Französische vs. Britische Kolonialpolitik in Nordamerika, 7-jähriger Krieg

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von rrttdd, 7. Juli 2015.

  1. rrttdd

    rrttdd Mitglied

    Ich habe mir gerade auf Wikipedia Artikel zu Indianerkriegen angesehen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Indianerkriege

    Wenn man sich das so anschaut kommt man zu folgendem Schluss:

    Franzosen: Total nett zu Indianern, trieben Handel und wurden schlimmstenfalls zu ihrem Ärger in zwischenindianische Konflikte reingezogen

    Briten bzw. Puritaner: Man könnte fast sagen, sie sahen sich als auserwählt an, das Land zu unterwerfen, ihr Einflussgebiet wie auch immer zu erweitern und Indianer waren störende Wilde, deren Leben nichts zählte und die wie auch immer weg mussten. Geht ja fast schon in Richtung in Kauf genommenem Genozid...:S

    Siehe auch hier:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Pontiac-Aufstand

    Im siebenjährigen Krieg, der wohl eine Art "allererster Weltkrieg" gewesen sein muss, wurde Frankreich zum Leidwesen der Indianer aus Nordamerika verdrängt.

    Was mich interessieren würde:

    a) Wieso hatten die beiden Nationen, welche ja beide irgendwie christlich waren, so ein unterschiedliches Indianerbild?

    b) Britannien gewann den siebenjährigen Krieg in Nordamerika wohl aufgrund der Anzahl seiner Siedler. Die Franzosen konnten das mit befreundeten Indianerstämmen wohl nicht kompensieren. Demnach muss es wohl für Briten attraktiver gewesen sein zu emigrieren als für Franzosen. Obwohl in Frankreich zu der Zeit die absolutistischen Ludwigs herrschten, was am Ende zu Revolution führte...? Während die Puritaner in England "nur" glaubensverfolgt waren...

    Oder war es so, dass die Puritaner zwar politisch verfolgt, aber wohlhabend genug für eine Schiffsfahrkarte waren, welche sich die Franzosen nicht einmal leisten konnten?

    Oder war ein Leben als britischer Kolonist genau wegen der Kolonialpolitik attraktiver? In den britischen Kolonien: kurzer Prozess mit "nervenden" Indianernachbarn vs. langatmige Verhandlungen auf französischer Seite?

    Irgendwie ist auch die britrische Kolonialisierungsmotivation dadurch für mich unverständlicher. Die Franzosen wollten Wachstum im Handel und haben sich mit den nordamerikanischen Indianern eben neue Hadelspartner gesucht, das ist ja nachvollziehbar. Aber was haben die Briten davon, wenn sie potenzielle Handelspartner umbringen?
     
  2. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Nur kurz, da nur mit Handy:

    Zu 1): wenn ich mich richtig erinnere, dann kam durch die Masse an Siedlern in den englischen Kolonien es zu Konflikten mit den Indianern, die in den Gebieten um die Kernkolonien liegen. Des weiteren waren die französischen Kolonisten bzw. Frankreich durch die schwierigere geographische und klimatische Lage auf die indianischen Bewohner stärker angewiesen.

    Aber alle Angaben ohne Gewähr.:winke:

    Zu 2): die Besiedlung der Kolonien durch England geschah primär durch eigenen Antrieb und war nicht zentral gesteuert. Die Kolonisten wollten v. a. Ihre Religion ausleben, so wie die katholischen Siedler in Maryland.
     
  3. Luziv

    Luziv Neues Mitglied

    Ich finde manche Behauptungen zum Verhältnis der Briten und Franzosen zu den Indianern etwas übertrieben und ungerecht. Man muss außerdem zwischen den Kolonialregierungen und der britischen Zentrale unterscheiden.

    Richtig ist, dass in den britischen Kolonien ein erheblich stärkerer Bevölkerungsdruck herrschte als im französischen Bereich. Es gab rege Landspekulationen einiger reicher Leute aus den Kolonien, die teils gute Verbindungen zu den Lords Commissioners of Trade and Plantations in London hatten, Neppverträge zu Lasten einiger Indianerstämme und Versuche, im Ohiogebiet für den Handel Fuss zu fassen. Die Franzosen, bei denen es im Vergleich viel weniger Kolonisten gab, verlegten sich mehr auf den Handel und hatten insofern naturgemäß bessere Beziehungen zu den Stämmen.

    Lange Zeit war das jedoch nicht so entscheidend. Bis ca. Mitte der 1750er-Jahre war es vor allem die Irokesen-Konföderation (und die diesen untergebenen Stämme), die die beiden europäischen Kolonialmächte gegeneinander ausspielte und die Situation damit lange in der Schwebe hielt. Der mehr oder weniger zufällig ausbrechende Siebenjährige Krieg führte zu einer Kräfteverlagerung zugunsten Großbritanniens ungeahnten Ausmaßes. Das lag vor allem daran, dass Frankreich den Krieg in Nordamerika nicht ernst genug nahm, bis es zu spät war. Das änderte auch die indianische Situation fundamental zum schlechteren, d.h. vom diplomatischen Partner zum Objekt von Handlungen.

    Ab 1758 gelang es den Briten immer öfter, Verträge mit vorher den Franzosen zugeneigten Stämmen zu schließen. Grund dafür war u.a. die Abhängigkeit der Stämme von europäischen Waren, die die Franzosen nicht mehr so liefern konnten.

    Während des Krieges hatte die Londoner Zentrale den Kolonialparlamenten größeren Einfluss zubilligen müssen. Nach dem Krieg stand man vor dem gewaltigen Problem, wie man die Kolonien weiter im Zaum halten könnte. Die königliche Proklamation vom 7. 10. 1763, die in dem einen gelinkten Wiki-Artikel so am Rande erwähnt wird, war eine dieser Versuche. Sie sicherte den Indianerstämmen vertragsgemäß das Land hinter einer bestimmten Linie hinter den Appalachen, eine gewaltige Fläche immerhin. Sie beschränkte die Expansion der Kolonien ziemlich und war einer der Gründe, die zur Revolution in den 1770er-Jahren führte.

    Immerhin gab es also den Versuch der Briten, den verschiedenen Stämmen ein Territorium zu sichern. Gegen die Landgier der Kolonisten war sie nur ein unzureichendes Hilfsmittel, aber ohne die Entstehung der USA hätte die künftige Indianerpolitik sicher anders ausgesehen. Pontiaks Kampf war ein grundlegender Versuch, die Kräfteverhältnisse zu ändern und den indianischen Stämmen wieder einen Einfluss wie vor dem Krieg oder sogar wie vor der Kolonisation zurück zu geben. Hätten die Franzosen gewonnen und sich massiv in Nordamerika engagiert, wäre er evtl. auch ausgebrochen.

    Dass die Franzosen "total nett" zu den Indianern waren, kann man nur mit Einschränkungen so sehen. "Die Indianer" gab es sowieso nicht, nur eine Vielzahl von Stämmen oder Völkern mit eigenen Interessen und Politiken. Die Interessen der Franzosen und Indianer konnten meist synchronisiert werden, dann ist es auch einfacher, nett zu sein. Wenn man sich aber z.B. das Fox-Indianer Massaker von 1712 ansieht, was man als Genozid bewerten kann, merkt man, dass die Franzosen nicht immer so nett waren.
     
  4. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Die Sichtweise, die guten Franzosen und die bösen Engländer, etwas überspitzt ausgedrückt, scheint mir etwas kurz. Hier nun andere Tanta Wiki-Links, und man kommt schon zu einem anderen Bild.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenjähriger_Krieg_in_Nordamerika
    https://en.wikipedia.org/wiki/French_and_Indian_War

    https://en.wikipedia.org/wiki/Franco-Indian_alliance

    Man könnte auch sagen das Frankreich den Krieg in Amerika auf kosten und mit dem Blut der Verbündeten Indianischen Völkern geführt hat. So als Gegenthese.

    Apvar
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Die ganze Wirtschaft der Franzosen war eher auf den Handel mit den Einheimischen ausgerichtet. Während sich recht viele Freiwillige für die Besiedlung der 13 brit. Kolonien fanden, mussten die Franzosen regelrecht zu Zwangsmitteln greifen, um Siedler für ihre Gebiete aufzutreiben.
     
  6. FCBfreak85

    FCBfreak85 Neues Mitglied

    Weiß jemand, warum genau die Franzosen eine nur so geringe Emigration nach Lousiana hatten?
    Durften Mitglieder des 3. Stands nicht einfach so ausreisen? Hatten englische Religionsflüchtlinge mehr Geld für die Überfahrt?
     

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