Fachwerkhaus im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Nergal, 2. September 2013.

Schlagworte:
  1. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Ich suche Informationen zu den städtischen Fachwerkhäusern wie sie im 14Jh. im Bereich des heutigen Deutschland gebaut wurden.

    Ich weiß dass die meisten unten ein Ergeschoss aus Stein hatten, und der Fachwerkbau darüber hinausging.

    Fragen dazu:
    Wie dick waren etwa die Wände des aus Stein gemauerten Ergeschosses, und was für Räume befanden sich dort?

    Die höheren Stockwerke waren ja der eigentliche Fachwerkbau, wie sah es darin aus, konnte man das Gefach, das Fachwerk in den Zimmern erkennen oder war das Alles verpuzt?

    Welche Räume befanden sich für gewöhnlich in den oberen Stockwerken, und wurden diese beheizt(wie?)?

    Mit welchem Material waren die Häuser üblicherweise gedeckt?


    Ich hoffe da kann mir wer helfen, zu eben diesen Fragen findet man nicht viel.
     
  2. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Im Fachwerkbau kommt es neben der Entstehungszeit sehr stark auch auf die Region an. Norddeutsche Fachwerkbauten unterscheiden sich erheblich von denen in Mitteldeutschland und beide unterscheiden sich erheblich von der Bauweise in Süddeutschland.
    Nicht nur was die Konstruktionsweise und die verwendeten Materialien angeht (z.B. für die Ausfachung oder das Dach), sondern auch was die Ausgestaltung angeht, sind die Unterschiede groß.

    Um also näheres zu erfahren, solltest du Zeit und Region näher benennen.

    Für Süddeutschland im 14.Jh. kann ich folgendes sagen (aus der hohlen Hand):
    Das Fachwerk war zu dieser Zeit in der Regel noch nicht gezapft sondern geplattet, die Dächer waren seltener mit Stroh, häufiger mit dünnen Schieferplatten gedeckt, im 14. Jh. kamen aber immer mehr Dachziegel auf.

    In Stadthäusern, in denen z.B. eine Gaststätte war, befand sich diese in aller Regel im 1. Stock. Im Parterre waren die Wirtschaftsräume.
    War es ein rein privates Haus, so residierte meist der Hausherr im ersten Stock (oft erkennbar an der reicheren Ausgestaltung des Fachwerks - immer dort ist die "gute Stube" zu verorten). Unten ebenfalls die Wirtschaftsräume, in den oberen Stockwerken entweder Mietwohnungen/Mietzimmer oder Räume für Personal (sofern vorhanden)

    Ob die Wände im Inneren verputzt oder das Fachwerk offen lag, dazu kann ich nun nichts Konkretes sagen, denke aber das hing vom Geldbeutel/Ansehen des Besitzers ab. In Dörfern/Vorstädten und in Stadtrandlage waren die Häuser insgesamt eher schmucklos. In den Städten an wichtigen Plätzen (Hauptstraße, Marktplatz, Haupttor, etc.) standen die großen Bürgerhäuser, oft mit teurer Ausstattung und viel Schmuck und Pomp. Da könnte ich mir vorstellen, dass die Wände mit irgendetwas verputzt oder beklebt waren. Das ist aber reine Spekulation
     
  3. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Ein Innenputz, kann die Diffusionsdurchlässigkeit eine Wand nachteilig beeinflussen, was z.B. dazu führen kann, daß dadurch ein Tauwasseranfall in der Wand stattfindet, was die Wand nachhaltig schädigt und auch die Wärmedämmung bzw. die Wirkung der Materialien der Wand wirkungslos werden lässt.

    Ich denke, mit den damaligen Werkstoffen und Verfahren kannten sich die Handwerker sehr gut aus, nicht umsonst wird auf diese alte Verfahren im ökologischen Hausbau heute zurückgegriffen.
     
  4. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Ich prezisiere dann mal die Frage denn das mit den straken Unterschieden je Region war mir nicht wircklich bewußt.
    Also ich interessiere mich für die Region um Köln, 14jh., Fragen wie oben.

    Wieso?
    Nun ich habe nun endlich etwas gefunden das mir modelltechnisch gut gefällt und bei mir Daheim nicht die halbe Wohnung einnimmt: Ein kurzer Straßenzug aus dem 14 Jh.
    vier Häuser samt einem kleinen Seitendurchgang, in der rückwärtigen Hälfte einsehbar, davor reges Straßenleben, samt Bettlern und Händlern, im Eck dann ein kleiner Brunnen mit fließendem Wasser (Bondic soll mir das ermöglichen) wo eine Frau einen Krug befüllt, dazu noch allerlei Getier. Die Türen und Fenster sollen beweglich sein, und alles mit LED Beleuchtung(für Nachtszenen).

    Wichtig ist mir also ob ich das Erdgeschoss aus Styrodur schneiden kann, und ob das verkleidete Gefach aus Polyurethan zwischen echtem Holz möglich ist (Wanddicke, Verkleidung).
     
  5. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

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  6. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    heutige Putze ja. Damals wurde - wenn überhaupt - vermutlich mit Schlämmkreide, Kalkputzen etc. gearbeitet. Die sind ausreichend diffusionsdurchlässig.
    Die Gefachungen wurden ja in jedem Fall verputzt, innen wie außen.

    Ich kann mir bei einem Bürgerhaus innen ehrlich gesagt keine rohen Wände vorstellen, die waren sicherlich in irgendeiner Art "verschönert".

    @Nergal

    Gerade die Region um Köln hatte eine ganz eigene Bautradition im Fachwerkbau. Da kann es sein, dass das, was ich dir genannt habe, nicht zutreffend ist. Aber das müsste für Köln eigentlich ganz gut dokumentiert sein. Geh doch mal in die städtischen Büchereien - Stichwort Heimatkunde
     
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  7. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt


    Die Frage ist, in wie weit in der damaligen Zeit der Aspekt, der Schönheit vor der Nutzbarkeit gerückt ist. Vor allem im Vergleich auf die Epochen bzw. Jahrhunderte ... aber da kenn ich mich nicht aus und überlasse anderen Wissenden das Feld ... ich denke immer Praktisch, so nach dem Motto, sogar der IKEA Katalog könnte im Notfall etwas Wärme spenden, so im Ofen zum Holz ... :D
     
  8. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Nein, ich bin kein Kölner sondern Ösi.
    Ich wollte halt was mit Fachwerken haben, und Ö hat in dieser Periode leider nichts davon.
     
  9. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Lass dich nicht verrückt machen ... das Fachwerkhaus ansich ist in seiner Struktur, Aufbau und Gefachung nicht wirklich unterschiedlich ...

    Nur die Materialien unterscheiden sich, bis aufs Fachwerk, daß war in aller Regel aus Holz ... Ausfachung und auch das Dach können sich von Region zu Region ändern, da gibt es ein Nord Südgefälle ...

    Aber ein Fachwerkhaus aus Köln oder aus Reutlingen oder aus Quedlinburg oder aus Schwerin oder aus sonst wo in Deutschland oder Mitteleuropa hat gewisse Grundzüge, die sich gleich sind, je nach Epoche ...
     
  10. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Guuuut! Was kann man nun zum Erdgeschoss sagen, wie dich war da die Mauer in etwa?
    Ich habe ja ein paar Bilder gefunden (Aussenansichten) aber sonst nichts dazu.
     
  11. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Siehe Buchtipp ... oder meinst Du wir sind hier ein Lexikon? :pfeif:

    Und wenn Du Fragen beantwortest haben möchtest, solltest Du dein Thema in eine Diskussion verpacken, aber nicht so ...
     
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  12. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Man kann ja auch mal mit der Verwaltung eines repräsentativen Fachwerkhauses Kontakt aufnehmen.
    Mir fällt da so ad hoc der Ort Stolberg/Harz ein und im speziellen die „Alte Münze“.
    Wenn nicht selbst, zumindest kennen die in der Regel Leute, die sich mit Deinen Fragen vom Fundament bis zum Dach genausten auskennen.
     
  13. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ein Erdgeschoss aus Stein (oder Backstein) ist eigentlich schon ein ziemlicher Luxus und im Mittelalter keineswegs die Regel. Die Meisten Häuser hatten nur ein Fundament aus Feldsteinen oder behauenen Steinen.

    Bei Häusern, die eine gemauertes Erdgeschoss hatten, kann man von Wandstärken zwischen 38 und 72 cm ausgehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. September 2013
  14. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Hier mal zur Untersetzung was Bdaian schreibt:

    Fachwerkhaus Stolberg-Harz.jpg
     
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  15. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Wie alt ist das Haus?
     
  16. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Guckst Du hier:

    è Klick.
     
  17. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Habe mir antiquarisch ein altes Buch über Franken besorgt, dort sind Abbildungen von Fachwerkhäusern, nur das Jahrhundert ist nicht angegeben.
    Werde das ganze dann zu bauen beginnen und nach dem es fertig ist bewerten lassen ob sich Anachronismen eingeschlichen haben.
     

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