Geflügelte Wesen: Vom Alten Orient bis in den heutigen Teeladen

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von Hulda, 8. Februar 2009.

  1. Hulda

    Hulda Gast

    Engel begegnen mir ständig.

    Keine Angst: Ich lebe nicht in ständigem Austausch mit Himmelsboten, ihr Abbild(?) drängt sich mir in Form von Schlüsselanhängern etc. nur an vielen Orten auf. Daraus schließe ich, dass das Interesse an diesen geflügelten Wesen durchaus aktuell ist.

    Also bietet es sich an, sie einmal (kunst-) historisch zu beleuchten, wobei ich auf Hilfe und Beteiligung aus dem Forum hoffe. :friends:

    Ein Engel, besser gesagt eine Gestalt begegnet schon Hagar im Alten Testament, jener von Abraham geschwängerten Magd, die ob der Zwistigkeiten mit Sarah es vorzieht in die Wüste zu gehen, wo ihr die Geburt Ismaels geweissagt wird. Von einem geflügelten Wesen ist da nicht die Rede.

    Geflügelte Wesen "schwirren" aber im Alten Orient zu hauf herum und finden biblisch in den Serafim und Kerubim ihren Platz. Ein Seraf müsste demnach aus Ägypten stammen, wo es geflügelte Schlangen gab. Kerubim dürften geflügelte Mischwesen sein, die es meines Wissens vielerorts im Nahen Osten gab.

    Die Schwingen symbolisieren unter anderem auch Schutz. Boten waren die Serafim und Kerubim meines Wissens nicht.

    Nun bedeutet Engel ja Bote. Damit wären wir bei den sogenannten Erzengeln. Gabriel spielt als Verkündigungsengel in den drei monotheistischen Religionen eine bedeutende Rolle. Er wird geflügelt dargestellt.

    Heute spielen Engel hauptsächlich als Schutzengel eine Rolle, ja erfahren einen Boom.

    Nun würde ich mich über Beiträge freuen, die den Weg vom unbeflügelten Verheißer der Geburt Ismaels über die geflügelten Lobpreiser Gottes (Kerubim und Serafim), die Erzengel und Engelschöre bis zur heutigen Schutzengelfrömmigkeit erhellen.
    Ich finde die Thematik sehr spannend, zumal auch kunstgeschichtlich einiges "drinstecken" dürfte... vielleicht geht es ja dem/ der einen oder anderen User/in auch so...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. Februar 2009
  2. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hier mal ein paar islamische Engelsabbildungen:

    Gabriel, Michael, Israfil und Izrail:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/95/Siyer-i_Nebi_298a.jpg

    Israfil:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3d/Irakischer_Maler_um_1280_001.jpg

    Erzengel Gabriel und Muhammad:
    http://www.gkempka.de/Fachliches/Vortraege/Engel/Bilder/Engel-Islam.jpeg

    König Sulaiman umgeben von Engeln:
    http://www.smb.museum/religionen/media/islam/daemonen_360.jpg

    Gabriel:
    Photo

    Muhammad wird auf seiner Nachtreise von Engeln begleitet, z.B. Michael, rechts unten:
    http://www.geocities.com/khola_mon/Image11.JPG

    Gabriel:
    http://www.geocities.com/khola_mon/myth/Jibrail.JPG
     
  3. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Der Islam ist ja mal wieder voller Überraschungen.
    Mich überraschen weniger die Engel sondern viel mehr dieser vor dem König knieende blaue Minotaurus.
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat: knieende blaue Minotaurus"

    Ich tippe drauf das es der ist den die Juden Aschmodaj nennen, ich komme jetzt nicht auf die islamische Form.

    Nun da Engel ja auch die sind, die Teile des Toten zu Gött(ern) tragen, fällt mir sofort eine Verbindung zu Aasvögeln ein.
    Klingt krass, es gibt die Himmelsbestattung, dort werden die Toten den Raubvögeln vorgeworfen.

    Im alten Ägypten ist der Überbringer der Seelen Anubis, er wird als Schakal dargestellt. Und Schakale fressen ....auch Aas.

    Ein gemeinsames psychologisches Moment?!
     
  5. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Der blaue Minotaurus wird auf der Ursprungsseite des Bildes auch nicht näher beschrieben:
    Religion des Islam - Lexikon

    Er wartet halt auf die Königin von Saaba.
     
  6. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Du meinst sicher die Türme des Schweigens der Zoroastrier http://de.wikipedia.org/wiki/Dakhmah

    In dem Link wird über eine Verbindung zu Catal Höyük und Göbekli Tepe spekuliert.
    Es handelt sich um eine Luft- oder Himmelsbestattung. Nur Vögel, wahrscheinlich Geier sollten die ausgelegten Leichen entfleischen.
    Aber ob mit Engeln eigentlich Geier gemeint waren, ich weiß nicht.
     
    1 Person gefällt das.
  7. Hulda

    Hulda Gast

    Wesen mit Flügeln, die die Anhänger des Zoroastrismus schützen sollen, gibt es. Ob sie aber mit Geiern in Verbindung gebracht werden, weiß ich nicht. Inwieweit sie mit Engeln als Boten etwas gemein haben, entzieht sich auch meiner Kenntnis. Ich würde aber gerne mehr darüber erfahren.

    Danke Euch bis jetzt schon einmal für die gewinnbringenden, interessanten Beiträge, klasse! :yes: Ich lerne viel.
     
  8. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich glaube ich habe in einer Doku über Bombay/Mumbay gesehen, dass dortige Zoroastrier klagten, dass ihre Grabtürme nicht mehr funktionieren, weil die Geier durch die Luftverschmutzung und den Lärm der Stadt immer weniger kämen, um die Leichen sauber zu fressen.
     
  9. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    In letzter Zeit faszinieren mich zwar die unterschiedlichen Begräbniskulturen aber das Thema Engel hat bestimmt noch andere Aspekte.
    Vielleicht sollten wir erstmal untersuchen aus welchen Religionen / Kulturen überhaupt engelartige höhere Wesen als Götterboten und Vermittler bekannt sind.
    Gibt es im Nahen Osten vormonotheistische Engel, in Ägypten oder Sumer z.B, wo schriftliche Quellen vorliegen.
    Und wie sind die germanischen Walküren zu sehen, gibt es da ältere Quellen mit Flügeln? Ich habe dazu eher so ein Wagnerbild aus dem 19. Jhdt vor Augen, das wahrscheinlich aus der Germanenwiederbelebung des Nationalismus stammt.
    Und woher kommt kunstgeschichtlich dieser süßliche Ausdruck der Raffael-Engel als Prototyp für unsere heutige Vorstellung?
    An die biblischen Engeln erinnern diese niedlichen Putten kaum.
     
    1 Person gefällt das.
  10. Serapis

    Serapis Neues Mitglied

    Die Parsen (Zoroastrier) haben ein ganz anderes Problem. Ihre Zahl ist mittlerweile so klein, dass niemand mehr daran zweifelt, dass diese Religion bald verschwunden sein wird. Dann brauchts diese Türme auch nicht mehr.
     
  11. Hulda

    Hulda Gast

    Zu Ägypten fällt mir das Amulett der Mumie Tut- Anch- Amuns ein, der geflügelte Vogel, die Seele des Menschen (bin mir der Bedeutung aber nicht ganz sicher); ansonsten die geflügelten Schlangen.
     
  12. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat:Ob sie aber mit Geiern in Verbindung gebracht werden, weiß ich nicht. Inwieweit sie mit Engeln als Boten etwas gemein haben, entzieht sich auch meiner Kenntnis."
    #
    Nun, Engel und Geier, beiden tragen den Toten gen Himmel.
     
  13. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Im griechisch-römischen Kontext gibt es auch ein paar geflügelte Wesen.
    Eros, Cupido bzw. Amor ist auf antiken Abbildungen interessanterweise nicht immer eine gänzlich asexuelle Putte und wird auch nicht immer als willkommene Gelegenheit für einen Knabenakt missbraucht. Hier ist er ein erwachsener Mann, naja kein Kind mehr. Hier ist sogar zu erkennen, dass er gut bestückt ist. Hier knuddelt er mit dem Satyr Silen. Die Antikenrezeption in der neuzeitlichen Kunst setzt da ganz andere Schwerpunkte.
    Auch die Siegesgöttin Victoria/Nike ist in der Regel beflügelt. Auch sie findet sie in Klassizismus und Co rege Rezeption.
    Auffällig ist, dass die heute übliche Form des Engels mit nur zwei Flügeln der griechisch-römischen zum Verwechseln ähnlich ist. Die Bibel spricht ja ausdrücklich von sechsflügligen Serafim. Dem werden zumindest diese mittelalterliche Illustration gerecht. Im Stuttgarter Psalter, 9. Jahrhundert, kommen beide Engelformen vor, außer in der Hölle dort gibt keine Seraphim. Ansonsten treibt es der Suttgarter Psalter auch recht bunt bei den Flügel.
    Bunte Flügel, am besten vier Stück, scheinen die islamischen Engel zu bevorzugen. Der Tod hingegen trägt seine dunklen Flügel auf dem Kopf, Ähnlichkeiten mit Merkur/Hermes halte ich für offensichtlich. (Von Merkur hat wahrscheinlich auch der Odin des 19. Jahrhunderts seinen Flügelhelm, ebenso die Walküren.)
    (Geier und überhaupt alle irdischen Vögel haben übrigens immer nur zwei Flügel, sogar Kiwis) ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Februar 2009
  14. askan

    askan Neues Mitglied

  15. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Zunächst drei Hinweise:

    Einen interessanten Einstieg wählt Winter (Handbuch Religionswissenschaft ... - Google Buchsuche), der die Engel als "Zwischenwesen" neben Dämonen und Geister stellt.

    Wie es dann speziell bei den Christen weiterging, zeigt Rohland (Der Erzengel Michael, Arzt und ... - Google Buchsuche) am Beispiel Michaels.

    Wenn Du gern ins Kino gehst, dann siehe Kramer (Das Kino: Ort der Engel: Die ... - Google Buchsuche) mit einer knappen allgemeinen Einführung ins Engelgeschäft.
     
  16. matrone

    matrone Neues Mitglied

    ich hoffe, es schadet nichts, wenn zu einem thema nach etlichen monaten oder gar jahren noch beiträge dazu kommen:

    ich kann mir schon vorstellen, dass die menschen stets lust hatten selbst fliegen zu können. dass ist auf dem tempelhofer feld mit gustav und otto lilienthal und der danach entstandenen flugtechnik ja noch ganz hautnah erlebbar.
    ixh komme jatzt keider nicht auf den namen des 'alten griechen', der versucht hatte mit selbstgebastelten riesigen flügeln von einem Berg/ hügel loszuhüpfen und dann ins meer stürzte.

    zur anregung mal keine flügelwesen aber thematisch zum fliegen:

    an anderer stelle auf diesem globus, im nazca tal /peru http://de.wikipedia.org/wiki/Nazca-Linien gibt es riesige zeichnungen im sand/fels, die nur aus großer höhe als gesamtbilder erkennbar sind. es müssen gar nicht erst 'außerirdische' davon angelockt worden sein, sondern evtl gab es damals schon (ca. 600-100 vor chr.) möglichkeiten per ballon, drachen etc sich in gewisse höhen zu begeben. wie beim autofahren ist jdeoch nicht das fahren das problem, sondern das wieder anhalten, hier eben das landen.
    ich denke, sämtliche engelsbeschreibungen und solche riesenbilder, sind eher zeichen antiker versuche zur flugtechnik.

    ach ja, zurück zu den engeln: während der wende zeit hörte ich mal im radio einen beitrag zur sozialistischen sprachschulung. der begriff (weihnachts-) engel war politisch nicht so gewollt, also soll daraus eine 'jahreswendeflügelfigur' geworden sein.
     
  17. Vercingetorix01

    Vercingetorix01 Gesperrt

    Ikarus ;)

    Eher Jahresendflügelfigur. Die Wende kam ja viel später ;).
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. August 2009
    1 Person gefällt das.
  18. matrone

    matrone Neues Mitglied

    Ach ja, haben Sie vielen Dank!

    Ikarus, Ikarus, Ikarus!

    Ich möchte meinen es war doch von der Jahreswendeflügelfigur die Rede, aber ich höre auch schwer, vielleicht liegt es daran.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. August 2009
  19. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Zweifel sind angebracht Wortmysterium "Jahresendflügelfigur": Wer sagt denn so was! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    überdies heißt es korrekt Jahresendfigur mit Flügeln http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2007/10/06/presseschau-32/

    PS: der Unterschied zwischen Rind und Kuh scheint den Autoren unbekannt zu sein.
     
  20. matrone

    matrone Neues Mitglied

    flügelfiguren

    den spiegel artikel hatte ich auch gelesen. im 13. absatz des online textes wird übrigens ein herr röhl zitiert, der diese wortschöpfungen zu zeiten der ddr schon mitbekommen haben will.

    wie auch immer, ob nun vor, während oder erst nach der wende diese wortschöpfung entstanden ist, sie bleibt in ihrem sprachklang lustig.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. August 2009

Diese Seite empfehlen