Folgen des Mauerbaus

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von Gast Jens, 7. Juni 2006.

  1. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Hallo Martas, bei diesem Thema musst du dich daran gewöhnen ganz schnell einen Roten zu fangen. Das geht ruckzuck, mit den seltsamsten Begründungen. Aber das sollte Dich nicht hindern, weiter Deine Meinung und Deinen Standpunkt zu vertreten.
     
  2. Wieger

    Wieger Gesperrt

    Alle näheren Verwandten mussten einer Parteimitgliedschaft zustimmen. Dann die nähere Umgebung und die weitere! Also man erfuhr wirklich alles! Dann gab es außerdem einen Parteiauftrag, der individuell zugeschnitten war, auch observieren. Sprich man hat sich nackig gemacht. Alles um festzustellen, ob du eine sozialistische Persönlichkeit bist, was erstmal nichts schlechtes an sich hat(freundlich, höflich, bescheiden, aufopferisch, u.a.) Ansonsten bin ich froh, eine weitere Stime hier zu haben, Martas. Mach weiter, bleib tapfer und rege dich nicht so schnell auf!
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Juni 2006
  3. Penseo

    Penseo Neues Mitglied

    Freundlichkeit, Höflichkeit, Bescheidenheit und Aufopferung u.a. sind immer gute Eigenschaften.
    Ich verstehe Dich sicher wieder falsch, wenn es sich für mich so anhört, als ob dies nur Eigenschaften sind, die mit sozialistischer Einstellung einhergehen?
     
  4. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Tut mir leid Wieger, da muss ich energisch widersprechen. Niemand mußte einer Parteimitgliedschaft zustimmen. Für einige war es allerdings eine Chance, im Beruf eine Funktion zu bekommen, deren Leistungsparameter sie zwar nicht ganz erfüllten, aber dann kam die Gewichtigkeit SED-Mitgliedschaft dazu, und andere, leistungsstärkere Nichtgenossen wurden dafür zurückgestellt. Auch das führte auf weite Sicht zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen und technischen Situation in der DDR. Da Leistungsträger, die sich einer Mitgliedschaft in der SED verweigerten hinter weniger geeigneten SED-Mitgliedern zurückstehen mußten.
    Es blieb für jeden eine persönliche Entscheidung - nur mussten sie sich entscheiden, ob sie dafür auf einen Karriereschub, auf bestimmte Vorzüge oder Angebote, an die eine SED-Mitgliedschaft gekoppelt war, verzichten wollten.
    Parteiaufträge gab es für SED-Mitglieder, das observieren gehörte nicht mit dazu, es sei denn, SED-Mitglieder haben sich bereit erklärt für die Stasi zu arbeiten, aber das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Juni 2006
  5. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Das, was ich jetzt schreibe, ist kein Scherz.

    Ich ärgere mich heute noch, das mich nie jemand gefragt hat in die Partei einzutreten, oder IM zu werden.
    Im Nachhinein war es ja gut so.
    Die haben bestimmt meine NVA Akte gelesen und gewusst, was ich geantwortet hätte.
    Das war nur mal eine kleine Nebenbemerkung zum Thema.

    ( Soll auch heissen, niemand wurde zu etwas gezwungen)
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Juni 2006
  6. Irene

    Irene Neues Mitglied


    Flo, ich denke , diesen glücklichen Umstand hast eher Deinem Wohnsitz im "Wald" zu verdanken. :rofl: Wen solltest du da observieren?? und wem nützt eine Genosse im Walde?:pfeif: Flo, wenn der Eintrag in Deiner NVA-Akte in etwa einer Vorbestrafung gleichkam, warst Du als SED-Mitglied sowieso nicht gefragt. Vorbestrafte wurden nicht zur Armee gezogen und auch nicht in die SED aufgenommen. Galt jedenfalls bis 1968, was die Armee betraf.

    Aber was die Stasi anbelangte, waren Leute mit einer nicht so lupenreinen Kaderakte oftmals sehr interessant. Da hatten sie ein Druckmittel in der Hand.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Juni 2006
  7. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Nun stell dir mal vor, in meinem Wald leben nur 180 Einwohner.
    Aber direkt an der A2, damals hiess es Transitautobahn. (Hannover- Berlin)
    15 Leute hier hatten immer behauptet, sie sind Hilfspolizisten um auf den Parkplatz, der gleich nebenan ist aufzupassen.

    Trotzdem Sind wir als Kinder immer hin und haben nach Schokolade und Apfelsinen gebettelt. Wir hatten uns sogar damals extra einen Bunker gebaut.
     
  8. Anish

    Anish Aktives Mitglied

    Ich muß Irene recht geben und energisch widersprechen.
    Niemand mußte zustimmen, außer dein persönlicher Pate. Es machte sicher einen Unterschied, aus welcher Schicht man kam, Kandidaten aus der Arbeiterklasse hatten es wesentlich einfacher, Vertreter der Intelligenz oder Angestellte eher schwerer, da es Quoten gab. Am einfachsten war es für junge Leute, Lehrlinge, auch Studenten noch (hier kam es auf die Studienrichtung an). Und wer aus Karrieregründen nicht in die SED wollte oder konnte (siehe Quote), dme standen immer noch die Blockparteien offen.
     
  9. Solidarnosc

    Solidarnosc Neues Mitglied

    Was ja sehr interessant ist:
    Die SED wollte ja immer eine "Arbeiterpartei" sein. Daher gab es Quoten, wie viele Angehörige der Intelligenz eintreten konnten und wie viele Arbeiter eintreten sollten. Um die Arbeiter wurde wie gesagt sehr geworben. Um die Statistiken zu schönigen wurde dann zum Beispiel ein Arbeiter der mit gut 20 eingetreten ist und 40 Jahre später schließlich Direktor oder sonst eine leitende Tätigkeit hatte sein lebenlang immer als "Arbeiter" registriert.
     
  10. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Das hatte aber etwas mit der Ideologie und dem Hierarchieverständnis in DDR-Unternehmen zu tun. Auch als Direktor unterstand er in erster Linie der Partei und der Gewerkschaft und war quasi aus der Arbeiterklasse hervorgegangen. Als Direktor konnte er zwar Anweisungen gegenüber Mitarbeitern geben, aber abgesegnet mussten diese Entscheidungen allemal durch die Betriebsparteiorganisation sein und damit durch Bezirks- u. Kreisleitung wenn es rein technische Fragen des Unternehmens anbelangte, persönlich gesehen nahm er keinen anderen Status ein, als jeder Produktionsarbeiter in diesem Unternehmen - Direktor war ein Titel mehr auch nicht - nach DDR-Ideologie waren alle gleich.
    Anders sah es dann aber bei der Einstufung der Kinder eines Direktors aus, wenn der Vater auch noch einen Hochschulabschluß hatte und Direktor, zählten die Kinder als Nachwuchs der Intelligenz u. waren damit gegenüber den Kindern aus Arbeiterfamilien in einigen Dingen schlechter gestellt. Ohne Sinn u. völlig unlogischer - aber es war die Ideologie.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juni 2006
  11. Penseo

    Penseo Neues Mitglied

    Wie sah denn diese Benachteiligung aus? Ging es darum, wegen der Quotenregelung eventuell nicht in die SED zu kommen ( mit den damit verbundenen Nachteilen)? Oder gab es auch noch andere Nachteile?

    Wurden alle gleichermassen benachteiligt? (Also auch die Kinder studierter SED-Grössen?)
     
  12. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Die sah folgendermaßen aus.
    Ab der 8. Klasse konnte man ins Gymnasium.
    Ein Arbeiterkind mit Durschnitt, sagen wir mal,1,3 durfte nicht.
    Der Sohn des Tiearztes, der bei uns 3,0 hatte durfte.
    Er kam aber nach einem Jahr wieder zurück.
     
  13. Irene

    Irene Neues Mitglied

    tut mir leid, Flo, aber da hast du jetzt was verwechselt. Ein Junge aus der Arbeiterklasse konnte noch mit 2,5 zur Erweiterten Oberschule, ein Mädchen aus der Arbeiterklasse mußte mindestens 2,0 haben.
    Kinder aus der Intelligenz mußten mindestens 1,3 vorweisen, um zur EOS zu kommen und sie bekamen auch - wenn sie einen Studienplatz erhielten - kein Stipendium. Wenn das Wort Intelligenz hier genannt wird, betraf das bei dieser Quotenregelung Hochschulabsolventen und Akademiker.


    Edit: für kleinere Städte wo Hinz und Kunz sich kannten ist es nicht auszuschließen, dass dort von den Vätern - nach Flo seinem Beispiel ein Tierarzt - dem Kreisschulrat und dem Direktor der EOS ein Deal gemacht wurde. Aber es war nicht die Regel und funktionierte im großen Rahmen nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juni 2006
  14. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich glaube dir das.
    Aber wenn es Quoten gab?
    Aus unserer Klasse durften nur drei.
    Und wir waren 32 Schüler.
     
  15. Irene

    Irene Neues Mitglied


    Die Quoten waren für Intelligenzler negativ. Der Anteil der Arbeiterfamilien mußte gewährleistet sein. 32 Schüler, du meine Güte, also zu meiner Zeit und auch bei meiner Tochter waren 25 das Höchstmaß:pfeif: Das muss ja schrecklich gewesen sein.
     
  16. derLiterat

    derLiterat Neues Mitglied

    Quote hin, Quote her...keine Ahnung, ob es die gab. Ich habe jedenfalls das Abitur 1982 an der Abendschule gemacht, da gab es solche Beschränkungen nicht - da war die Bildung jedem zugänglich, der bei Verstand war...
     
  17. Irene

    Irene Neues Mitglied


    Da hast Du recht, wer konsequent blieb (Elternhaus und Schüler/Schülerin, hat es letztendlich auch durchgesetzt. Volkshochschule, Abendschulen, Arbeiter-Bauern-Fakultäten, diese Quoten zu umgehen gab es viele Möglichkeiten. Wer lernen und sich bilden wollte, konnte das auch tun.
     
  18. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ja, natürlich hat er Recht.
    Ich wollte doch nur diese Ungerechtigkeit schildern.
    Ein Freund oder ehemaliger Klassenkammerad durfte nicht, Obwohl er Klassenbester war. Sein Vater war nur LPG- Bauer.
    Das ging bei ihm nur, weil er 3 Jahre in der NVA war und neben der Abendschule noch Trecker fahren musste. Heute ist er Lehrer.
     
  19. Renard

    Renard Mitglied

    Fakt ist jedoch, daß der Zugang zum Abitur und dem Studium zu DDR-Zeiten auch eindeutig nach politischen Kriterien geregelt wurde. Natürlich gab es den Weg über die Abendschule, aber es doch ein erheblicher Unterschied, ob ich Abitur machen kann und anschließend gleich studieren kann oder das neben dem Beruf nebenbei erledigen muss. Warum muß ich als Kind für meine Herkunft büßen?
    Ich will damit nicht sagen, dass das heutige System nicht auch die Auswahl nach sozialer Herkunft fördert, obwohl es dies nicht sollte.
     
  20. Wieger

    Wieger Gesperrt

    Ich habe jetzt herausgefunden, dass mehrere Personen bürgen mussten, kommt da einer Zustimmung der Parteimitgliedschaft gleich?
     

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