Friedrich II im Vergleich mit John Locke

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Gast, 18. April 2008.

Schlagworte:
  1. Gast

    Gast Gast

    Hey,
    inwiefern kann man Friedrich II mit John Locke vergleichen?
    Mir fällt bloß ein, dass beide von der Gleichheit aller Menschen ausgingen.

    Wäre dankbar für Hilfe
     
  2. Wenzel79

    Wenzel79 Neues Mitglied

    John Locke ist ein Aufklärer und Friedrich der II. von Brandenburg-Preußen ist ein "aufgeklärter Monarch".

    D.h.: vergleiche des einen Theorie mit des anderen Ideologie und Praxis. Friedrich II. versuchte Preußen nach aufklärerischen Maßstäben zu regieren.
     
  3. Gast

    Gast Gast

    Danke für die schnelle Antwort :)

    Hmm aber Locke sagt in seiner Theorie, dass die Exekutive an Gesetze gebunden sein sollte, Friedrich II. ist doch aber ein Monarch, der nicht an Gesetze gebunden ist.

    Hilfee..
     
  4. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Das Wort "Monarch" sagt erst mal nichts über die Gesetzesbindung aus. Eine "konstitutionelle Monarchie" kann den Monarchen bis zur Machtlosigkeit beschränken, der Begriff "Absolutismus" bezeichnet das Gegenteil, und die "Aufgeklärten Monarchen" jonglieren dazwischen. Wie schwer dies FII fiel zeigt die oft falsch erzählte Geschichte des "Müllers von Sanssouci" und dem "Kammergericht"...
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Guter Hinweis! Im Fall des Müllers Arnold war der Müller eindeutig im Unrecht, und Friedrich hatte höchst eigenmächtig interveniert. Das Urteil ließ dann auch Friedrich Wilhelm II. kassieren.

    Vermutlich ist das ja eine Pflichtübung für ein Schulprojekt nach dem Motto, dass Narren fragen stellen, die Weise nicht beantworten können.

    Ich bin mir beim Preußenkönig- denn der ist ja vermutlich gemeint und nicht Friedrich II. von Hohenstaufen oder der Landgraf von Hessen- Kassel-
    gar nicht so sicher, inwieweit er sich mit den Werken der englischen Aufklärung beschäftigt hat. Wenn man sich seinen "Antimachiavell" ansieht, merkt man bald, dass der Kronprinz damals Machiavellis anderes großes Werk die "Discorsi sopra Tito Livio" (Über den Staat) gar nicht kannte und so Machiavelli mißverstehen mußte.

    Ich denke, dass Friedrich weit mehr von der französischen Aufklärung und von Montesquieus "Esprit du lois", als von John Locke beeinflußt wurde.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das denke ich auch. Man sollte sich vielleicht mal die Bibliothek Friedrich II. vor Augen führen, dann weiß man doch wessen Geistes Kind er war.
    Fabian-Handbuch: Stiftung Preussische Schloesser Und Gaerten
    Hier heißt es, es finden sich 648 französische, 4 deutsche und 2 anderssprachige Titel z.B. in Sanssouci. Gewiss wurden viele englische Bücher auch auf Französisch herrausgegeben, aber ich halte auch Friedrichs Wissen sehr auf die großen französischen Schriftsteller begrenzt. Allerdings fand er die neuere französische Literatur dann nicht mehr so gut und Friedrich II. drohte auch ein bisschen damit keine Bücher mehr in Paris von seinem Agenten aufkaufen zu lassen, wenn die Qualität, in Friedrichs Augen, weiter nachließe.
     
  7. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Solange Friedrich II. noch nicht an der Macht war, hat er sich sehr aufgeklärt geäußert, wie man zu regieren habe. Doch während seiner Regierungszeit hat er die Erwartungen vieler Aufklärer enttäuscht. In Theorie und Praxis war Friedrich meiner Meinung nach geteilt, auch wenn man in seiner Regierung durchaus sehr aufgeklärte Züge findet, verhält er sich als Regent in anderen Dingen wiederum sehr unaufgeklärt. So beachte man zum Beispiel die Gesetze die Juden betreffend. Geduldet wurden nur Juden, die bezahlen konnten, ansonsten ging auch Friedrich II. den allgemeinen Vorurteilen folgend davon aus, dass sie gefährliche Leute seien und der Wirtschaft der Christen schaden würden. Dann schaffte er andererseits wieder die Todesstrafe ab... etc. Als Regent entschied er immer sehr pragmatisch, so denke ich. Manchmal konnte er aufgeklärte Ideen durchbringen, doch wenn sie mal im Weg standen, seine Macht und das Staatswohl betreffend, so warf er diese Ideen über Bord.
    Auf der anderen Seite, dies war meist aber nur die theoretische, war Friedrich der aufgeklärte Philosoph.

    In diesem Sinne finde ich "versuchte Preußen nach aufklärerischen Maßstäben zu regieren" sehr gut und richtig.
     

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