Flaubert und Herodot über den Greif

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Anmie, 16. Dezember 2006.

  1. Anmie

    Anmie Neues Mitglied

    Hallo!

    Falls einer von euch folgendes gerade zur Hand hat (scheint nämlich leider nicht im www verfügbar):
    Gustave Flaubert: Heiliger Antonius
    Herodot: III/16, IV/13, IV/27

    wäre es toll, wenn ihr einmal nach dem Greif Ausschau halten könntet.
    Dem Antonius begegnet er wohl in der Wüste und Herodot beschreibt ihn als Wächter von Europas Goldschätzen (oder so ähnlich :S ) ...

    Ist ein schräges Thema, ich weiß. Kann ich aber nix für. :D
    Herzlichen Dank und einen schönen Samstagabend von Anmie!!!! :winke:
     
  2. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Zwar habe ich keinerlei Zugriff auf die angeführte Literatur, aber zum Fabelwesen Greif kann ich einige Anmerkungen machen, wenngleich diese aus dem Gedächtnis heraus sind...

    Meines Wissens stammt die Vorstellung eines Tieres, welches in den Bergen lebt und etwa 50...60 Jahre alt werden kann, aus dem Orient. Die ältesten Darstellungen sind wohl babylonisch und persisch (Bild und Skulptur, z.B. in der altpersischen Residenz Persepolis), später erscheint der Greif als Schmuckelement auf Säulen und Tempelgiebeln sowie auf Münzen, Helmen und Rüstungen. Die Vorstellung, daß der Greif in der Wüste lebt, stammt wohl von den Skythen und ist wahrscheinlich mit deren Furcht vor der unwirtlichen Gobi (heute China/Mongolei) verbunden.

    Seine Gestalt ist stets eine Mischform aus Adler- und Löwenkörper; dies meist in der Form Vorderleib mit Adlerkopf (mit spitzen Ohren), -flügeln und -krallen, Hinterleib Löwenbeine und -schwanz; es gibt jedoch auch die Form, welche Vorderbeine des Löwen und Hinterbeine des Adlers hat.

    In der Antike gibt man ihm zum einen meist seherische Eigenschaften (als dem Gott Apollon zugeordnetes Tier), andererseits erhebt man ihn zum Wächter des Goldes in den Rhipäischen Bergen (myth. Gebirge am Nordrand der griech.-röm. Welt) gegen das mythische (wahrscheinlich skythenähnlich gedachte) Volk der Arimaspen (Herodot zitiert dies übrigens nach dem älteren Aristeas), jedoch ebenso als Reittier und Tier vor dem Wagen des Titanen Okeanos (nach Aischylos).

    Im Mittelalter galt der Greif als real existentes Tier und fand seit dem Eingang in die europäische Heraldik.
    Sehr häufig tritt er diesbezüglich im Ostseeraum (besonders an der Südküste der Ostsee) auf, z.B. Pommern (ehemaliges Herzogtum sowie viele Städte auf dem Gebiet dieses Territoriums), Stadt Rostock, aber auch die südschwedische Region Skane (Schonen; Gegend um Malmö und Lund).
    Desweiteren ist der Greif als Wappentier des aus Graubünden stammenden Liechtensteiner Ritters und Minnesängers Heinrich von Frauenberg (1257/1314) in der Manesse bekannt geworden.
    Das bereits bzgl. Herzogtum erwähnte Haus derer von Pommern (13. - 17. Jh.) führte den Greif im Wappen und war auch unter dem Namen Die Greifen bekannt.
    Schließlich fällt mir dazu noch der Greif als Schildhalter der Markgrafschaft Baden ein...

    In der Neuzeit wurden mitunter die altorientalischen und biblischen Cherubim als Greifen gedeutet, doch dies beruht wohl auf einer Fehlinterpretation.

    Nun bin ich mir nicht sicher, ob und inwieweit Dir dies weiterhilft, zumal ich nahezu keinen Bezug zu den genannten Aussagen herstellen konnte...

    Etwas Off Topic, aber zur Verdeutlichung der heraldischen Beispiele noch einige Bilder: Heinrich von Frauenberg, Wappen der Stadt Rostock, Wappen der Stadt Greifswald (Vorpommern; enthält übrigens das alte pommersche Herzogswappen), Wappen von Rügenwalde (Hinterpommern, heute Darlowo in Polen; seltene Form des Greifen mit Fischschwanz statt Löwenhinterleib).
     

    Anhänge:

  3. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

  4. Anmie

    Anmie Neues Mitglied

    Danke an euch beide!! :winke:

    Hat ein wenig gedauert, bis ich verstanden habe wie ich zu den gesuchten Kapiteln finde (ist ja auch schon ein wenig später ... :) ), aber jetzt hab' ich es! :yes:
    Fehlt also nur noch Flaubert .. ;)
     
  5. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat:"Die Vorstellung, daß der Greif in der Wüste lebt, stammt wohl von den Skythen und ist wahrscheinlich mit deren Furcht vor der unwirtlichen Gobi (heute China/Mongolei) verbunden."

    Ich habe mal die These gelesen, das die Knochenfunde in der Gobi evtl. Anlass für die Greifenlegende sein könnte. Denn die Beschreibung des Greifes (Adlerkopf und Löwenartiger Körper) passt auch zu dem Skelett eines Triceratops.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Senckenberg,_Triceratops.jpg

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Triceratops.gif

    Vielleicht haben damals einige skyth. Jäger ein solches Skelett gefunden und mutmassten das dieses Tier noch dort irgendwo in der Wüste hausen müsste. Diese Legende war dann so eindrucksvoll, das sie sich dann über mehrere Kulturkreise verbreitete.
     
  6. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Für eine Mischung aus eleganter Katze und majestätischem Raubvogel ist mir der Triceratops aber ein bisschen zu plump (von dem bizarren Nackenschild ganz zu schweigen). Außerdem stammen laut Wiki die Fossilfunde aus Nordamerika.
     
  7. Anmie

    Anmie Neues Mitglied

    Habe Flaubert heute aufgetrieben und werde das Zitat später (für die Interessierten) nachreichen. ;)
     
  8. Anmie

    Anmie Neues Mitglied

    Hier also, falls Interesse vorhanden ;) :

    Der Greif
    ein Löwe mit einem Geierschnabel, weißen Flügeln, roten Klauen und blauem Hals.

    Ich bin der Herr der verborgenen Schätze. Ich kenne das Geheimnis der Gräber, in denen die alten Könige schlafen.
    Eine Kette an der Mauer hält ihnen den Kopf. In ihrer Nähe schwimmen in Porphyrbecken die Frauen, die sie geliebt haben, auf einer schwarzen Flüssigkeit. Ihre Schätze häufen sich rauten-, turm- und pyramidenförmig in den Sälen; und tief unter den Gräbern, nach langen Reisen durch erstickende Finsternis, sind Goldflüsse, Diamantenwälder, Karfunkelwiesen, Quecksilberseen.
    An das unterirdische Tor gelehnt, spähe ich mit erhobener Klaue nach Ankömmlingen. Die ungeheure Ebene liegt nackt da, weiß von den Gebeinen der Wanderer bis zum Horizont. Dir werden sich die Bronzeflügel auftun, du wirst den Dunst in den Minen atmen und in die Höhlen hinabsteigen ... [...]

    Gustave Flaubert: Die Versuchung des heiligen Antonius, S. 185 ff [Begegnung mit allerlei Getier in der Wüste]

    Viele Grüße,
    Anmie :winke:
     

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