Flieger, grüß mir die Sonne

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Christiane, 8. Januar 2009.

Schlagworte:
  1. Christiane

    Christiane Gast

    Sehr geehrte forums-Mitglieder,
    ist das Lied "Fliegr, grüß mir die sonne.."nicht ein typisches NS-Lied? Ich wundere mich, dass es jetzt wieder populär geworden ist.
    Wo könnte ich dazu recherchieren?
    Christiane
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ist das Lied wieder populär geworden? Es ist mir in letzter Zeit nur in dem ZDF-Dreiteiler Die Rebellin untergekommen, und dort v.a. als reminiszierendes Element, welches die Protagonistin an den zu Kriegsende verstorbenen Vater denken lässt, eingesetzt. Das Lied stammt von 1932 (ist also kein Produkt des Propagandaministeriums) und spiegelt imho die Begeisterung über den technischen Aufbruch der 20er und 30er Jahre, welche die Nazis selbst natürlich aufgriffen.
     
  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Meinst du das Lied von Extrabreit? Wenn ja, das Original ist von Hans Albers, der hat das 1932 gesungen.

    Hans Albers sang das Lied im Film F.P.1 antwortet nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Januar 2009
    1 Person gefällt das.
  4. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

  5. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Hans Albers soll ja auch nicht unbedingt ein fanatischer Nazi gewesen sein.

    Ich glaube mal gelesen zu haben, dass er eher verächtlich vom "Herrn Führer" sprach. Insofern dürfte das mit dem Nazilied wohl eher nicht hinkommen.

    Viele Grüße,

    Bernd
     
  6. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Nach 1933 spielte Hans Albers kein Theater mehr, er versucht sich soweit es geht dem NS-Regime zu entziehen. Seine Lebensgefährtin, mit der ab 1933 am Starnbergersee lebt, geht 1938 via Schweiz ins Londoner Exil. Hans Albers vermeidet auftritte mit Nazi-Grössen, spielt aber weiterhin im Film mit und verdient die höchsten Gagen.

    Kann man hier nachlesen: Biographie: Hans Albers, 1891-1960

    Seine Lebensgefährtin war Hansi Burg, sie war eine jüdische Schauspielerin.
     
  7. Repo

    Repo Neues Mitglied

    War irgendwie der Typ des echten "Kerls"
    der blonde Hans.

    OT: Der Film hat mir einst gefallen. Ob er es heute auch noch tun würde?

    Sehr OT:
    Das Lied hat Papa einst gerne gesungen, beim Autofahren.
    Und dann noch "Seemann lass das träumen, deine Heimat ist die See, deine Sehnsucht ist die Feeeerne..."

    Was einem so alles wieder einfällt...

    TT:
    Der Cadillac von Hans Albers steht im Automuseum von Fritz B. Busch in Wolfegg (Waldseemüller!) im Allgäu
     
  8. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

  9. rukelie

    rukelie Neues Mitglied

    Als ich beim Bund, Luftwaffe, war haben wir das öfters gesungen - man war ja anfangs "Flieger". Als wir das allerdings mal im Mann´heim angestimmt haben ist kurs danach der Wachhabende mit einem gebrüllten "Finden sie das komisch?" erschienen und hat uns rausgeschmissen. Keiner von uns wusste wieso. Vielleicht hat der das ja auch in der rechten Ecke verortet.
     
  10. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Ist das nicht mal wieder ein Lehrstück dazu, wie leicht wir geneigt sind, alles in die braune Ecke zu stellen, was auch nur geschmacklich in die zeitliche Nähe der Nationalsozialisten kommt? Natürlich beinhalten die 30er vieles Kulturelle, was wertvoll ist. Leider verbindet man hierzulande all das leicht mit den Nazis. Mir tun da die heute alten Leute leid, die ständig von ihren Kindern und Enkeln vorgehalten bekommen, alles was für sie einfach mit ihrer Jugend zu tun hat, wäre nazimäßig. Wer um 1930 geboren ist und danach in Deutschland gelebt hat, hört das nun sein ganzes Erwachsenenleben lang erst von den Besatzern, dann von den Kindern und zuletzt auch noch von den Enkeln.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dann forsche mal weiter mit Harald Welzer*, dann wirst Du sehen, dass das nicht stimmt.


    *Harald Welzer, Sabine Moller, Karoline Tschugall: "Opa war kein Nazi". Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis.
     
  12. ischtiraki

    ischtiraki Neues Mitglied

    "Flieger grüss mit die Sonne" ist definitiv KEIN Nazilied.

    Das Lied war KEIN NS-Lied. Ich staune, warum es immer wieder mit der Nazizeit in Verbindung gebracht wird, vermutlich liegt es am martialisch klingenden Sound der frühen Dreissiger. Der Film "FP1 antwortet nicht" war einer der ersten deutschen Tonfilme und wurde 1932 noch zur Zeit der Weimarer Republik herausgebracht. Sowohl der Produzent des Films Erich Pommer (bekannt durch weltberühmte Produktionen wie "Metropolis" und "Der Blaue Engel") als auch der Komponist des Songs Allan Gray (tatsächlich Jozef Szmigrod) und der Texter Walter Reisch waren Juden und mussten 1933 Deutschland verlassen. Neben Hans Albers spielte Peter Lorre im Film eine Hauptrolle, er musste ebenfalls als Jude 1933 Deutschland verlassen.

    Es würde mich wundern, wenn das Lied überhaupt in der Nazizeit gespielt werden durfte. Die Nazis haben ja sogar Gustav Mahler und Felix Mendelssohn-Bartholdy als "jüdische Komponisten" verboten ...
     
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  13. ischtiraki

    ischtiraki Neues Mitglied

    Wie die Nazis mit "echten" deutschen Fliegerhelden umgegangen sind, spricht auch für sich. Hugo Junkers, der ein liberaler und sehr sozial denkender Unternehmer und engagierter Demokrat und Unterstützer der Weimarer Republik war (im Gegensatz zu Claude Dornier, der trotz seiner französischen Vorfahren eifrig mit den Nazis und Göring kollaborierte), wurde von den Nazis mehr oder weniger enteignet. Als sein Name für perverse technische "Errungenschaften" wie die "Stuka" missbraucht wurde, war er schon tot und seine Flugzeugfirma längst in andere Hände übergegangen. Hugo Eckener, der Zeppelinheld der zwanziger und frühen dreissiger Jahre wurde erst für Propagandazwecke missbraucht und dann nach 1937 wie eine heisse Kartoffel fallenlassen, als die "Hindenburg" in Lakehurst explodierte und Göring bereits wusste, dass die gigantischen Luftschiffe, die Ende der Zwanziger Jahre wie Einsteins Relativitätstheorie und der Berliner Funkturm für die technische Vormachtstellung der Weimarer Demokratie in der Welt gestanden hatten, völlig untauglich für den geplanten Eroberungs- und Vernichtungskrieg waren. Das Schicksal des "Flieger-As" Ernst Udet, der zunächst hochdekorierter Luftwaffengeneral war und zum Schluss von den Nazis in den Selbstmord getrieben wurde, war Gegenstand eines Dramas des Exil-Autors Carl Zuckmayer, "Des Teufels General", dass nach dem Krieg mit Curd Jürgens in der Hauptrolle verfilmt wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Juli 2010

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