Familie im Wandel (Aufklärung)

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von MrHist0ry, 21. Januar 2011.

Schlagworte:
  1. MrHist0ry

    MrHist0ry Neues Mitglied

    Hey ho!

    Ich wollte in der Schule eine GFS über das Thema Aufklärung und speziell dazu die Familie im Wandel machen.
    Ich stehe jetzt allerdings vor dem Problem, dass ich keine näheren Informationen zum besagten Thema finden kann.

    Das Problem wäre nicht die Aufklärung^^ sondern vielmehr der Familienaspekt.

    Ich wäre euch sehr dankbar wenn ihr mir einige Stichpunkte/Links oder vll auch Bücher zu dem Thema habt.
    Eventuelle kann man auch den Aspekt der Erziehung mit einbringen?


    Vielen Dank schonmal im Vorraus für eure Unterstützung :winke:
     
  2. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Kannst du das Thema noch ändern?
    Wenn es möglich ist, tu es.

    Was hast du dir denn von dem Thema versprochen, als du es dir ausgesucht hast? Hast du etwa davon geträumt, dass durch die ersten aufkommenden aufklärerischen Gedanken gleich das bisherige Leben über Bord geworfen und ein "Neues" vor Freude schluchzend an die Brust gedrückt wurde?

    Das Thema ist unglaublich schwierig zu bearbeiten, denn was willst du "wissenschaftlich" darüber schreiben? Ich glaube, dass man hier nur schwammig Ahnungen anbringen kann.

    Welche Gegend/ welches Land möchtest du betrachten? Frankreich oder HRR oder England ...?

    Bei dem Betrachtungszeitraum würde ich mich schwer tun. Ist es besser einen kurzen Zeitraum oder einen extrem langen betrachten?
    Ich würde den gesamten Zeitraum wohl zu Rate ziehen, weil die Aufklärung ein langer Prozess war.

    Ich stelle mir gerade parallel den Humanismus vor das geistige Auge.
    Ist durch den jeder Mensch ein guter Mensch geworden? Wohl kaum.
    Was ich dadurch verdeutlichen möchte ist, dass nicht jeder auf die Aufklärung "angesprungen" ist.
    Ist die Aufklärung überhaupt bei jedem angekommen?
    a) im "gedruckten" Sinne und damit durch eventuelle Weitererzählung "unverfälscht"
    b) im geistigen Sinne

    Welche Gedanken beinhaltete die Aufklärung überhaupt? - Staatstheorien, philosophische Fragen, ...
    Welchen Bildungsstand setzte sie dadurch voraus, damit sie verstanden werden konnte, damit man mit ihr richtig! umgehen konnte?

    Es wird klar, dass ein Großteil der Bevölkerung (einfache Handwerker, Händler, Landbevölkerung) eigentlich keine Chance hatte zu dem Ziel zu kommen die schönen Erkenntnisse der Aufklärung "nutzen" zu können.
    Der Klerus, mhhh, wieviel konnte und durfte der Klerus offen auf die neuen Lehren halten? Inwieweit waren Einzelne des ersten Standes insgeheim mit der Aufklärung "verbündet"?
    Inwieweit konnte sich der Adel zu der Aufklärung hinwagen? Inwieweit wollte der Stand das überhaupt? Wieviele hatten den Sinn dafür?
    Das Bildungsbürgertum war hingegen ganz gut zu gewinnen, aber vor allem sprach die Aufklärung jeden Intellektuellen jeden Standes an.

    Die Frage ist nun inwiefern sich jeder als Anhänger der Aufklärung in der Öffentlichkeit gezeigt hat. Wieviele waren es womöglich insgeheim?

    Schließlich bleiben die großen Fragen wer von der wohl nicht ausfindig zu machenden Rate der "Anhänger" aus welcher Überzeugung oder besser aus welchen Zielvorstellungen so gesinnt war. War es rein und heroisch aus der Überzeugung heraus oder aus dem vielversprechenden Gedanken heraus das Wirken und Tun der Aufklärung für sich zu nutzen und sie dadurch für die eigenen Ziele zu missbrauchen?
    Wenn es nun aus Überzeugung heraus geschah, konnte das das Familienleben schon beeinflussen.
    Nur wieviele Intellektuelle haben eine unüberschaubare Kinderschar?
     
  3. MrHist0ry

    MrHist0ry Neues Mitglied

    ouh ouh :/ in was hab ich mich da nur wieder reingeritten...
    Ich danke dir zuerst mal für deine Zeit mir den Sachverhalt etwas näher zu bringen :)

    Ich denke nicht dass ich an dem Thema noch viel rütteln kann.
    Der Geschichtslehrer ist total überzeugt davon dass man zu dem Thema mehr als genug findet wenn man sich genau damit befasst.
    Ich habe mehr den Eindruck, dass mein Lehrer und ich bei dem Versuch eines Gesprächs, bei dem ich Teile von dem was du geschrieben hast erwähnte, aneinander vorbeirede.
    Er scheint felsenfest davon überzeugt zu sein dass es zu dem Thema mehr als genug gibt und man damit sehr gut einen Vortrag machen kann.
    Er ist mir allerdings dann entgegen gekommen und hat gemeint er sagt es sei ein Refarat, welches allerdings wie eine Klausur bewertet würde. Das heißt also ich muss "nur" 10min darüber referieren.

    Ich hatte mir das ganze "grob" mal so vorgestellt:
    Ich erklär kurz was Aufklärung ist (bzw. ich ruf es den Schüler nochmal ins Gedächtnis) und dann beginne ich langsam die Familie und Aufklärung näher zu bringen.
    Ich erzähle dabei zunächst etwas über die Familien zu der Zeit, die Lebensweise und so und dann komm ich zur Aufklärung und versuche dann beides zu verbinden.

    Ganz ehrlich, mittlerweile denke ich mir nur noch ich muss es einfach nur "glaubhaft" rüberbringen. Es muss danach aussehen als hätte ich mich damit befasst und
    es muss den Anschein haben dass etwas dahintersteckt auch wenn da gar nicht so viel ist. So hatte ich es bei einer GFS, bei der ich ähnliche Probleme hatte auch schonmal gemacht. Mir scheint manchmal dass ca 15% von dem GFS-Bewertungskriterium auch einfach nur Unterhaltung ist *lach*

    Da du dich so gut auskennst, könntest du mir vielleicht etwas behilflich sein?
    Ich habe ja jetzt so ein grobes Gerüst/Vorgehensweise.
    Und im Kopf hab ich auch schon so ein Bild wie ich das rüberbringe.
    Aber eventuell hast du noch einige Stichpunkte die mir das ganze etwas vereinfachen oder bessergesagt mich auf die richtige Schine leiten :)

    Vielen Dank ;)
     
  4. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Wenn du dich in dieser Sache allein auf "Fakten" beziehst, wirst du vielleicht die 10 Minuten rumbekommen, aber ein, nach meiner Meinung, schlechtes Resümee treffen. Damit meine ich nicht die Note, sondern das Fazit, das Ergebnis deines Vortrages. Willst du das?
    Herje die Aufklärung bildet sich nicht aus der Auflistung von Jahreszahlen. Wie will man sie genau fassen und bewerten? Wie kann man auch so etwas wollen?
    Daher würde ich den Vortrag auch zu einem großen Teil aus Überlegungen, Gedanken und Schlussfolgerungen, also als ein Produkt des eigenen Denkens im Sinne der Aufklärung formen.
    Es ist unmöglich bzw. eher stumpfsinnig das Thema in einem ganzen Brocken dahin zu klatschen und in einem Ganzen zu bearbeiten.
    Ich würde jedes Stück einzeln betrachten. Die Einteilung kann dabei bspw. durch die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten vorgenommen werden.

    Sei mir nicht böse, aber was ist denn das? :S
    Drei Mal willst du die Aufklärung darstellen??

    1. Aufklärung
    2. Familienleben
    2. a) rund um Landbevölkerung, Handwerker, "Nicht-Bürger"
    2. b) Bürgertum
    2. c) Adel
    (2. d) Geistlichkeit (falls ev.))
    (Klerus ist in dem Falle eines katholischen Landes vernachlässigbar)
    3. "Verbindung"

    Die entscheidende Frage und das Kernstück, die Herausforderung ist die Verbindung.
    Was soll sich überhaupt in der Familie wandeln? :grübel:
    Die Erziehung der Kinder oder die eigene Denk- und Handelsweise? Die dadurch vielleicht entstandenen weiteren Differenzen zwischen den Ehepartnern?

    Symbolisch würde ich den 3. Teil mit einer Gegenüberstellung anfangen. Ich würde auf eine Folie bspw. das Portrait eines "Aufklärers" bringen und diese zu erst auflegen und danach Bildnisse mehrerer Familien unterschiedlichen Standes.
    So kann man schon im Vorfeld sehen welche große Frage sich auftut, nämlich die nach der Frage der "Regionen", in denen sich die Aufklärung bewegte und in denen sie vordergründig allgegenwärtig war und dadurch intensiv das Leben bestimmen konnte.

    Im besten Falle sollte es nicht nur so aussehen als hättest du dich mit der Materie befasst, sondern du solltest es getan haben!

    Im Folgenden mache ich das gerne, unter der Voraussetzung, dass die Fragen deutlich konkreter werden.
     
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  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich kann nur empfehlen:
    P. Ariès, G. Duby: "Geschichte des privaten Lebens" hier: Band 3.

    Ein bisschen was findet sich auch in: Barbara Stollberg-Rilinger: "Europa im Jahrhundert der Aufklärung" Reclam.

    Es gibt auch von Ariès ein Buch zur Geschichte der Kindheit.

    Auf jeden Fall würde ich empfehlen, wenn die Vortragszeit nur ein paar Minuten sind, sich nicht zu verzetteln.
    Themen sollten unbedingt Kindererziehung, Liebesheirat, Zusammenleben innerhalb der Familie (vielleicht auch mit einem Ausblick auf das Thema "Ganzes Haus") sein.
     
  6. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Auch wenn es jetzt wohl zu spät ist, so teile ich die Zweifel von geschichtsfan07 an dem gewählten Referatsthema nicht ganz.

    Das Referat ist hoffentlich gut gelaufen? Bzw. Hoffentlich wird es gut laufen! ;)

    Es ist die Zeit der Aufklärung, in der es tatsächlich zu einem Wandel in der Familie kommt. Ganz kurz genannt sei zum Beispiel die Ablösung/ Auflösung der Struktur des "Ganzen Hauses" [wie von Brissotin schon genannt], wo die Familie generationenübergreifend zusammen mit dem Gesinde in einem Haus wohnte. Stattdessen formte sich die bürgerliche Kleinfamilie, die im Kern aus dem Ehemann, der Ehefrau und den Kindern bestand. Sie waren nun in erster Linie die Familie. Manchmal wird sogar davon gesprochen - dies ist natürlich nur in dem Sinne gemeint, dass das Phänomen in den Blickpunkt der Auseinandersetzung gerate ist -, dass die Liebe zwischen Mutter und Kindern im 18. Jahrhundert "erfunden" wurde.
    Unter anderem wird wohl die Empfindsamkeit, eine Strömung während der Aufklärung, für einen solchen Wandel in der Familie, in der nun die Gefühlswelt zwischen den Familienmitgliedern von großer Bedeutung ist, ein treibender Motor für die Formung einer neuen Form von Familie gewesen sein.

    Dies ist vor allem eine Seite, wie ich sie im literaturhistorischen Kontext kennengelernt habe und auch bin ich sehr grob geblieben. Doch ich denke, dass zu diesen Ausführungen noch soziologische und historische Begründungen und Bedeutungen herausgearbeitet werden könnten.
    Also ist dies, wenn man die richtige Literatur findet, ein recht spannendes Thema, das bei ausführlicher Auseinandersetzung sicherlich mehr als 10 Minuten füllen kann, da man allein schon (als Beispiel genannt) auf die Empfindsamkeit eingehen müsste.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Februar 2011
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  7. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Auf die Schnelle konnte ich leider keine große Literaturempfehlung neben der von Brissotin angegebenen finden. Ein interessanter Absatz, der leider nicht ins Detail geht bzw. nicht gehen kann, da es sich um ein literaturwissenschaftliches Grundlagenbuch handelt, ist zu finden in:

    Jeßing, Benedikt/ Köhnen, Ralph: Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Verlag J.B. Metzlar, Stuttgart/ Weimar 2003, S. 26 [Kapitel: Sozialgeschichte]


    Interessant dürften auch folgende Werke sein; wobei ich anmerken muss, dass ich diese noch nie eingesehen habe:

    Oehme, Johannes (Hrsg.): Das Kind im 18. Jahrhundert. Beiträge zur Sozialgeschichte des Kindes, Lübeck 1988.

    Sieder, Reinhard: Sozialgeschichte der Familie, Frankfurt am Main 1977.

    Reif, Heinz (Hrsg.): Die Familie in der Geschichte, Göttingen 1982.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Februar 2011

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