europäische Sprachen und Dialektkontinuum

Dieses Thema im Forum "Historische Hilfswissenschaften mit Genealogie" wurde erstellt von Angrivarier, 28. Juli 2008.

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  1. Nee, ganz Europa ist eigentlich ein Dialektkontinuum mit verschiedenen Hauptsprachen. Natürlich versteht man als Sprecher z.B. des Niederdeutschen auch Holländer und Flamen. Das funktioniert, auch ansatzweise dänisch oder schwedisch kann der Norddeutsche noch verstehen, Schweizerdeutsch wirkt dagegen wie eine Exotensprache. Ich fahre öfter nach England und bis an die Fähre brauche ich keinen Dolmetscher, dat geiht schon. Uns als Norddeutscher kann man selbst Englisch noch ansatzweise (hier liegt die Betonung auf "ansatzweise") verstehen. Mit Ungarisch wird es wohl schwieriger sein, kann ich auch nicht, Baltic brachte das Thema auf den Trinkspruch, ich verwende im Gespräch mit Ungarn immer Gulasch, geht auch.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28. Juli 2008
  2. Tekker

    Tekker Gast

    Nochmal "nee", es gibt in Europa diverse Dialektkontinua, es ist mitnichten ein einziges! :winke:
     

  3. Schwierig, ich habe mal gelesen, dass wenn man vom Nordkap bis nach Gibraltar wandern würde, sich jedes Nachbardorf verständigen könnte. Quelle müsste ich suchen.:winke:
     
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Nicht wenn man dabei politische Grenzen oder geographische Hürden nimmt. Von Rödby nach Puttgarten/Fehmarn ist schon ein Bruch oder über die Pyrenäen ins Baskenland.
     
  5. Tekker

    Tekker Gast

    Definitiv nein. Quelle hab ich nicht, ist so. :fs:

    "Politische" Grenzen hier ins Spiel zu bringen, halte ich für sehr unglücklich, daran macht es sich nicht (unbedingt) fest. Sprachgrenzen sind hier das entscheidende Kriterium. :schau:
     
  6. Geht angeblich trotzdem, ich suche nach einer Quelle. Aber nehmen wir die Pyrenäen, Okzitanisch und Katalan sind sich sehr ähnlich.
     
  7. Tekker

    Tekker Gast

    Argh! Lies dir doch erstmal die Grundlagen durch. :S
     
  8. Also das bezweifle ich es.

    Gehe ich über die Grenze von Österreich nach Slowenien, habe ich schon ziemliche Schwierigkeiten mich zu vertändigen (selbst mit meinen Bulgarisch-Kenntnissen). Für den Steirer ist das noch schwerer.
    Das gleich mit dem Burgenländer, der ziemliche Schwierigkeiten mit den Ungarn haben wird.

    Ich würde eher sagen, das sich aus Dialekten in Sprachgruppen Sprachen entwickelt haben BSP.: Slawisch - S-Slawisch - Serbisch

    Unter diesen Sprachgruppen ist es durchaus möglich, andere als Eingeborener zu verstehen.

    Wenn aber zwei "Dialekte" verschiedener Sprachgruppen aufeinandertreffen, wird es sehr schwer:

    BSP.:
    Germanisches Deutsch - Slawisches Slowenisch

    Und treffen dann zwei Zweige aufeinander, wird es unmöglich

    Indo-Europäisches Germanisches Deutsch - Finno-Ugrisches Ugisches Ungarisch.

    Manchmal ist es vorteilhaft, zwei Sprachgruppen zu beherrschen BSP.

    Ich habe mal Italienisch gelernt, und kann mithilfe dieser Kenntnisse und meinen Bulgarisch Kenntnissen durchaus ein wenig Rumänisch verstehen.
     
  9. Nunja, wir haben einen Linguisten auf Deck, dessen Meinung füge ich mich gern, bevor ich mich wikipedia unterwerfe

    Übrigens

    "Je größer die Distanz zwischen den Orten wird, umso größer werden die Unterschiede und entsprechend die Kommunikation schwieriger, bis ab einer gewissen örtlichen Distanz gar keine Kommunikation auf basilektaler Basis mehr möglich ist. Verfügen solche Dialekte aber über eine gemeinsame Dachsprache, spricht man dennoch meist nicht von Sprachen, sondern von Dialekten. Sprecher, die der Dachsprache mächtig sind, leben in einer sprachlichen Situation, die man als Diglossie bezeichnet. Dialektgebiete sind Teil eines Dialektkontinuums, die sich durch geographische Isolation und damit Ausprägung der örtlichen Kommunikation entwickelt haben. (Man vergleiche auch den verwandten, aber nicht identischen Begriff Dialektcluster.)"

    Deine Quelle, also wikipedia

    Dann subsumiere das mal
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28. Juli 2008
  10. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Vielleicht war das vor 100-150 Jahren noch möglich als dörfliche Nachbarschaften noch wichtiger waren als Landesgrenzen, an Gebirgen und Meeren war aber trotzdem Schluß.
     
  11. Korrekt, durch die weitere Ausbildung der Haupt/Dach - Sprachen wird sich die Situation nicht eben verbessert haben.
     
  12. Tekker

    Tekker Gast

    Argh!!!!!!!!!!!!!!! Ich bekomm hier gleich n Herzkasper!!! :motz:

    Macht euch doch mal bitte vertraut damit, was ein Dialektkontinuum ist! Innerhalb dessen funktioniert das von euch gesagte, aber an der Kontinuumsgrenze ist Schluß! Das ist dann eine echte Sprachgrenze, hier irgendwelche sonstwie willkürlichen politischen Grenzen mit hineinzurühren, ist völliger Unsinn!!!!!!!!! :motz:

    Leute, denkt an mein Herz!!! :weinen:
     
  13. Tekker

    Tekker Gast

    Das ist wieder ein anderes Problem / Phänomen innerhalb eines Kontinuums. :rolleyes: :hmpf:
     
  14. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Als theoretischen Ansatz finde ich es aber logisch. Ohne Staatsgrenzen ohne Fernseh- Rundfunkprogramme in Staatssprachen dürften sich die Sprachen von Nachbarn nie so weit auseinander entwickelt haben, dass eine Verständigung nicht mehr möglich ist, denn dann hätte Sprache ihre Funktion verloren.
     
  15. Sprache ist zwar zur Verständigung da, wird aber auch für die Identifikation und die Selbst-Identifikation gebraucht.

    BSP.:

    Ein Ungar ist kein Ungar, wenn er nicht ungarisch spricht.
     
  16. Ich widerspreche entschieden, auch ohne Herzkasper. Nein, es mag scharfe Sprachgrenzen gegeben haben, im dörflichen Bereich haben diese sich auch wieder gelöst und das gilt für Slawen, Germanen und Romanen. Nehmen wir schlesisch oder (Rest)kaschubisch als Beispiele. An den Grenzen der Völker ensteht ein sprachübergreifendes Kontinuum, eine Mischform.

    @Sergej

    ging nicht an dich, sondern wer einen wikipedia Artikel gelesen hat, kann diesen auch zitieren. Das ging in Richtung Ostsee.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28. Juli 2008
  17. Dann müsste es an der burgenländisch-ungarischen Grenze einen "Dialekt" namens "Germanougrisch" geben. Gibt es aber nicht. Einige sind dann klar ZWEI Sprachig, also die Sprechen Ungarisch UND Deutsch und umgekehrt.

    Außerdem:

    "Slawe" kommt von "Slowo" = Wort
    slawisch "Deutsch"="Nemeci" = Taubstumm

    Das heißt, die Slawen selbst haben sich "Die Sprechenden" genannt, während sie die Germanischen Nachbarn "Die Stummen" genannt haben. Das ist ein super Beispiel dafür.

    Die einzige Mischform, ist das Slowenische, in dem sie nicht "Da" sagen (für Ja) sondern Ja, und dsa Papierwarengeschäft heißt nicht "hartinica" wie im bulgarischen, sondern "papirnica". Das kommt aber von der kuk-Monarchie.
     
  18. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Praktisch ist das jedoch nicht so. In Gebieten früher Sprachentwicklung (Neu-Guinea, Kaukasus, Westafrika,...) sprechen eng benachbarte Gruppen recht unterschiedliche Sprachen. Für den Handel u.s.w. wird dann oft eine lingua franca benutzt. Diese Leute sind also meist zwei- oder dreisprachig (Wie man das bei Holländern und Skandinaviern auch findet...)


    http://www.ethnologue.com/maps/WRLD_ETH.jpg
     
  19. Genau DAS meine ich.
     
  20. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter


    Wir sollten vielleicht Neu-Guinea nicht einfach nach Europa eingemeinden.
     

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