Expansion des Islam

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von Karl Martell, 5. Dezember 2007.

Schlagworte:
  1. Karl Martell

    Karl Martell Neues Mitglied

    Hallo liebe Geschichtsfreunde,
    kann mir bitte jemand sagen, wann das hl. Land (Israel) von den Arabern besetzt wurde, und ob und wenn überhaupt wieder von Christen (Oder vielleicht Juden) zurückerobert worden ist?
    Danke:
    Karl Martell :grübel::grübel::grübel:
     
  2. Die_Schweigende

    Die_Schweigende Neues Mitglied

    Hallo :)

    Das Land Israel gab es damals noch nicht. Im Zuge der Islamischen Expansionsbewegung (Futuh) drangen die arabischen Truppen 638 (ich habe in einem anderen Buch allerdings das Jahr 636 gefunden) nach Jerusalem vor.

    Während des 1. Kreuzzugs unter Papst Urban II wurde Jerusalem 1099 eingenommen, es kam zur Gründung des lateinischen Königreiches, dessen erster König Balduin I wurde.

    1187 gelang es Saladin, die Stadt zurückzuerobern. 1191, während des 3. Kreuzzugs unter Papst Clemens III, schlossen die Kreuzritter einen Vertrag mit Saladin, der ihnen freien Zugang zu Jerusalem gewährte.

    Während des 5. Kreuzzugs (1217-1221) erlangte Friedrich II die Herrschaft über Jerusalem durch einen Vertrag.

    Mit dem Fall von Akko im Jahr 1291 wurde dem "Lateinischen Königreich von Jerusalem" durch die mameluckische Offensive schließlich ein Ende gesetzt.

    Evtl. gibt es hier Leute, die Genaueres wissen :)

    LG
    Die_Schweigende
     
  3. Karl Martell

    Karl Martell Neues Mitglied

    Danke. Was war nach dem Fall von Akko???
     
  4. Die_Schweigende

    Die_Schweigende Neues Mitglied

    Nach dem Fall von Akkon (so muss es richtig heißen - bitte entschuldige den Tippfehler) stand Jerusalem unter der Herrschaft der muslimischen Mameluken.
     
  5. Karl Martell

    Karl Martell Neues Mitglied

    Vielen Dank. Ich bin sehr hartnäckig - was war denn dann immerhin ist es heute doch nicht mehr muslimisch???:yes::grübel:
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2007
  6. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    hier für dich Fast-Food-Geschichtsfan:

    5000 Jahre Naher Osten in 90 Sekunden:


    Imperial History
     
  7. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Oh, hab ich jetzt erst gesehen - ich muß da leider eine kleine Korrektur anbringen:

    Das "Lateinische Kaiserreich" war ein Reich das 1204 nach der Zerschlagung des Byzantinischen Reiches in Konstantinopel durch die Kreuzfahrer gegründet wurde.

    Das Königreich, das 1100 in Palästina gegründet wurde hieß "Königreich Jerusalem".

    Verwirrend dabei:
    Balduin I., der erste König von Jerusalem (1100-1118),
    Kreuzfahrerstaaten - Wikipedia

    Balduin von Flandern und Hennegau, als Balduin I. Kaiser des Lateinischen Kaiserreiches von 1204-1205
    Rom nach 395
    ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Dezember 2007
  8. Die_Schweigende

    Die_Schweigende Neues Mitglied

    Dankeschön :)

    Da war wohl auch mein Professor leicht verwirrt, als er seine Vorlesung gab *g*
     
  9. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Da mein Post zum Treadthema wie die Faust aufs Auge passt, poste ich's mal hier, auch wenn der Threadersteller ein wenig anderes erfragte.

    Drauf gekommen bin ich auch durch diesen Thread:
    http://www.geschichtsforum.de/f231/...-geist-und-macht-18867/index2.html#post297141

    Deshalb hier nun mal eine gute Erläuterung, wie die Araber so schnell expandieren konnten, ob sie die Religion des Islam mit "Feuer und Schwert" verbreiteten, und andere Themen.

    Den vollständigen Text des Kapitels im Anhang. Hier nur einige Auszüge aus dem empfehlenswerten Buch:

    Rainer Beck (Hrsg.): Streifzüge durch das Mittelalter - ein historisches Lesebuch. München 1991. (Beck’sche Reihe: 380) ISBN 3–406–33135–1


    "Prof. Albrecht Noth

    (Albrecht Noth, geb. 1937, war Professor für Islamwissenschaft und Arabistik am Seminar für Geschichte und Kultur des Vorderen Orients an der Universität Hamburg.)

    Die arabisch-islamische Expansion

    (futuh = Eroberung/en)

    Als charakteristisch für die arabisch-islamische Expan-
    sion sind immer wieder ihre ungewöhnliche Schnellig-
    keit ebenso wie ihre anscheinend unaufhaltsame Stetig-
    keit hervorgehoben worden. Schon ein kurzer Blick auf
    die – übrigens nicht immer ganz sichere – Chronologie
    der wichtigsten Resultate muslimischer Eroberungstä-
    tigkeit ist allerdings beeindruckend: ..."

    "Es ist verständlich, daß man sich immer wieder um
    Erklärungsmodelle für diese frappierend schnellen und
    weiträumigen Eroberungs-Erfolge der Muslime im er-
    sten islamischen Jahrhundert bemüht hat. Diese Suche
    nach den Ursachen hat m. E. bisher vor allem zweierlei
    ergeben
    : Zum einen sind alle Deutungsversuche wenig
    überzeugend, die die Rolle des Islam als neue Lebens-
    und (in weitestem Sinne) politische Ordnungsform da-
    bei minimieren
    oder als Faktor gar ausklammern wol-
    len, zum anderen wird man sich von eher monokausa-
    len Erklärungen weg auf die Annahme und in vielem
    noch zu leistende Erforschung einer – alles andere als
    unkomplizierten – Polykausalität hin zu bewegen ha-
    ben. […]"

    "Wenn wir die muslimische Seite der ersten futūh-Er-
    folge betrachten, so erscheint zunächst als wesentlicher
    Faktor die Tatsache, daß es […] offenbar gelang, tribale
    Gruppen in den Randzonen für eine – zunächst wohl
    nur als lokal und zeitlich begrenzt gedachte – Zusam-
    menarbeit zu gewinnen, für gemeinsame Aktionen also,
    deren Ziele nicht genau festgelegt waren, die aber den
    miteinander Verbündeten aufgrund der wechselseitigen
    Stärkung erfolgversprechend erschienen (und ja auch er-
    folgreich waren) und bei denen muslimischerseits das
    Bekenntnis der Partner zum Islam nicht unbedingt als
    Voraussetzung für die Zusammenarbeit verlangt wur-
    de. "

    "... lassen bereits in den Anfängen eine Verhaltensweise der Eroberer er-
    kennen, die außerordentlich weitreichende Konsequen-
    zen haben sollte : ihre Bereitschaft (und Fähigkeit) zum
    Kompromiß und Arrangement. Eine muslimische Öku-
    mene – so läßt sich hier schon generalisierend feststel-
    len – ist wesentlich durch Vereinbarungen und Verträge
    zustandegekommen und nicht durch eine praktizierte
    Missionskriegs-Mentalität."


    "... In dieser Situation war es nun von höchster Bedeu-
    tung, daß die allmählich vordringenden Muslime von
    der eingesessenen Bevölkerung in den Provinzen der
    Großreiche durchweg Unterwerfung, nicht aber Konver-
    sion zum Islam verlangten ; zwar erging muslimischer-
    seits in der Regel eine Aufforderung zur Islam-Annahme
    (da‘wa), aber die Konsequenzen einer Ablehnung waren
    nun eben nicht muslimische Versuche, einen Religions-
    wechsel mit kriegerischen Mitteln zu erzwingen. ..."

    "Es entwickelte sich die für die muslimischen Eroberungen
    so typische und für ihren Erfolg so entscheidende Ver-
    tragspraxis der Eroberer, der bei aller Verschiedenheit
    der Abmachungen das einfache Schema zugrundelag :
    Die Muslime erhalten Abgaben (eben : ğizya) – ihre Ver-
    tragspartner erhalten Schutz
    (dimma), dies bei wechsel-
    seitiger Abhängigkeit der Konditionen. […]
    Die Muslime auf der Basis derartiger Verträge, die
    wohl fast durchweg schriftlich fixiert worden sind, als
    neue Oberherren zu akzeptieren, fiel großen Teilen
    der betroffenen Bevölkerung offensichtlich nicht allzu
    schwer, ..."

    "... Die ausgehandelten Abgaben dürften des öfteren niedriger als die
    vordem abzuführenden Steuern gewesen sein; ..."

    "Wesentlicher aber war
    die muslimische Schutzgarantie für die freie Religions-
    ausübung, eine Garantie, an die sich die Eroberer fast
    durchweg strikt hielten, auf Einschränkungen nur dort
    insistierten, wo die praktische Ausübung des Fremdkul-
    tus der eigenen Religionspraxis störend oder belästigend
    in den Weg trat. Religionsfreiheit hatte aus den eben ge-
    nannten Gründen für viele der von der muslimischen
    Eroberung betroffenen Untertanen der beiden zentrali-
    stischen Großreiche bis dato nicht bestanden, der Herr-
    schaftswechsel brachte somit in einem wesentlichen Be-
    reich erhebliche Vorteile, ja die muslimischen Eroberer
    wurden mitunter regelrecht als Befreier begrüßt.
    […]

    Die muslimische Vertragsbereitschaft und Vertrags-
    praxis, legitimiert durch prophetische Präzedenz und
    göttliche Offenbarung, darf man als die entscheidende
    Basis betrachten
    , auf der die futūh überhaupt erst mög-
    lich wurden. […]"

    "... »Ein Buddha-Tempel ist (ja schließlich) nichts anderes
    als die Gotteshäuser der Christen und Juden und die
    Feuer-Heiligtümer der Zoroastrier (magűs).« ..."

    "... Auch erforder-
    te gelegentlicher Vertragsbruch von seiten der unter-
    worfenen Nicht-Muslime kriegerische Interventionen.
    Doch es konnte eben auch sehr häufig auf den Einsatz
    kriegerischer Mittel verzichtet werden, zumal nachdem
    die überraschend günstigen Unterwerfungs-Konditio-
    nen zunehmend mehr bekannt geworden waren und
    sich die Tatsache herumgesprochen hatte, daß sich die
    Muslime in der Regel an ihre Vereinbarungen hielten.
    ..."

    Wie gesagt, weitere Ausführungen in dem Text im Anhang hier unten.

    Cheers und LG lynxxx.
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 18. Januar 2008
  10. Mulan

    Mulan Neues Mitglied

    ... somit wird klar gesagt, dass in der Regel die islamische Expansion nicht missionarisch erfolgte. Muslimische Heere haben Länder erobert zur Gebietvergrößerung, nicht aber die Leute zwangsbekehrt. Es dürfte den Herrschern auch gar nicht so sehr daran gelegen gewesen sein, da dann die erwähnte "Kopfsteuer" (djizya) entfallen wäre pro Person. die Mär vom Verbreiten des Islam mit Feuer und schwert ist uralt und sehr hartnäckig. Dabei ist dies analog zum Begriff "Heiliger Krieg" tatsächlich eine Erfindung der christlichen Eroberer bzw. des damaligen Papstes (deus volet, sanctum bellum ...). Mal von Krisen und einzelnen ungerechten Herrschern abgesehen, erging es den Leuten, z.B. auch den Juden, in muslimischen Reichen i.d.R. besser als im christlichen Herrschaftsgebiet. Eine Ursache ist das islamische Toleranzgebot, sofern der Islam nicht missbraucht wurde, was in der Geschichte hin und wieder vorkam - aber eben nicht die Regel war und nicht typisch.

    By the way: War Carl Martell nun der Retter des Abendlandes vor den Sarazenen - oder war er ein Kirchenräuber, der zum Helden stilisiert wurde, weil er gegen die Araber vorging, auch wenn diese eigentlich noch längere Zeit dort siedelten d.h. nicht vertrieben wurden, wie man meinen könnte?

    ciao!
    Mulan
     
  11. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Ich denke, er war trotzdem der Feldherr, der die Franken vor der Unterwerfung durch die Araber bewahrte, denn eine Fremdherrschaft ist und bleibt immer eine Fremdherrschaft, gleichgültig, wie tolerant die Eroberer gegenüber der Bevölkerung sind.
    ;)

    Lese zum Thema auch hier: http://www.geschichtsforum.de/f36/d...ours-und-poiters-11204/index5.html#post280804

    oder auch hier: http://www.geschichtsforum.de/f37/karl-martell-retter-des-abendlandes-4365/
    ff
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. März 2008
  12. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

     
  13. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Auch wenn es unbestritten ein Kennzeichen vieler islamischer Großreiche war, gegenüber Juden und Christen tolerant zu sein (hierzu nur die kurze Anmerkung, daß es aber stets auch Zeiten der Intoleranz gab), sollten wir dies andererseits aber auch nicht insofern als nebensächlich abtun, wenn es die angesprochenen Krisen und einzelnen Herrscher betrifft - wobei dies in konkreten Fällen durchaus auch an Dynastien (z.B. Seldschuken) und/oder Kurswechseln bei Dynastien (z.B. Fatimiden) festgemacht werden kann.
    Siehe dazu bspw. folgende Thematik:
    http://www.geschichtsforum.de/157368-post8.html
    http://www.geschichtsforum.de/158107-post15.html
    http://www.geschichtsforum.de/158811-post71.html

    So löblich es ist, mit einer verbreiteten Mär aufzuräumen (was ich auch ausdrücklich unterstütze), so ist es doch unpassend, eine andere Mär ungefiltert wiederzugeben: Kontexte wie bspw. die Entwicklung der Lehre vom gerechten Krieg u. dgl. können wir nur aus der Zeit heraus verstehen, d.h., wenn wir es eben nicht an heutigen Maßstäben messen.
    Siehe dazu http://www.geschichtsforum.de/117013-post36.html

    Auf jeden Fall war er ein fränkischer Majordomus: karl_martell_hausmeier_+_741
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. März 2008
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Prosperität der jüdischen Gemeinden, z.B. entlang des Rheins, spricht durchaus auch für Toleranz im christlichen Europa bis zum Vorabend der Kreuzzüge, also etwa 1100.
     
  15. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Da fällt mir gerade eine Frage ein:
    Warum sollten wir eigentlich annehmen, daß diebezüglich absichtlich Falschmeldungen ("Mären") verbreitet oder gar Propaganda betrieben wurde?
    Es ist zwar richtig, daß es der Bevölkerung auf der spanischen Halbinsel nach der Eroberung durch die Araber sogar besser ging, als vorher, aber bei ihren Kriegszügen auf fränkisches Gebiet gingen sie vor allem plündernd und brandschatzend vor. Dies könnte den Arabern vor allem den Ruf verschafft haben, sie würden den Islam auf grausame Weise - also mit "Feuer und Schwert" - verbreiten. Solchen Kriegsscharen traut man dann verständlicher Weise auch Änderung zum Guten zu.
    Könnte das nicht auch damit zu tun haben?
     
  16. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Genau dieser Aspekt, wieviel nun Propaganda und wieviel tatsächlich Realität war, ist hierbei nebensächlich; und genau das meinte ich mit dem Hinweis auf das zeitliche Verständnis...
    Die Sichtweise der westeuropäischen Christen läßt sich für jene Zeit etwa wie folgt umreißen: wo der Glaube bedroht ist, weil Gläubige durch Ungläubige unterworfen und damit unterdrückt werden, kann es weder Recht noch Ordnung und Sicherheit geben.
    Anm.: Aus ebendiesem Grund hatte ich doch diesen früheren Beitrag von mir verlinkt...
     
  17. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hi,
    abgesehen davon, dass wir die Diskussion schon mehrfach hatten, möchte ich doch alle bitten, sich den Text oben runterzuladen und durchzulesen und zur Kenntnis zu nehmen.

    Eine der christlichen Missionierung ähnliche Praxis gab es in der Regel in der islamischen Geschichte nicht. Das ist erst ein Phänomen der Moderne (z.B. Ahmadiyya).
    Mission - Lexikon
    Kurz gesagt: Es gab die "Einladung" zum Islam, auch durch das eigene vorbildliche Leben, und wenn nicht, dann eben nicht.

    Wenn man von islamischer Eroberung spricht, sollte man aufpassen, dass man es nicht mit "christlicher Eroberung" gleichsetzt. (Und die Mär der sog. Verbreitung durch "Feuer und Schwert" meint die Verbreitung der Religion. Das die Eroberungskriege blutig waren ist logisch)
    Es handelt sich nämlich in der Regel nicht um die Verbreitung der Religion, sondern um die Verbreitung der Herrschaft. Das ist der große Unterschied, wenn man es verkürzen möchte.
    Letztlich waren z.B. die Eroberungen der Osmanen auf dem Balkan ganz gewöhnliche Territorialkriege, so wie sie ständig innerhalb Europas abliefen. Es wurden sogar staatliche Bündnisse abgeschlossen, auch zwischen Muslimen und Christen. Ja, die Osmanen z.B. traten erst aufgrund des Hilferufs der Byzantiner auf den europäischen Kontinent über - um mal ein Beispiel zu nennen. Andere "Hilferufe" sind Legion, da die freie Religionsausübung anscheinend damals für viele wichtiger war, als an wen sie nun Steuern zahlen müssen.
    Man sollte nicht heutige Vorstellungen auf damals projizieren, wie die Menschen damals dachten, etc.

    Nochmals:
    Prof. Gudrun Krämer:

    "Die Bevölkerung der eroberten Gebiete (in den Grenzgebieten z.T. arabische Schutztruppen, ansonsten zahlreiche heterodoxe christliche Gemeinschaften) erwartete von den muslimischen Eroberern vielfach eine Verbesserung ihrer Lage; ihre Unterstützung (Information, Logistik, Technik, z.B. bei Flottenbau und Belagerungstechnik) erleichterte den Muslimen weitere Vorstöße.

    Die Muslime führten keine Missionskriege: Ihnen ging es um die Ausbreitung der Herrschaft des Islam, nicht um eine Bekehrung von Nichtmuslimen “mit Feuer und Schwert“. Sie gingen im wesentlichen pragmatisch-flexibel vor und übernahmen insbesondere in Verwaltung und Steuerwesen zunächst die bestehenden Strukturen. Häufig machten sie der Bevölkerung nach dem Aufruf, zum Islam überzutreten (da'wa), ein Angebot: Schutz von Leib, Leben, Besitz und (wenn auch räumlich eingeschränkter) Religionsausübung gegen spezifizierte, variable Abgaben (dschizya gemäß Koran 9,29).
    "
    aus:
    http://userpage.fu-berlin.de/~islamwi/Ausbreitung_des_Islam_03_04.pdf

    Dasselbe steht oben in meinem Post auch schon.

    Hier noch zwei Links, die ich anscheinend nicht oft genug posten kann:
    Heinz Halm: Artikel "Islam und Staatsgewalt"
    Artikel von Dr. Lorenz Korn: "Auf dem Wege Gottes"

    Und zum Abschluss noch ne Anmerkung.

    Ich finde es gut Pauschalisierungen entgegenzutreten und um Differenziertheit sich zu bemühen.

    Aber wenn man schon mal etwas auf einen Satz herunterbrechen will, z.B. generell war die religiöse Toleranz unter dem Islam hoch, oder generell führten die Muslime keine Missionskriege, dann verstehe ich nicht, wie einige hier in jedem Thread immer wieder "gebetsmühlenhaft" betonen müssen, dass es diesen und jenen islamischen Herrscher gab, der Gräuel verursachte, dass es diese und jene Zeit z.B. im christl. Mittelalter gab, die von großer Toleranz gekennzeichnet war, und so weiter.

    Das bestreitet niemand, zumindest ich nicht, aber es kommt mir immer so vor, wie gerade in dem Österreich-Thread, wo der Gedenktag des Anschlusses diskutiert wird, und an die Täter erinnert wird, aber einige Kommentatoren in Österreich den österreichischen Widerstand ins Bewusstsein schieben wollen, und einige Kommentatoren es immer wieder tun, und damit den Eindruck erwecken, dass dort eine Gewichtung entsteht, die so nicht die Lage vor 70 Jahren wiederspiegelt.

    So erscheint mir auch das Engagement einiger um Differenziertheit bezüglich des Islam oder der nahöstlichen Geschichte besorgten Mitglieder, einen wettbewerbsartigen Charakter zu bekommen, in dem das Pauschalurteil jedesmal mit einem "aber" versehen wird. Dieses "aber" in Erinnerung zu rufen ist durchaus legitim, aber manchmal erscheint mir dieses "aber" eher als "ABER".
    Versteht ihr?
    Ein Gast, der hier mitliest, und keine genaueren Kenntnisse des Orients hätte, könnte dann vielleicht den Eindruck haben: "naja, soooo tolerant waren dann ja wohl die Muslime auch nicht, und waren eigentlich genauso wie die Christen damals." Der tatsächliche qualitative Unterschied wird ihm dann vielleicht nicht deutlich.
    Das wäre dann so, als wenn er die österreichischen Betonungen auf den Widerstand gegen die Nazis liest, und sich beruhigt zurücklehnen könnte und sich selber sagt: "Naja, sooo böse waren wir Ösis dann ja doch nicht..."

    So komisch das Beispiel auch sein mag, ich hoffe ihr versteht, was ich damit ausdrücken möchte?
    Es geht mir um die Gewichtungen, die sich in meinem persönlichem Eindruck manchmal so zu verschieben scheinen, dass ich denke, dass kaum jemand die Fachleute liest, die ich hier seit mehr als einem Jahr zitiere, und man sich allein auf die Propyläen Weltgeschichte von 1964 zurückzieht.

    Ansonsten trinke ich erstmal einen Kaffee... :fs: :D
    Aloha, LG lynxxx
     
  18. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Frühe Arabisch-Islamische Expansion

    Hi,
    in der Zeit der Völkerwanderung geht man ja davon aus, dass die germanischen "Völker" in den vom Römischen Reich eroberten Gebieten, d.h. in ihren eigenen "Reichen" nicht mehr als 2 - max 5% der Bevölkerung stellten, gerade Mal die obere Oberschichte ablösten. Aber wie war das zu Zeiten der frühen arabischen Expansion? Ich meine gelesen zu haben das zumindest in Syrien eine stattliche arabische Minderheit lebte, die die neuen Herren unterstütze. Aber was die übrigen Länder anging, Persien, Ägypten etc. werden die Araber doch auf eine vollkommen "fremde" Bevölkerung gestoßen sein.
    Jetzt kann man im Falle der Germanen den Germanisierungsgrad der "normalen" Bevölkerung als relativ niedrig einschätzen, verständlich bei den geringen Zahlen, vor allem da die meisten "Völker" aus verschiedensten Stammesverbänden bestanden. Aber wie war das im Falle der Araber? Wie hoch kann man den "Arabisierungsgrad" der Bevölkerung in den eroberten Ländern einschätzen?
     
  19. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

  20. hyokkose

    hyokkose Gast

    Die Fragestellung finde ich doch recht interessant. Eroberer, die keine (aus Sicht der Unterworfenen) "überlegene" Zivilisation mitbringen und zahlenmäßig nur eine kleine Schicht darstellen, passen sich zumindest in der Sprache nach ein paar Generationen normalerweise der Mehrheit an, so war es ja auch in allen germanischen Staaten mit romanischer Bevölkerungsmehrheit.

    Kann es sein, daß der Koran - der ja nur in arabischer Sprache sakrosankt war, Übersetzungen können bis heute keine adäquate Gültigkeit beanspruchen - eine derart starke Wirkung gehabt hat, daß die unterworfene Bevölkerung sich dazu veranlaßt sah, Arabisch zu lernen?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 3. September 2008

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