Freiheitskämpfer des Mittelalters

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von Lili, 13. August 2004.

  1. Lili

    Lili Neues Mitglied

    William Wallace - pro libertate

    William Wallace wurde im Januar 1272 als zweiter Sohn eines politisch weitestgehend unbedeutenden Ritters im schottischen Elerslie (heute: Elderslie) geboren. Zu dieser Zeit schien die Thronfolge Schottlands noch gesichert zu sein: Der schottische König Alexander III. und seine Frau Margaret hatten zwei Söhne und eine Tochter. Margaret starb jedoch 1275. Da Alexander III. in ernste Auseinandersetzungen mit König Edward I. von England (Longshanks) verwickelt war, versuchte er in diplomatische Beziehungen zum norwegischen König Erik II. zu treten und verheiratete so 1281 seine Tochter Margaret mit ihm. Im gleichen Jahr starb der jüngere Sohn des schottischen Königs und nur 3 Jahre später - 1284 - der Thronfolger. Als auch seine noch verbleibende Erbin Margaret 1286 starb, war Alexander III. gezwungen so schnell wie möglich wieder zu heiraten, um die Thronfolge zu sichern. Als er von der Burg von Edinburgh aus seine neue Frau Yolande, die Tochter des Count of Dreux besuchen wollte, wurde er von einer Bö aus dem Sattel gehoben und stürzte über die Klippen in den Tod. Die einzige lebende Blutsverwandte Alexander III. war seine Enkelin, die erst dreijährige norwegische Prinzessin Margaret (Maid of Norway) und so fiel der schottische Thron an sie. Sie residierte bei ihrem Vater, dem selbst erst 16-jährigen König Erik II. von Norwegen. In Abwesenheit eines Regenten übernahmen die Guardians of Scotland die Kontrolle über das Land: Zwei Familien – Bruce und Balliol – beanspruchten das Recht auf die Thronbesteigung für sich. Beide Clans rüsteten auf; in Schottland zeichnete sich ein Bürgerkrieg ab. Sir Malcolm Wallace, der Vater Williams, stand auf Seiten der Familie Bruce. Deren Favorit sollte mit der so genannten „Revolt of the Turnberry Band“ 1286 auf den Thron geputscht werden. Der 14-jährige William diente im Zuge dieses Aufstandes seinem Vater und seinem älteren Bruder als Knappe. Der Aufstand verebbte allerdings erfolglos.

    Die folgenden drei Jahre verbrachte William bei seinem Onkel, der Mönch in einem Kloster in Sterlingshire war, um sich auf die für ihn vorgesehene klerikale Laufbahn vorzubereiten. Währenddessen versuchte der englische König Eduard I. den schottischen Thron für die Maid of Norway zu festigen. Margaret und der ebenfalls erst sechsjährige Sohn Eduards I. wurden 1289 miteinander verlobt und sollten im Jahr darauf heiraten. Margaret starb jedoch im September 1290 bei der Überfahrt von Norwegen nach England. Der einflussreiche schottische Bischof Fraser schlug dem englischen König umgehend vor, die Thronbesteigung eines der rivalisierenden Häuser Bruce oder Balliol zu unterstützen, um die seit Jahren schwelenden Unruhen zu beenden. Fraser betonte in seinem Schreiben an Eduard dabei besonders, dass der Potentat des Hauses Balliol bereit wäre, Schottland unter englischer Oberhoheit zu regieren, indem er sich zur Treue gegenüber dem englischen König verpflichtet. Eduard I. setzte sich also kurzerhand als „Overlord of the Land of Scotland“ ein und verlangte dass die „Guardians of Scotland“ innerhalb einer festgelegten Frist auf ihn vereidigt wurden. Williams Vater Sir Malcolm Wallace weigerte sich jedoch einen Eid auf den englischen König zu leisten und floh mit seinem ältesten Sohn nach Norden. Seine Frau und seine beiden jüngeren Söhne William und John flohen nach Dundee zu einem weiteren Onkel Williams. Im dortigen Benediktinerkloster setzte William seine klerikale Ausbildung fort und lernte seinen späteren Weggefährten, den Mönch John Blair, kennen.

    Die Situation in Schottland spitzte sich weiter zu, es kam zu ersten kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Engländern. Bei einem dieser Gefechte fiel auch Williams Vater. In Dundee, wo sich William, sein Bruder und seine Mutter immer noch aufhielten, spitzte sich die Lage ebenfalls zu. Eduard I. hatte in jedem königlich-schottischen Schloss englische Statthalter und Constables einsetzen lassen, so auch in Dundee: Statthalter war Brian Fitz-Alan of Bedale, welcher als Constable den schottenverachtenden Selby eingesetzt hatte. Mit dem Sohn des Constables traf William Wallace im Dezember 1291 zufällig aufeinander. William war dem jungen Selby aufgrund seiner leuchtend grünen Kleidung aufgefallen, wegen der er sich mit seinen Freunden über William lustig machte:
    "Thou Scot, abide; what devil clothed thee in so gay a garment? An Irish mantle were the right apparel for thy kind; a Scottish knife under thy belt to carry; rough shoes upon thy boorish feet."
    Der aufbrausende William packte Selby am Kragen, zog seine Klinge und stieß sie in das Herz seines Gegners. Selbys Freunde wurden durch die schnell herandrängenden Menschen daran gehindert ihre Schwerter zu ziehen, was William die Chance gab sein Dirk (eine Art Dolch) zu ziehen und die meisten der Engländer zu töten oder zu verwunden und so zu fliehen. Er lief zum Haus des Onkels wo er von der Haushälterin in einen roten Umhang gehüllt hinter das Spinnrad gesetzt wurde. Die nur wenige Augenblicke später heranrückenden englischen Soldaten zogen schnell wieder weiter, nachdem sie sahen, dass die einzigen Anwesenden in diesem Haus zwei ältere webende und spinnende Damen waren. Noch am selben Nachmittag wurde bekannt gegeben, dass entweder der Mörder des jungen Selby ausgeliefert werden sollte, oder aber die ganze Stadt niedergebrannt werden würde. William floh und wurde vom englischen Statthalter von Dundee für vogelfrei erklärt.

    William fand zunächst bei einem Bruder seiner Mutter Unterschlupf, bis er erneut mit den Engländern – dieses mal mit einem Trupp Soldaten – zusammenstieß: William war fischen und die Soldaten wollten seinen Fang beanspruchen. William schlug vor zu teilen, wodurch sich der Anführer des Trupps beleidigt fühlte, weil er zu vertraut angesprochen wurde. Er zog umgehend sein Schwert und ging auf William los. Dem unbewaffneten William gelang es aber den Angreifer mit seiner Angel vom Pferd zu schlagen und so das Schwert zu erringen. Er tötete den Angreifer und zwei weitere Soldaten, die übrigen flohen. William musste nun – im April 1292 – das Haus seines Onkels verlassen. Er floh in die Wälder im Norden Schottlands wo er die nächsten fünf Jahre verbrachte und aus dem Schutz der Wälder alles Englische attackierte, was seinen Weg kreuzte.

    Am 6. November 1292 hatte Eduard I. die Entscheidung über den zukünftigen schottischen König getroffen: in der Great Hall of Berwick wurde John Balliol als König Schottlands ausgerufen und bestieg am St. Andrew’s Day 1292 als letzter schottischer König den Stone of Scone (Schicksal). So hatte Eduard I. genau das erreicht was er wollte: ein schwacher, von ihm abhängiger schottischer König und ein zweigeteiltes Schottland, in dem beide Seiten auf englische Unterstützung hofften. Eduard I. hatte Schottland unterworfen, ohne dafür das Schwert erheben zu müssen.

    William Wallace war mittlerweile als „Hammer of English“ bekannt geworden und auf seinen Kopf waren hohe Prämien ausgesetzt. Bei einem seiner Überfälle auf einen englischen Trupp wurde er verwundet und schließlich gefangen gesetzt und nach Wardens ins Gefängnis gebracht. Es ist anzunehmen, dass William aufgrund seiner Verwundung ins Koma fiel; von den Gefängniswärtern wurde er jedoch für tot gehalten. Seine in Wardens lebende Amme erbat sich den Leichnam Williams um ihn zu beerdigen. Als sie ihn eben für diese Beerdigung wusch, entdeckte sie schwache Lebenszeichen. Sie pflegte William wieder gesund und er kehrte zurück in die Wälder. Diese „Auferstehung von den Toten“ sprach sich in der schottischen Bevölkerung schnell herum und immer mehr Männer waren bereit William Wallace bei seinem Kampf gegen die Engländer zu unterstützen. Auch Williams alte Freunde aus Dundee und Elerslie versammelten sich nun um ihn: der Benediktinermönch John Blair genauso wie die schottischen Adeligen Tom Halliday und Edward Little. Etwa zur gleichen Zeit verliebte sich William in Marion Braidfute die 18-jährige Erbin von Hugh Braidfute of Lamington. Über eine Heirat der beiden ist nichts bekannt, Marion gebar jedoch das einzige Kind Williams. Kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter wurde Marion ermordet.

    Der schottische König war mit der Zeit mutiger geworden und verweigerte nicht nur militärische Unterstützung in einer Auseinandersetzung zwischen Eduard I. und König Philip IV. von Frankreich, er verbündete sich gar mit Frankreich gegen England. Die schottischen Gegner der Balliol-Herrschaft verbündeten sich aber umgehend mit England und es kam zum Krieg. Viele der großen Burgen ergaben sich annähernd kampflos den Engländern und als am 11. Juni 1297 schließlich Edinburgh Castle fiel, musste König John die Waffen strecken. John Balliol wurden in einer öffentlichen Zeremonie die königlichen Insignien abgenommen, woraufhin er im Tower of London inhaftiert wurde. König Eduard I. glaubte sich nun am Ziel: die Eingliederung Schottlands in das englische Königreich, wie er es wenige Jahre zuvor bereits mit Wales getan hatte. Er hatte allerdings nicht mit William Wallace gerechnet, in kürzester Zeit eroberte er große Teile Schottlands zurück. Im Oktober 1296 fiel William sogar in die englischen Grafschaften Northumberland und Cumberland ein, woraufhin John Balliol William zum Ritter erhob und als „Guardian of the Kingdom“ einsetzte, der während Balliols Gefangenschaft im Tower über Schottland regieren sollte. Im Mai 1297 tötete William zusammen mit etwa 30 Mann sogar den Vertreter des englischen Königs und einige seiner Soldaten. Obwohl 1297 der Großteil Schottlands wieder in schottischer Hand war, gewann William genug Männer um die Engländer zwischen den Flüssen Forth und Tay anzugreifen. William und Sir Andrew de Moray führten ihre Truppen auf Stirling Castle. Am 11. September 1297 trafen die Schotten auf die englischen Truppen unter der Führung von John de Warenne, Earl of Surrey. Die Schotten waren zwar in der Unterzahl, aber die Engländer mussten eine schmale Brücke über den Forth überqueren um zu den schottischen Stützpunkten zu gelangen. Die Schotten lauerten den Engländern am Ende der Brücke auf und schlachteten sie ab, nachdem sie die Brücke überquert hatten. Niemals zuvor hatte eine schottische Armee englische Truppen so überwältigend geschlagen. William besetzte Stirling Castle, womit Schottland so gut wie vollständig von den Engländern befreit war.

    König Eduard I. der sich zu dieser Zeit auf einem Feldzug in Frankreich befand, kehrte im März 1298 nach England zurück und fiel am 3. Juli in Schottland ein. Am 22. Juli trafen die Truppen von William mit der 90.000 Mann starken englischen Armee zusammen. Die englischen Langbogenschützen dezimierten Wallace Männer; mehr als 10.000 Schotten starben. Dem englischen König gelang es zwar nicht, Schottland komplett zu unterwerfen, doch der militärische Ruf Williams war ruiniert. Er kehrte in die nördlichen Wälder zurück und legte die Funktion als Guardian of the Kingdom nieder. Über die Jahre zwischen 1299 und 1303 ist kaum etwas über William Wallace überliefert. Es besteht die Möglichkeit, dass er sich in dieser Zeit in Frankreich aufhielt um weitere Verbündete zu gewinnen.

    1303 zog Eduard I. erneut nach Schottland, um das Land endgültig zu unterwerfen. Er eroberte 1304 Stirling und die meisten der schottischen Adeligen schworen ihm die Treue. Wallace wurde vom englischen König als Feind der Krone erklärt und galt weiterhin als vogelfrei. Am 5. August 1305 wurde Wallace von einem schottischen Ritter verraten und in der nähe von Glasgow gefangen gesetzt. Er wurde nach London gebracht, wobei ihm der Status eines Ritters der sich ergeben hatte, verweigert wurde. Er wurde für Mord an Zivilisten im Krieg und als Verräter der Krone verurteilt und am 23. August 1305 hingerichtet. Als verurteilter Verräter wurde er gehängt und noch während er lebte wurden ihm die Eingeweide herausgeschnitten und verbrannt. Der Körper wurde enthauptet und gevierteilt. Die Körperteile wurden dann an verschiedenen Stellen des Landes zu Schau gestellt: Williams Kopf an der London Bridge, der rechte Arm auf der Brücke Newcastle-upon-Tyne, der linke Arm in Berwick, das rechte Bein in Perth und sein linkes Bein in Aberdeen.
     

    Anhänge:

  2. askan

    askan Neues Mitglied

    Wenn man bei Wikipedia unter Robin Hood reinschaut wird man die These finden, das William Wallace wahrscheinlich für die Figur des Robin Hood Pate gestanden hat.
     
  3. Aragorn

    Aragorn Neues Mitglied

    William Wallace war Schotte, aber kein Highlander, denn nicht alle Schotten sind, trotz landläufiger Meinung, Highlander. Wallace stammte aus dem Westen Schottlands, seine Familie besaß Güter im Gebiet, wo heute Kilmarnock liegt. Auch sein Nachname "Wallace" lässt viele Deutungen zu. Manche Historiker sagen, er sei als "welscher" Lehnsherr , ursprünglichaus der Normandie, nach Schottland gekommen, diese These kann aber durch eine logischere Theorie wiederlegt werden: Demnach stammten Wallace' Vorfahren aus Wales und wanderten in Schottland ein oder Wallace' Urahnen waren romanisierte Briten, die das Königreich Strathclyde im Südwesten Schottlands begründeten und so von den einheimischen Scoti als "Welsche- Wallace" bezeichnet wurden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. August 2004
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ja, das ist wirklich eine These die einige britische Historiker vertreten. Auffällig sind ja auch der Mönch der Wallace begleitet (Bruder Tuck), ein Gefolgsmann namens Little (John Little) und die Geliebte namens Marion. Dazu noch das Versteck im Wald aus dessen Schutz heraus attackiert wird. Der Schluss auf Robin Hood ist da ja schon sehr naheliegend.

    Zur 2. Theorie noch ein Link: http://www.highlanderweb.co.uk/wallace/
    Zum Stammbaum auf "The Truth", "Who was William Wallace - Part 1", "Wallace Family"
     
  5. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Bevor ich noch eine Rotbewertung wegen der fehlenden Quellenangaben bekomme hole ich das lieber noch nach.
    (Schon mal auf die Idee gekommen dass man auch nen Post oder ne PN schreiben könnte um mal nachzufragen? :spinner: )

    Also bitteschön meine Quellen:
    a) meine Vorlesungsmittschrift
    b) das Skript meines Profs vom anglistischen Seminar der Uni Heidelberg (bei Fragen zu seinen Primärquellen: auf der Homepage der Fakultät ist ein Kontaktformular :p )
    c) außerdem:
    SCHOFIELD: Mythical Bards and The Life of William Wallace
    JONES/DUNCAN: A Wee Guide to William Wallace
    ROSS: On the Trail of William Wallace
    PORTER: Scottish Chifs: Or, the Life of Sir William Wallace
    WALLNER: The Myth of William Wallace: A study of the national hero's impact on Scotish history, literature and modern politics
    MACKAY: William Wallace, Brave Heart
     
  6. Wasabogoa

    Wasabogoa Gast

    Hallo, bin recht neu hier, lese zwar schon seit längerem in verschiedenen Themen mit, aber zu diesem hier habe ich eine wichtige Frage (die ich auch nicht unbedingt ohne Eigennutz stelle ^^).

    Und zwar schreibe ich eine Facharbeit im Fach ENglisch über das thema ob William Wallace Robin Hood war, bzw diese figur dazu Pate stand.
    Desegen suche ich einen möglichst englisch-sprachigen Belege für folgenden Abschnitt.

    Laut meinen Quellen klafft in diesem Abschnitt, von 1292-1297, ein Loch deswegen bin ich auch mit allen anderen, möglichst englischen, Quellen zufireden, die ihr irgendwie kennt.
    Selber habe ich das Buch "The Wallace" von BLind Harry zu dem Thema gelesen, habe nicht alles verstanden und finde diesen Zeitraum auch nicht den Anmerkungen, dementsprechend wäre es nett wenn ihr mir weiterhelfen könntet.

    MfG Wasabogoa

    P.S. frohes neues Jahr 2009 ;p
     

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