Fremde Heere Ost - Organisation Gehlen - BND

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von florian17160, 2. Juni 2009.

  1. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Das kommt daher, weil die Akten des BND "streng geheim" sind.
    Die Akten der Stasi kann sich heute jeder Dussel ansehen.

    Das ist nun mal so. Wenn ein Staat verschwindet, kann man alles sagen. Der existierende Staat verbittet sich, etwas über seine Geheimdiestmachenschaften zu sagen.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn man Äpfel und Birnen vergleicht... Der BND untersteht der Kontrolle des Bundestages (bzw. des Parlamentarischen Kontrollgremiums), d.h. er muss alle seine Taten letztlich vor der Öffentlichkeit rechtfertigen. Das soll nicht heißen, dass alles immer ganz koscher abläuft, aber im Gegensatz zum MfS, das sich selbst genügte, ist dem BND eben nicht alles möglich. Abgesehen natürlich von einer investigativen Presse, die es in der DDR nicht gab und die schon die eine oder andere Geheimdienstaffäre offenlegen konnte.
     
  3. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ja, so kann man es auch sagen.
     
  4. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Nö, das kommt daher, daß der BND einen ganz anderen Auftrag hatte und hat.
    Und daß die Bundesregierung an eine Destabilisierung der DDR nicht mal im Traum dachte (das wäre auch gar nicht kompatibel mit der Wahltaktik gewesen).
    Und daß sich generell der Westen herzlich wenig um den Osten kümmerte - er war einfach uninteressant.

    Ganz allgemein waren die Beziehungen zwischen BRD und DDR völlig unsymmetrisch, eben auch bei den Geheimdiensten.
     
  5. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich wollte es nie wieder sagen, aber da kann ich nicht anders.

    "Ja, und morgen kommt der Weihnachtsmann."
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    eher eine Frage der Legalität

    habe mich zwar nicht eingehend mit der Geschichte des BND beschäftigt, aber diese Aussage ist sicherlich angesichts des sehr lange dauernden "Kalten Krieges" vorsichtig gesagt, "fragwürdig".

    Für die Früherkennung potentieller militärischer Aktionen war es für die BRD von vitalem Interesse, Hinweise auf die Situation im Osten zu erhalten.

    Die gesamte strategische Zielplanung der westlichen Luftflotten basierte auf Spionageergebnisse. Ein schönes Beispiel ist dabei die Kenntnis der Versorgungsstruktur mit Kraftstoffen im Osten. Es war dabei nicht nötig, die Panzer zu bekämpfen, sondern dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr mit Treibstoff versorgt werden.

    Und das ist sicherlich nur ein Beispiel für die extreme hohe Wichtigkeit von Spionage im Osten, auch durch den BND.
     
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  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es war natürlich das Ziel der Organisation Gehlen, die ihre Mitarbeiter aus der Abteilung der Wehrmacht Fremde Heere Ost rekrutierte und später im BND aufging, den Osten auszuspionieren, insbesondere militärische Vorhaben und Geheimnisse. Es war aber nicht der Auftrag der Organisation Gehlen/des BND den Osten politisch zu destabilisieren.
     
  8. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Morgen schon?
    Die Gebräuche bei Euch im Osten sind schon merkwürdig ;-)

    Aber im Ernst: Du hast für Deine Vermutung nur Bauchgefühl anzubieten.
    Das ist mir etwas wenig, wenn man Behauptungen dieser Art aufstellt.

    Und wohlgemerkt: Wenn ich meinerseits behaupte, daß es strukturelle Unterschiede im Vorgehen der Geheimdienste Ost und West gab, dann NICHT weil ich den "Guten" keine schmutzigen Tricks zutraue.
    Sondern weil ich nirgends politische Ziele sehe, die im Westen von der Regierung verfolgt wurden und die "destabilisierende" oder sonstwie eingreifende Maßnahmen im Osten nahegelegt hätten.
    Im Gegenteil waren die Politiker im Westen schon in peinlicher Weise an einer möglichst stabilen DDR interessiert, um sich ungestört der westdeutschen Innenpolitik widmen zu können.
     
  9. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Selbstverständlich - militärische Spionage wurde reichlich betrieben.

    Aber mehr wohl nicht.
    Wirtschaftliche oder technische Spionage war ohnehin abseits des Militärbereichs völlig uninteressant - und politische Einflußnahme m. E. nie Ziel der westdeutschen Regierung.

    Wäre ja auch kaum möglich gewesen - eben weil das Verhältnis zwischen BRD und DDR so asymmetrisch war.

    Die StaSi konnte versuchen Einfluß zu gewinnen oder Meinung zu machen, weil sie im Westen die Möglichkeiten der offenen Gesellschaft nutzen konnte.
    Es gab eine freie Presse (die man durch gezielte Desinformation manipulieren konnte), eine öffentliche Meinung (die man durch DDR-finanzierte Organisationen beeinflussen konnte), es gab Wahlen und Abstimmungen (z. B. das konstruktive Mißtrauensvotum gegen Brandt, wo die StaSi mit Bestechungen mitmischte).

    Selbst wenn der BND gewollt hätte (und wie schon gesagt: Die westdeutsche Regierung hatte weder Interesse noch Konzept dazu), er hätte in der DDR so nicht agieren können.
    Agenten hatte er bestimmt genug vor Ort. Aber die hätten die Innenpolitik der DDR wohl nicht annähernd so beeinflussen können wie die StaSi-Leute im Westen.
     
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ich möchte nicht behaupten, dass ich mich mit den Bundesdeutschen Geheimdiensten besonders auskenne,

    aber zuerst mal war für uns im Westen die DDR Inland, damit Tätigkeitsgebiet des Verfassungsschutzes.
    (Gab mal einen Mordsskandal, die Stasi hatte den Verfassungsschutzpräsidenten entführt, John einer der wenigen die den Widerstand überlebten)
    Als hört auf mit Gehlen und Konsorten, Naumann, Kinkel, John usw. sind die Eure Zielpersonen.
     
  11. florian17160

    florian17160 unvergessen

    @R.A
    Zum Glück sind diese Zeiten ja nun vorbei.

    Aber ich habe immer noch den Eindruck, du unterschätzt den Wert eines Geheimdienstes, gerade zu dieser Zeit.
    Im Ostblock gab es zwar nichts zu holen, aber da haben auch Menschen gelebt, die ihre Ideale hatten. Der eine mehr, der andere weniger. Nicht mehr, als im Westen auch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2009
  12. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    nicht so asymmetrisch

    zu 1. hatte sich ursprünglich doch etwas sehr anders angehört :winke:

    zu 2. Es wurde sicherlich auch andere Aspekte ausspioniert. Zum Beispile die Loyalität der Bevölkerung. Ihre Politischen Überzeugungen. Ein sehr wichtiger Aspekt zum Beispiel in Polen, CSSR oder anderer Staaten, die zum russischen "Sicherheitsgürtel" zählten. Dieser Aspekt war von immenser bedeutung im Hinblick auf die Einschätzung potentieller Unruhen in den rückwärtigen Verbindungen der Roten Armee.

    zu 3. spätestens seit dem "Sputnik-Schock" war nicht mehr eindeutig, wo die technische "Revolution" schneller voranschritt. Aus diesem Grund wurde mit Sicherheit auch sehr präzise Studien über die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritt angefertigt.

    In welchem Umfang "Destabilisierung" betrieb wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.
     
  13. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    In der Theorie schon ....

    Aber in der Praxis hat der BND sich um die DDR "gekümmert".
    Für praktische Zwecke war es eben doch kein Inland.

    Mal aus der Wikipedia:
    "Insgesamt hatte die „Organisation Gehlen“ in den frühen 1950er-Jahren zahlreiche Spione in die staatlichen Strukturen der DDR und anderer osteuropäischer Staaten eingeschleust, die aber weitgehend erfolglos agierten. Vor allem in der DDR starteten die gegnerischen Geheimdienste 1953 eine erfolgreiche Spionageabwehr-Kampagne, zahlreiche Agenten wurden enttarnt, verhaftet und verurteilt. Auch den Bau der Berliner Mauer konnte der BND 1961 nicht voraussagen. Darüber hinaus sind laut neueren Ergebnissen der Birthler-Behörde etwa 90% aller damaligen Ost-Quellen des BND von der Stasi geführt worden und damit Doppelagenten gewesen.[22]"

    War also kein doller Erfolg.
     
  14. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Wert wofür?
    Wert kann ein Dienst nur haben, wenn er hilft, Ziele zu erfüllen.
    Und die Bundesregierung hatte nie operative Ziele der Art "ZK-Mitglied X ist ein blöder Hardliner, den sollten wir mal intern diskreditieren, damit ein uns geneigterer Kandidat nachrückt".

    Das ist richtig.
    Aus diesen Menschen wurde dann (weitgehend erfolglos) versucht, militärische Informanten zu gewinnen.

    Das war eigentlich das Einzige, was den Westen am Osten wirklich interessierte: Man hatte Angst vor der Roten Armee.
    Ansonsten sieht man ja alleine schon an der völligen Ahnungslosigkeit zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung, wie sehr man die Realität "drüben" ignoriert hatte.
    Schließlich gab es ja sogar ein "gesamtdeutsches Ministerium", die haben aber wohl nicht mehr gemacht, als die Propagandalügen der SED ordentlich abzuheften. Diese Wissenslücken haben nach 1990 zu Milliardenteuren Fehlern geführt ...
     
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  15. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Muß deutlich mein Formulierungsfehler gewesen sein.

    Korrekt. Alles, was direkt oder indirekt mit der militärischen Bedrohung zu tun hatte.

    Die Raumfahrt gehörte ja noch zum militärischen Bereich, wo auch die technischen Fortschritte interessierten.
    Aber in allen übrigen Bereichen müßte doch schon Ende der 50er klar geworden sein, daß im Osten nichts wesentliches mehr passierte. Es würde mich sehr überraschen, wenn die westlichen Dienste in den 60er oder gar 70er Jahren noch Ressourcen auf Spionage in diesem Bereich verwendet hätten.

    Kurz nach dem Krieg gab es noch solche Ideen bei Gehlens alten Kämpfern.
    Aber spätestens Mitte der 60er war die alte Bundesrepublik doch satt und saturiert und wollte im wesentlichen in Ruhe gelassen werden. Ein aktives Eingreifen in DDR-Interna paßte da nicht in die Linie.
    Nur ein Relikt blieb noch: Die Erfassungsstelle in Salzgitter. War aber auch nur passives Aufschreiben.
     
  16. urvo

    urvo Aktives Mitglied

    Zur Arbeitsweise der Geheimdienste
    Die Hauptakteure in der weltweiten Systemauseinandersetzung waren und blieben die USA und die Sowjetunion. Der aktuelle Stand ihrer bilateralen Beziehungen bestimmte unmittelbar und in der Regel sofort die politische
    und militärische Gesamtsituation in der Welt. Die Geheimdienste beider »Supermächte« verfolgten gegenseitig misstrauisch und argwöhnisch die Entwicklung beim jeweiligen Kontrahenten und dessen Partnern.
    Die beiden deutschen Staaten, einschließlich Westberlin, waren für die Geheimdienste der Hauptmächte nur ein Kampfabschnitt in diesem Kalten Krieg. Für beide Seiten boten der »Standort Deutschland« und die »Frontstadt Berlin« zahlreiche geheimdienstliche Möglichkeiten, schufen aber auch viele Probleme. Der über 40jährige Kampf des MfS, darunter vor allem auch der Spionageabwehr und der Aufklärung, gegen die subversiven Angriffe westlicher Geheimdienste bekam dadurch vor allem auch eine internationale Dimension. Die Beschaffung besonders wichtiger Informationen aus den Führungsetagen der NATO, der Regierung der BRD und der Geheimdienste (Aufklärung) war für die Lageeinschätzung des gesamten Bündnisses im Warschauer Vertrag von außerordentlicher Bedeutung. Gleichzeitig gewann der Schutz und die Sicherung bedeutsamer, möglicherweise sogar kriegsentscheidender Informationen vor einer gegnerischen Ausspähung sowie das Erkennen bedeutender Spionagequellen des Gegners (Abwehr) gleichsam einen hohen sicherheitspolitischen Stellenwert.

    Die Hauptgegner waren und blieben bis zum Ende des MfS/AfNS der BND sowie die Geheimdienste der USA.
    Deren Hauptziele bestanden in der umfassenden Spionage gegen die DDR und ihre Partner im Warschauer Vertrag
    und im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Das war verbunden mit einem Komplex von Aktivitäten zur systematischen Destabilisierung der DDR (wirtschaftliche Störtätigkeit, Abwerbung von Fachkräften, psychologischer Krieg, Verunsicherung der Bevölkerung u. a.). Die konkreten Bedingungen und Möglichkeiten in den beiden deutschen Staaten und vor allem in Westberlin wurden für die Spionage gegen die DDR und auch gegen andere sozialistische Länder von diesen Geheimdiensten konsequent genutzt.
    Die Analyse der Geheimdienstoperationen gegen die DDR ließ im wesentlichen folgende Hauptrichtungen erkennen:

    1. Die Schaffung von Spionagequellen in ausgewählten, besonders sensiblen Bereichen der Politik, der Volkswirtschaft und des Militärwesens in der DDR mit hohen Anforderungen an den Geheimnisschutz. Dazu zählten vor allem: der zentrale und bezirkliche Apparat der SED; die Schutz- und Sicherheitsorgane der DDR (NVA, DVP, Zoll und MfS) und deren zentrale Führungsstellen und Verwaltungen; das Außenministerium der DDR, seine Folgeeinrichtungen und Auslandsvertretungen (außenpolitische Strategien der DDR und des Warschauer Vertrages; Beziehungen der DDR zur UdSSR, zur BRD, u. a.), wirtschaftsleitende Organe der DDR (Plankommission, Außenhandel, Einrichtungen der Wissenschaft, Technik und Forschung, Verkehrswesen, Verteidigungsindustrie u. a.)
    Das MfS hatte zahlreiche Spione der Geheimdienste, die in derartigen sensiblen Bereichen tätig waren oder Zugang zu entsprechenden Informationen hatten, durch gezielte Fahndungsmaßnahmen vor allem im Verbindungssystem
    zwischen Geheimdiensten und Spionen identifiziert, bearbeitet und nach Beweisführung durch die Untersuchungsorgane des MfS (HA IX im MfS/Abt. IX der BV) den Justizorganen der DDR überstellt.
    Bei entsprechenden Voraussetzungen wurden in einzelnen Fällen auch Überwerbungen vorgenommen oder durch gezielte »Blickfeldmaßnahmen « IMB mit »Feindverbindung« geschaffen.

    2. Die komplexe, möglichst flächendeckende und aktuelle Spionage gegen militärische Bereiche in der DDR (Objekte, Anlagen, Bewegungen, Manöver u. a.), vor allem gegen die hier stationierten Kontingente der GSSD.
    Etwa 80 Prozent aller vom MfS identifizierten Spione waren »klassische Militärspione.

    3. Die Beschaffung von Informationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen der DDR die überwiegend keine Staatsgeheimnisse darstellten, aber im Ergebnis der Analyse und daraus abgeleiteter Einwirkungsmaßnahmen
    zur vom Gegner angestrebten Destabilisierung und angestrebten Beseitigung der DDR mit beitragen konnten. Dazu gehörten aktuelle Informationen zur Lage in der Volkswirtschaft und bei der Versorgung der Bevölkerung
    (Engpässe, Lücken, Abhängigkeiten, Schwachstellen), zur Stimmungslage, besonders bei aktuellen Anlässen (vor SED-Parteitagen), zum Vertrauensverhältnis zwischen SED-Führung, den Mitgliedern und den Bürgern, zur Demokratie-, Rechts- und Medienpolitik, zur Preis- und Rentenpolitik, zu den Reisemöglichkeiten ins westliche Ausland, zur Vergabe von Wohnungen und Telefonen u. a. Hierbei handelte es sich um eine Hauptrichtung der Spionage – vorrangig der BRD-Geheimdienste – in die alle Spione einbezogen waren, unabhängig von der konkreten Auftragserteilung. Diese Informationen wurden von den Geheimdiensten, oder über diese von anderen Zentren, Einrichtungen und Kräften für die Organisierung weiterer subversiver Handlungen gegen die DDR genutzt, so für gezielte Embargomaßnahmen, Lieferterminverzögerungen und andere Formen der Störung und Schädigung der Volkswirtschaft der DDR, für Einflussnahmen auf die Stimmungslage der Bevölkerung vor allem über Fernsehen und Rundfunk, bis hin zu Aufrufen oder Vorgaben von Verhaltensmustern zum Verlassen der DDR bzw. zu anderen Verhaltensweisen gegen die Staatsund Rechtsordnung in der DDR und die Politik der SED.

    Die Geheimdienste realisierten ihre Zielsetzungen unter Nutzung vor allem folgender Hauptmethoden:

    a) Die Werbung und der Einsatz von Spionen und Agenten. Die Suche, Auswahl, Kontaktaufnahme und Werbung von Spionen und Agenten (als Kuriere, Werber, Instrukteure, Funker u. a.) war und blieb eine Hauptmethode
    der Spionage gegen die DDR. Das galt vor allem für die Schaffung von Spionen in besonders spionagegefährdeten Objekten, Einrichtungen und Bereichen – so genannte »Innenquellen«. Die Tendenz, in hochsensible politische und staatliche Objekte und Einrichtungen spionageorientiert einzudringen, nahm in den 80er Jahren zu. Dagegen nahm auf dem Gebiet der Militärspionage der quantitativ hohe Anteil der Spione zur Außenaufklärung und -beobachtung militärischer Objekte, Anlagen und Bewegungen tendenziell ab. Das lag einerseits am enormen Ausbau der mit technischen Mitteln betriebenen Spionage und andererseits an den nach dem 13. August 1961 wesentlich eingeschränkten Möglichkeiten für eine massenhafte Werbung von Spionen, wie vor dem in Westberlin praktiziert.

    b) Das Befragungswesen in der BRD und Westberlin. Dahinter verbarg sich ein umfassendes System von Dienststellen zur Befragung/Vernehmung und Filtrierung von »Republikflüchtigen« aus der DDR unter geheimdienstlichen Gesichtspunkten. Dadurch wurden in einem erheblichen Umfang Informationen über die DDR gewonnen und maßgebliche Voraussetzungen für die Suche und schließlich auch Werbung »neuer« Spione
    gegen die DDR geschaffen.

    c) Der Einsatz von technischen Aufklärungs- und Beobachtungssystemen. Wie bereits beschrieben, vor allem durch die elektronische und Fernmeldeaufklärung von stationären und mobilen Stationen entlang der Staatsgrenze zur DDR und von Westberlin aus, in Flugzeugen, Schiffen, Unterseebooten und Satelliten. Die Entwicklung und der Einsatz solcher Aufklärungssysteme vollzog sich in einem rasanten Tempo.

    d) Der Missbrauch gewährter Arbeitsmöglichkeiten für Diplomaten, Korrespondenten, Firmenvertreter u. a. in der DDR und die Nutzung ihrer Missionen, Büros und Niederlassungen als »legale Basen« zur Organisation
    der Spionage, anderer subversiver bzw. allgemeinkrimineller Aktivitäten. Im Rahmen der Schaffung und Unterhaltung von Abschöpf- und Einflusskontakten zu geheimdienstlich interessierenden Personen in der DDR wurden in beträchtlichem Umfang Informationen gewonnen (abgeschöpft), wurde häufig gleichzeitig auf das Denken und Handeln derartig »bearbeiteter« Personen (Abschöpfquellen) im Sinne der »westlichen Lebens- und
    Wertevorstellungen« eingewirkt.

    e) Die Nutzung des Status der bei den sowjetischen Militärbehörden in der DDR akkreditierten westlichen Militärverbindungsmissionen (MVM) und Militärinspektionen (MI) zur umfassenden, offensichtlich aufeinander
    abgestimmten Aufklärung und Beobachtung vor allem militärischer Objekte, Anlagen und Bewegungen, aber auch zunehmend anderer politisch und staatlich bedeutsamer Einrichtungen und Abläufe in bestimmten Territorien.

    f) Die umfassende Nutzung von »offenen Quellen«. Dazu gehörte vor allem die systematische Auswertung aller Fernseh- und Rundfunksendungen, der Tageszeitungen und Periodika, von Sachbüchern, offiziellen Statistiken
    bzw. sonstigen Publikationen aus bzw. über die DDR unter nachrichtendienstlichen Aspekten. Nicht selten erhielten Spione und Agenten den Auftrag, in Bibliotheken, Archiven, Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen,
    Instituten u.a. gezielte Recherchen zu konkret vorgegebenen Themen und geheimdienstlichen Interessenlagen durchzuführen. In diesen Komplex müssen auch viele der umfangreichen Aktivitäten der ca. 250 in der BRD und in Westberlin etablierten Einrichtungen der »Ost- und DDR-Forschung « eingeordnet werden.

    g) Die Gewinnung von nachrichtendienstlich verwertbaren Informationen durch die Überwachung des wechselseitigen Post- und Telefonverkehrs zwischen der DDR, der BRD und Westberlin sowie des grenzüberschreitenden Reiseverkehrs. Dabei ging es vor allem auch um die Feststellung und Analyse der »Ost-West-Kontakte« entsprechend der jeweiligen geheimdienstlichen Interessenlage (z. B. in bezug auf territoriale Konzentrationsgebiete militärischer Objekte oder ausgerichtet auf bestimmte Personenkreise, Berufsgruppen und einzelne Personen, deren Aufklärung und gegebenenfalls aktiven geheimdienstlichen Nutzung).

    h) Die Nutzung aller möglichen zentralen und sachspezifischen Datenspeicher innerhalb der Geheimdienste selbst (z. B. des Nachrichtendienstlichen Informationssystems NADIS des BfV durch alle BRD-Geheimdienste) sowie der Speicher des Bundeskriminalamtes (BKA) und der Landeskriminalämter (LKA), des Bundesgrenzschutzes (BGS), des Zoll, der Einwohnermeldeämter, der Kfz-Erfassungsstellen, der Krankenkassen usw. Diese Hauptmethoden und Möglichkeiten wurden nachweislich von den Geheimdiensten komplex und umfassend genutzt.

    Nach Zu den Hauptrichtungen und -methoden der Spionage westlicher Geheimdienste gegen die DDR
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  18. Guntbot

    Guntbot Gast

    zumindest gab es starke Deutschlandfunksender die den Bürgern der DDR
    die Vorzüge der BRD näherbringen sollten
    wenn man gezielt versucht Bedürfnisse zu schüren dient das auch der Destabilizierzng
     
  19. florian17160

    florian17160 unvergessen


    Guntbot sagte es schon. So Ahnungslos waren wir nicht.
    Man wollte es zwar verhindern, aber die Fernsehantenne war nicht zu bestechen.

    Auch wenn man es nicht wahrhaben will, der Rundfunk war ein wichtiges Mittel der Geheimdienste, nicht nur im kalten Krieg.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2009
  20. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Exakt.

    Ich erinnere mich an "historische " Dokus , in denen mit Zufriedenheit
    ausgeführt wurden , wie wichtig zB. RIAS für die Information der ost-
    deutschen Bevölkerung doch war und wie schnell mittels dieser Infos der
    Aufstand von 1953 doch in ganz Ostdeutschland befördert wurde...

    Na , wenn das keine politisch-strategische Handlung war....

    Oder , was an Flugblättern über der Zone niederging , Kampfgruppe gegen
    Unmenschlichkeit etc.

    Meint ihr tatsächlich , das weder Verfassungsschutz noch BND an diesen
    Aktivitäten beteiligt waren zumindestens mittels Kontakpersonen und
    Informationsweitergabe ?
     
    1 Person gefällt das.

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