Frühmittelalter konkret: Sachen gibt's, ...

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Pope, 23. Juli 2006.

  1. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Es tut mir leid, dass ich hier einen weiteren Illig-Strang in die Welt setze, aber vielleicht dient er ja darüber hinaus 'frühmittelalterlich Interessierten'.

    Anlass sind natürlich die "ungeschehenen 300 Jahre", also die Zeit von 614 bis 911, die angeblich niemals stattgefunden hat. Das bedeutet aber, dass es Menschen gibt, die niemals gelebt haben, Gebäude, die nie gebaut wurden, Gegenstände, die niemals gefertigt, und Ereignisse, die niemals stattgefunden haben.

    Anstatt theoretisch und abstrakt zu bleiben, würde ich mich freuen, hier Informationen über konkrete Gebäude und/oder Personen aus verschiedenen Regionen in der Zeit des Frümittelalters nachlesen zu können. Frühmittelalter anhand plastischer Beispiele, sozusagen. Nicht die große Politik, sondern Lokalgeschichte:

    Was ist denn zwischen 614 und 911 in Eurer Gegend alles nicht passiert?
     
  2. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Ereignisse im Bistums Trier:

    http://cms.bistum-trier.de/bistum-t...14&MODULE=Frontend&ACTION=ViewPage&Page.PK=19

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    Erzbischöfe von Trier, die es nie gegeben hat

    http://de.wikipedia.org/wiki/Erzbischof_von_Trier

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    Abtei Prüm
    http://de.wikipedia.org/wiki/Prüm

    Willibrord und die Abtei Echternach
    http://www.willibrord.lu/de/

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    Zum Stöbern:

    Die Datenbank der Kulturdenkmäler der Region Trier
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2006
  3. clemens

    clemens Premiummitglied

    aus dem bereich der stadt mülheim a.d.ruhr habe ich auf die schnelle folgendes gefunden:

    Zeittafel zur Stadtgeschichte

    Um 811 wird Menden (Menethinna) in einem Cartular der Abtei Menden zum ersten Mal genannt. Dies ist die erste verlässlich datierbare Erwähnung des Namens eines späteren Mülheimer Stadtteils


    883 / 884 entsteht wahrscheinlich die 1966 ausgegrabene Ursprungsanlage der Burg Broich als Sperrfort zur Sicherung des Ruhrüberganges gegen die Normannen. Im 11. Jh. Umbau der aufgelassenen Befestigung zur Burg


    http://www.muelheim-ruhr.de/zeittafel_zur_stadtgeschichte2.html
     
  4. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Nehmen wird doch mal die Byzantinischen Kaiser und ihre Münzen. Alle gefälscht?

    -Konstanz II. (641-668)
    http://www.wegm.com/coins/constansii.htm

    -Konstantin IV. (668-685)
    http://www.wegm.com/coins/constantineiv.htm

    -Justinian II. (685-695, 705-711)
    http://www.wegm.com/coins/justinianii.htm

    -Leontius (695-698)
    http://www.wegm.com/coins/leontius.htm

    -Tiberios III. (698-705)
    http://www.wegm.com/coins/tiberiusiii.htm

    -Philippicus (711-713)
    http://www.wegm.com/coins/bardanes.htm

    -Anastasios II. [713-715)
    http://www.wegm.com/coins/anastasiusii.htm

    -Theodosios III. (715-717)
    http://www.wegm.com/coins/theodosiusiii.htm

    -Leo III. (717-741)
    http://www.wegm.com/coins/leoiii.htm

    -Artabastos (741-743) (Warum fälscht man eigentlich Gegenkaiser? damit es nicht zu "glatt" zugeht?)
    http://www.wegm.com/coins/artavasdus.htm

    -Konstantin V. (741-775)
    http://www.wegm.com/coins/constantinev.htm

    -Leo IV. (775-780)
    http://www.wegm.com/coins/leoiv.htm

    -Irene (797-802) und Constantin VI.
    http://www.wegm.com/coins/constantinevi.htm

    Muss ich weiter machen? Oder kann jemand diese Kaiser und ihre Hinterlassenschaften (z.B. ihre Münzprägungen) im illigschen Sinne hinwegdiskutieren.

    Natürlich haben auch die anderen "Phantomkaiser" fleissig ihre Münzen geprägt. Wer sich davon überzeugen will:
    http://www.wegm.com/coins/byindex.htm

    Vielleicht noch ein Beispiel für einen Phantomkaiser:
    Basileios I. der Begründer der Makedonierdynastie. Warum fälscht man so jemanden? Um seine Nachfolger schlecht aussehen zu lassen?
     
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  5. clemens

    clemens Premiummitglied

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  6. Pope

    Pope Neues Mitglied

  7. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Hier mal was aus der bayerischen Kircheprovinz:
    • um 696: Rupert kommt, gesandt von den Agilolfingern, nach Salzburg
    • 739: Salzburg wird Bistum (lt. Vita S.Bonifatii aus 755 = Erstbeleg des neuen Namens iVm römisch Iuvavum)
    • 798: Salzburg wird Erzbistum
    Auch nicht zu vergessen:

    881: Ad Weniam

    Und in Linz, 799, die Martinskirche (Baugeschichte)

    Unten, recht bekannte Sakralgegenstände aus der Zeit sowie das awarische Königsgeschirr...
     

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    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2006
  8. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Nicht nur gefälscht, mein lieber! Zum großen Teil von den Fälschern kunstvoll vergraben!:p
     
  9. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    In meinem netten Heimatstädtchen wird das Kloster Laurissa (später Lorsch) 762 nicht gegründet. Die Königshalle auch erst viel, viel später gebaut.
     

    Anhänge:

  10. tela

    tela Aktives Mitglied

  11. Pope

    Pope Neues Mitglied

  12. tela

    tela Aktives Mitglied

    Die Schlacht von Tours und Poitiers 732 n. Chr.

    Wenn die gefälscht ist, gibt sie uns wenigstens einen Hinweis auf die Herkunft der/des Fälschers. Immerhin muss es doch einen Grund geben, warum die Schlacht angeblich dort stattgefunden haben soll -> Lokalpatriotismus!
     
  13. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Wann ist Adalbero I., seit 929 Bischof von Metz geboren?
    Und Adalbert II., Markgraf von von Tuszien starb am 19.9.915 und liegt in der Kathedrale von Lucca beerdigt.
    Und Adaldag, Erzbischof von Hamburg-Bremen seit 937. War nachher Kanzler unter Otto I.
    Apropos Erzbistum Hamburg-Bremen: Das steht 911 schon fertig da. Die päpstliche Urkunde stammt von 831. Aus 911 ist keine Urkunde bekannt.
    Wie ist das mit den Arianischen Langobarden? Adalwald war der erste König der arianischen Langobarden, der (* 603) katholisch getauft wurde, daher gut belegt. 617 waren die Langobarden noch alle Arianer. 911 gab es keine arianischen Langobarden mehr.
     
  14. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Das sind meiner Erinnerung nach genau die EUrkunden, deren Fälschung nach dem Augsburger Frieden das Kirchengut arrondieren sollten.:cool:
     
  15. clemens

    clemens Premiummitglied

  16. svekas

    svekas Neues Mitglied

    Hm: das wären dann weniger als 40 Jahre von der Besiedlung der Lausitz durch Slawen bis zur Unterwerfung der Lausitz durch Heinrich des I.

    Die Lusitzi waren schnell, un dieser Zeit Siedlungsstrukturen aufzubauen, die man klar in mehrere Phasen unterteilen kann!
    Oder wurde das Gebiet der Lausitz dann gar nicht erst von Slawen besiedelt?? ;-)

    Sven
     
  17. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Hi Pope,
    ich find's cool, daß du die Illig-Kritiker forderst; du willst wissen, was nicht paßt? Ich wohne in Klein Heidorn, heute ein O. T. von Wunstorf in Niedersachsen. Während das Dorf, in dem ich wohne, erst seit dem 13. Jahrhundert urkundlich bezeugt ist, soll das Wunstorfer Stift - ehemals ein Nonnenkloster - auf die Karolingerzeit (Luwig der Fromme) zurückgehen, allerdings ohne jegliche Spur des urprünglichen Kirchenbaus. Auch in der weiteren Umgebung - wenn ich jetzt Hildesheim nicht mit einbeziehe - gibt es keine Kirchenbau, der vor dem Ende des 1. nachchristlichen Jahrtausends - der älteste liegt irgendwo an der Weser. Sogar ein Motiv für Geschichtsfälschung läßt sich aus der Gegend interpretieren: ein Streit zwischen dem Bistum Minden und dem hisiegen Grafengeschlecht. Habe über den ganzen Kram schon länger nicht mehr nachgedacht.
     
  18. hyokkose

    hyokkose Gast

    Mir ist zwar nicht klar, wieso ein alltäglicher Streit ein Motiv sein soll, sich einhellig zu einer Fälschung 300 Jahre europäischer und außereuropäischer Geschichte zu entschließen und Münzen nicht existierender byzantinischer Kaiser zu prägen und im östlichen Mittelmeerraum zu vergraben.

    Aber jedenfalls haben wir endlich die Verdächtigen für die größte Fälschungsaktion der Weltgeschichte gefunden: Die Grafen von Klein Heidorn und den Bischof von Minden.
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Melde der angebliche "Reiterstein von Hornhausen" (ehem. Kreis Oschersleben) um 700, sollte gefälscht sein. Damit verlöre die (ehem.) DDR den ältesten Bildstein auf ihrem Gebiet. Drittes Bild von Unten: http://www.archlsa.de/sammlung/index.htm

    @ Schini
    Der Salzburger Kalender, welcher u.a. bäuerliche Arbeiten aus dem 9.Jh. zeigt gehört auch somit dem Reich der Fälschung an, was aber für solche Dokumente ja ohnehin üblich.

    Wie gut, dass wir 300 Jahre ad acta legen können, so wird die Weltgeschichte um einige blutige Ereignisse ärmer, wie dem Stelinga-Aufstand von 841-843.

    Von der Weiterentwicklung der Landwirtschaft und der Ausprägung der Grundherschaft ganz zu schweigen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juli 2006
  20. Ringkrieger

    Ringkrieger Mitglied

    Ja die schönste Stadt Deutschlands, Hildesheim fällt mit dem Gründungsjahr 815 n. Chr. auch in diese Zeit :cry:

    So wie alle Karolingischen Gründungen.
    Aber zum Glück, halten unsere Grabungsbefunde dagegen :yes:


    Also ich hätte die Sachsenaufstände, unter Widukind, immer noch gerne in meiner Zeitleiste. :fechtduell:
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juli 2006

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