Frage: Besiedlungsformen -

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von jossi, 14. Juli 2007.

  1. jossi

    jossi Neues Mitglied

    Hi,
    ich möchte wissen, wo ich etwas über Besiedlungsformen finde. Ich beschäftigte mich schon lange mit der Frage, wie die das wirklich gemacht haben? Nach welchen Kriterien haben die ersten Siedler ihre Plätze zum Bau einer Bleibe ausgewählt? Ich kenne diese Geschichte, mit der Hangmulde. Und tatsächlich befinden sich viele Weiler wirklich in einer ? Hangmulde. Welche Spuren könnten Gebäude hinterlassen haben? Und wie haben sie ihre nächste Umgebung gestaltet? Da sie ja Bauern waren, mussten sie doch verschiedene Felder und Weiden anlegen. Wo rodeten sie? Wo rodeten sie nicht?

    Hintergrund der Geschichte: Ich wohne hier im Mühlviertel, nördliches Oberösterreich inmitten einer bäuerlich strukturierten Gegend. - Sie ist relativ bewaldet, wenn man aber genau hinschaut, sieht man sehr genau, dass viel Waldstücke einst Felder oder Wiesen gewesen sein müssen (steinfrei, teilweise sieht man sogar noch Terrassenanlagen). Hinter meinem Haus erstreckt sich ein ziemlich großes Waldgebiet, wo es kein Haus gibt. Ich bin mir sicher, dass da irgendwann einmal ein Weiler oder ein Einzelhof war, weil ja rundherum ehem. Felder und Wiesen liegen (die jetzt halt Wald sind). Außerdem gehört er Großteil dieser Fläche einem einzelnen Bauern, der aber in einem naheliegenden Weiler liegt, aber nicht unmittelbar an dieses große Waldstück anschließt. Also gehe ich davon aus, dass diesem Bauern irgendwie diese jetzt bewaldete Landwirtschaft zugefallen ist (Heirat oder so) und die Behausung halt einfach verfallen ist. Im Maria-Theresianischen Kataster ist dort nichts mehr. Wie finde ich nun die Stelle, an der das Haus stand? Da muss es doch eine bestimmte Anordnung von Feldern und Gärten gegeben haben, die eventuell noch nachvollziehbar sind. ...
     
  2. florian17160

    florian17160 unvergessen


    Ich würde mal ganz spontan sagen, du fragst einfach mal den Bauer.
    Auch wenn eingeheiratet, die Familiengeschichte wird er wohl aufgeschnappt haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juli 2007
  3. Hotte143114

    Hotte143114 Aktives Mitglied

    Häuser wurden zumeisst an der unfruchtbarsten Stelle errichtet, fruchtbarer Ackerboden war zu wertvoll dazu.

    Sieht man heutzutage noch oft in Afrika zb. in Marokko stehen die Häuser / Dörfer oft auf Hügeln wo nix wächst... :grübel:
     
  4. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Mit Siedlungsformen beschäftigt sich die Siedlungsgeografie. Kulturgeografie und Historische Geografie könnten ebenfalls weiterhelfen.

    Hier ist noch ein gutes Portal: forum oö geschichte: Startseite

    Wirst es wahrscheinlich schon kennen.
     
  5. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Hallo Jossi,

    du hast Recht - solche Terrassen (und auch Lesesteinschutthaufen) verweisen auf ehemalige Feldfluren. Häuser sind schwer auszumachen. Ich versuch mal, auf ein Paar deiner Fragen einzugehen.

    Das wichtigste Kriterium ist die Lage zu einem Gewässer (meist Fließgewässer). Die ältesten Siedlungen lagen fast immer in direkter Bach- oder Flussnähe. Erst später - als die Technik des Brunnenbaus voranschritt und auch die Zersiedelung fortschritt, baute man Siedlungen auch in abgelegeneren Ecken. Deswegen ist es nicht unbedingt zwingend, dass die Häuser auch an den unfruchtbareren Plätzen standen.

    In Deutschland (ich weiß leider nicht, wie sehr das auf Österreich zutrifft) waren die frühesten Häuser in Dörfern fast komplett aus Holz oder Fachwerk errichtet. Deswegen können sie eigentlich fast nur noch von Experten ausgemacht werden. Einige Kennzeichen sind: Spuren von Hüttenlehm, ebene Geländespuren (sog. Hausplattformen), auch der Bewuchs mit Immergrün wird genannt. Aber wie gesagt - meistens ist sowenig übrig, dass es nur geschulte Archäologen oder Feldbegeher finden können. Und selbst für die bereitet es einige Mühe.

    Die Felder lagen bei den mir bekannten Wüstungen dicht bei den Häusern; dass prägnanteste Kennzeichen sind ehemalige Feldterassen, die im Gegensatz zu den Häusern auch für den Laien leicht auszumachen sind. Weitere Spuren ergeben sich durch die alten Wege, besonders, wenn es Hohlwege sind.

    So einfach ist das nicht zu erschließen, besonders, weil es ja im 20. Jahrhundert große Flurreformen gab - in Deutschland war es zumindest so, und wird in Österreich sicher nicht anders gewesen sein. Daher kann man nicht unbedingt sagen, dass dein Bauer direkt in der Nachfolge der ehemaligen Besitzer steht. Da würde ich ihn in der Tat selbst mal fragen.

    Bevor du durch den Wald stiefelst, würde ich mich ohnehin erst mal mit den historischen Quellen beschäftigen. Alte Wüstungen sind bisher durch Schriftquellen (Urkunden, Register etc.) viel besser belegt, als durch archäologische Ausgrabungen u.a. Befunde. Sicher gibt es irgendwo auch ein Werk über die Wüstungen deines Raumes - vielleicht schaust du einfach mal nach, ob darin auch etwas über deine Gegend zu finden ist. Ebenso gibt es häufig Flurnamenregister - auch über diese alten Flurnamen sind oft ehemalige Siedlungen überliefert. Da die Fluren recht kleinräumig waren, lassen sich die alten Orte relativ gut lokalisieren - sofern sich in deiner Gegend jemand die Mühe gemacht hat, diese Namen zu sammeln und zu kartographieren.
     
  6. jossi

    jossi Neues Mitglied


    das habe ich natürlich gemacht, und der hat sich auch die mühe gemacht und in seinen alten sachen gekramt - - er hat einen katasterplan aus der zeit maria-theresias (also 18 jhdt) und da ist nichts mehr eingezeichnet....
     
  7. jossi

    jossi Neues Mitglied

    Das wichtigste Kriterium ist die Lage zu einem Gewässer (meist Fließgewässer). Die ältesten Siedlungen lagen fast immer in direkter Bach- oder Flussnähe.

    - darüber würde ich gerne mehr lesen - hast du zum Thema Siedlungsgeschichte, Siedlungsforschung, Genese und Typen von Siedlungen einen Literaturtipp?? (Nitz, HJ, 1974 habe ich schon selbst entdeckt). super wärs halt, wenn es sich auch mit meiner Region beschäftigte. Oberösterreich als Ganzes ist immer eine andere GEschichte, weil ja der Teil südlich der Donau römisch war und dadurch die Etnwicklung eine ganz andere als nördlcih der Donau, so zwischen der römischen und bohemischen Siedlungsentwicklung....da liebt das Mühlviertel und da finde ich nie was...

    merci
     
  8. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Bei uns gibt es viele verlassene Gehöfte.

    Unser Dorf war bis zum 30 jährigen Krieg doppelt so gross, dann in den Archiven als "Wüst" bezeichnet.

    Ich weiss nicht, ob dir das etwas hilft, mein Opa sagte immer, überal wo du Obstbäume oder auch Flieder siehst, kannst du dich darauf verlassen, das da mal ein Haus stand. ( abgesehen von den Obstbaum-Alleen natürlich)


    Und in der Tat, es gibt viele solcher Ecken bei uns.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Juli 2007
  9. HZL FZ

    HZL FZ Neues Mitglied

    Auch vereinzelt auftretende größere Brennesselhorte haben sich als
    Zeigerpflanze für Fundamente erwiesen.
    mfG
    HZL FZ
     
  10. Helma

    Helma Mitglied

    Könnte es sein, dass Dein Opa "Fliederbeere", zu Deutsch Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) gemeint (oder gesagt) hat?

    Beim Mühlviertel habe ich da allerdings Zweifel: da liegt mit Granit und Gneis saures Urgestein drunter, in Verbindung mit der Höhenlage könnte es dem Holunder dort ganz und gar nicht gepasst haben. Möglicherweise hat sich der Rote Holunder (Sambucus racemos) da tapferer gehalten, obwohl der nicht so typisch für die Nähe von Häusern ist wie der schwarze.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Juli 2007
  11. Helma

    Helma Mitglied

    Schau mal.



     
  12. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Kann in vielen Fällen sein, aber grundsätzlich würde ich mich darauf nicht verlassen. Ich habe ein WE-Haus mitten in der Pampa (der Lkrs. STD verzeihe mir :pfeif:) auf einem Riesengrundstück. Definitiv haben dort früher keine Häuser gestanden und Kirschbäume hat auch niemand gepflanzt. Im größeren Umkreis gibt es auch keine. Aber Drosseln fliegen u. U. mit ihrer Beute (Kirschen) eine ganze Strecke. Und daher stehen dort so einige wilde Bäume am Wegesrand.
     
  13. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Daran habe ich nicht gedacht, stimmt.

    Aber in unserer Gegend trifft das schon meistens zu, da Wald und Wiesen intensiv genutzt werden. Da gibt es eben "Inseln" wo man nicht ackern kann, da alte Fundamente das Wachstum hemmen und sich dort eben die früheren Gartenfrüchte und Zierpflanzen ausgebreitet haben.
     

Diese Seite empfehlen