Gab es eine "faschistische Internationale"?

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von jschmidt, 30. Juni 2011.

  1. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Vielleicht ist die Überschrift nicht besonders gelungen - was ich meine, ist folgendes:

    Beim Thema Vom Bierkellerschreier zum anerkannten politischen "Führer" wird darüber spekuliert, inwieweit die vor 1930 gänzlich unbedeutende NSDAP Unterstützung aus dem Ausland erhalten hat, aus Frankreich etwa oder aus Italien, wo es nach dem Weltkrieg bzw. sogar schon davor Bewegungen gab, die als später als "faschistisch" bezeichnet wurden.

    Natürlich kann man darüber streiten, ob die Sammelbezeichnung "faschistisch" in Bezug auf die Bewegungen in den drei Ländern sinnvoll ist, von entsprechenden Gruppierungen in anderen Ländern ganz abgesehen. Ich schlage aber vor, hier erstmal Ernst Nolte in seiner Zusammenschau zu folgen [1] und zu fragen:
    Inwieweit kam es in den 1920er Jahren tatsächlich zu einer transnationalen politischen Zusammenarbeit unter den "Faschisten" in Italien, Frankreich und Deutschland mit oder ohne Einschluss weiterer Länder? Wenn ja, auf welchen Gebieten, mit welchen Mitteln und zwischen welchen Personen?
    Aus Noltes Standardwerk ist dazu nicht viel zu entnehmen, aber es ist ja auch schon ein halbes Jahrhundert alt (und vielleicht habe ich auch einiges vergessen :rotwerd:).

    [1] Der Faschismus in seiner Epoche. München 1963

    PS: Ja, ich weiss, dass "faschistische Internationale" insoweit eine contradictio in adjecto ist, als in aller Regel die Übersteigerung des Nationalen zur faschistischen Programmatik gehört.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juni 2011
  2. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Um mit Italien anzufangen: Es hält sich hartnäckig das Gerücht, Hitler sei 1922/23 von Mussolini unterstützt worden.
    Demgegenüber vertrat Edgar R. Rosen schon früh die Auffassung [1], es bestehe "wohl kein zwingender Grund, an eine finanzielle Unterstützung der nationalsozialistischen Partei durch Mussolini im Jahre 1923 zu glauben". Entsprechende Nachweise für Zahlungen sind, soweit bekannt, auch nicht erbracht werden.

    Unstrittig scheint nur zu sein, daß Hitler gegenüber Vertrauten von Mussolini "die deutsche Anerkennung der Brennergrenze" in Aussicht stellte "als Gegenleistung für faschistische Hilfe bei einem geplanten Marsch ... auf Berlin" und daß Mussolini, der Hitler zu dieser Zeit nicht persönlich kannte, eine "laufende sorgfältige Beobachtung der Vorgänge im nationalsozialistischen Lager" während des Jahres 1923 veranlasste [2].


    [1] Mussolini und Deutschland 1922-1923 in: VfZ 5 (1957) 1, S. 17-41 (38)
    [2] ebd.
     
  3. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Natürlich gab es sowas. Das nannte sich "Antikominternpakt" und war das Gegenstück zur Kommunistischen Internationale. Aber natürlich ist es nicht genau das, was du meinst, weil es eben nur Bündnisse zwischen faschistischen/nationalsozialistischen Staaten war.
    Darüber hinaus ist mir nichts bekannt.
     
  4. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    @Barbarossa:

    Definiere faschistisch. Der Antikominternpakt war sicherlich ein Bündnis von reaktionären, autoritären Staaten bzw. Diktaturen, aber ob der Begriff Faschismus immer passt, ist zweifelhaft.
    Über den faschistoiden Charakter des Franco-Regimes (der zumindest bis 1943 gegolten haben soll) wird in der Forschung hart gestritten.
    Und auch bei Hirohito-Japan und Horthy-Ungarn bin ich mir nicht sicher, ob der Faschismus-Begriff passt.
     
  5. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Ich wollte primär die Kooperation von faschistischen Bewegungen, nicht von Staaten betrachten, wiewohl sich beides in Italien und hierzulande nach den "Machtergreifungen" kaum noch trennen lässt.

    Dein Stichwort ist aber deswegen wichtig, weil es das seit 1919 existierende gemeinsame Feindbild markiert!
     
  6. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Dann hab ich nur mal ein Gegenbeispiel aus Frankreich, die faschistoiden Croix de Feu. Ich zitiere jetzt aus einem anderen Thread, einen Post von mir:

     
  7. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Da kann ich Dir in allem zustimmen! Hier noch kleine Ergänzungen, wobei ich auf die einschlägigen Artikel der französischen Wikipedia verweise (die deutsche W. ist da unterbelichtet).

    François Coty hat mindestens drei Bewegungen mit begründet: 1925 La Faisceau, 1927 Croix de Feu, 1933 Solidarité Française. Der Action Française spendete er zwischen 1924 und 1928 etwa 2 Millionen Francs, und seine wichtigste politische Publikation hatte den sprechenden Titel "Contre le communisme".

    Weitere Geldgeber für die Rechtsextremen, mit ebenso wohlklingenden Namen, waren übrigens Pierre Taittinger und Jean Hennessy.

    Ich habe eben bei Coty & Co. "rechtsextrem" gewählt, vorsichtshalber sozusagen. Ich will das Definitionsproblem damit nicht umgehen, verweise aber zunächst auf die sehr interessante und ausführliche Diskussion unter Fascisme en France, aus der ich bei Bedarf mehr zitieren kann.

    Das gilt offenbar nicht nur für die Feuerkreuzler, sondern auch für die anderen hier erwähnten französischen Bewegungen jedenfalls habe ich bisher nichts Gegenteiliges gefunden.

    Im Gegensatz zu dem parallel laufenden Thread möchte ich das aber nicht auf die finanzielle Seite begrenzen, sondern fragen: Gab es womöglich eine "ideelle" Unterstützung aus Frankreich für Rechtsextreme/Faschisten in anderen Ländern? Dass Coty mit Mussolini sympathisierte, ihn wömöglich bewunderte, scheint erwiesen - aber wie sah er z.B. die deutschen Nationalsozialisten?
     
  8. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Yop! Ich hab die Croix de Feu nur mal beispielhaft genommen, da sie mir als die am radikalste Gruppe erschien.

    Interessant jap, aber ich finde das erklärt sich von selbst:
    Coty unterstützte sowohl Croix de Feu als auch die Action Francaise, beides Gruppierungen, die kräftig mit einer "deutschen Gefahr" warben und sich das ein oder andere Gebiet Deutschlands sicher als zu Frankreich zugehörig wünschten.
    Sollten sie sich mit Hitler auseinandergesetzt haben, ob nun positiv oder negativ, dann sind sie sicherlich auf seine Ideen und Forderungen gestoßen.
    Und spätestens hier, hätte es trotz gewisser Überschneidungen (Antisemitismus, Kommunistenhass, etc.) doch nicht mehr gepasst.
    Wieso Sympathien für einen Mann, der eine Gefahr für das eigene Staatsgebiet bedeutete? Zumal man die imperiale Facette des Faschismus nicht ignorieren darf; die gab es sicher auch im französischen Faschismus.

    Außerhalb von Frankreich wird es auch etwas schwierig, v.a. da wir uns ja im Zeitraum der 20er Jahre bewegen, als Hitler noch nicht seine spätere Popularität besaß.
    Viele faschistische Bewegungen kamen erst in den 1930er Jahren auf, siehe Englands Faschisten unter Oswald Mosley.
    Und auch die spanische Falange wurde erst 1933 gegründet.
     
    2 Person(en) gefällt das.
  9. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Vllt. noch folgende Überlegung:

    Wenn wir die ganzen Pronunciamentos und ständestaatlichen Diktaturen ausblenden und uns wirklich nur auf "faschistische" Gruppierungen konzentrieren, fällt doch auf, dass in den 20er Jahren lediglich in Italien diese Faschisten an der Macht waren (oder überseh ich was?)
    Das legt doch nahe, dass WENN Hitler aus dem Ausland unterstützt worden ist, es aus Mussolini-Italien gekommen sein muss.
    In Frankreich, Rumänien, etc. waren diese Parteien ja noch nicht an der Macht. Wieso also Ressourcen und Finanzen an eine deutsch-faschistische Bewegung abtreten, wenn man diese doch sicher für den Kampf um die Macht im eigenen Land benötigt hat.
     
  10. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Streiten kann man über alles. Ich muß ganz ehrlich sagen, ich hab mir jetzt verschiedene Erklärungsversuche angeschaut, aber sie erscheinen mir alle nicht "knackig" genug - zu langatmig, meine ich. Das gilt auch für die Definition auf: Faschismus - Lexikon
    Ich würde den Begriff "Faschismus" als Oberbegriff für eine Diktaturform verwenden, die jeweils die Extremformen der Eigenschaften Nationalismus bzw. Chauvinismus, Totalitarismus, Führerkult, Antihumanismus und oft auch Militarismus beinhaltet. Und das waren die Diktaturen von Franco und auch Horthy allemal.
     
    2 Person(en) gefällt das.
  11. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Ich hätte kein Problem, mich auf diese Arbeitshypothese einzulassen und auf eine strenge Abgrenzung zwischen Vokabeln wie faschistisch/faschistoid, (rechts)extrem, (rechts)autoritär, (rechts)konservativ zu verzichten.

    Eine Verfeinerung ist ja bei Bedarf immer möglich. In Bezug auf Ungarn z.B. sehe ich Horthy selbst eher bei "rechtsautoritär", während der von ihm 1932 berufene Ministerpräsident Gömbös - auch ein Bewunderer Mussolinis - zu den Faschisten tendierte.

    Weil es mir vorrangig auf die Frage nach der "Kooperation" zwischen diesen Gruppen ankommt, ist es vielleicht nützlich, Noltes "Beschreibung des Terrains" (aaO., S. 35 ff.) wiederzugeben, mit allem Vorbehalt natürlich:

    • Als "Splittergruppen" bewertet Nolte die Bewegungen in
      • Belgien: Rexisten (Degrelle) und flämische Nationalsolidaristen
      • Dänemark: Dänische Nationalsozialistische Partei (Clausen)
      • Finnland: Lappo-Bewegung
        Die Dänen sowie die "verschiedenen Spielarten des Schweizer Faschismus und zahlreiche ähnliche Erscheinungen in den meisten Ländern Europas" rechnet Nolte zu den bloßen Nachahmern (zunächst Mussolinis, später auch Hitlers).

    • "Eigenständige Wurzeln" hatten nach Nolte die Bewegungen in
      • Bulgarien: Volksblock (Cankov)
      • Estland: Verband der Freiheitskämpfer
      • Großbritannien: British Union of Fascists (Mosley)
      • Koatien: Ustascha (Pavelic)
      • Norwegen: Nasjonal Samling (Quisling)
      • Rumänien: Eiserne Garde (Codreanu, Sima, Antonescu)
      • Ungarn: Kleinlandwirte-Partei (Gömbös), später Pfeilkreuzler (Szalasis)

    • Unklar ist die Zuordnung von
      • Österreich: Heimwehr (Starhemberg)
      • Polen (Pilsudski)
      • Portugal: Uniao Nacional (Salazar)
      • Spanien: JONS, Falange (Franco)
    Nolte nennt nicht (aus unbekanntem Grund):

    • Litauen (trotz der vorhandenen Völkischen Partei)
    • Niederlande (trotz Musserts Nationaal Socialistischer Bewegung)
    • Griechenland, Irland, Lettland, Luxemburg, Schweden
    Das sieht nicht nach einer konsistenten Kategorisierung aus und sollte es vielleicht auch nicht sein; für unsere Zwecke - siehe oben - mag das genügen.
     
    1 Person gefällt das.
  12. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Barbarossa,das sehe ich genauso.
    Die Klassifizierung Noltes sehe ich scheint mir mehr als fragwürdig.
    Lappo und flämische Nationalsolidaristen würde ich nicht gerade als Splittergruppen ansehen-dazu war ihr Einfluss zu groß und Uniao Nacional und Falange waren m.E. eindeutig faschistische Parteien mit eigenen Wurzeln .Ebenso bleibt das Ausklammern bestimmter europäischer Bewegungen und des nicht gerade kleinen Unterstützerkreises in den USA mehr als zweifelhaft.
    Insoweit genügt Noltes Klassifizierung m.e. eben gerade nicht.

    Ich gehe durchaus davon aus, daß es auch im außerstaatlichen Bereich gegenseitige Vernetzungen gab.
    Dies zeigt sich nicht nur an der deutsch-italienischen Waffenhilfe für Franco im Bürgerkrieg, sondern auch z.B. an der teilweise aktiven Hilfe faschistischer Parteien bei der Kooperation oder Besetzung ihrer Länder im Krieg .Quislings Bande in Norwegen, entsprechende Gruppierungen im Baltikum,Finnland, den BeNELux-Staaten und Osteuropa, die teilweise die Administration übernahmen oder zumindest massiv unterstützten fallen mir da ebenso ein,wie die Einflußnahme Francos in Portugal zugunsten des Salazar-Regimes oder die massive innenpolitische Einflussnahme und die Finanzhilfen für Hitler seitens faschistoider Kreise (zu denen auch führende Industrielle gehörten) in den USA.
    Insoweit würde ich schon von einem weltweit agierenden faschistischen Netzwerk in der Zeit vor und zu Beginn des 2.Weltkrieges sprechen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juli 2011
  13. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Ebenfalls nicht aufgeführt sind die Phalanges Libanaises/Al-Kata'ib:

    Kata?ib ? Wikipedia
     
    1 Person gefällt das.
  14. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Alles ja, bis auf den Totalitarismus-Punkt, welchen ich für sehr wichtig halte.
    Habe letzen Montag erst ein Referat zur Totalitarismusdebatte über das Franco-Regime gehalten.
    Nein, das Franco-Regime war nicht totalitär. Da ist sich die Forschung (fast) einig. Bei Franco fehlten zentrale Elemente wie eine exklusive, dominante Ideologie und die extreme Massenmobilisierung. Außerdem kann man im franquistischen Spanien gewisse pluralistische Tendenzen ausmachen. Diese 3 Punkte sind die Hauptmerkmale totalitärer Staaten (nach Juan J. Linz; bedingt auch nach Hannah Arendt). Das Regime gilt den meisten Historikern und Politikwissenschaftlern deshalb als Archetyp einer autoritären, nicht einer totalitären Diktatur (siehe Linz, Tussel Gomez, Javier Conde, Walther L. Bernecker, etc.).

    Damit hast du recht, aber jschmidt und ich haben uns (bewusst) auf die 20er Jahre konzentriert (siehe Anfangspost).
    Nachdem Hitler an der Macht war, stieg die Unterstützung. Gegenseitig. Siehe span. Bürgerkrieg.
    Aber das ist bekannt. Interessant ist es eben, wie es in den 1920-er Jahren, bzw. in den ersten Beiden Jahren der 1930-er aussah.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juli 2011
    1 Person gefällt das.
  15. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Das liegt wohl an Noltes Europa-zentriertem Blick. Ich selber bin tabulos :winke: und notiere also:
    Libanon: Phalanges Libanaises (Gemayel) ab 1936 <--- span. Falange
    wobei der Pfeil die maßgebliche (hier: einseitige) Beeinflussung bezeichnen soll. Wie stark die Kooperation zwischen Phalange und Falange über die "Ideengebung" hinaus war, bliebe zu eruieren (siehe unten).

    Du bist aufs Innigste gebeten, die ausgeklammerten europäischen Bewegungen genauer zu benennen, womöglich nach dem libanesischen Beispiel.

    Was den Unterstützerkreis in den USA betrifft: "Zahlreiche Publizisten, Wirtschaftsführer, Bankiers und Kongreßabgeordnete bekundeten ihre Sympathie für das im Aufbau befindliche faschistische System." [1] Die Frage ist, inwieweit man USA-seitig von einer Bewegeng (movement, party) sprechen kann im Sinne einer (proto-)faschistischen Organisation mit Programm und politischen Gestaltungswillen. Was Einzelpersonen betrifft, würde ich sie in unserem Tableau allenfalls als Fußnoten aufführen wollen.

    Der Netzwerkbegriff ist hier sicher von zentraler Bedeutung [2]. Es geht mir darum, diese Vernetzungen genauer zu beschreiben, was zur Frage führt, was unter einem Netzwerk ? Wikipedia verstanden werden soll. Das denkbare Interaktionsspektrum ist ja ziemlich breit; hier das Beispiel einer 10er Skala, die auf zwei Akteure innerhalb eines Netzwerks bezogen ist:

    • Stufe 1: Die Akteure haben voneinander gehört und kennen wenigstens die ungefähren Ziele der anderen Seite.
    • Stufen 2 bis 9: ....
    • Stufe 10: Die Akteure tauschen Ressourcen jeder Art miteinander aus bzw. arbeiten operativ, taktisch und strategisch auf jede denkbare Art mittelbar und unmittelbar zusammen.
    Für unsere Zwecke genügt es völlig, über den Daumen zu peilen. Die Interaktion Phalange/Falange (oben) wurde ich z.B. auf Stufe 1 oder 2, allenfalls 3 vermuten.


    [1] Michael Behnen: Dollars für Mussolini (1999), als PDF-Datei herunterladbar.
    [2] Der Thread könnte durchaus auch "Gab es ein faschistisches Netzwerk?" heißen!
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juli 2011
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Kommt es dabei nicht auch auf den Zeitpunkt an? Beispielsweise ist das für die Doriot-Bewegung und die Französische Volkspartei untersucht worden, auch mit Bezug auf Nolte. Dessen Ansatz wird in der Schrift zwar als politisch-sozioloigisch interessant, aber als nicht historisch kritisiert.

    Bzgl. der Finanzen der Doriot-Bewegung werden zwar Hinweise auf deutsche und vor allem italienische Quellen gegeben, die allerdings keine Systematik als Basis eines Netzwerkes vermuten lassen, sondern eher unabgestimmt (unstrukturiert) erscheinen.
     
  17. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    PS
    Sicherlich! Was Jacques Doriot betrifft [1], wäre ins Tableau einzutragen:
    Frankreich: Parti populaire français (Doriot) 1936 <--- Hitler
    Die Interaktionsstufe lasse ich mal offen; nach 1939 diente sich D. mit Haut und Haaren Hitler an. Ob dieser umgekehrt schon vor 1939 Doriot unterstützte (oder nur als nützlichen Idioten betrachtete), wäre auch noch zu klären.

    Als gröbste Zeitleiste kommt wohl Noltes Dreischritt infrage:

    • Als "Vorform" des Faschismus bezeichnet er die Action Française ab 1899.
    • Nach 1919, insbesondere natürlich nach 1922 richten sich alle Bewegungen an Mussolini aus.
    • Das ändert sich ziemlich bald nach 1933 (ggf. auch früher?!), weil Hitler als potenter erscheint, wohl auch für Doriot.

    [1] Nolte geht auf ihn nur am Rande ein, z.B. S. 117: die PPF "unter der mitreißenden Führung eines Renegaten des Kommunismus, Jacques Doriot", genauso bereits in seiner Vorstudie Die Action Francaise 1899-1944 in: VfZ 9 (1961) 2, S. 124-165 (herunterladbar).

    PS: Siehe auch den beim Doriot-Artikel angegebenen Weblink.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juli 2011
  18. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Heißt das, dass wir zu einem ersten Ergebnis kommen können?

    => Vor 33 wenig bis gar keine Unterstützung faschistischer Gruppen untereinander (Mussolini mal ausgenommen).
    In vielen Ländern entstanden die Gruppen auch erst nach 33 (Spanien, England).

    Untersützte Mussolini denn außer (vermutlich) Hitler, noch weitere faschistoide Gruppierungen im Ausland?
     
  19. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Es gibt dazu kaum Quellen, aber davon muss man ausgehen.

    Ein Hinweis bieten die Ciano-Tagebücher, bei der solche Zahlungen erwähnt wurden (siehe Doriot) und der für das Sponsoring und die asuländische Presse, über die auch manches adressiert wurde, zuständig war.
     
    1 Person gefällt das.
  20. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Ich schicke noch mal eine hinterher - sorry, ich mußte erst der Erinnerung aufhelfen und googeln. Wobei es sehr interessant ist, was in den einzelnen Wikipedias erwähnt bzw nicht erwähnt wird und wie die Darstellungen sich unterscheiden.

    Die weitere Partei ist die Nationalsozialistische Partei Syriens, gegründet von Antoun Saadeh:

    Parti social nationaliste syrien - Wikipédia

    Ein Übersetzungsversuch (sooo sattelfest bin ich nicht - Berichtigungen erbeten):
    Im November 1932 gründete er die PSNS. Die PSNS ist eine laizistische libanesische Partei, die auch die Gleichberechtigung verteidigt. Die Partei arbeitete drei Jahre im Untergrund. Ihr vorrangiges Ziel ist der Kampf gegen das französische Mandat im Libanon und in Syrien. Saadeh selbst wurde mehrmals festgenommen und war 1938 gezwungen, den Libanon in Richtung Argentinien zu verlassen. ...
    Die PSNS wurde von ihren Gegner beschuldigt zu versuchen, die faschistische Partei Italiens zu imitieren, was die Partei bestritt. ...
    Die PSNS war ebenfalls gegenüber dem Kommunismus und dessen Klassenkampf feindlich eingestellt. ....
    Zwei Tage vor Sabra und Schatila explodierte eine Bombe im Hauptquartier der Phalangisten, die den mit Israel verbündeten Präsidenten Bashir Gemayel und 60 seiner Anhänger tötete. Habib Chartouni, ein Aktivist der PSNS, wurde verdächtigt, das Attentat begangen zu haben und wurde im Gefängnis Roumieh eingesperrt, bis er von den syrischen Streitkräften 1990 befreit wurde.
    ....
    Mit dem Bürgerkrieg im Libanon wurde die PSNS in Syrien durch Hafiz el-Assad toleriert. 2005 legalisierte Bashir el-Assad die PSNS [...]. Die Partei beteiligt sich an der nationalen progressiven Front.
    ... In Jordanien, in Kuweit und in Palästina ist die Partei eingeschränkt. Im Irak wurde die Partei von Saddam Hussein verboten, es gibt dort aber Mitglieder der PSNS.


    Die englische Wikipedia:

    Antun Saadeh - Wikipedia, the free encyclopedia

    Sowohl die Al-Kataib als auch die PSNS werden als laizistische Parteien dargestellt; der Einfluß teils auf italienische, teils auf spanische Vorbilder zurückgeführt. Leider komme ich an das Buch nicht mehr heran, habe aber in den 70er Jahren in einer seinerzeit aktuellen Publikation gelesen, Gemayel habe die Al-Kataib nach Rückkehr von einem Deutschlandbesuch zur Oylmpiade 1936 gegründet.

    Die französische Wiki hebt den gegen Frankreich gerichteten Antikolonialismus heraus und erwähnt bei der Al-Kataib spanische oder deutsche Einflüsse gar nicht, bei der PSNS jedoch italienische Unterstützung. Zwar werden beide Parteien als nationalistisch eingeordnet, der genauere Charakter dieses Nationalismus wird jedoch nicht beleuchtet. Kataib und PSNS greifen jedoch keinen Panarabismus oder arabischen Nationalismus auf; in den 1970er Jahren argumentierte die Kataeb auf dem Hintergrund ihrer überwiegend maronitischen Mitglieder sogar mit einer überlegenen phönizischen Herkunft der Maroniten und wollte muslimische Libanesen aus dem Land weisen.
     
    1 Person gefällt das.

Diese Seite empfehlen