gebiete unter Tage haben 20 - 40 km Ausdehnung.

    In den Großstollen werden beim Abbau "Stützpfeiler" stehen gelassen. Die Berechnung dieser Stützen orientiert sich an der Traglast, also das Deckgebirge über dem Abbau. Senkungen im Kali sind dabei normal - dazu werden spezielle Fahrzeuge eingesetzt, die quasi die Stollenhöhen durch Abtrag der Deckenschichten konstant halten.

    Das Verbleiben von stützender Masse ist ein Sicherheitsfaktor - zugleich ein Rentabilitätsfaktor, da das Material idR abbaubar wäre. Wird zuviel abgebaut, sind spontane Senkungen möglich. Ein solcher Vorfall ereignete sich 1987/88, wobei das Beben noch bis in die Frankfurter Hochhäuser spürbar war.


    Mit Aufgabe des Abbaus waren die Gruben bergrechtlich überwacht zu schließen - die Verwahrung. Die dabei vorgenommenen Verfüllungen sollten technisch so berechnet sein, dass Senkungen wie in Form der damaligen Unfälle nicht möglich sind. Langsame Senkungen/Setzungen, die aber Bergschäden an der GOK bewirken können, sind dennoch denkbar und werden - soweit ich weiss - durch die Bergämter laufend beobachtet.


    Wen das unter Tage interessiert, dem kann man das Erlebnisbergwerk „Glückauf“ in Sondershausen empfehlen.
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  5. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich glaube auch, da hat der Gast etwas falsch verstanden im Unterricht.
    Stolleneinbrüche gibt es doch überall, wo Bergbau betrieben wird.
    "In der DDR war das natürlich ein Erdbeben."
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Februar 2010
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das letzte schwere Erdbeben in Deutschland:
    In Staufen haben sie Erdwärmebohrungen "versucht" da hebt sich jetzt der Erdboden (ob sie wohl den Faust aufgeweckt haben=))
     
  7. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Auch woanders wurde das schon als Erdbeben bezeichnet.
    So z. B. auch hier:

    24. Februar 2008 Saarland: Erdbeben – 3600 Bergleute verlieren ihre Arbeit
    aber eben auch hier und zwar gleich mehrmals:

    Dezember 1985, März 1989 u. Oktober 2000: Unruhe im Vogtland
    Also gar kein so seltenes Ereignis.
    ;)

    Und übrigens: Bergbau ist irgendwie immer "Raubbau" an der Natur.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Februar 2010
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  8. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Naja, es hat dort schon ganz schön "gerumst". Und da sind nicht nur ein paar Stollen eingestürzt. 6,8 km² Abbaufläche sind schon "etwas" mehr. Und wer damals darüber wohnte,
    der fand das auch nicht so normal.
    Interessant aus deutsch-deutscher Sicht ist die Schuldzuweisung durch die DDR an die BRD.
    Gebirgsschlag-1989
    SÜDTHÜRINGER ZEITUNG | Das Beben wird zum Politikum

    Aber wie @Silesia schon geschrieben hat, es ist gar nicht so einfach Rentabilität und Sicherheit im Bergbau in Einklang zu bringen.
    Woran es nun ganz genau lag, weis man bis heute nicht 100 prozentig.
     
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  9. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Richtig.

    Und da gab es eben Unterschiede zwischen DDR und BRD - und das meinte die Lehrerin wohl mit "Raubbau" im Eingangsbeitrag.

    Letzten Sommer habe ich mir das Bergwerk Merkers angeschaut - sehr empfehlenswert.
    Das liegt ja nun an der ehemaligen Grenze, der Abbaubereich grenzt unmittelbar an den der westdeutschen Bergwerke in Philippsthal.

    In der Gruppe waren einige Bergleute bzw. Ingenieure, die in Hattorf (Philipptshal) bzw. Merkers gearbeitet hatten und da wurde sehr ausführlich über diese Stützmassen diskutiert.
    Es war wohl so, daß die früher üblichen Sicherheitsstandards zu DDR-Zeiten sukzessive zurückgefahren wurden - um eben mehr Material abbauen und den Plan erfüllen zu können.
    Und die Fachleute aus Ost und West waren sich einig, daß die in der Endphase des Abbaus üblichen Stützmassen gefährlich gering waren und das Risiko von Einbrüchen entsprechend groß.
     
  10. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Danke für die Links, das ist ja genau das Gebiet bei Merkers und dann war es wohl auch Völkershausen, über das die Kumpels bei der Besichtigung diskutiert haben.

    Wenn ich da lese:
    dann hat die Lehrerin im Prinzip wohl schon recht gehabt mit ihrer Darstellung.
     
  11. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Der Gast bezog sich wohl auf das hier und es scheint was dran zu sein:

    Teutschenthal – Wikipedia

    Der Ort liegt allerdings nicht in Thüringen, sondern in Sachsen-Anhalt, und er steht noch.
     
  12. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Dachte ich auch erst. Aber beides fand vor bzw. nach der DDR-Zeit statt.
    Wobei es bestimmt zu DDR-Zeiten auch kleinere Einbrüche gab.
    Aber wie du schon bemerktest - weder in Thüringen und von "Schutt und Asche" auch keine Spur.
     
  13. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Na ja gut, der Tagebau fing ja nicht kurz vor dem Beben in Teutschenthal an. Und das Beispiel von Völkersdorf zeigt ja ein gewisses Gefahrenpotential an.
     
  14. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Gestern abend rumorte es in der Nordsee 85 km westlich von Thysted. In Jütland war das Beben zu spüren, die dänischen Polizeitelefone kamen nicht mehr zur Ruhe. Wir waren eine Stunde vorher im nahen Esbjerg eingelaufen und haben an Bord nix bemerkt. 4,7 Richterskala reicht halt nicht für einen Tsunami. In Dänemark gibt es sowas eigentlich nicht, es war heute früh die Meldung des Tagen im dänischen Fernsehen.
     

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