Foltern

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Marie-Sophie, 16. August 2007.

  1. chamaeleon

    chamaeleon Neues Mitglied

    Fehlende Wahrheitsfindung

    Folter hat für mich ganz allgemein die Bedeutung, dass einem Menschen vermeidbare Schmerzen zugefügt werden. Ob es nun dieses oder jenes Instrument ist, halte ich für nebensächlich. Im Mittelalter war wohl die Daumenschraube am meisten bekannt. Damit könnte mir jemand den Daumen so zerquestschen, dass ich ihn nie wieder gebrauchen kann und auch das wäre ein schwerwiegender Eingriff in meine Gesundheit. Von weiteren Instrumenten möchte ich gar nicht erst reden.

    Hier betrachten wir die Folter im Zusammenhang mit Hexenprozessen und das Schlimme ist, dass den "Hexen" ihr Geständnis praktisch in den Mund gelegt wurde. Das war ein klarer Fall von Vorverurteilung. Wenn die Märchen und Sagen stimmen würden, dann hätte ja eine Hexe übernatürliche Kräfte haben müssen. Ich kann mir keine Frau vorstellen, die solche Kräfte hat. Folglich wude die angebliche "Hexe" so lange gefoltert, bis sie die Schmerzen nicht mehr ertragen konnte und gezwungen war, zu lügen.

    Am einfachsten und ehrlichsten war noch das Gottesurteil. Der Hexe wurde ein Stein um den Hals gebunden und von einer Brücke aus wude sie in einen Fluss geworfen. Wenn sie das nicht überlebte, dann war sie unschuldig. Wenn sie es aber überlebte, dann verfügte sie scheinbar über Zauberkräfte und dafür wurde sie anschließend hingerichtet. So eine Hexe war bereits zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung so gut wie tot. E blieb nur noch die Frage offen, auf welche Art und Weise sie dann sterben würde. Das war eben das Gemeine an der Sache: nach Beweisen wurde gar nicht erst gefragt.
     
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  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    Und wenn es Männer waren? :confused:
     
  3. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Naja, nach Beweisen nicht, aber gefragt wurde. "Bist Du eine Hexe? Nein? Na, dann her mit den spanischen Stiefeln!", darauf läuft das mit dem Foltern ja hinaus. Ich habe schon den Standpunkt gehört, die Inquisition, die das Foltern geradezu wissenschaftlich betrieb, sei ein Fortschritt gewesen, da bei Inquisitionsprozessen ein Geständnis erforderlich war im Gegensatz zur Festlegung des Urteils durch einen Richter. Das diese verlangten Geständnisse zu hemmungsloser Quälerei führten und bestimmt oft nicht der Wahrheit entsprachen steht auf einem anderen Blatt...
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Richtig. Gefoltert werden durfte aber nur einmal und das Geständnis aus der Folter konnte widerrufen werden - sofern wir es mit einem ordentlichen Inquisitionsprozess zu tun haben. Hexenprozesse waren aber i.d.R. keine ordentlichen Inquisitionsprozesse. Außerdem durfte die Folter nicht zu bleibenden Schäden führen - weshalb die Henker im ausgehenden Mittelalter auch die beliebtesten Ärzte wurden.
     
  5. Balduin

    Balduin Gesperrt

    Hey,

    es war ja auch schon eine Unsinnigkeit: Hätte sich eine Hexe verbrennen lassen ? Nein, sie hätte sich irgendwie rausgehext.
    Kürzlich gelesen habe ich, dass kein Blut bei der Inquisition fließen sollte. Deshalb wurde ja z.B. Brenneisen benutzt oder es wurden einfach Knochen gebrochen.

    Diese Folter ohne nachfolgenden Schaden wurde nicht während der Inquisition angewendet oder ? Man musste gegen Ketzer, Hexen und Co. ja hart vorgehen und brauchte sie nicht mit Samthandschuhen anfassen.

    Natürlich gibt es diese Folter, nehmen wir nur die Isolierhaft. Auch sie ist Folter. Sie wurde ja an der RAF angewendet und das hat ja Empörung in der Gesellschaft hervorgerufen.

    Genau diese Isolierhaft wurde auch unter anderem beim KGB gegen höherstehende Menschen angewendet. Z.B. Mitglieder der Partei, Mitglieder des ZK.

    Lg
    Balduin
     
  6. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Zum Nachlesen, damit wir wissen, worüber wir hier diskutieren - und v.a., damit wir zwischen Inquisitionsprozess und Hexenprozess unterscheiden können: historicum.net: Folter

    Anm.: Folter in jüngerer Vergangenheit gehört in einen anderen Kontext und ist hier ürigens Off Topic...
     
  7. belisarius

    belisarius Neues Mitglied

    Nun, einen besonders absurde Beweisfindung ist der "Wassertest":
    Die angebliche Hexe wurde in einen Sack aus Leinen gesteckt, der in einem Fluss, festgebunden an einem Seil, versenkt wurde.
    Ertrank sie, war sie keine Hexe.
    (oben wird eine ähnliche Methode aufgeführt)
    Diese perversen Methoden machen einen wirkliche krank.
    Wie diese Menschen auf diese Ideen kamen, ist wohl immer noch ein Rätsel.
    Vielleicht waren sie deshalb so einfallsreich, weil sie niemals in die Situation kamen, dass das auf sie auch angewendet werden könnte.

    Furchtbar, dass in Ländern wie den USA die Folter inzwischen nur noch als "bedingt juristisches Problem" gesehen wird...
     
  8. Eber

    Eber Gesperrt

    Ein Grund für die Folterungen im Mittelalter war,da der Grundsatz galt "Keine Verurteilung ohne Geständnis"
    Interessanter Weise hatte die Sowjetunion auch so einen Grundsatz "Keine Verurteilung ohne Geständnis"!
     
  9. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Gilt dieser Grundsatz in der BRD etwa nicht?
     
  10. belisarius

    belisarius Neues Mitglied

    Nein.
    Der Angeklagte ist nicht verpflichtet, seine Schuld einzugestehen.
     
  11. Eber

    Eber Gesperrt

    Nein im 20/21.Jahrhundert galt in der europäischen Kultur das Beweise auch zu einer Verurteilung reichen.
     
  12. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Die Wasserprobe beruhte darauf, dass Wasser alles Böse abstößt. Eine Hexe schwimmt also oben, weil dass Wasser sie nicht haben möchte. Ich habe bis jetzt jedoch noch von keinem Fall gelesen, in dem eine Probantin ertrunken und dann als unschuldig proklamiert wurde. Das ist eine Legende aus dem 19. Jahrhundert. So schnell ertrinkt man nun auch nicht. Die Henker waren sicher auch keine Stoffel und haben die Unschuldige schnell genug herausgezogen.
     
  13. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Korrekt. Wenn jedoch die Beweislage deutlich seine Schuld beweist, hat er ohne Geständnis u.U. eine härtere Strafe zu befürchten. Macht der Beschuldigte ein Geständnis, kann die Strafe milder ausfallen, je nach zur Last gelegten Verbrechen z.B. eine Strafe die zur Bewährung ausgesetzt wird.
     
  14. belisarius

    belisarius Neues Mitglied

    @rurik
    Danke für die Information!
    War mir gar nicht bekannt!
     
  15. Eber

    Eber Gesperrt

    Mal so am Rande, die erste Zeitmessung in Sekunden die dokumentiert wurde, ist ein Folterprotokol aus den Niederlanden aus dem 17.Jahrhundert.
     
  16. martin12398

    martin12398 Neues Mitglied

    Bei den Vorstellungen dieser Themen wird mir echt übel, aber das Schlimmste ist, dass wir uns all die Grausamkeiten überhaupt nicht mehr vorstellen können. Wir sagen zwar: "Hach, die armen Menschen damals...." aber niemand kennt wirklich dieses Gefühl, in jeder Sekunde qualvoll dem Tode näher zu kommen.... einfach grauenhaft.... Genauso ist es für mich auch erschreckend zu wissen, dass die Verfolgung, Folter und Hinrichtung von "Hexen" nicht nur ein Thema der düsteren Vergangenheit ist... Noch während wir über die Schrecken der mittelalterlichen Taten sprechen werden heute noch Menschen als "Hexen und/oder Ketzter" hingerichtet....
     
  17. Eber

    Eber Gesperrt

    Ein bißchen "YOU TUBE" oder Ähnliches und man kann sich so einiges anschauen,und dann kommen schon die Sachen die man sich nicht vorstellen kann.
     

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