Geiselnahme von Gladbeck, Rolle der Journalisten. Gab es Konsequenzen?

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von Stefan70, 9. März 2018.

  1. Stefan70

    Stefan70 Mitglied

    Liebe Historiker und Geschichtsinteressierte!

    Sicher habt Ihr die ARD-Filme zu Gladbeck 1988 gesehen. Darin kamen Szenen vor wie Journalisten in Köln Polizisten enttarnten und einen der Geiselgangster auffordeten, einem der Opfer die Pistole noch einmal die Pistole an den Kopf zu halten. Außerdem verrieten Jorunalisten, daß die Polizei an einem Auto etwas angebracht hatte. In der Dokumentation danach wurden diese Szenen bestätigt. Auch hat ein Journalist den Geiselnehmern den Weg zur Autobahn gewiesen. Hat man diese Journalisten ermittelt und hat es, für die Enttarnung der Polizisten oder für die Aufforderung der Geisel die Pistole an den Kopf zu halten Strafen gegeben?

    Danke und liebe Grüße

    Stefan
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Über direkte Konsequenzen ist mir nicht bekannt.

    Neulich habe ich den Plassbeck in einer talkshow gesehen, in der er recht offen über die Ereignisse erzählt hat, wie sich dieses auch mit einer gewissen Eigendynamik entwickelt hat. Er hatte als Lokalreporter, dorthin geschickt, auch ein Interview aufgenommen und an seinen Sender gegeben.

    Das waren Grenzüberschreitungen, die da passiert sind, noch vor der Zeit der „Selfies“ und den schnellen Filmchen, bei denen auf die Katastrophen draufgehalten wird. In der Journalistik hat sich das mW so nicht wiederholt, die Probleme bestehen heutzutage eher mit den Gaffern.
     
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  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Strafrechtliche Konsequenzen hat es m. W. nicht gegeben. Diese Grenzüberschreitung haben aber wohl zu einer Anpassung des Pressekodex geführt.

    In der Wikipedia findet sich folgende Information:

    Wegen des Fehlverhaltens der Journalisten während des Geiseldramas teilte der Deutsche Presserat am 7. September 1988 mit, dass Geiselnehmer während einer Geiselnahme nicht interviewt werden sollten und eigenmächtige Vermittlungsversuche nicht zu den Aufgaben von Journalisten gehörten. Der Pressekodex wurde entsprechend erweitert. In einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zwanzig Jahre nach dem Gladbecker Geiseldrama erklärten einige der damals beteiligten Journalisten, sie bereuten ihr Verhalten, das zur Unterstützung der Verbrecher beigetragen habe.
    Geiselnahme von Gladbeck – Wikipedia

    Im nachhinein haben auch viele, damals beteiligte Journalisten erklärt, dass sie ihr damaliges Verhalten bereuen.
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ist natürlich jetzt die Frage, in wie weit man Paparrazo/itum noch als Journalistik begreifen möchte, aber ich denke, dass Grenzüberschreitungen von Paparrazi an der "Tagesordnung" sind und somit auch - uneingedenk des möglichen Alkoholmissbrauchs des Fahrers - beigetragen haben zum Unfalltod von "Lady Di" und ihrem Lebensgfährten Dodi al-Fayat.

    Und im September 2015 hat es ja die ungarische(?) Journalistin gegeben, die Flüchtlinge bei der Grenzüberschreitung angegriffen hat (Beinchen gestellt, geschubst, getreten). Das hatte freilich nichts mehr mit ihrer journalistischen Arbeit zu tun. Aber das Enttarnen von Polizisten gegenüber Geiselnehmern ja auch nicht.
     
  5. Stefan70

    Stefan70 Mitglied

    Danke.
     
  6. Die Rolle der Journalisten war bestimmt nicht die beste,- aber vielmehr schockierte mich das Fehlverhalten der Einsatzkräfte. Es wäre doch ein leichtes gewesen, wenn sich ein paar Polizisten mit Kamera und Mikro bewaffnet hätten, der Sache ein schnelles Ende zu bereiten.
     

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