Eselsgraben

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Mäusezahn, 13. November 2009.

  1. Mäusezahn

    Mäusezahn Neues Mitglied

    Hallo,
    habe das Forum zufällig entdeckt auf der Suche nach mehr Info über ein Thema, von dem ich gestern einen Vortrag gehört hatte.
    Es geht um einen Eselsgraben, der hier in der Waldsassener Gegend ist. Ein Wall (Höhe nur etwa 1m) mit Graben daneben, also Erde ausgehoben und daneben Wall gemacht, mit einer Gesamtbreite von etwa 4 m.
    Die Länge des Ganzen beträgt etwa 18 km. Teilweise noch gut zu sehen, teilweise schon eingeebnet.
    Der Eselsgraben geht paralell zur tschechischen Grenze, hat aber Richtung Waldsassener Grenzübergang im Bereich Kappel eine "Luke".
    Sieht auf der Karte aus wie eine Torluke. Keiner hat aber einen blassen Schimmer, was es eigentlich soll.
    Für einen Verteidigungswall ist es eigentlich zu klein, auch wenn man weiß, dass vor solchen Wällen oft noch Dornenhecken gepflanzt wurden um Eidnringlinge abzuhalten.
    Es gibt auch keine Anzeichen für einen Palisadenzaun. Letztes Jahr wurde dazu eine Querschnittsgrabung durchgeführt und 3 Bodenproben genommen. In jeder wurde Holzkohle gefunden mit der Datierung 2000 Jahre alt.
    Die Grabenseite zeigt direkt nach Böhmen.
    Hat irgendjemand dazu Wissen?
    Es soll ja viele Eselsgraben geben, aber nirgends gibt es scheinbar Literatur dazu. Nicht einmal der Referent gestern konnte etwas dazu in Erfahrung bringen.
    Man weiß nur, dass durch diese Luke 3 wichtige Handelsstraßen führten. Brauchte man dazu eine "Zollstelle"?
    Waren hier vor 2000 Jahren die Kelten ansässig und auf der anderen Seite slawische Völker vielleicht?
    Dazu wäre aber auch die Grenze etwas kurz.
    Würde mich sehr über Antworten freuen. Interessiert mich nämlich schon, da ich hier wohne und das Ganze unwissentlich vor der Nase habe.
    Gruß
    Christine
     
  2. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Wieso ?
    1 m Grabentiefe + 1 m Wallhöhe = 2 m
     
  3. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Einst vermutlich noch größer, wenn man noch die Erosion und die Setzung berücksichtigt. Die Wälle der Legionslager waren nicht größer.

    Klingt nach alter Landwehr.
     
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

    "Akte Eselsgräben" bleibt vorerst ungelöst

    Die These, die Gräben seien als Weg für Viehtrieb angelegt worden, wurde nicht bestätigt. Möglicherweise könnten es herrschaftliche Grenzanlagen gewesen sein. Fähnrich gestand am Ende, dass er das Geheimnis noch nicht lüften konnte.

    Hilfe erhofft er sich nun von der Otnant-Gesellschaft für Geschichte und Kultur. Christian Malzer, Student aus Regensburg, arbeitet in diesem Projekt der Euregio Egrensis mit GPS-System und interdisziplinären Verfahren, die flächendeckende archäologische Darstellungen ermöglichen. Auch der Auswurf wird nun erneut analysiert.

    "Akte Eselsgräben" bleibt vorerst ungelöst . Stadt Weiden - Oberpfalznetz

    Da ist wohl noch einiges aufzuarbeiten zumal es wohl an historischen Untersuchungen gebricht.
    Haus der Bayerischen Geschichte - Klöster in Bayern : Waldsassen

    Interessant auch:
    64-Jähriger muss wegen nicht genehmigter Grabung bei Waldsassen 500 Euro Geldbuße zahlen
    ...
    Um die Bedeutung der Grenzgräben um Waldsassen tobt seit längerem ein Streit der Forscher. Zwei Gräben - einer sechs Kilometer lang im Norden von Waldsassen und einer sieben Kilometer lang östlich der Klosterstadt, gelten als Grenzgräben und heißen seit jeher "Eselsgraben". Der Heimatforscher aber untersuchte den 1,2 Kilometer langen "Häckllohe"-Graben drei Kilometer entfernt und war sich sicher, nichts zu finden. "In jedem Hohlweg sind mehr Bodenfunde möglich als in so einem Grenzgraben."

    Heimatforscher beißt auf Granit . Kreis Tirschenreuth - Oberpfalznetz
     
  5. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Eben, und ein Landgraben (Landwehr) sollte kein unüberwindliches Bollwerk im Verteidigungsfall sein. Hauptsächlich sollte verhindert werden dass räuberisches Gesindel eindringt und z.B. Vieh wegtreibt, oder benachbarte Herrschaften mal eben die Grenze ändern.
    Die Stadt Aachen hatte in späten Mittelalter auch einen kompletten Ring rund um das ganze Territorium, bestehend aus Graben und Wall mit Buchenhecke.
     
  6. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

  7. Mäusezahn

    Mäusezahn Neues Mitglied

    Hallo,
    danke für das rege antworten. Unser Wall ist leider nicht so groß, wie der von megatrend angezeigt. Aber ich denke, 1 m etwa reicht um Vieh und irgendwelche Karren nicht darüber zu bekommen.
    Man vermutet auch, dass diese Anlage evtl. dazu da war, um vorbeiziehende leichter ausrauben zu können. Würde den seltsamen Grenzverlauf mit einer Furt erklären.
    Genaues weiß man aber noch nicht. Dazu müßten mehr Ausgrabungen gemacht werden und das kostet natürlich Geld, das für die Oberpfalz sowieso nicht da ist.
    Gestern war ich sogar deswegen bei uns im Museum. Die Ausstellunge umfaßte sogar steinzeitliche Funde: Speerspitzen, Beile usw. Ich wußte zwar, dass bei uns vor etwa 1000 Jahren z.B. viel Eisenverhüttung war (direkt in unserem Wald) aber das sogar zur Steinzeit schon etwas los war?!
    Bin sehr erstaunt. Es ist ja sonst nicht gerade viel los hier. Aber geschichtlich und geologisch schon.
    Christine
     
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Jetzt war ich der Meinung, die Anlage würde den Kelten zugeordnet.
    Das heißt, ich war mir sogar sicher.
    Hast Du näheres?
     
  9. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Ja, der Wall wird den Kelten zugeschrieben. Ganz in der Nähe ist ja das keltische Oppidum, das als Doppel-Oppidum (Altenburg / Rheinau) zu verstehen ist. Soviel ich informiert bin, ist man dort wieder am graben.
     
  10. chase carver

    chase carver Neues Mitglied

    Hallo Leute,

    den Beschreibungen nach würde ich beim Eselsgraben auch eine frühneuzeitliche Landwehr vermuten. Allein aufgrund der Länge von mehreren Kilometern und der einfachen Beschaffenheit, nach den Grabungen dieses Hobby-Archäologen die Mercy in seinem Post erwähnt, war es ja nie mehr als ein einfacher Wall ohne irgenwelche Verstärkungen.

    Den Wall bei Jestetten/Altenburg hingegen kenne ich aus eigener Anschauung, das ist etwas ganz anderes. Sowohl von der Zeitstellung wie auch vom Zweck her. Hier wurde eine Rheinschlaufe auf der sich eine latenè-zeitliche Siedlung befand zur Landseite hin abgeriegelt. Dieser Verteidigungswall ist nur ein paar hundert Meter lang aber dafür heute noch bis 5 m hoch und hatte auf der Feindseite auch eine Verstärkung aus Steinschichtungen und Eichenbohlen:

    http://www.abload.de/img/jestettenbohn.jpg

    Viele Grüße
     
  11. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Ich würde mich deiner Meinung anschließen, da soweit ich das verstanden habe, die Datierung über die Schnitte des Hobby "Archäologen" ist wohl aufgrund von fehlenden Funden nicht möglich, ob z.B. eine Probe für die C-14 Datierung genommen wurde ist ebenfalls unbekannt , würde ich m.E. eine vorgeschichtliche Zeitstellung eher ausschließen wollen.
    Es gibt gerade bei solchen Strukturen eine Tendenz solche Denkmäler den Kelten zu zu schreiben, meistens liegt man damit aber völlig daneben.

    Ein Foto, Karte des Walls und des Wallverlaufs wären sehr hilfreich für die Interpretation.
     

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