Freier Gladiator

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von barcas, 11. September 2016.

  1. barcas

    barcas Gast

    Hallo liebes forum.

    Ich habe eine frage zu einem fiktiven Charakter auß der römischen Zeit vielleicht so 50 nach Christus.

    Nehmen wir an ein Gladiator der durch Siege in der Arena seine Freiheit gewonnen hat möchte irgendwo im römischen Reich als Söldner arbeiten.

    Wie könnte er zur ausrüstung gekommen sein?
    Aus dem Ludus wird er sicher nichts mitnehmen dürfen.
    Könnte er mit dem Geld von seinen gewonnen Kämpfen etwas kaufen ?

    Wie könnte die Ausrüstung eines Söldners im alten Rom ausgesehen haben?

    Im voraus schon mal vielen Dank für die Antworten und eure Zeit.
    Freue mich auf eure Ideen und Anregungen.
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    In den letzten Jahren der Republik war das Gladiatorenwesen noch nicht verstaatlicht, und Gladiatorenschulen gehörten Privatleuten. Die Erfahrungen aus dem Spartacusaufstand führten dazu, dass die Römer ein ungutes Gefühl dabei hatten, Gladiatoren zu bewaffnen. Dennoch taten das manche römische Adelige, die sich aus Gladiatoren eigene Bodyguards rekrutierten. An der Via Appia gerieten die Trupps zweier Adeliger Clodius und Milo aneinander, wobei einer der beiden erschlagen wurde.

    Gaius Iulius Caesar kaufte eine eigene Gladiatorenschule in Campanien.
    Als er anläßlich von Spielen mit seiner Truppe in Rom einzog, ging der Senat dagegen vor und begrenzte den Aufwand und erlaubte ihm weniger Fechterpaare, als geplant, da seine politischen Gegner in Schrecken gerieten, als Caesar überall Gladiatoren aufkaufen ließ.

    (Sueton, Caesar Kapitel 10.)

    Trotz des begrenzten Aufwands ließ Caesar so viele Gladiatoren kämpfen, wie man sie nie zuvor gesehen hatte, und er ließ sie mit vergoldeten und versilberten Schilden und Helmen antreten.

    In den Jahrzehnten vor und nach der Zeitenwende waren bereits ein beachtlicher Teil der Gladiatoren freie Römer, die sich über eine bestimmte Zeit als Gladiatoren anwerben ließen. Manche lockte Ruhm und Abenteuer, andere die beachtlichen Börsen.

    Ein Neuling, der nie zuvor aufgetreten war, konnte damit rechnen, eine Gage für einen einzigen Auftritt zu bekommen, die dem Mehrfachen des Jahressoldes eines Legionärs entsprach.

    Spitzengladiatoren bekamen erheblich mehr, und sie mussten nicht öfter, als 3-5 Auftritte im Jahr absolvieren. Manche kämpften aber durchaus häufiger, und es war nicht ungewöhnlich, dass Gladiatorentruppen auf Tournee durch die Provinzen gingen.

    Waffen und Ausrüstung von Bodyguards wurden vom Eigentümer gestellt, der auch für Kost und Logis zu sorgen hatte.
     
  3. barcas

    barcas Gast

    söldner

    Vielen vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

    Also ist es möglich das ein Gladiator nach seiner Zeit in der Arena als Söldner umherzieht?


    Ich meine es ist doch nicht so abwegig das ein Mann der durch vielleicht jahrelangen drill und traning zu einem Elitekämpfer wurde und diesen weg dann auch nach der arena zu seiner Berufung macht.

    Im alten Rom gab es doch genug Beschäftigungsmöglichkeiten für einen Söldner.
    Als Leibwächter, Geldeintreiber, Karawannenwächter oder vielleicht als Banditenjäger (von denen es im Reich doch recht viele gab ) etc.

    Ich hoffe meine Gedanken stehen nicht komplett im Wiederspruch mit der Realität.
     
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Komplett in Widerspruch mit der Realität nicht, aber wenn ein Gladiator so erfolgreich war, dass er die Freiheit erlangte, war er in bestimmten Branchen ein gefragter Mann. Warum sollte er sich als Geldeintreiber, Karawanenwächter oder x-beliebiger Söldner verdingen? Sofern sich ein ehemaliger Gladiator nicht einfach zur Ruhe setzte, war er als Ausbildner für den Gladiatorennachwuchs oder als Leibwächter für Promis gefragt - oder auch als Auftragskiller. Oder er machte auf freiwilliger Basis als Gladiator weiter, was wohl am lukrativsten war. Also abgesehen vom Leibwächter stellen die von Dir vorgeschlagenen Jobs eher einen Abstieg dar.
     
  5. barcas

    barcas Gast

    Danke



    Wenn man von einem herkömmlichen söldner im römischen reich ausgeht.
    Jemand der auß der mittel oder unterschicht kommt und den von mir beschrieben Jobs nachgehen würde wie könnte seine ausrüstung sprich Oberkörper panzerung und waffen ausgesehen haben?
     
  6. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    Söldner als Einzelne wirds in Rom eher nicht gegeben haben, Söldner waren als Einheit angeworbene Hilfstruppen.
    Was ein Leibwächter oder Karawanenführer an Ausrüstung getragen hat wird von der Gegend abhängen in der er tätig gewesen ist.
     
    1 Person gefällt das.
  7. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Ich denke mal, ein Karawanenwächter wird eher militärisch gerüstet gewesen sein (welche Ausstattung auch immer, das war wohl recht beliebig), ein Auftragsmörder dagegen vor allem unauffällig. Ein Leibwächter in der Metropole könnte z.B. einen Stichschutz für den Oberkörper getragen haben, was auch immer da in Frage kommt.
     
  8. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Hallo barcas,

    da dir für deinen fiktiven Charakter eines ehemaligen Gladiatoren ein Söldner-Status sehr gelegen scheint, könnte diese Figur ja auch eine Art selbstständiger Gewerbetreibender sein, der als Kopfgeldjäger Banditen zur Strecke bringt und sie als “Darsteller“ an die Arenen liefert. Neben materiellem Gewinn gäbe es da auch Ruhm zu ernten, das könnte eine zusätzliche Motivation sein für jemanden der den Jubel der Massen kennt, sich aber nicht mehr dem Risiko des sich senkenden Daumens aussetzen möchte.

    Eine Karriere als Bandit wäre natürlich auch drin.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Selbst in einer Legion waren die Ausrüstungsbestandteile bei aller Homogenität recht heterogen.
    Da gab es Schienenpanzer neben Kettenhemd und während der eine Legionär mehr Bronze am Körper trug, trug der andere mehr Eisen am Körper.
     
  10. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Es wäre ca. 20 Jahre später als die von dir gewünschte Zeit, irgendwo ist mir mal begegnet, dass im Zuge des Durcheinanders rund um das Vierkaiserjahr (69/70 n. Chr.) Gladiatoren zur Ausbildung dringend benötigter Rekruten heran gezogen worden seien, um die im Zuge der Bürgerkriegsauseinandersetzungen und des Bataveraufstands entstandenen Lücken gerade bei den Rhein- und Donau-Legionen schnellstmöglich wieder aufzufüllen.
     
  11. barcas

    barcas Gast

    Vielen vielen dank für die ganzen antworten.

    Es waren alle sehr hilfreich
    Dieses forum ist wirklich super.

    Die Idee mit dem banditenjäger gefällt mir besonders gut.
     
  12. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    Banditenjäger tät ich mir noch überlegen, Rom war ja nicht der wilde Westen, da war ein ordentliches Rechtssystem und dass es da Kopfgeldjäger gegeben hat glaub ich nicht.
    Und warum soll er sich das antun, ist irgendwie so wie wenn Roger Federer jetzt Platzwart werden würde.
     
  13. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Ob mit dem wilden Westen vergleichbar will ich nicht beurteilen. Den Beiträgen (schöne Zusammenstellung in #14) diesen Forums-Threads zufolge scheint Banditentum eine nicht zu seltene Plage gewesen zu sein. Bei allem Rechtssystem, auch auf italischem Boden war die Polizeigewalt sehr überschaubar. Auf Eigeninitiative fußende Maßnahmen halte ich nicht für unwahrscheinlich.

    http://www.geschichtsforum.de/f28/r-uberbanden-im-r-mischen-reich-31110/
     
  14. barcas

    barcas Gast

    Mir gefällt die Idee mit dem banditenjäger deshalb so gut weil es zu dem freien gladiator passen würde wie auch zu einem herkömmlichen söldner .

    Vielleicht hatte der fiktive Charakter ja eine kleine Gruppe Männer mit der er Jagd auf banditen machte .
    Oder wenn er ein guter kämpfer war und die entsprechenden ausrüstung gehabt hat könnte er ja einzelne oder kleine Gruppen banditen ja auch alleine jagen.

    Ich glaube schon öfter davon gelesen zuhaben das es im römischen reich große Probleme mit banditen und Räubern gab.

    Von daher gefallen mir die Ansätze von Lukullus schon sehr gut.

    Könnte ein einfacher römischer söldner einen gladius getragen haben stellten schmiede solche waffen auch für die Allgemeinheit zur Verfügung oder waren diese nur für die legion?
     
  15. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Der gladius war eher eine Waffe für den Kampf in der Formation, um aus dem Schutz der Schilde mit kurzen Bewegungen schnell zu stechen oder zu schneiden.

    Eher ist es schon so, dass in Rom das Tragen von Waffen beschränkt war. Reisende mussten um sich zu schützen Waffen mit sich führen, waren dann natürlich immer in Gefahr für eine Räuberbande gehalten zu werden. Dazu gibt es einen Text von Mommsen, ich komme nur nicht auf den Titel. Die Jünger Jesu hatten jedenfalls Schwerter.

    Und von Rom selbst haben wir da noch gar nicht gesprochen.

    Es dürfte aber Möglichkeiten gegeben haben, an alle Waffen zu kommen:

    Die Provinzverwaltung war zum Beispiel unsagbar schlank. Die Gemeinden/civitates verwalteten sich selbst und das Gebiet, welches nicht zu einer Gemeinde gehörte wurde von der Armee verwaltet. (Theoretisch konnte jede civitas anders organisiert sein.) Sonst gab es noch die Armee, einen Finanzbeamten und den Statthalter. Diese beiden Beamten mussten ihre Hilfskräfte selbst anstellen und unterhalten. (Ja, es gab einige Unterschiede, aber hier zunächst nicht relevant.) Wenn Dein Ex-Gladiator in Diensten eines Statthalters stand, dürfte er dabei an vieles gekommen sein können, dass sonst nicht erreichbar war. Ein gladius dürfte aber nicht so schwer zu erlangen gewesen sein.

    EDIT: Genaugenommen mussten sich die Legionäre selbst ausrüsten. Es ist nicht ganz klar, was sie selbst zahlen mussten und was die Einheit übernahm, aber es gibt Dokumente, dass Hinterbliebenen Teile der Ausrüstung abgekauft wurden. In der Realität werden die Rekruten das meiste gestellt bekommen haben und es mit Abzügen auf den Sold abgestottert haben. Es waren also sicher genügend Waffen auf dem Markt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. September 2016
  16. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    In Rom durften überhaupt keine Schwerter offen sichtbar getragen werden. Auch von Soldaten nicht, da das als aggressiver Akt gegenüber der Stadt betrachtet wurde.
    Einen ehemaligen Gladiator sehe ich nicht in einem ehrbaren Beruf, da das Gewerbe des Arenakämpfers gesellschaftlich nicht angesehen war, auch wenn er zahlreiche Fans und auch Verehrerinnen hatte. Am ehesten vermute ich ihn als Ausbilder für Gladiatoren (Lanista) oder Fechtlehrer für die Söhne von Rittern und Senatoren. In der Regel blieben sie aber Gladiatoren, bis sie die Arena, mit den Füßen nach vorn verließen . Selbst die, mit unzähligen Siegen ließen ihr Leben irgendwann in der Arena. Wahrscheinlich war es für sie auch eine Sucht, nach dem Jubel und dem Applaus der Masssen.
     
  17. barcas

    barcas Gast

    Vielen dank für deine ausführliche Antwort.

    Wenn die ausgedienten Legionäre oder ihre Nachkommen Ausrüstung aus ihrer Zeit bei der Legion verkauften könnte ein Söldner der in Diensten eines reichen (Beamten Statthalters oder Adeligen) stand, zu solch einer Ausrüstung gekommen sein?
    Zb. Brustpanzer oder Helm?
     
  18. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ich vermute, barcas dachte nicht an Rom selbst.

    Ehrenvoll verabschiedete Gladiatoren hatten durchaus ein gewisses Ansehen. Das zeigt schon ihr stolz getragenes Holzschwert als Statussymbol. Für Positionen, für die Freigelassenen in Betracht kamen, waren sie jedenfalls geeignet.

    'Ehrbarer Beruf' ist zudem ein Anachronismus. Berufe galten generell als unfein. Anders sah es nur bei Tätigkeiten im Staatsapparat aus, wozu selbst der Legionär und auch die Rechtsanwaltstätigkeit gezählt wurden. Traditionell galt das auch für selbständige, freie Landwirte auf eigenem Grund, aber...

    Und im Gefolge von Statthalter waren Freigelassene und Sklaven ein gewohnter Anblick.

    (Es gab einige Waffen, die auch in der Stadt Rom akzeptabel waren, insbesondere die Holzschwerterer ehrenvoll entlassenen Gladiatoren. Richtige Schwerter wohl kaum. Nur bevor es da zu einem Missverständnis kommt.)
     
  19. barcas

    barcas Gast

    Ja hab mich wohl schlecht ausgedrückt.
    Meinte nicht rom selbst danke Riothamus
     
  20. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Ein häufig siegreicher Gladiator konnte sich sicher auch neue Waffen kaufen, da die Siegprämien, besonders wenn der Kaiser die Spiele ausrichtete manchmal beträchtlich waren. Es war wohl keine besondere Hürde Panzer und Helme zu kaufen. Auch ein Schwert konnte man sicher kaufen, man durfte es in der Hauptstadt nur nicht offen sichtbar tragen. Der Besitz von Waffen war aber wahrscheinlich erlaubt.
    In der Zeit der Republik hielten konkurierende Senatoren private Gladiatorenhorden als Leibwächter und Radaubrüder, die auf politische Gegner losgelassen wurden, die ihrerseits ebenfalls eine solche Truppe besaßen. In der Kaiserzeit war es aber ,wegen dieser Exzesse nicht mehr für Privatpersonen gestattet Gladiatoren in ihren Diensten zu haben. Auch die Gladiatorenschulen waren verstaatlicht worden und nicht mehr ,wie zu Spartacus' Zeiten privat.
     

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