failing States in der Antike

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Simse1984, 28. Juli 2014.

  1. Simse1984

    Simse1984 Neues Mitglied

    :winke:Hallo Geschichts-Freunde,

    ich möchte im Rahmen eines Seminars eine Hausarbeit über "failing states in der Antike" schreiben. Vielleicht Anhand eines Fallbeispiels o.Ä.

    Ich habe große Probleme bei der Beschaffung der Literatur.

    1-2 Bücher habe ich schon, vielleicht bekomme ich dadurch ja weitere Hinweise auf Literatur, oder hier im Forum ist jemand aktiv :)

    Über Eure Hilfe würde ich mich sehr freuen. Auch in welche Richting die Hausarbeit gehen soll.Vielleicht ein paar kleien Tipps von erfahrenden Schreibern :D Umfang ca. 10 Seiten.

    Gruß :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juli 2014
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Bei Gescheiterten Staaten handelt es sich um Staatsversagen unabhängig von der Staats- und Wirtschaftsform oder der Staatsstruktur. Rechtssicherheit, soziale und staatliche Institutionen sowie die Wohlfahrt sind zusammengebrochen. - So ist ungefähr die moderne Definition. Aber auf welchen antiken Staat könnte das zutreffen, vor allem auf einen, über den es wenigstens einige aussagekräftige Quellen gibt?

    Mir fällt dazu als erstes das Römische Reich in seiner letzten Phase ein, also der Spätanike. Da brechen aus unterschiedlichen Gründen die staatlichen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen zusammen. Zu diesem Phänomen gibt es überaus reichhaltige Literatur, die sich leicht im Internet finden lässt.

    Darüber hinaus gibt es kaum antike Staaten im Bereich Europa/Mittelmeer, auf die der Begriff "Failing States" zutreffen würde. Die Eroberung durch einen anderen Staat ist in diesem Zusammenhang nicht gemeint, sondern es geht vielmehr um eine staatliche Implosion. Insofern scheiden z.B. Karthago oder die Etrusker aus. Auch das antike Persien, d.h. das Reich der Achämeniden, kommt da nicht infrage. Eher könnte man schon einen Diadochenstaat wie das Reich der Seleukiden nennen.

    Aber wirklich treffend ist das alles nicht, da die Struktur moderner Staaten erheblich von der antiker Staaten abweicht und somit auch die Definition des Gescheiterten Staates nur bedingt auf einen antiken Staat zutrifft.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juli 2014
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Grundsätzlich bin ich schon der Ansicht, dass man auch für die Antike von "Gescheiterten Staaten" sprechen kann. Klar, ein staatliches Sozialversicherungssystem und eine staatlich organisierte Müllentsorgung im heutigen Sinne hatten sie nicht gerade, aber das hatten die heutigen "Gescheiterten Staaten" vor ihrem Scheitern auch nicht unbedingt. In erster Linie geht es darum, dass es keine funktionierende Regierung mehr gibt oder sie zumindest keine Kontrolle mehr über den Großteil des Landes ausüben kann und daher weder in der Lage ist, ihre Autorität geltend zu machen, noch für Recht und Ordnung und die Sicherheit der Bürger zu sorgen, sodass diese nicht mehr in der Lage sind, in halbwegs gesichertem Rahmen zu leben und für ihre Bedürfnisse zu sorgen. Dafür gibt es durchaus Beispiele in der Antike. Mit Literatur dürfte es aber eher schlecht aussehen.

    Ein weniger bekanntes Beispiel wäre z. B. Mauretanien, nachdem König Ptolemaios auf einem Staatsbesuch in Rom auf Befehl von Kaiser Caligula getötet worden war. Mauretanien versank im Chaos, als Aedemon, ein Freigelassener von Ptolemaios, für seinen Herrn Rache an den Römern nehmen wollte, ihm aber nur ein Teil der Bevölkerung folgen wollte. Es herrschte bald völlige Anarchie, bis die Römer intervenierten und das Land zur Provinz machten. Ich fürchte allerdings, viel mehr als ein paar Zeilen vor allem bei Cassius Dio dürfte es darüber nicht geben.

    Als "Gescheiterten Staat" kann man aber wohl auch das Seleukidenreich in seinen letzten Jahrzehnten bezeichnen, als es bereits auf Syrien und Teile Kilikiens zusammengeschrumpft war und mitunter von bis zu einem halben Dutzend Seleukidenkönigen gleichzeitig "regiert" wurde, die sich erbittert bekämpften, während diverse Lokalfürsten ihre eigenen Süppchen kochten und die Araber und sonstige Nachbarn einfielen. Dazu sollte sich vermutlich in der einschlägigen Literatur über die Seleukiden etwas finden.

    Im Grunde genommen könnte man wohl auch das Alexanderreich nach dem Tod Alexanders des Großen als "Gescheiterten Staat" bezeichnen: Formal wurde noch bis 305 an der Aufrechterhaltung der Reichseinheit festgehalten, aber faktisch hatten die Reichverweser, geschweige denn die Könige, nie die Kontrolle über sämtliche Satrapien, deren Satrapen wie Regionalfürsten und Warlords agierten, eigene Truppen unterhielten und anwarben und gegeneinander und die Reichsverweser kämpften. Mittendrin dann auch noch marodierende Truppenverbände, die entweder auf eigene Faust nach Hause ziehen wollten oder sich dem Meistbietenden anboten. Über diese Zeit sollte sich leicht genügend finden lassen.
     

Diese Seite empfehlen