Frauenemanzipation

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von rosahotti, 10. Dezember 2011.

  1. rosahotti

    rosahotti Neues Mitglied

    Hi,
    ich schreibe eine Facharbeit zum Thema "Die Wandlung der Frau in der Französischen Revolution". Als Eigenanteil möchte ich eine Umfrage bzw. Diskussion starten...

    Möchte die Frau wirklich emanzipiert sein oder ist es nur Show, um der Jahrhunderte langen Unterdrückung durch den Mann zu zeigen, wer die Hosen an hat in der heutigen Gesellschaft?

    Warum bleiben immer noch mehr Frauen wegen ihrer Kinder zu Hause als Männer?

    Warum bekommen Mädchen meistens rosa farbenes Spielzeug und Jungen meistens blau farbenes?

    Warum ergreifen weniger Frauen technische Berufe als Männer? (z.B den Beruf der Automechanikerin)

    Männerfrage:
    Wie sehen Männer Emanzen?
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ...irgendwas passt da nicht ganz zusammen :winke:
     
  3. foxbuster

    foxbuster Neues Mitglied

    Hallo,

    Wo schreibst du deine Arbeit? Im Rahmen welcher Ausbildung?

    Auch mich machen die Fragen, die irgendwie so fern der frz. Revolution zu sein scheinen, irgendwie zunächst stutzig. - Bitte schildere uns mal den genauen Zusammenhang bzw. deinen Gedankengang. :)
     
  4. rosahotti

    rosahotti Neues Mitglied

    Hi,

    Du hast recht mit deiner Schlussfolgerung...
    ich schreibe meine Facharbeit im Fach Geschichte im Rahmen der 10. Klasse.
    Als einen Unterpunkt meiner Arbeit habe ich die Nachhaltigkeit der Frauenemanzipation in unserer heutigen Gesellschaft. Deshalb möchte ich sehen, wie man auf meine Fragen reagiert, um dann das in meine Arbeit mit einfließen zu lassen.
     
  5. foxbuster

    foxbuster Neues Mitglied

    Das machts doch schon mal konkreter. :)

    Nun, du hast recht, in Folge der französischen Revolution gibt es tatsächlich eine Emanzipationsbewegung der Frauen.
    Was du im Hinblick auf deine Diskussion aber beachten solltest ist, dass die von dir aufgeworfenen Fragen eher ein Ergebnis der Emanzipationsbewegung des 20. Jahrhunderts ist, welche die traditionelle Rollenverteilung (auf die zielen deine Fragen ja ab) in Frage stellt. Die Emanzipationsbewegung der Frauen nach der französischen Revolution forderte zunächst andere, viel elementarere Dinge (z.B. die Erlangung der Bürgerrechte).

    Das macht aber nicht unbedingt was. Alternativ kannst du schauen, wo z.B. jene Ziele und Ergebnisse der Emanzipationsbewegung der Frauen nach der französischen Revolution heute noch ihre Gültigkeit hat. (Stichwort Grundgesetz)
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Dezember 2011
  6. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Hast du dir die Fragen selbst überlegt?
    Ist das Thema vorgegeben, weil die franz. Revolution Unterrichtsstoff der 10. Klasse ist?
    Ich frage deshalb, weil für mich die franz. Revolution eher für das Aufbrechen der Gesellschaftsschichten und Besitzstände steht und das galt für Männer und Frauen gleichermaßen. Die Nachhaltigkeitsfrage wäre dann anders zu stellen oder ist die vorgegeben?
     
  7. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Keine Ahnung, was das "Warum" angeht, aber diese Farbzuordnung ist noch recht neu. :winke:
     
  8. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Ursprünglich war die Farbzuordnung genau andersherum. Jungen wurden in Rosa (dem kleinen Rot), der Signalfarbe der Männlichkeit gekleidet und Mädchen in Blau, was die Farbe der Jungfrau Maria war (und ist). Erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts begann sich diese Zuordnung zu ändern. Dieser Wechsel wurde möglicherweise durch die Industriearbeiter und Matrosen ausgelöst, welche oft blaue Kleidung trugen. Dadurch wurde diese Farbe nun als "männlich" gesehen. Durchgesetzt hat sich dieser Trend erst in den Vierzigern. Zu diesem Zeitpunkt begannen auch Hersteller von Kinderkleidung und Warenhäuser diesem Trend zu folgen, obwohl dessen Entwicklung nicht einheitlich bzw. flächendeckend war. An dem Punkt wo die Eltern das Geschlecht ihres Kindes schon im Voraus feststellen lassen konnten, war es ihnen natürlich auch möglich die Kleidung schon „geschlechtsspezifisch“ auszusuchen. Somit bekam das Thema auch wesendlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als in vorherigen Generationen. Das verstärkte diese Tendenzen zusätzlich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Dezember 2011
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  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich sehe keinen bedeutenden Wandel der Frau in der Französischen Revolution, außer vielleicht man würde sich des Bildes der Malerin Vigée-Lebrun bedienen, die Frauen seien durch die Revolution enttrohnt worden.
    http://www.geschichtsforum.de/417888-post13.html
    Man hat dem entgegen gehalten, dass sich das Los der Frauen generell während der Aufklärung am Vorabend der Revolution nicht verbessert hat, was ihre rechtliche Stellung anbelangt.
    Dennoch äußerten sich mehrere französische Zeitgenossen in der Hinsicht, dass die Frauen in Frankreich regierten. So auch H.G. Riquetti de Mirabeau: http://www.geschichtsforum.de/607944-post126.html
    Meines Erachtens könnte es sein, dass es in der Elite oberflächlich so aussah, als ob die Frauen regierten, da sie einen großen Einfluss innerhalb der Salons genossen.

    Zu den typischen Farben:
    Wenn man sich Gemälde aus dem 18.Jh. anschaut, so trugen die Jungen häufig Rot oder Rosa und die Mädchen Blau. Im späteren 18.Jh. scheint sich diese Festlegung aber gelöst zu haben und man sieht bei kleinen Kindern beides. So trägt der spätere Franz II. auf einem Kinderbildnis von Anton Raphael Mengs Blau.
    Dies hier ist ein Gemälde von Anton von Maron, das die Kinder der späteren Kaiserin Maria Ludovica in typischer Kleidung zeigt: http://www.art-perfect.de/sites/default/files/archiv/barock/aus maria ludovica toscana children.jpg Der Sohn ist an seinem Orden vom Goldenen Vlies und dem Knopfsteg auf dem Ärmeln erkennbar.
    Die Kinderkleidung war bei der Oberschicht in dieser Zeit (um 1770) noch nicht sehr geschlechtsspezifisch. D.h. bis die Jungen Hosen etc. bekamen, trugen sie Kleider, die allerdings oft mit männlichen Attributen wie Aufschlägen oder ähnlichem versehen waren.
     
  10. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied


    1. Oha! Das Konzept "die" Frau ist ziemlich problematisch, und schon immer gewesen. Ein kurzer Blick in die Geschichte der Frauenbewegung, wird deutlich machen, daß es eine Vielzahl an Vorstellungen und Zielen gab und gibt, die durch andere Faktoren (Gesellschaftsschicht, Glaube etc) beeinflußt waren. Der Hälfte der Menschheit hier Gerechtigkeit zu tun, um diese Frage zu beantworten, würde eine der größten statistischen Erhebungen aller Zeiten werden...

    2. "Informationen zur Politischen Bildung" oder so, hatte da mal ein interessantes Heft herausgebracht, welches unter anderem darauf hinwies, daß in Deutschland bis in die 70er/80er die rechtliche Lage von Frauen mit Kindern, oder schwangeren Frauen darauf ausgerichtet war, daß sie daheim blieben. Das Schulsystem, oder eher die täglichen Schulzeiten waren auch nicht gerade Arbeitnehmer freundlich, und erschwerend kam hinzu, daß Frauen weniger verdienten. Da machte es dann praktischen Sinn auf das geringere Gehalt zu verzichten. Soviel aus dem Gedächtnis.

    3. Das haben andere ja schon beantwortet.

    4. Darüber wurden bereits Doktorarbeiten geschrieben. Kurz zusammengefasst besteht eines der "Probleme" darin, daß Mädchen anders als Jungs gefördert werden. Männer sind in "Frauenberufen" ebenso unterrepräsentiert wie umgekehrt.

    5. Meistens mit den Augen. :fs:
     
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  11. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Nun, warum bleiben immer noch mehr Frauen zu Hause als Männer? Zumindest in der ersten Zeit ist die Ernährung eines jungen Homo sapiens durch einen Mann etwas sschwieriger
     
  12. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Kommt drauf an wie man besagten Homo Sapiens ernährt, wobei das vor der Erfindung von Trockenmilch für Säuglingenfreilich nicht zur Debatte stand. :winke: Oder wie lange man (frau in diesem Fall) braucht, oder haben möchte, um sich von einer Geburt zu erhohlen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Dezember 2011
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Zur Zeit der Französischen Revolution erhoben Frauen zunehmend ihre Stimme und forderten ihre Rechte ein, wofür besonders Olympe de Gouges steht.

    Kurz nach Verabschiedung der neuen französischen Verfassung erschien 1791 ihre "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin". Dort forderte sie das aktive und passive Wahlrecht für Frauen und ihre uneingeschränkte Zulassung zu öffentlichen Ämtern. Sie war unter anderem Mitglied eines Frauenzirkels, den Sophie de Condorcet und Antoine de Condorcet gegründet hatten und der bereits 1789 einen Artikel über die Zulassung der Frauen zum Bürgerrecht publiziert hatte. Diese Frauen veröffentlichten zahlreiche politische Texte zu aktuellen Begebenheiten in Form von Broschüren, Flugblättern und Plakaten.

    Leider fiel Olympe de Gouges 1793 dem terreur Robespierres zum Opfer, dessen Gegnerin sie war. Dennoch zeigt diese Epoche, dass Frauen in der breiten Öffentlichkeit ihre Stimme erhoben, was die Zeit der Aufklärung vorbereitet hatte. Man denke an die Marquise du Chatelet, Madame de Stael, Henriette Herz oder Rahel Varnhagen.
     
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  14. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Dem möchte ich zustimmen und die FR, als Teil der Aufklärung, war eine wichtige Etappe in der Fundierung der Ideengeschichte der modernen Frauenbewegung.

    Frauenbewegung ? Wikipedia
     
  15. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied


    Es kommt meiner Ansicht nach darauf an, inwieweit eine Frau darauf gepolt ist, ihr Kind im Säuglings- bzw. Kleinkindalter zu betreuen. Es gibt Frauen, die möchten nicht wegen des Kindes auf ihr restliches Leben mit Arbeit, Partys etc. verzichten. Da wird dann eben auch gern die genannte Trockenmilch hergenommen und der Säugling gar nicht erst gestillt, um eine gewisse Unabhängigkeit zu wahren.

    Und dann eben auch die andere Variante von Frauen, die am liebsten ganz zuhause bleiben möchten und vollkommen in der Mutter- und Hausfrauenrolle aufgehen und für die Trockenmilch schon fast einer Beleidigung gleichkommt.

    Was davon nun der richtige oder bessere Weg ist, mag ich nicht beurteilen - ich kenne im Bekanntenkreis beide Varianten, und bis dato sehe ich noch keine großartigen Nachteile für den Säugling, der nicht gestillt wird/wurde.

    Ich selbst habe noch keine Kinder, daher könnte ich nicht einmal aus eigener Sicht für die eine oder andere Variante plädieren.
     
  16. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied


    Ich stimme dir zu, und würde zum Thema "Stillen" noch die weitere Facette anmerken, daß es manchmal aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist zu stillen. Das mag nun daran liegen, daß die Mutter zu wenig Milch hat, der Säugling es nicht annimmt, die Mutter Medikamente nimmt die unverträglich sind usw. Bei einem solchen Thema kommen einige Faktoren zusammen, was dann unter Anderem mal wieder deutlich macht, daß es "die Frau" nicht gibt. :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Dezember 2011
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  17. Hulda

    Hulda Aktives Mitglied

    Ich würde diese Frage anders stellen:
    Bleiben mehr Frauen wegen ihrer Kinder zu Hause als gewollt wegen der gesellschaftlichen Umstände?

    Ich denke nämlich nicht, dass das häusliche Umsorgen von Säuglingen und Kleinkindern zwingend als Indikator des Emanzipationsgrads gesehen werden sollte. Es sollte aufgepasst werden, dass Emanzipation und Gleichmacherei um jeden Preis nicht miteinander verwechselt werden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Dezember 2011
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  18. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Sind das aber nicht allgemeine Meinungen von heute und was hat das mit Geschichte zu tun?
     
  19. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Jedenfalls war es in meiner Klasse so das die Mädchen unioso gesagt haben das sie in Karrenz gehen und nicht ihr Mann.

    Waren vor allem Türkinnen und Jugos in meiner Klasse. Jede Familie sollte die Möglichkeit haben es zu gestalten wie sie es will, aber die Gesellschaft muss es auch möglich machen, wenn ich sehe das Kindergärten nur bis 13 Uhr geöffnet haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Dezember 2011
  20. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    In der Tat verliert sich die Geschichtsfrage, deren Verlust freilich in der Umfrage von Beginn an angelegt war; besser wär's das Thema in den Smalltalk zu verschieben. Wie dem auch, ich müßte mir jetzt selbst auf die Zunge beißen. Aber wenn ich überlege, daß sogar dort, wo es hier im Forum ursprünglich um eine historische Frage (Stichwort: Geschlechter in der Steinzeit) ging, die Geschlechtsdifferenz und ihre Klischees aktualisiert wurden, ist die Frage, ob das Thema überhaupt ohne Infragestellung der eigenen gesellschaftlichen Bedingungen diskutierbar sei; ob die eigene Einstellung zur Biologie der Geschlechter oder vielleicht präziser die eigene Identität nicht vielmehr das Maß des eigenen Standpunktes bestimmt, wobei diese Identität selbst nicht bedingungslos in Frage gestellt werden kann. Nun gut, ich lasse das einnmal dahingestellt und zitiere einfach aus einem Buch, das sich mir anbietet (allerdings ohne Bezug zur Frz. Rev. - aber auf den gibt es ja schon sehr kompetent Antworten):

    In Leipzip wurde 1906 eine Doktorarbeit geschrieben mit dem Titel "Die Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit", deren Autor: Alice Salomon ihre Begründung für niedrige Frauenlöhne schreibt sie, daß die Frau in der Regel die Fähigkeit hätte oder haben sollte, "von ihrer Erwerbsarbeit zu einem anderen Wirkungskreis überzugehen; und sie rechnet daher mit der Möglichkeit, daß die Ehe ihr eine Möglichkeit erschließen kann, die mit einem direkten Entgeld nicht beglichen zu werden pflegt. Diese Hoffnung dürfte [...] der Genügsamkeit mit einem unzureichenden Lohn zugrunde liegen." Es folgt eine weitere Begründung über den Vergleich verheirateter Frauen, die weniger flexibel seien, als "lohnherabsetzendes Moment", obzwar sie als Ehefrauen "rechtlich nicht in der Lage sind, ihren Wohnort zu wählen" und A. S. spricht gar als ganz erhebliche lohnbildende Wirkung - man lasse es sich auf der moralinen Zunge zergehen - von einer "Unbequemlichkeit" und "mangelden Elastizität weiblicher Berufsgruppen" - Und "diese Unbeweglichkeit der berufstätigen Frau" - die auch noch als "ein Ausfluß der provisorischen Beurteilung der Erwerbsarbeit seitens der Frau selbst" - wird wie folgt aufklärt: "Weibliche Beamte müssen billiger als männliche sein, wenn der Staat die aus ihrer schweren Ersetzbarkeit hervorgehenden Unbequemlichkeiten auf sich nehmen soll"; mehr noch: "Frauen anderer freier Berufsgruppen lassen dadurch, daß sie sich schwer zu einem Wechsel des Wohnortes entschließen, lohnerhöhende Konjunkturen oft unbenutzt." Dann folgt wieder ein Vergleich: "Die Frauenarbeit untersteht denselben Bedingungen wie die 'nicht freizügige Arbeit' [...]" Und dann schließlich: "Dazu kommt noch, daß die Frauen in ihren Lebensgewohnheiten tatsächlich bedürfnisloser zu sein plegen, und daß auch diese Differenz bei der Preisforderung und beim Preisgebot mit in Rechnung gesetzt zu werden pflegt."
    Es klingt ein wenig ironisch wenn Alice Salomon eine gewisse Lohnsteigerung der Frauenarbeit für möglich hält, wobei ein "Rest des Lohnunterschiedes bestehen" bliebe, "der in etwa dem Bedürfnisprinzip Rechnung tragen würde" - ob sie bei Abfassung ihrer Doktorarbeit schon an eine verbesserte Ausbildung speziell im sozialen Erwerbsbereich dachte, geht aus der Zitation nicht bei Meineck leider nicht eindeutig hervor; auch nicht, ob sie darin schon implizit betont, daß es sich bei dieser Ausbildung für das soziale Ressort "um keinerlei Emanzipationsbestrebungen" handeln würde, sondern "lediglich darum, junge Mädchen und Frauen zu ernster Pflichterfüllung im Dienste der Gesamtheit heranzuziehen." (Menschik, S.43 f zitiert selbst nach nach H. Muthesius, Alice Salomon. 1958, S.41; ansonsten nach J. Kuczynski, 1963: Geschichte der Lage der Arbeiterin in Deutschland seit 1700) Für den historisierenden Gourmet sei noch der Kommentar von Jutta Menschik aus den 1970er Jahren hinzugefügt: in diesen Sozialberufen wie die „Arbeit mit sittlich gefährdeten Mädchen“, „Waisenpflege, Aufsicht von Ziehkindern“ oder „Säuglingspflege“ z. B. „durften Frauen unangefochten arbeiten und sind bis heute von Männern nicht verdrängt worden.“ (Menschik, Gleichberechtigung oder Emanzipation? Frankfurt am Main: Fischer, 1973, S.43)
    Ob solche Verhältnisse die Folie für Freuds Formel war, daß Anatomie eben Schicksal sei? (Freilich biologistisch - nämlich triebtheoretisch fundiert...) Oder hatte Alice gar Schopenhauer gelesen, der sich wünschte: „Hausfrauen sollte es geben und Mädchen, die es zu werden hoffen, und […] zur Häuslichkeit und Unterwürfigkeit erzogen“ ? (hier zit.: http://www.oegkv.at/uploads/media/schierl.pdf ) Das sollte vor allem als Überleitung dienen, denn Schopenhauer schrieb auch: „Zu Pflegerinnen und Erzieherinnen unserer ersten Kindheit eignen die Weiber sich gerade dadurch, daß sie selbst kindisch, läppisch und kurzsichtig, mit Einem Worte, Zeit Lebens große Kinder sind: eine Art Mittelstufe, zwischen dem Kinde und dem Manne, als welcher der eigentliche Mensch ist.“ (zit. nach ebd.) Ein solches Frauenbild weist merkwürdiger Weise und trotz aller Diskontinuität - auf die Antike zurück.
    Da der Bogen damit zu weit gespannt würde, Ende ich hier für heute. Oder auch nicht, denn habe ich überhaupt gar nicht geschrieben, warum ich die gefundenen Sätze der Salomon so bezeichnend finde? In den Zitaten wird die Ausrichtung auf die Ehe sehr betont; hier scheint ein Ideal vorzuliegen, dem zumindest die bürgerliche Frau nacheifern soll - auch wenn oder gerade weil es 'die Frau' - wie bemerkt, eigentlich nicht [mehr(?)] gibt?
     
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