Facharbeit über Bismarck

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von CaroP1995, 13. November 2012.

  1. CaroP1995

    CaroP1995 Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    ich arbeite zur Zeit an meiner Facharbeit über Bismarck und sein Wirken im deutschen Reich mit dem Ziel die Frage "War Bismarck Held oder Dämon der deutschen Geschichte?" beantworten zu können.

    Habe zwar schon einiges im Internet gefunden, aber vielleicht habt ihr ja noch ein paar Tipps für mich.

    Über reichlich Antwort würde ich mich freuen... :winke:

    Liebe Grüße :heart:
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Wieso wird eine Fragestellung gewählt, die nur ein Denken in polarisierenden Kategorien zuläßt.

    In diesem Sinne war Bismarck weder ein Held noch ein Dämon. Er war ein Politiker, der unter den Zwängen der damaligen politischen Konstellation pragmatisch gehandelt hat.

    Relevanter für die Analyse ist es, diese strukturellen Voraussetzungen zu beschreiben und den Handlungsspielraum zu erkennen.

    Dieses auch vor dem Hintergrund der Positionen der anderen Akteure, deren Ziele Bismarck berücksichtigen mußte.

    Im Ergebnis wirst Du dann einen pragmatische Politiker herausarbeiten können, der im konkreten historischen Kontext bestimmte politische Positionen bevorzugt hat und sie geschickt durchsetzen konnte.

    Das hat aber auch gar nichts mit Helden oder Dämonen zu tun!
     
  3. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Bismarcks Ziel als preußischer Ministerpräsident war es Deutschland unter der Führung Preußens zu vereinen. Diese Einigung musste seiner Meinung nach als ostelbischer Junker „von oben“ durch Beschluss verwirklicht werden. Bismarck spielte virtuos auf der Klaviatur des die Deutsche verbindenden Nationalgefühls beim Krieg gegen Frankreich uns setzte so die Gründung des Deutschen Reichs ins Werk. Das war in jeder Beziehung eine Meisterleistung erster Klasse, denn allein die anderen europäischen Großmächte fernzuhalten, will heißen eine Einmischung nicht zustande kommen zu lassen, legt eindrucksvoll Zeugnis von Bismarcks überragendes diplomatisches Können ab.
    Im Kaiserreich war er Reichskanzler und die kommenden fast zwanzig Jahre durch eine intelligente, ja fast schon kunstvolle Außenpolitik das neu gegründete Reich im Konzert der europäischen Großmächte zu etablieren und seinen Bestand zu sichern. Hier sind Bismarck sicher bedeutende Verdienste zu bescheinigen und er war auf dem diplomatischen Parkett sicher eine der überragenden Figuren des 19.Jarhunderts.
    Innenpolitischen agierte Bismarck weniger klug. Er war durch und durch konservativ und war bestrebt die Monarchie mit allen und jeden Mitteln gegen liberale, demokratische und sozialistische Strömungen brutal zu verteidigen. So versäumte er es beispielsweise schlicht, die durch die Industrialisierung erfolgten gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen. So musste Bismarck im Kulturkampf gegen den politischen Katholizismus ebenso eine Niederlage schlucken, wie letztlich im Kampf gegen die SPD, die er versuchte mit den Sozialistengesetzt als Staatsfeinde einzustufen und zu vernichten. Von großer Bedeutung war sicher die Einführung der Sozialgesetze.
    Insofern komme ich zu dem Befund, dass Bismarck weder ein Held noch ein Dämon war. Die Wahrheit liegt je nach Sichtweise irgendwo anders.
     
  4. Wilbury

    Wilbury Neues Mitglied

    Könnte absichtlich so provokant gewählt worden sein, um die Notwendigkeit der Differenzierung herauszustellen....;-)

    Wie fast immer im Leben, so gibt es auch hier nicht nur schwarz und weiß. Turgot hat in seinem kurzen, sehr treffenden Abriss die wichtigsten Eckpunkte der Figur Bismarck wiedergegeben. Schon in diesem kurzen Text wird deutlich, dass man die Person Bismarck nicht mit ein, zwei Schlagworten charakterisieren kann - schon gar nicht mit "entweder Held oder Dämon". Vielleicht war er beides - vielleicht aber auch nichts davon.

    Er genoss als Reichsgründer zweifelsohne ein hohes Ansehen und verstand es durch sein geschicktes außenpolitisches Taktieren, dem Dt. Reich zunächst überhaupt erst eine internationale Akzeptanz unter den "etablierten Nationalstaaten" zu verschaffen. Das von ihm maßgeblich mit beeinflusste (wenngleich mit den Jahren immer fragiler werdende) Bündnissystem sicherte den Fortbestand des Reiches - von daher darf man hier vielleicht von einer "Heldentat" sprechen, wenn man denn mit solchen Ausdrücken arbeiten möchte.

    Innenpolitisch gab es aber u. a. die von Turgot angeführten Versäumnisse, bzw. die fehlende Erkenntnis, dass sich die Gesellschaft in einem Umbruch befand. Die Sozialgesetzgebung, die man Bismarck gemeinhin gern als Pluspunkt auf die Fahne schreibt, entstand nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern war als ein Instument gedacht, um den Sozialdemokraten den Wind aus den Segeln zu nehmen, was Bismarck später auch unumwunden zugab. Dieser Schuss ging bekanntlich nach hinten los. Er war ganz sicher kein Freund der Demokratie und hegte mehrfach Staatsstreichpläne, um die "alte Ordnung" wieder herzustellen. So gesehen geht die Beurteilung seiner Person also eher in Richtung "Dämon", was verdeutlicht, dass man gut daran tut, das Bismarck'sche Wirken insgesamt sehr differenziert zu betrachten.
    Nach Bismarck's Tod überwog in Deutschland jedoch die Tendenz, ihn als "Helden" zu stilisieren, was nicht zuletzt u. a. durch die zahlreichen Denkmäler und die zum großen Teil heute noch existierenden sog. Bismarcktürme ihren Ausdruck fand. Eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit dem Wirken Bismarcks kam m. W. erst ab den 1970er Jahren auf (die Experten hier mögen mich korrigieren, falls ich da irren sollte).
     
  5. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Facharbeitsthemen für Schüler werden häufig etwas provokativ gestellt. Erstens ist der Zugang dann öfters etwas leichter (immerhin kann der Schüler schonmal in zwei Richtungen nachforschen: Warum kann man ihn negativ sehen, warum positiv) und zweitens ist durchaus klar, dass das Urteil "weder noch" oder "sowohl als auch" ausfallen kann. Ich denke nicht, dass eine solche Themenstellung nur "ein Denken in polarisierenden Kategorien zuläßt".
     

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