Genesis - Plural ?

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von melek, 10. Mai 2007.

  1. melek

    melek Neues Mitglied

    Hallo.
    Mich würde mal interessieren , wie ihr die Pluralform in der biblischen Genesis
    erklären würdet.
    Es heisst ja "lasst UNS Menschen machen..." und auch was als "Gott" übersetzt wurde , soll ja im original "Elohim" geheissen haben , was eigentlich auch die Pluralform ist.

    Was meint ihr ? Ist das nun (wie manche Christen meinen ) ein früher Hinweis
    auf die Dreifaltigkeit Gottes , oder hat es vielmehr mit einem polytheistischen Umfeld zur Entstehungszeit der Schöpfungsmythen zu tun ?

    Oder was ganz anderes ?
     
  2. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich denke, da hat das alte Pantheon der alten Hebräer gesprochen.
     
  3. melek

    melek Neues Mitglied

    Du meinst , die wollten alle denkbaren Götter mit einschließen oder wie ist das zu verstehen ?
     
  4. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Der alten Hebräer - das ließe sich diskutieren. Jedenfalls gilt ein religionsgeschichtlicher Einfluß des altbabylonischen Schopfungsberichtes ("Enuma Elisch") seit Westermann außer Frage.
     
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Der jahwistische Schöpfungsbericht (Gen 2,4b-24)
    Niedergeschrieben wurde dieser Text mit einiger Wahrscheinlichkeit von einem Theologen am Hof König Salomos, also - ganz grob gesagt - im 10. Jahrhundert v. Chr. Der Verfasser konnte sich dabei auf eine Reihe von Erzählungen stützen, die im Umfeld Israels überliefert wurden. Solche Menschenschöpfungsmythen gab es in der Umwelt Israels schließlich nicht wenige.

    Der priesterschriftliche Schöpfungsbericht (Gen 1,1-2,4a)
    Die Verwandtschaft des biblischen Berichtes zu babylonischen Texten lässt sich dabei leicht erklären, wenn man bedenkt, dass der priesterschriftliche Schöpfungsbericht in einer Zeit entstanden ist, in der Israel - zumindest was die Intelligenz und die Oberschicht des Volkes anging - in babylonischer Gefangenschaft war.

    http://www.joerg-sieger.de/einleit/zentral/01men/zent03.htm
     
  6. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Sorry MERCY, nach der neuen "Einleitung in das Alte Testament" von Zenger et al. (Kohlhammer, 2004/Stuttgart: 5. überarbeitete und erweiterte Auflage) - sind deine Angabe mindestens zeitlich gesehen nicht mehr ganz aktuell.
    Die Vorstellung der Abfassung einer jahwistischen Urgeschichte am Hofe Salomos - wie sie in den 1970er Jahren populär war - wurde mittlerweile so gut wie aufgegeben. Heute spricht man eher vom Jerusalemer Geschichtswerk, das frühstestens um 700 entstand.
    Die Vorstellung der Priesterschrift gilt zwar als bewehrt, deren Abfassung wird aber nun eher in nachexilischer Zeit gesehen.

    Habe gerade mal nachgeschaut: Dr. Jörg Sieger bezieht sich mit seiner (obsoleten) Darstellung auf Alfons Deissler, Wer bist du Mensch (Freiburg, 1985); die Umorientierung in der historsich-kritischen Exegese scheint also erst gerade eingesetzt zu haben, als Deissler seinen Forschungsstand in den 80ern allgemein zugänglich publizierte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Mai 2007
  7. So aus dem Stegreif: Es braucht hier keinen babylonischen Einfluss. Die Hebräer (ich übernehme die oben gebrauchte Bezeichnung mal) waren lange Zeit keineswegs so monotheistisch wie es auf den ersten Blick heute scheint - auch nach dem (mythischen) Moses nicht. So haben sich eben solche Relikte in die Bibel "eingeschlichen". Vielleicht kann dem, der die Überlieferung dann niedergeschrieben hat, zugutehalten, dass er die Formulierung für einen pluralis majestatis gehalten hat. Es gab mal eine Radiosendung, ich glaube vom SWR, dazu, auch dazu, dass der Jahwe von, sagen wir mal: Jericho nicht als derselbe wie der von Jerusalem betrachtet wurde. Vielleicht bringe ich noch was druckreiferes zusammen.
     
  8. askan

    askan Neues Mitglied

    Wenn man das alte Testament mal aufmerksam liest, wird man feststellen das sich die Leviten ganz schön mit Konkurrenzgöttern abplagen musste. Sogar Menschenopfer für Jahwe werden öfter am Rande erwähnt (im Buch der Richter). Ich denke, da die Hebrärer ein "Sonder"zweig der Kannaniter waren werden sie auch die Götter ihrer verwandten Völker gehabt haben. Die Namen diese Götter werden ja relativ oft erwähnt: Baal Zephon, Aschoret, El, Melek, Lilith usw. In einem Buch des AT wird auch häufiger die Tempelprostitution im Tempel von Jerusalem angesprochen, ferner die Kultbäume der Aschoret (Astarte, Aphrodite?) auf den Hügeln. und und und
     
  9. melek

    melek Neues Mitglied

    Klar. Laut AT hatten es viele Könige gerne und oft mit anderen Göttern.
    Selbst Salomo fing irgendwann damit an.

    Aber diesen Göttern wird wohl beim schreiben der Bibel keine Rolle bei der Schöpfung zugebilligt worden sein.
    Auch wenn sie bei den ursprünglichen Entstehungsmythen gemeint waren , wenn ich das bisher richtig verstanden habe ?

    Wieso wurde also der Plural stehengelassen ?
    Ein "pluralis majestatis" wäre eine Erklärung.
    Vielleicht eine Vorstellung von "himmlischen Heerscharen" Gottes , wie der Begriff Zebaoth andeutet ?

    Zumindest kann der Dreifaltigkeitsgedanke hier ausgeschlossen werden , oder ?
     
  10. Mit der Dreifaltigkeit hat es defintiv nichts zu tun.
     
  11. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat: "Klar. Laut AT hatten es viele Könige gerne und oft mit anderen Göttern.
    Selbst Salomo fing irgendwann damit an."

    Na, wer weiß, vielleicht warten es gar keine fremden Götter, sondern die einigen aus der Mode gekommenen Götter.?
     
  12. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    "wer weiß", "vielleicht" - nimm es mir bitte nicht übel, aber da fehlen nur noch Worte wie "eventuell" und "möglicherweise"...
    Kannst Du mir bitte dafür konkrete Anhaltspunkte bzw. einen konkreten Anhaltspunkt nennen?
     
  13. Mercy

    Mercy unvergessen


    Wo, bitte, wird im AT Lilith zu den Göttern gezählt.
    Ich muß wahrlich ein tumber Tor sein.
     
  14. askan

    askan Neues Mitglied

    So ein dicker Mönch aus Wittenberg übersetzte Lillth mit "Nachtkobold" (oder so ähnlich ins Deutsche. Ich habe die Textstelle nicht parat, aber sie handelte davon das die Kinder Israel den "Kobold der Nacht" aus Furcht anbeten.
     
  15. Mercy

    Mercy unvergessen

    Wann hast du mal was parat? :motz:
     
  16. hyokkose

    hyokkose Gast


    Die Bibel nach der Übersetzung des dicken Mönches aus Wittenberg (sein Name liegt mir gerade auf der Dings, na, dem Sprechwerkzeug) gibt es auch online. Da lautet die Stelle mit dem Nachtgespenst wie folgt:

    http://www.bibel-online.net/buch/23.jesaja/34.html#34,14

    Eine Andeutung, daß das Nachtgespenst vor Furcht angebetet worden sei, kann ich hier nicht finden.
     
  17. askan

    askan Neues Mitglied

    Hmm, früher musste man die Geister rufen damit sie kommen, heute reicht es wenn man schreibt!
    Das ist die Stelle in ich nicht parat hatte, an den Nattern habe ich sie erkannt! Ich kann schließlich nicht die ganze Bibel auswendig können!
     
  18. hyokkose

    hyokkose Gast

    Niemand hier kann die ganze Bibel auswendig, aber wozu gibt es Bibeln online?
    (Mit Suchfunktion sogar!)
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Stelle lautet auf Hebräisch:

    וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֔ים נַֽעֲשֶׂ֥ה אָדָ֛ם בְּצַלְמֵ֖נוּ כִּדְמוּתֵ֑נוּ

    wa-yomer
    - und er sagte (typischer Satzanfang in den älteren Bibelbüchern)
    elohim - Gott Pluralform
    Ich weiß nicht, wie das im Althebräisches ist, im Arabischen ist es so, dass am Satzanfang das Verb immer im Singular verwendet wird, auch wenn das Subjekt Plural ist.
    Also der deutsche Satz: Die Leute gehen... würde ins Arabische übersetzt Geht die Leute...
    na'asäh (Radikale 'Ayn-Sin-Hah), PK-Form na=1. Pers. Plural=wir
    adam - Mann/Mensch
    be-tsalmenu - in unserem Bild, be- ist eine Präposition
    kidmutenu - hier ist das angehängte -nu das Possesivpronnomen für die 1. Pers. Plural
     

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