Fragen zu den Kreuzzügen

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von Gast, 21. September 2008.

  1. Gast

    Gast Gast

    Ich habe mich in letzter Zeit sehr für die Kreuzzüge interresiert, aber ein paar Fragen konnte ich mir nicht beantworten.
    1. Wenn ein Kreuzzug begann, konnte einfach jeder der lustig ist mitmachen. Die gleiche Frage stelle ich mir bei den Orden
    2. Wie waren die Ritter wirklich ausgerüstet? Ich stelle mir das in einem Kettenhemd da echt heiß vor.
    3. Wie viele Kreuzzüge waren wirkliich erfolgreich?
    Schon einmal danke für die Antworten.
     
  2. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    1. Im Prinzip konnte jeder mitmachen, nur hatten es arme, kampfunfähige Leute deutlich schwieriger das Heilige Land zu erreichen.
    2. Zurecht:).
    3. Das ist natürlich eine Frage die seit Jahrhunderten diskutiert wird und hängt natürlich von den Kriterien des "Erfolgs" ab.
     
  3. Nakharar

    Nakharar Neues Mitglied

    1. Es gabe ja verschiedene Kreuzzüge wie den Bauernkreuzzug (der dem 1. Kreuzzug voranging) oder die Kinderkreuzzüge. Nur kamen diese niemals im heiligen Land an, sondern wurden unterwegs von Sklavenhändlern und Osmanen vernichtet.
    2. Anfangs waren sie schon mit Kettenhemden gerüstet, wobei sie im heiligen Land teilweise die Bekleidung der anderen übernahmen. Andererseits hatten ja auch ihre Gegner Ketten- und Schuppenpanzer.
    3. Der Erste Kreuzzug schuf vier Kreuzfahrerstaaten und eroberte Jerusalem. Der Dritte konnte Jerusalem vllt. nicht zurückerobern, aber immerhin Akkon. Was evtl. auch noch Erfolg war: Der Kreuzzug Ludwigs II., der einfach Jerusalem für ein paar Jahre zurückkaufte.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Man muss sich von der Vorstellung lösen: Arabien-Mittelmeerraum = heiß. Das trifft zwar auf weite Gebiete zu, macht aber vergessen, dass auch in diesen Regionen Winter herrscht und z.B. die heute libanesisch-syrischen Teile der damaligen Kreuzfahrerstaaten, aber auch Teile Israels im Winter durchaus auch Schnee und Kälte kennen. Man bedenke, dass man sich in weiten Teilen des Libanon vorkommt, wie in den Alpen, ganze Regionen auch vom Ski-Tourismus leben.

    Der Bauernkreuzzug darf wohl getrost als ungeplanter Unfall gewertet werden. Es ist ja nicht so, dass Urban in Clermont ausrief: "so, wir machen jetzt mal 'nen Kreuzzug", und die Menge rief "Deus lo vult!" Vielmehr ist dem ganzen jahrelange Diplomatie vorausgegangen, man hatte ganz gezielt den Adel angesprochen um ein funktionierendes Unternehmen zu starten. Und nach dem Konzil dauerte es noch über ein Jahr, bis alle Vorbereitungen getroffen waren. Von der gut vorbereiteten, durchorganisierten Kreuzfahrt des Adels hebt sich der Bauernkreuzzug durch seine Spontanität, aber auch durch seine Ziellosigkeit ab
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Eigentlich ist es doch schon fast ein Wunder, dass sie bis Anatolien gefunden haben. Geographische Vorstellungen waren bei den meisten Teilnehmern doch de facto nicht vorhanden, viele waren zeitlebens bestenfalls bis ins Nachbardorf gekommen und haben sich wohl nach 2-3 Tagen Marsch gefragt, wann denn nun endlich Jerusalem am Horizont auftaucht.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das wird möglicherweise ein Grund für die Ungeduld gewesen sein und damit auch ein Grund für die Metzeleien, denen zunächst Juden, später Ungarn zum Opfer fielen.
     
  7. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    1. "Bauern" und andere Nicht-Kämpfende befanden sich auch im Tross der Ritterheere, salopp gesagt, sind denen, bis man primär auf die Seeroute umschwenkte, auch immer Bauern hinterhergedackelt.
    3. Das war Friedrich II., aber er hat es nicht "zurückgekauft" sondern einen Vertrag über die beidseitige "Nutzung" Jerusalems abgeschlossen. Schon den Zeitgenossen war bewusst das dies nicht mehr als Kosmetik war, die Muslime hätten Jerusalem jederzeit mit viel geringerem Aufwand als zuvor(=1187) "zurückerobern" können.
    Man könnte auch so argumentieren das die Bauern ja eigentlich keine "echten" Kreuzzugsgelübde ablegen konnten, demnach also gar keine Kreuzfahrer waren. Das Gelübde "für alle" gibt es erst seit Innozenz III. und der hatte da auch anderes im Kopf als Bauern.
    Die Bauern führten diese Züge ja nicht an. Da waren schon auch "gebildetere" Ritter und Kleriker dabei. Pilgerfahrten ins Heilige Land waren schon seit Jahrhunderten üblich, irgendwer kannte immer den Weg.
     
  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    @Jet, ich füge mich bezüglich meines vorherigen Beitags der Autorität von Wiki.

    Volkskreuzzug ? Wikipedia
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Da hätte ich mal eine Zwischenfrage. Bei der Ausführung, dass jeder mitmachen konnte, frage ich mich, ob da nicht auch häufig Abhängigkeitsverhältnisse einen Strich durch die Rechnung machten. Neben den Freien gab es ja auch Hörige, die nicht einfach den Ort wechseln konnten und das waren nicht eben wenige.
     
  10. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Die Frage kann man pauschal nicht beantworten, dafür wissen wir zu wenig über die Bauern und ihren Bezug zu den Kreuzzügen. Unser wissen über die Motivation und praktische Ausführung der Kreuzzugsplanung, -vorbereitung und- durchführung von Rittern und Adligen beruht in erster Linie auf Aufzeichnungen von "Verträgen" (Die oftmals von den Beteiligten selbst diktiert wurden.) und Briefen.
    Von den Bauern liegt diese Art der Quellen aus verständlichen Gründen nicht vor und wir sind hier auf alle Arten von Chroniken angewiesen, die die Bauern in ein, zwei Sätzchen abhandeln.
    Zumindest allerdings seit Innozenz III. hatte ein Herr theoretisch keine rechtliche Handhabe einen potentiellen Kreuzfahrer an der Kreuzfahrt zu hindern, sollte er das Gelübde abgelegt haben.
    Die praktische Seite sieht aber so aus, dass seitdem eigentlich nur noch der Seeweg in Frage kam, sich kein Bauer es leisten konnte ins Hl Land zu reisen.
     

Diese Seite empfehlen