Germanische Priester?

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Haerangil, 2. Juli 2012.

  1. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    Hallo!

    Ich habe eine Frage zu möglichen germanischen Priestern...

    Bei Tacitus ist IIRC von einem Priester der Nerthus und einem Priester der Alces die Rede sowie eine Passage nach welcher nur Priestern das Recht zustand jemanden zu schlagen oder zu töten und das diese nicht auf Befehl von Königen oder Herzögen handelten sondern auf Geheiß der Gottheit...

    Tacitus benutzt in diesem Zusammenhang den Begriff "Sacerdos"...
    nun stellt sich mir die Frage welche Bedeutung Sacerdos zu Tacitus Zet hatte und warum er diesen Terminus wählte um das germanische Priesteramt zu beschreiben...
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    "Sacerdos" ist im Lateinischen nun einmal der allgemeine Ausdruck für "Priester", während "pontifex", "flamen" etc. bestimmte Priestertypen bzw. Angehörige bestimmter Priesterkollegien bezeichnen.
     
  3. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    also ist Sacerdos einfach das allgemeinste Wort für einen Vermittler zwischen Mensch und Gottheit und bei dem Römern die übliche Bezeichnung auch für Priester fremder Kulte?
     
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ja, das trifft es ganz gut. Auch die Augurn wurden zu den sacerdotes gerechnet. In der Vulgata ist "summus sacerdos" der Ausdruck für den jüdischen Hohepriester.
     
  5. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    Gibt es neben Tacitus noch andere wichtige Quellen zu priesterlichen Funktionen bei den Germanen? Ich meine jetzt ausserhalb z.B. der altnordischen Literatur, diese Zeit stellt für mich eine gesonderte Epoche dar...
     
  6. Kochant

    Kochant Aktives Mitglied

    In der Nähe von Zundert, im Westen der niederländischen Provinz Nord-Brabant, wurde 1812 ein der Göttin Sandraugia gewidmeter Votivaltarstein gefunden. Der Stein ist auf das 2. oder 3. Jahrhundert d. Z. datiert.
    Die Inschrift auf dem Stein lautet:

    deae sandraudigae cultores templi

    An der gleichen Stelle wurden 1950 einige Überreste gefunden, höchstwahrscheinlich von dem in der Inschrift erwähnten Tempel, was möglicherweise bedeutet, dass diese Göttin ihren eigenen Tempel hatte.

    Bei den Übersetzungen der Inschrift gibt in Bezug auf "cultores" sowohl die Version "worshipers" als auch "keepers"; letzteres könnte auf eine Art Priesteramt deuten.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Aber ist das noch germanisch?
     
  8. Kochant

    Kochant Aktives Mitglied

    Aus: GardenStone, Gods of the Germanic Peoples
     
  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Sandraudiga CF-GeI-282

    Der Name der Göttin ist wohl germanisch, die Institution der cultores sicherlich nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2020
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Deshalb noch.
     
  11. Kochant

    Kochant Aktives Mitglied

    Das Latein der Inschrift ist auch nicht germanisch.
     
  12. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ich denke, da schlägt wieder die Widersprüchlichkeit der Menschen zu.

    Auch wenn da eine germanische Göttin in einen römischen oder römisch-gallischen Kult gepresst wurde, wurde dieser wohl als germanischer Kult verstanden, den man nur zivilisiert beging. Ja, das ist im Grunde nur eine Vermutung und soll nur zeigen wie seltsam solche Etiketten sein können.
     
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  13. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

    Strabon erwähnt in der Geographica Buch 7, Kapitel 1,4 Libes, einen Priester der Chatten im Triumphzug des Germanicus, bei den Kimbern (Kap.2) Priesterinnen in weißen Gewändern, die Kriegsgefangene opferten.

    Zu erinnern ist auch an das römische Vorhaben eines germanischen Loyalitätskults im Oppidum Ubiorum, diesem Heiligtum, dem Ara Ubiorum, stand 9 n. Chr. der cheruskische Adelige Segimundus, Sohn des Segestes und Schwager des Arminius als „durchWahl bestellter Priester“(sacerdoscreatus) vor.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2020
  14. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    Es gibt auch sprachliche Untersuchungen zum gotischen Gudija, althochdeutschen Esago, Godinc und Ewart, zum angelsächsischen Heargward umd ähnlichen Worten die, mitunter auch nur in Glossen oder als Lehnübersetzungen von u.a. Bibeltexten, als Priester oder "Sacerdos" übersetzt wurden.

    Der Priester des Ara Ubiorum war jdf. Eine eindeutig römische Instanz einen Provinzialpriesters bei der man halt versucht hat lokale Adlige in den römischen "Staatskult" zu integrieren.

    Interessant ist aber doch ,dass Tacitus verschiedene "Priestertypen" zu unterscheiden scheint...
    den "Thingpriester" oder "Stammespriester", sacerdos civitatis , der doch etwas anderes zu sein svheint als der scheinbare "Berufspriester" oder "Hüter des Heiligtums" der Alces mit seiner "weibischen Kleidung", dem muliebris ornatus.

    Vom Nerthuspriester wird soetwas icht explizit erwähnt, aber auch er scheint die Funktion eines "Hüters des Heiligtums" wahrgenommen zu haben, ob er weitere politische oder Rechtsgewalt hatte wie ein "Sacerdos Civitatis" ist weder auszuschliessen noch automatisch anzunehmen denke ich.

    Mir fällt jedoch auf dass all diese Priesterämter männlich besetzt gesesen zu sein scheinen, im Gegensatz zu den "alten Frauen" der Cimbern.Über den Chattenpriester muss ich mal genaueres nachlesen, danke für den Tipp!
     
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