Sepiola
Aktives Mitglied
Eigentlich passt das Thema nicht ganz in den Bereich "Historische Hilfswissenschaften", es soll aber als Kontrapunkt zum Thread Legenden - mündliche Überlieferungen - "wahrer Kern" dienen. Ich will auf einige konstruierte "Mythen" aufmerksam machen.
Das Muster geht so:
"Jahrhundertelang hielt man den Ort / die Geschichte X für eine literarische Fiktion / ein Märchen / einen Mythos. Doch dann wurde ein sensationeller Fund gemacht, und plötzlich war bewiesen: X hat es wirklich gegeben!"
Das populärste Beispiel dürfte Troja sein, die Erzählung lautet beispielsweise so:
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Dass es Troja (bzw. Ilion, das war der eigentliche Name der Stadt) tatsächlich gegeben hat, war eigentlich nie zweifelhaft. Schon lange vor Schliemann war das antike Ilion mit dem Trümmerhügel von Hisarlık identifiziert worden. Fraglich war, ob die noch älteren Vorgängersiedlungen bereits an derselben Stelle existierten oder ob (wie der antike Geograph Strabon berichtet) die Siedlung mehrmals verlegt wurde.
Ob es Achilles, Hektor und den zehnjährigen Trojanischen Krieg gegeben hat, ist heute genauso umstritten wie vor 200 Jahren.
Ein unter Bibelfundamentisten gerne kolportierter Mythos betrifft die Hethiter. Die Falschbehauptung, "Kritiker" hätten die Hethiter für eine komplette Erfindung gehalten, soll "beweisen", dass die Bibel immer recht hat. (O-Ton: "Außerdem glaubten Kritiker einmal, dass die biblischen Verweise auf die Hethiter völlig erfunden waren. Solche Leute mit so einem Namen hätte es nie gegeben. Nun wurde die nationale Bibliothek der Hethiter in der Türkei gefunden.")
Völlig erfunden sind lediglich die angeblichen Kritiker. Kein Wissenschaftler hat jemals die in der Bibel beiläufig erwähnten Hethiter für fiktiv gehalten. Man hielt sie allerdings für ein relativ unbedeutendes Volk, darauf schien eine Stelle in 1 Könige 9 ("Die Reste der Amoriter, Hetiter [...] hob Salomo als Fronarbeiter aus") hinzudeuten.
Meyers Konversationslexikon aus dem Jahr 1850 fasst den damaligen Kenntnisstand zusammen: "... kanaanitische Völkerschaft, welche die Israeliten in Palästina antrafen, wohnten in der Gegend von Hebron unter und neben den Amoritern, späterhin weiter nördlich in der Gegend von Bethel, von Salomo dienstpflichtig gemacht; doch gab es noch späterhin einen unabhängigen, monarchisch regierten hethit. Stamm"
Der Mythos von den für fiktiv gehaltenen Hethitern hat wohl auch außerhalb fundamentalistischer Zirkel eine gewisse Popularität erlangt. Aus dem obigen Link:
Das Muster geht so:
"Jahrhundertelang hielt man den Ort / die Geschichte X für eine literarische Fiktion / ein Märchen / einen Mythos. Doch dann wurde ein sensationeller Fund gemacht, und plötzlich war bewiesen: X hat es wirklich gegeben!"
Das populärste Beispiel dürfte Troja sein, die Erzählung lautet beispielsweise so:
Um das 8. Jahrhundert v. Chr. besang der griechische Dichter Homer in seiner „Ilias“ eine prächtige Stadt: Troja. Zehn Jahre lang, so die Dichtung, wurde sie belagert, nachdem ihr Prinz die Frau des spartanischen Königs geraubt hatte. In Homers Epos treten unsterbliche Helden wie Achilles und Hektor auf, die Götter mischen sich ein – und am Ende fällt die Stadt durch die List des Trojanischen Pferds. Über Jahrhunderte hinweg hielt man all das für reine Erzählkunst.
Doch in den 1870er-Jahren begann der deutsche Archäologe Heinrich Schliemann im heutigen Hisarlik in der Türkei zu graben – und legte die Reste einer befestigten Stadt frei, die mehrfach zerstört und wieder aufgebaut worden war (Bild). Spätere Ausgrabungen brachten zudem Funde und Spuren von Kämpfen ans Licht, die in die Zeit Homers passen. Troja hat es also tatsächlich gegeben – auch wenn vieles andere wohl im Reich der Mythen bleibt.
14 Mythen der Weltgeschichte, die durch archäologische Funde belegt wurden | loveexploring.com
Wenn Legenden auf Realität treffen: Archäologische Funde beweisen die Existenz von versunkenen Städten, geheimnisvollen Gräbern und antiken Computern.
Dass es Troja (bzw. Ilion, das war der eigentliche Name der Stadt) tatsächlich gegeben hat, war eigentlich nie zweifelhaft. Schon lange vor Schliemann war das antike Ilion mit dem Trümmerhügel von Hisarlık identifiziert worden. Fraglich war, ob die noch älteren Vorgängersiedlungen bereits an derselben Stelle existierten oder ob (wie der antike Geograph Strabon berichtet) die Siedlung mehrmals verlegt wurde.
Ob es Achilles, Hektor und den zehnjährigen Trojanischen Krieg gegeben hat, ist heute genauso umstritten wie vor 200 Jahren.
Ein unter Bibelfundamentisten gerne kolportierter Mythos betrifft die Hethiter. Die Falschbehauptung, "Kritiker" hätten die Hethiter für eine komplette Erfindung gehalten, soll "beweisen", dass die Bibel immer recht hat. (O-Ton: "Außerdem glaubten Kritiker einmal, dass die biblischen Verweise auf die Hethiter völlig erfunden waren. Solche Leute mit so einem Namen hätte es nie gegeben. Nun wurde die nationale Bibliothek der Hethiter in der Türkei gefunden.")
Völlig erfunden sind lediglich die angeblichen Kritiker. Kein Wissenschaftler hat jemals die in der Bibel beiläufig erwähnten Hethiter für fiktiv gehalten. Man hielt sie allerdings für ein relativ unbedeutendes Volk, darauf schien eine Stelle in 1 Könige 9 ("Die Reste der Amoriter, Hetiter [...] hob Salomo als Fronarbeiter aus") hinzudeuten.
Meyers Konversationslexikon aus dem Jahr 1850 fasst den damaligen Kenntnisstand zusammen: "... kanaanitische Völkerschaft, welche die Israeliten in Palästina antrafen, wohnten in der Gegend von Hebron unter und neben den Amoritern, späterhin weiter nördlich in der Gegend von Bethel, von Salomo dienstpflichtig gemacht; doch gab es noch späterhin einen unabhängigen, monarchisch regierten hethit. Stamm"
Das grosse Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände
books.google.de
Der Mythos von den für fiktiv gehaltenen Hethitern hat wohl auch außerhalb fundamentalistischer Zirkel eine gewisse Popularität erlangt. Aus dem obigen Link:
In alten Texten – vor allem in der Hebräischen Bibel, also dem, was im Christentum als Altes Testament bezeichnet wird – tauchen die Hethiter nur vage und am Rande auf. Lange vermuteten Historiker deshalb, es handle sich um eine biblische Ausschmückung ohne realen Hintergrund.
Das änderte sich erst im 19. und frühen 20. Jahrhundert: Archäologen entdeckten in Boğazköy, im heutigen Zentralanatolien, die Überreste von Hattusa – der Hauptstadt der Hethiter. Ab 1906 legte das Team um den deutschen Archäologen Hugo Winckler Tausende Keilschrifttafeln frei.