Erster Transatlantik-Nonstopflug vor 90 Jahren

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von pelzer, 27. Mai 2009.

  1. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Grüezi

    Vor 90 Jahren, am 14/15. Juni 1919, überquerte zum ersten mal ein Flugzeug den Atlantik. John Alcock und Arthur Whitten Brown flogen mit einer zweimotorigen Vickers Vimy von St. John’s (Neufundland) nach Clifden (Irland). :yes:

    Der Flug ging über knapp 3‘700km und dauerte gut 16 Stunden, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 230km/h ergibt. Die Landung ging dann beinahe schief, die Vimy machte einen Kopfstand.

    Diesen ersten Transatlantikflug finde ich deshalb besonders bemerkenswert, da er bloss 16 Jahre nach dem 16-Meter-Hüpfer von Orville Wright (1903) stattfand. Was der 1. Weltkrieg für einen Technologieschub auslöste?

    Dieser Transatlantikflug von Alcock und Brown ist leider etwas in Vergessenheit geraten; er steht im Schatten der Flüge der beiden Amerikaner Wright und Lindbergh.


    Gruss Pelzer



    .
     

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    Zuletzt bearbeitet: 27. Mai 2009
  2. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Zu diesem Thema habe ich da gerade etwas gefunden:
    Die AEG erhielt 1916 von der Inspektion der Fliegertruppe den Auftrag, zwei mehrmotorige Riesenflugzeuge zu bauen. Walter Rathenau und sein Mitarbeiter, der Ingenieur Brüggemann hatten schon vor dem Krieg Pläne verfolgt, ein Atlantikflugzeug zu bauen. Mit diesem Auftrage sahen sie ihre Chance und konstruierten den Bomber RI-R.21/16 so, dass er später für zivile Zwecke verwendet werden konnte.
    Das Flugzeug besaß innerhalb des Rumpfes vier Mercedes-D-IV-a Motoren mit jeweils 260 PS. Die beiden Propeller waren über Wellen mit diesen verbunden. Das sollte den Vorteil haben, dass die Motoren während des Fluges gewartet werden konnte. Die Spannweite betrug 36 Meter und das Abfluggewicht 12,7 Tonnen. An Kraftstoff konnten 2,4 Tonnen mitgenommen werden, was bei 120 km/h Reisegeschwindigkeit für 1600 km reichte. Wenn man auf alles verzichtete, war es möglich, noch eine Tonne Kraftstoff mehr mitzunehmen. Wären danach knapp 2200 km.
    Die Maschine erreichte jedoch nie einen Einsatz, da sich bei einem der Probeflüge ein Propeller löste und die gesamte Gelenkwelle ausriß und die Flügel dabei so beschädigte, das sie brachen und das Flugzeug aus 2000m Höhe abstürzte. Die sechsköpfige Besatzung mit Brüggemann fand dabei den Tod.
    AEG-RI.jpg
     
  3. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Diese 230 km/h stellen mich ein wenig vor ein Rätsel. Regulär flog die Maschine eine Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h. Das halten die Motoren allerdings nicht lange durch. Die Reisegeschwindigkeit wird sicher so 120 - 130 km/h betragen haben. Wieso war das Ding über den Atlantik um 100 km/h schneller?
    Hatten die beiden Briten einen harten Rückenwind über die gesamte Reise hinweg? Haben sie mit diesem gerechnet? Oder sind die einfach nur auf Glück losgeflogen und hatten... na ja einen Sechser im Lotto?

    Vor einigen Wochen sah ich eine Reportage, in der mit einer nachgebauten Vickers Vimy in Etappen die Strecke England-Australien geflogen wurde. Dabei hatten sie über Italien einen derartigen Gegenwind, dass die Maschine quasi rückwärts flog. Sie mussten zusehen, dass sie irgendwo landen konnten, um nicht aufs Mittelmeer abgetrieben zu werden.
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Ich denke mal Rückenwind.
    Die vorherrschenden Westwinde waren ja auch das Problem in umgekehrter Richtung.
     
  5. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ja, bleibt nur der Wind. Dann müsste man aber sagen, es war kein reiner Motorflug, sondern ein gesteuertes Treibenlassen. Die beiden Briten brauchten, ein wenig überspitzt formuliert, nur dafür zu sorgen, lange genug in der Luft zu bleiben, bis sie nach Irland geweht wurden.
    Bleibt das Risiko, dass der Wind nicht kontinuierlich über die gesamte Strecke in einer brauchbaren Stärke vorhanden ist. Da wäre ja ein Ballon schon fast sicherer.
     
  6. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Grüezi

    Ich habe mal nachgeschaut: Der Lindbergh brauchte 1927 für seinen 5‘800km Flug 33,5 Stunden.

    Ich denke Alcock und Brown brauchte nicht 16 Stunden, sonder 1 Tag plus 16 Stunden, also 40 Stunden. Das ergäbe dann eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gut 90km/h. Das scheint mir eher realistisch.
    :autsch:


    Gruss Pelzer


    .
     
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  7. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ich glaube, Deine ersten Angaben stimmten. Es kann nur ein mörder Rückenwind gewesen sein. Den haben die aus irgendwelchen Erfahrungswerten mit einberechnet und alles andere war Glück. Treibstoff für einen derart langen Flug hätten die gar nicht mit nach oben bekommen. Die Vimy wog 3,2 Tonnen und hatte ein Startgewicht von knapp 5,7 Tonnen. Sie hätten also ca. 2 Tonnen Treibstoff mitnehmen können. Für Mannschaft, Motoröl und den anderen Kram rechne ich die andere halbe Tonne. 2000 kg Treibstoff durch 16 Stunden sind 125 kg pro Stunde. Auf eine Gesamtmotorleistung von 540 kW ist das ein Verbrauch von 230 g pro kW in der Stunde. So sparsam liefen die Motoren damals nicht, da muss also jemand von hinten mächtig geschoben haben.
    Die Spirit of St. Louis hatte 1700 kg Treibstoff an Bord und nur einen 166 kW Motor. Aber die war auch von Anfang an auf diesen einen Flug getrimmt.
     
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