Finanzierung der Kreuzzüge

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von JetLeechan, 1. November 2008.

  1. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    :rechts:IG Die Kreuzzüge

    Hi,
    bei der Ausmistung meiner "Eigenen Dateien" bin ich über den folgenden Text gestolpert, den ich vor einiger Zeit für eine Mittelalterwebsite verfasst hatte.
    Den möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Natürlich meine Lieblingsthemen, Wirtschaft und Kreuzzüge:p.

    Die Finanzierung der Kreuzzüge

    Die Kreuzzüge waren militärische Unternehmungen von im Mittelalter bisher ungekanntem Ausmaß. Zwei Punkte verdeutlichen die Unterschiede zu bisherigen militärischen Operationen besonders. Zum Einen waren die Kreuzfahrer in der Regel Freiwillige und keine Vasallen, die ihrer Pflicht zur Heeresfolge nachkamen, und zum Anderen erlaubten die große Entfernung von der Heimat und die Kriegsführung hinter feindlichen Linien oft keinen stetigen Nachschub.
    Die potentiellen Kreuzfahrer mussten sich darauf einstellen, sich lange Zeit ohne Nachschubmöglichkeiten im Feindesland aufzuhalten. Sie hätten daher große Mengen an Nahrungsmitteln und Ausrüstung mit sich führen müssen. Infrastrukturell und ökonomisch waren die Bedingungen des Mittelalters nicht gerade günstig für die Kreuzfahrer. Die Straßen waren schlecht, Haupttransportmittel waren Packtiere sowie zweirädrige Karren und Nahrung konnte nicht allzu lange haltbar gemacht werden.
    Die Lösung war Geld, es benötigte weniger Platz, verfaulte nicht und wurde fast überall akzeptiert. (Nicht in seiner Funktion als Geld, aber als Edelmetall sehr wohl)
    Der überwiegende Teil der Kreuzfahrenden war als Berufskämpfer freilich schon mit dem nötigsten Equipment ausgestattet, es ist aber anzunehmen das die Kreuzfahrt als Gelegenheit genutzt wurde, dieses zum Teil zu erneuern oder reparieren zu lassen. (Riley-Smith, The first Crusaders, S.111) Waffen, Rüstungen, Zelte und was man sonst brauchte war damals nicht günstig und war sehr teuer.
    Vor einer Kreuzfahrt musste diesselbe also ersteinmal finanziert werden. Geld aber war im Hohen Mittelalter Mangelware. Reichtum lag in erster Linie in Form von Grundbesitz, Immobilien, Rechten und dergleichen vor. Außerdem war es nicht üblich das jemand einfach seinen Besitz veräußern konnte. In der Lehensgesellschaft war der Großteil des Besitzes in der Hand weniger Eigentümer, die meisten Ritter hatten einen Lehensherren, den sie vor einer Transaktion um dessen Einverständnis zu bitten hatten. Des Weiteren mussten die Ehefrau und potentielle Erben ebenfalls der Veräußerung zustimmen. Manche Kreuzfahrer aber, die höheren Adligen vor allem, verfügten auch über Eigentum, den so genannten Allodialbesitz.
    Um ihren Besitz nun zu Geld zu machen gab es hauptsächlich drei Mittel:
    Das naheliegenste war der Verkauf. Gottfried von Bouillon etwa, einer der Anführer des Ersten Kreuzzugs, verkaufte die Stammburg seiner Familie, einen Teil seines Allodialbesitzes, an den Bischof Otbert von Lüttich. (Eventuell handelte es sich hierbei auch um eine verschleierte Zinssatzung; siehe unten.)
    Als zweite Option konnten sie ihren Besitz in Zinssatzung geben. Hierbei liehen sie sich eine bestimme Summe Geld, übergaben dem Leihenden ihre Güter und dieser behielt sie so lange bis das Gut mit der Rückzahlung der Summe wieder ausgelöst wurde. Die Erträge der Güter gingen dabei, gewissermaßen als Zinsen, an den Leihenden. Diese Form der Verpfändung wurde von der Kirche als Wuchers unter Strafe gestellt. Trotzdem war sie die meist Verbreitetste, da sie für die Geldleihenden am lukrativsten war. Man überging das Kirchenverbot indem man die Transaktionsverträge verschleierte, aufgrund dessen ist es auch nicht immer einfach den genauen Charakter der Transaktionen im zu bestimmen.
    Die dritte Möglichkeit bestand darin seinen Besitz in die Totsatzung zu geben. Diese Art der Transaktion sah vor, dass man sich eine bestimmte Summe Geld lieh und dem Leihenden im Gegenzug seine Güter übergab. Der Leihende wurde dabei durch die Erträge des Gutes bezahlt. Als Beispiel hierfür kann man die Totsatzung der Normandie anführen. Robert II. verpfändete die Normandie an seinen Bruder, den König von England, um ein Heer für den Ersten Kreuzzug auszurüsten.
     
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  2. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Ich denke , das deine Ausführungen korrekt sind , denn genauso wird es ein
    Teil der Ritterschaft/Adligen auf den Weg gebracht haben.

    Schaut man auf einen anderen grossen Teil , nämlich die nicht erbberechtigten Söhne , so konnte man vermuten , das sie von ihren Vätern/Brüdern für den Kreuzzug ausgestattet wurden. immerhin bot sich hier die Chance auf den Erwerb eigener Besitztümer in Nahen Osten.(Kreuzfahrerstaaten)
    Geistliche Kreuzfahrer statteten sich bestimmt aus Mitteln ihrer Besitzungen
    selbst aus - sicherlich auch mit bezahlten Kämpfern.

    Ausserdem nahm jeder Adlige zumindestens ein kleines Gefolge Kämpfer
    mit -ob nun freiwillig oder wegen Leibeigenschafts/Lehnsverpflichtungen
    ist sicher unterschiedlich- aber auch diese mussten versorgt werden und evtl. gegen Entgelt verschifft werden.

    So gesehen trug die Mittelbedürftigkeit der Kreuzfahrer sicher dazu bei,
    als der venezianische Doge den einen Kreuzzug gen Byzanz umlenkte und damit
    die einen zwar nominell christlich dominierten aber eben "Orthodoxen
    Glaubenskonkurrenten " ,eher aber einen Handelskonkurrenten auslöschen
    liess.....

    Daher auch das "Leben aus dem Lande" - sprich Ausraubung /Ermordung
    von Bevölkerung , die auf dem Kreuzweg ansässig und vorzugsweise
    " nichtchristlich" waren - etwa auf dem Balkan /in byzantinischen Gebieten
    und überall in Kleinasien.

    Anders sieht es bei Ordensrittern aus - da gab es mit Sicherheit die logistische Unterstützung des Ordens oder bei Barbarossas Zug- da trug sicher die Staatskasse einen Grossteil der Kosten für die Truppen.
    Wo es überhaupt keine feste Organisation und Logistik gab - da ging das
    Unternehmen vollständig daneben - siehe "Kinder-Kreuzzug"
     
  3. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Ich erläutere an dieser Stelle mal meine Ansichten zum 4. Kreuzzug. Konstantinopel wurde geplündert weil Isaak die versprochene Belohnung für die Hilfe bei der Wiederbesteigung des byzantinischen Throns nicht zahlen konnte. Die Venezianer hatten sich aber in Unkosten gestürzt um dies zu ermöglichen. Sie holten sich ihre Belohnung also mit Gewalt.
    Mit dem Ausschalten als Handelskonkurrent bzw. dem seid Jahrhunderten bestehen Gegensatz Byzanz - Venedig kann man hier glaube ich nicht argumentieren, es mag bei der letzten Entscheidung die Stadt zu plündern eine Rolle gespielt haben, war aber nicht der Auslöser.

    Eben, dass war nötig. Ich argumentiere auch schon länger in die Richtung diese Plünderungen in des richtigen Kontext zu stellen. Es war notwendig und absolut normal zu plündern, nicht nur auf den Kreuzzügen, anders war an eine auch nur ansatzweise hinreichende Versorgung nicht zu denken.

    Nein, Barbarossa hatte die Porblematik aber als erster wirklich durchschaut und nur diejenigen Ritter zu seinem Zug zugelassen, die sowohl ein Pferd, Ausrüstung also auch 5 Silbermark aufbringen konnten. Und zwar wurde das schon ein Jahr vorher festgelegt, 1188.
    Bei RIchard Löwenherz war es aber so, er hat viele seiner Ritter selbst finanziert. Und England in Unkosten gestürzt, u.a. sogar die schottiche Königswürde verkauft wenn ich mich recht erinnere, er wollte sogar London verkaufen! Auf dem Zug selbst hat er dann die Ritter anderer Fürsten und Freiwillige die zu seinem Herr stießen zusätzlich mitversorgt.
     
  4. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Das hängt aber auch mit der wirtschaftlichen Kraft des Lehnsadels in Frankreich (aus dem Löwenherz sein Gross an Rittern bezog) zusammen die innerhalb der 200jährigen Kreuzzugsgeschichte zunehmend sank.

    Der erste Kreuzzug 1097-1101 war ja noch von Haus aus eine reine Angelegenheit von Vasallen. Er fand zu einer Zeit statt wo in Frankreich die Krone wirtschaftlich und politisch auf ihrem Tiefpunkt angelangte.
    Beim III. Kreuzzug konnten, wenn überhaupt nur noch die ganz großen Vasallen wie die Grafen von Champagne oder Flandern finanziell auf eigenen Füssen stehen.
    Doch die Kreuzzüge König Ludwigs des Heiligen (1248 + 1270) zeigen ein ganz anderes Bild. Ihr war schon der König der Hauptfinanzier und konnte die Kosten nahezu im Alleingang tragen, wärend zugleich die wirtschaftliche Potenz der Vasallen an ihre Grenzen stoß. Joinville zB begann den Kreuzzug von 1248-1250 selbsständig mit 10 eigenen Rittern, doch schon nach der Überfahrt von Marsaille nach Zypern war er pleite, musste seine Ritter entlassen und sich selbst dem königlichen Gefolge anschließen.
     
  5. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Richtig, aber den Anführern werden ab dem dritten, in ersten Versuchen schon vor dem Zweiten, Kreuzzug neue Mittel zur Finanzierung zur Verfügung gestellt, auch die "Staatskassen" (wobei ich diesen Begriff für im Falle Richards z.B. nicht benutzen würde) konnten die Kreuzzugskosten nicht alleine tragen.

    Daher folgt jetzt der zweite Teil...
     
  6. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    ...II.
    Um die Veräußerung von Besitz zu erleichtern hoben die Päpste seit Eugen III. die Zustimmungspflicht von Lehensherren und Familienmitgliedern auf.


    Wenn Geld aber knapp war, an wen konnten sich de Kreuzfahrer dann wenden? In erster Linie waren das Kirchen und Abteien. Diese waren oftmals die einzige Geldquelle. Aber auch sie verfügten nicht über größere Mengen desselben. Aus diesem Grunde waren die Kirchen und Klöster gezwungen ihre Reliquien und Schätze aus Edelmetall einzuschmelzen oder von Juwelen und Ähnlichem zu befreien.

    Bischof Otbert von Lüttich, der Gottfried von Bouillon seine Stammburg abkaufte, zwang die Kirchen seiner Diözese alles von Wert zusammenzuraffen um das nötige Geld aufzubringen. Die Quellenschreiber lassen daher auch keine gutes Haar an ihm. In der Chronice Sancti Huberti Andaginensis heisst es etwa: "Otbert ist bemüht um seine Ehre [...]. Er zeigte größte Feindseligkeit gegenüber der Kirche des Heiligen Hubertus [...] und stahl drei goldene Kreuze die mit kostbaren Steinen bedeckt waren." Ein anderer berichtet: " Er entfernte das Gold von den vergoldeten Reliquien, und von den meisten Kirchen und Bischofskirchen zog er Gold, Juwelen und dergleichen, welches die Altäre und Stoffe der Kirchen bedeckt hatten, ab."
    Trotzdem waren Geschäfte solcher Art meist sehr lukrativ für die Kirchen. Kreuzfahrer die ihre Güter verpfändeten kehrten oft nicht wieder zurück um sie auszulösen oder hatten nach ihrem Zug nicht die Mittel dazu. Außerdem waren die Geschäftsbedingungen meist nicht zum Vorteil der Kreuzfahrer ausgehandelt und die Kirchen machten daher große Gewinne. Der Chronist Guibert von Nogent z.B. berichtet uns: "Jeder verkaufte seinen Bestand zu einem Preis, der viel geringer war, als den welchen er bekommen hätte, wenn er in einem schmerzvollen Gefängis eingesperrt worden wäre und ein sofortiges Lösegeld hätte zahlen müssen." Die euphorisierten Kreuzfahrer achteten demnach wenig auf "faire Preise".
    Die drei Arten der Geldbeschaffung kann man unter dem Begriff der Eigenfinanzierung zusammenfassen. Bis einschließlich des dritten Kreuzzugs war sie die Hauptfinanzierungsart die verwendet wurde. Friedrich Barbarossa hatte während der Vorbereitung zum Dritten Kreuzzug noch jeden von demselben ausgeschlossen, der nicht über eine Barschaft von mindestens drei Mark Silber verfügte. Die vorhergehenden Kreuzzüge hatten gezeigt das einige Kreufahrer ihre Ausgaben zu niedrig ansetzten und manche trotz Armut mitzogen und später dann auf Kosten der Anderen am Leben gehalten werden mussten. Auf dem Ersten Kreuzzug etwa richtete der Legat, Bischof Adhemar von Le Puy, eine Armenkasse ein, um zu verhindern das manche der Ärmeren dem Hungertod zum Opfer fallen. Schlecht ausgerüstete und mangelernährte Kreuzfahrer waren ein Risiko für die Unternehmung.
    Weitere Finanzierungsbeiträge kamen in Form von Spenden zusammen. Seit Beginn der Kreuzzüge wurde in verschiedenster Form gespendet und die Päpste riefen immer wieder zum Spenden auf. Um einen Anreiz zu schaffen erhielten Spender unter Papst Gregor VIII. einen Teilablass, der sich an der Höhe der Summe und der Frömmigkeit des Spenders orientierte. Dies wurde unter seinen Nachfolgern fortgeführt. Unter Papst Innozenz III. (1198 - 1215) wurde das Spendenwesen weiter ausgebaut, er ordnete an es solle in jeder Kirche ein Opferstock aufgestellt und wöchentlich zum Spenden aufgerufen werden. Offenbar waren die Spendenaufrufe nicht erfolgreich, weshalb später förmliche Kreuzzugssteuern ausgeschrieben wurden.
    Kleinere Finanzierungsbeiträge waren außerdem die Gemeinschaftsfinanzierung und Erbschaften. Seit Innozenz III. galt, wer einen Kreuzfahrer zum Teil oder gar ganz finanzierte erhielt einen Teilablass in Aussicht gestellt. Gilden, Gemeinden und andere Gruppen legten häufig zusammen um einem der Ihren die Kreuzreise zu finanzieren. Personen, die sich gerne in den Dienst Gottes gestellt hätten, aber körperlich oder aus anderen Gründen nicht teilnehmen konnten, bezahlten für einen Ablass einen beliebigen Kreuzfahrer. Andere vermachten ihr Erbe einem Kreuzfahrer, so konnten sie ihr Geld zu Lebzeiten selbst ausgeben, im Tod würde ein Kreuzfahrer mit dem Rest eine Ablass für sie erwirken. Darüber hinaus war es gängig das Kreuzfahrer ihr für die Kreuzfahrt aufgebrachtes Vermögen einem anderen Mitstreiter vermachten, sodass dieser im Falle des Ablebens des Ersten dessen Gelübde erfüllen konnte.
    Ein größerer Finanzierungsbeitrag waren die so genannten Redemptionen. Als Redemption bezeichnet man das Freikaufen vom Kreuzzugsgelübde mit Geld um trotzdem den Plenarablass zu erhalten. Wichtig ist, dass sie nur vom Papst durchgeführt werden konnten. Schon zu Beginn der Kreuzzugsbewegung wurden vereinzelt Gelübde für Geld erlassen. Zum Ersten Mal wurden sie in einem Dekret von Papst Alexander III. genehmigt. Unter Innozenz III. entwickeln sie sich zu einem einträglichen Finanzierungsinstrument. Innozenz III. lässt den Kreuzzug mit einem noch nie dagewesenen Aufwand predigen und erlaubte erstmals der gesamten christlichen Bevölkerung das Gelübde abzulegen. Damit provozierte er freilich Redemptionen, da Kinder, Arme, Kranke, Frauen und andere gar keine Möglichkeit hatten sich einem Kreuzzug anzuschließen (siehe Kinderkreuzzug der im Sande verlief). Um die Redemption wirksamer zu machen erlaubte er allen Kirchenvorstehern vor Ort, in seinem Namen Redemptionen durchzuführen. Ab 1250 wird dann schließlich der Plenarablass allen Spendern auch ohne vorherige Kreuznahme versprochen. Dieser Prozess des Ablasserwerbs wird von einigen Hisotikern auch als Anfang des neuzeitlichen Ablasshandels angesehen.
     
  7. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Beginn der Kreuzzugsbesteuerung

    Die weitaus einträglichste Finanzierungsmethode aber waren die Kreuzzugssteuern. Die Anfänge der Kreuzzugssteuern kann man ins Frankreich des Jahres 1146 zurückverfolgen. Verschiedene englische und französische Chroniken erwähnen eine einmalige Umlage zum Zwecke einer Kreuzfahrt Ludwigs VII. Allerdings ist nicht bekannt ob und wie sie durchgeführt wurde. Das besondere an dieser einmaligen Zahlung war laut Radulf von Diceto, dass der König zuvor wohl in ganz Gallien eine Volkszählung angeordnet hatte und das niemand, auch die Kleriker nicht, von der Zahlung ihres Beitrags befreit gewesen sein würden.
    Die erste fassbare Steuer kommt im Jahre 1166 auf. Sie wurde als „allgemeine Hilfssteuer für Jerusalem“ bezeichnet und von den Königen Englands und Frankreichs zugleich erhoben. Allerdings war keiner der beiden Könige bereit den Kreuzzugs auch wirklich durchzuführen, aus Angst der andere würde in dieser Zeit über sein Reich herfallen. Wenigstens schickten beide Teile der eingenommenen Gelder nach Jerusalem. Für England ist ein kompletter Text der Verkündigung dieser Steuer erhalten, dieser besagt, dass jeder im Reiche König Heinrichs II. je Pfund seiner beweglichen Güter und Einkünfte im ersten Jahr 2 Pfennige und in den darauffolgenden vier Jahren 1 Pfennig an die Krone zahlen musste. Das heisst die Steuer war auf mindestens fünf Jahre ausgelegt. Darüber hinaus war in jedem Jahr eine Pauschale von 1 Pfennig für jedes unbewegliche Gut zu zahlen. Wäre die Steuer wie gewollt eingetrieben worden hätte sie dem König enorme Einkünftge beschert, jedoch ist nicht anzunehmen dass sie tatsächlich erfolgreich war, denn wenn überhaupt waren nur geringe Anteile der Bevölkerung in der Lage sie zu bezahlen. Man kann Heinrich II. daher unterstellen das er auf den Klerus abzielte, bei dem naturgemäß am meisten zu holen war. Dieser aber wehrte sich zum Teil erfolgreich gegen die Besteuerung weshalb der Erfolg wohl ausblieb. Es ist bezeichnend das nach 1166 über zwanzig Jahre lang keine Kreuzzugssteuer mehr erhoben wurde bis 1187 bei Hattin das Heer der Kreuzfahrerherrschaften geschlagen wurde.
    Nun hatte sich die Situation entscheidend verändert. Die Rufe nach einem neuen Kreuzzug wurden immer lauter und die Könige Europas folgten ihnen. Kaiser Friedrich Barbarossa erhob keine Steuer, aber die Franzosen und Engländer erinnerten sich an diese Finanzierungsmethode und setzten sie erneut ein. Der berühmte „Saladinszehnte“ wurde ab 1188 erhoben und es war vorgesehen das alle Laien und Kleriker den vollen Zehnten auf alle Einkünfte und das gesamte Vermögen entrichteten. Aber auch jetzt war die weltliche Gewalt nicht stark genug um dies durchzusetzen. Die Proteste des französischen Klerus führten dazu dass Phillip Augustus den Saladinszehnten wieder zurücknehmen musste. In England starb der Initiator Heinrich II. kurz nach der Ausrufung der Steuer und sie mit ihm, man „vergaß“ sie schlicht. Dennoch kamen in der kurzen Zeit hohe Summen zusammen die Phillip Augustus und Richard Löwenherz diesmal auch beide verwendeten um ihre Kreuzzüge zu finanzieren.
    Auch hatte man diesmal besondere Begünstigungen für Kreuzfahrer eingeführt. Alle Kreuzfahrer waren von der Steuer befreit. Lehnsherren die auf Kreuzfahrt gingen durften den Zehnt ihrer Vasallen einbehalten. Jeder Kreuzfahrer durfte außerdem den Zahnt seiner Eltern einstreichen. Damit wurde die Kreuzreise auch finanziell attraktiv für so manchen Ritter.
     
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