Female Choice? Damenwahl?

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von El Quijote, 25. Februar 2021.

  1. schaf

    schaf Mitglied

    Bei den Bonobos funktioniert es nur weil dort keine Schimpansen sind.
     
  2. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Die Unterschiede könnten zwischen den Autoren könnten nicht größer sein
    Ich wage ein argumentum ad verecundiam.

    Carel van Scheik ist tatsächlich ein versierter Zoologe und Anthropologe. Er forschte auch an Menschenaffen.
    Kai Michel ist Historiker und Literaturwissenschaftlicher und schreibt nicht ganz fachfremd zu Themen Archäologie.

    Meike Stoverock hingegen ist eine Bloggerin und Kolumnistin mit ganz seltsamen Ansichten zum Thema Feminismus. Sie hat zwar einen Doktor in Biologie, der aber irgendwie gar nichts mit dem Thema hier zu tun hat.
     
  3. hatl

    hatl Premiummitglied

    ??
    Den Satz versteh ich überhaupt nicht.
     
  4. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Irgendwo hier im Faden habe ich aufgeschnappt, dass Frauen, die früher abstillen schneller wieder empfängnisbereit sind. So würde ich diesen Satz auch deuten.
     
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  5. hatl

    hatl Premiummitglied

    Aber doch in der Tendenz.
    Mit der Verkümmerung eines Darmabschnittes zum Blinddarm, ging ja zeitgleich auch die Vergrößerung des Gehirns daher. Da kann man das hinnehmen, während der umgekehrte Vorgang gewiss nachteiliger gewesen wäre.
    Indem man das anerkennt, entsteht doch keine "teleologische" (zielgerichtete) Vorstellung der Evolution.
    Denn das Wesen einer solchen, so wie ich das verstehe, besteht im Entstehen von Design ohne Plan.
    Aber es entsteht doch Design, sprich einer Entwicklung hin zu besserer und komplexerer Anpassung an eine sich beständig verändernde Umwelt, die zu einem wesentlichen Teil dem gleichen Spiel folgt.

    Das ist keine teleologische Sicht.
     
  6. hatl

    hatl Premiummitglied

    Aber müssen dafür gleich die Kinder der Witwe gefressen werden? Noch dazu typischerweise?
     
  7. hatl

    hatl Premiummitglied

    Gibt es eine Begründung für diese These?
     
  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Am ehesten und am meisten beschäftigen sich Anthropologen und Soziologen mit Gesellschaft. Es gibt sicherlich dazu unterschiedlich weite Definitionen, was "Kultur" sei.

    Keine dieser Ansätze ist m.E. in der Lage, eine gesetzmäßige Entwicklung zu erkennen und diese als Grundlage für eine Prognose zu verwenden. Das wäre quasi eine Anwendung von Gesetzen im Bereich von Gesellschaften.

    Die Erklärung ist relativ trivial, da das Verhalten von Menschen und sozialen Gruppen adaptiv ist und somit die Bedingungen der Umwelt spiegelt. In einer Phase der "Kleinen Eiszeit", oder als Reaktion auf die "Pest" als Pandemie werden Gesellschaften anders agieren.

    Und das erklären soziologische Ansätze auf der Basis von "Handlung" und ergänzen es durch sozialpsychologische Konstrukte, wie Motivation etc.

    Alle diese Aspekte bilden ein zufälliges "System", in dem situative Entscheidungen gefällt werden, die durch eine Vielzahl an Einflussfaktoren beeinflusst werden. Und somit kann man keinen gesetzmäßigen Einfluss erkennen.

    Auch wenn manche dieser Theorien einen "evolutionären Ansatz" haben und die Gesetzmäßigkeit darin besteht, dass sich Gesellschaften zum "Besseren" modernisieren (vgl. dazu z.B. Sanderson: Evolutionism and its Critics. Deconstructing and reconstructing an Evolutionary Interpretation of Human Society. 2007)
     
  9. hatl

    hatl Premiummitglied

    Die Prognose ist ein springender Punkt.
    Die funktioniert nicht sicher, ja nicht einmal ungefähr.

    Das gilt ebenso für die biologische Evolution.
    Auch hier finden sich chaotische Einflüsse, also solche deren Wirkung sich selbst verstärkt, sei sie anfangs auch noch so klein.
    Ist Evolution daher überhaupt ein Naturgesetz?
    Jedenfalls nicht im Sinne eines "wenn, dann" .

    Und in diesem Sinn auch nur eingeschränkt die Quantenphysik, die das Eintreten eines künftigen Ereignisses nur mit statistischer Wahrscheinlichkeit bestimmen kann, jedoch keine Prognose zum Zeitpunkt geben kann.
    Ist es auf dieser Ebene möglich von Naturgesetzen zu sprechen?

    Was ist überhaupt ein Naturgesetz? Ich weiß es nicht und bin ein wenig beruhigt, dass es im Spektrum-Lexikon dazu heißt:
    "Was ein Naturgesetz ist, ist deshalb nicht abschließend geklärt."

    Eine andere Frage ist es aber ob man überhaupt "eine gesetzmäßige Entwicklung" erkennen kann, wenn diese von chaotischen Elementen durchwoben ist.
    Und ob man wirklich einer brauchbaren Prognose hierfür bedarf.
     
  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Eben, es geht nicht um "Naturgesetze", sondern es geht um Entwicklungstrends und um Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung von Gesellschaften (vgl. Übersichtsdarstellung bei Sanderson)

    In vielen Theorien zur Entwicklung von Gesellschaften ist die Annahme vorhanden, dass sich Gesellschaften im zivilisatorischen Sinne fortentwickeln. Eine Vorstellung, die in ihrer Kontinuität in den westlichen und östlichen Hochkulturen am ausgeprägtesten vorhanden ist. Am frühesten und am explizitesten wurde diese teils "sozialdarwinistische Sicht" bei Spencer ausformuliert, parallel und unabhängig von Darwin.

    Diese Vorstellung einer "Höherentwicklung" hat das Denken bis zum "Holocaust" geprägt und dieser wurde als irreversibler Zivilisationsbruch eingestuft (vgl. Horkheimer und Adorno)

    Diese Vorstellung entspricht einem Trend, der sich nach "oben" bewegt. Gleichzeitig wird innerhalb dieses Trends angenommen, dass es eine Entwicklung gibt, die durch Gesetzmäßigkeiten beeinflusst wird.

    Am bekanntesten sind u.a. die Vorstellung von Parsons, dass sich Gesellschaften in der Abfolge des "AGIL"-Schemas verhalten. Dieses kann man in der Abfolge als eine wellenformige Bewegung darstellen. Wenn man mag, dann lassen sich diese Entwicklungen konfliktsoziologisch oder historisch-materialistich ebenfalls als sukzessive Muster erklären.

    Ähnlich wird beispielsweise angenommen, dass es im Rahmen des Kondratjew-Zyklus eine wellenformige Bewegung der Wirtschaft gibt. In diesem Sinne erfolgt im Rahmen des generellen "Trendkanals" der Entwicklung von Zivilsationen eine wellenformige Auf- und Abbewegung.

    Wie man, wie in #1 vorgestellt, diesen komplexen Mechanismus der Entwicklung von Gesellschaften lediglich auf die Frage der "female choice" reduzieren kann, das wird wohl das ewige Geheimnis von manchen Evolutionsbiologen bleiben. Auch mangels der fachimmanenten Problematik, menschliche Gesellschaften jenseits ihrer biologischen Voraussetzungen angemessen zu beschreiben.

    Sanderson, Stephen K. (2007): Evolutionism and its critics. Deconstructing and reconstructing an evolutionary interpretation of human society. Boulder, London: Paradigm Publishers.
     
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  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

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  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Stoverock könnte sich bestätigt fühlen, die meint ja, dass der Beginn des Patriarchats mit der neolithischen Revolution eingesetzt habe.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was allerdings interessant ist: Beim Stammvater geht man unausgesprochen von einer Gleichzeitigkeit der vier Beziehungen aus, wohingegen man bei zweien seiner Schwiegertöchter bzw. seiner Schwiegerenkeltochter (die mit einer Schwiegertochter identisch ist) explizit unterstellt, dass sie ihre beiden Partner in zeitlicher Abfolge hatten. Auch bei der rosa Darstellung ist ja eine Partnerin des Stammvaters angezeigt, die außer mit dem Stammvater der Sippe noch mit einem weiteren Mann mindestens einen Sohn und von diesem einen Enkel hatte.

    Außer dem Stammvater ist nur eine weitere männliche Person mit zwei Frauen liiert gewesen, mit denen er Kinder hatte. Alle anderen Männer lebten monogam oder ihre etwaige Nachkommenschaft aus weiteren Beziehungen ist nicht in dem Grabmonument bestattet.

    [​IMG]

    Summa summarum haben wir also, über die Nachkommen nachgewiesen zwei Männer mit mehr als einer Partnerin und drei Frauen mit mehr als einem Partner. Mengenmäßig sticht einzig und allein der Stammvater der Sippe heraus.

    Wenn die Schwiegertochter aus der grün markierten Linie eine Beziehung mit dem Enkel aus der gelb markierten Linie eingangen ist und somit dem Stammvater sowohl drei Enkel als auch einen Urenkel geschenkt hat, dann spricht das doch dafür, dass ein erheblicher Altersunterschied zwischen den acht (nachgewiesenen) Kindern des Stammvaters bestand - zumindest zwischen denen der grün und der gelb markierten Abstammungslinie, so dass Schwiegertochter/-enkelin vier Kinder von zwei Männern austragen konnte, wobei der Vater ihres (mutmaßlich) vierten Kindes im Verhältnis zum Stammvater zur gleichen Generation gehörte, wie ihre ersten drei Kinder.
     
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  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Im Grunde sagen die Analysen nur aus, wer mit wem Kinder zeugte, aber nicht, in welcher formalen Verbindung diese Personen standen. Man kann natürlich annehmen, dass der Stammvater mit den vier Frauen in irgendeiner bekannten Verbindung gestanden haben wird (eine heimliche Geliebte wäre wohl nicht bei ihm bestattet worden). Dass alle vier Frauen "gleichrangig" (egal ob gleichzeitig oder nacheinander) waren, ist damit aber noch nicht gesagt.
    Bei der Schwiegertochter, die etwas mit dem Enkel hatte, lässt sich überhaupt nicht sagen, was dahintersteckte. Mag sein, dass sie nach dem Sohn des Stammvaters auch mit dem Enkel offiziell verbunden war. Ebensogut kann es sich aber auch um eine heimliche Affäre gehandelt haben. Vielleicht wusste sie hinterher nicht einmal selbst, dass das Kind nicht vom Sohn, sondern vom Enkel war. (Theoretisch könnte es sich sogar um die offizielle Partnerin des Enkels gehandelt haben, die mit dem Sohn eine lange Affäre hatte, aus der drei Kinder hervorgingen, die alle als Kinder des Enkels galten.)
     
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