Geschichte des Gotthardpasses

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von Carolus Rex, 4. Oktober 2004.

  1. Carolus Rex

    Carolus Rex Gesperrt

    Hi an Alle!
    Muss eine Arbeit über die Geschichte des Gotthardpasses als Handels- und Verkehrsweg schreiben, mit dem Schwerpunkt Mittelalter.
    Kann mir jemand bezüglich nützlicher Literatur/Bibliographie weiterhelfen?
    Oder Links?

    Danke im Vorraus!:)
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Brauchst Du für Deine Arbeit das gesamte Mittelalter oder hast Du eine zeitliche Eingrenzung?

    Denn die Geschichte des Gotthardpasses ist stark mit der Schweizer Geschichte verbunden, zumal ab 1291 die drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden und Mailand auf der Tessinerseite den Gotthard kontrollierten.

    Hier ein paar Ausschnitte die Links dazu gebe ich Dir unten an.



    13. Jahrhundert:

    Die Verbindung über den St. Gotthardpass, einer der wichtigsten Alpenverbindungen, wird ausgebaut; auf dem Pass eröffnet ein Hospiz. Das Mailänder Domkapitel stattet die Bewohner der Leventina mit Zollvollmachten aus, die ihnen von den Mailänder Herzögen Visconti streitig gemacht werden. Alberto Cerro aus Airolo, der die Talbewohner mit den Wallisern und den Urnern verbindet und gegen die Vormachtstellung der Visconti angeht, fällt jedoch den Mailändern in die Hände und wird 1290 hingerichtet.


    Die Säumer

    Der Transport der Kaufmannsgüter über den Gotthardpass zwischen dem Urnersee und dem Langensee wurde durch die Säumergenossenschaften besorgt. Das Saumrecht war in das Recht der Siedlungsgenossen integriert und bildete mit dem Nutzen und den Pflichten an den Alpen, Allmenden, sowie Wäldern eine Einheit. Nur wer vollwertiges Mitglied der Genossame war, durfte säumen. In Uri hatte die Säumerei in Flüelen ihren Ausgangspunkt. Etappenziele bestanden in Silenen und Wassen. An diesen Orten befand sich auch eine Sust, wo die Handelsgüter, vor Wetter und Diebstahl geschützt, gelagert werden konnten. Es bildeten sich deshalb an den drei Orten Säumergenossenschaften. Wer in Flüelen ein Pferd besass, hatte die Pflicht zu säumen, hatte andererseits jedoch auch das Recht, einen Nauen zum Transport zu stellen. Die Säumer hatten nur wenige Pferde, das Säumen mit fremden Pferden war verboten. Trotz der kleinbetrieblichen Struktur gab es bei den Säumern gleich wie bei den Schiffern zwei verschiedene soziale Gruppen: die Eigentümer der Saumtiere und Nauen sowie deren Knechte. Die Säumergenossen hatten auf ihren Strecken das Transportmonopol. Die Strecke der Flüeler Säumer reichte bis Silenen. Dem Recht stand auch die Pflicht gegenüber, die Güter so zu befördern, dass die Kaufleute nicht warten mussten. Darüber hinaus oblag ihnen den Unterhalt von Weg und Steg. Die Säumergenossenschaften wurden von den Teilern geleitet. Sie teilten jedem Säumer die Saumlasten zu, überwachten die Spedition, besorgten die Abrechnung mit den Kaufleuten und zahlten die Fuhrlöhne aus. Neben den genossenschaftlich organisierten Säumern war auch das freie Säumen erlaubt. Als Beitrag an den Strassenunterhalt musste für solche Transporte jeder Säumergenossenschaft die Fürleite bezahlt werden. Von der Fürleite befreit waren nur die Schwyzer und Unterwaldner.

    Hand in Hand mit den Schiffern arbeiteten die Säumer oder Teiler. Gemäss einer Übereinkunft von 1577 musste für die Kaufmannsgüter, die in Flüelen verzollt wurden, denen von Flüelen die Fürleite (Abfuhr) entrichten. Während im Oberland noch oft Ochsen zum Weitertransport verwendet wurden, benutzte man auf der Talstrecke ausschliesslich Pferde. Wagen konnten wegen der schlechten Strassenverhältnisse bis zum Bau der Gotthardstrasse 1830 nicht verwendet werden. Satzungen regelten die Verteilung der Transporte, die Abfuhr der Ware, analog den Prinzipien der Schiffsgenossen. Die Flüeler Säumer brachten die Kaufmannsgüter meistens nur bis zum Susthaus in Silenen. Dort wurden die Güter umgeladen und von den dortigen Säumer weiter transportiert. Laut einem Landsgemeindebeschluss von 1374 war es jedem Urner erlaubt, Fürleite zu betreiben. Wie die Bestimmungen der Rudergesellen gingen auch diejenigen der Säumer dahin, dass fern gelegenen Stationen die Abfuhr von Flüelen unterbunden werden sollte, sofern diese nicht für den Verdienstausfall, welcher den ansässigen Teilern erwuchs, eine Entschädigung zahlten. Dieses Prinzip des Konkurrenzausschlusses hielt sich bis in die gute alte Postkutschenzeit. So war es beispielsweise den Kutschern von Andermatt strengstens untersagt, in Flüelen aufzustellen. Mit der Eröffnung der Gotthardstrasse 1830 und dem einsetzenden Wagenverkehr ging die Säumerei schnell zurück.

    Postkutschen

    Im 14. Jahrhundert wurden die Standesboten der Eidgenossen erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1494 bereitete der Herzog von Mailand eine Botenkurslinie über den Gotthard vor. Es fanden sich jedoch keine Hinweise auf deren Verwirklichung.

    Im 16. Jahrhundert wurde eine regelmässige Gotthard-Botenlinie zwischen Zürich und Bergamo eingerichtet. Im 17. Jahrhundert wurde die Linie wöchentlich einmal betrieben. 1696 begann die gemeinsame Gotthard-Reiterpost der Kaufmannspost Zürich und der Fischerpost Bern. In der helvetischen Republik wurde die Post in fünf Kreisen zentralisiert. Wegen Geldmangels konnte diese Reform jedoch nur bedingt durchgesetzt werden. Die Mediationsverfassung von 1803 gab den Kantonen ihre Hoheit über das Postwesen zurück. Die helvetische Post wurde aufgehoben. Uri verpachtete das Transitpostregal abwechlungsweise an Luzern und Zürich. Nach der Erstellung der Gotthardstrasse begann 1831 die Fahrpost über den Gotthard bis nach Chiasso. Der Wagenverkehr verdrängte in kurzer Zeit die Säumerei. Mit der Postkutsche nahmen die Reisenden auch im Winter in Flüelen Nachtquartier, um am anderen Tage ihre Reise gestärkt und ausgeruht fortsetzen zu können. Es handelte sich vor allem um "welsche Zugvögel", die vor Mitte Jänner jeweils von ihrem Besuch in der Heimat zurückkamen. Dampfschiffe sorgten seit 1837 für eine schnellere Postverbindung zwischen Luzern und Flüelen. Im Jahre 1840 erhielt Flüelen eine eigene Postablage. Zwei Jahre später wurden tägliche Postkutschen-Eilkurse mit zehnplätzigen Fünfspännerwagen in beiden Richtungen über den Gotthard eingeführt, bei Bedarf begleitet von Beiwagen und Gepäckfourgons. Nach der Gründung des Bundesstaates wurde 1849 die Bundespost gegründet und in 11 Postkreise eingeteilt. Somit wurden auch die Postkutschenkurse über den Gotthard von der Eidgenössischen Post übernommen.

    1850 wurde die Gotthard-Post bis Camerlata verlängert. Mit dem Betrieb der Gotthardbahn im Jahre 1882 wurde die Pferdepost über den Gotthard eingestellt. Auch das eigenständige Postgebäude musste der Gotthardbahn weichen. Die Postablage wurde im Gasthaus Wilhelm Tell eingerichtet.

    Zuerst wurde der Postkurs nur einmal täglich geführt. Es machte sich aber bald das Bedürfnis für eine Abendpost geltend und schliesslich wurde diesen beiden noch ein Mittags- oder Herrenkurs, der bis Andermatt ging, beigefügt. Die Morgenpost korrespondierte mit dem ersten Dampfboot, das gegen 8 Uhr in Flüelen ankam. Der Herrenkurs verliess Flüelen gegen 14 Uhr und die Abendpost ging um 17 Uhr ab. Fünf kräftige Pferde zogen den Zehnplätzer-Wagen von Flüelen nach Camerlata. Auf dem Kutscherbock sass neben dem Postillion der Kondukteur, welcher das Posthorn bliess. Der Hauptpost folgte eine Reihe von Beiwagen, Extraposten und Privatfuhrwerken, alles dem Gotthard zufahrend. War der letzte Hufschlag verhallt, näherten sich schon die Kurse aus dem Süden. So ging es den ganzen Tag. Dazwischen erfolgte das Verladen der Ware, die Abfahrt der Schiffe und das Kommen der Nauen. Erst wenn der Fourgon oder Bagagewagen, welcher während der Nacht durchfuhr das Dorf verlassen hatte, kehrte Ruhe im Hafendorf ein.

    Nicht alle Reisende konnten sich die Postkutsche leisten wie etwa die "Kastanienbrater" aus dem Misox und dem Calancatal, in Uri "Kalanker" genannt. Sie zogen im Frühling wieder in die Heimat, während in der Gegenrichtung Maurer, Feld- und Strassenarbeiter aus dem Süden im Norden auf Arbeitssuche gingen.

    Diese so rege Zeit liess in Flüelen Speditionshäuser entstehen. Das bekannteste gehörte der Familie Crivelli, welches sich mit der Abfertigung von Warentransporten über den Gotthard sowie mit den diesbezüglichen Finanzangelegenheiten befasste. Zur Unterbringung der der Spedition übergebenen Waren hatte die Firma ein eigenes grosses Susthaus am Sternenplatz. In kleinerem Rahmen betrieb auch Franz Xaver Zgraggen das Speditionsgeschäft. Seine Magazine waren im alten "Sternen" und im "Ochsen" eingebaut.



    Links:
    http://www.silenen.ch/gemeinde/geschichte.html
    http://www.fluelen.ch/
    http://www.schweizerseiten.ch/geschichte_tessin.htm
     
  3. Carolus Rex

    Carolus Rex Gesperrt

    Ersteinmal Vielen Dank für die Infos Ursi, hat mir sehr geholfen! :hoch: Zum Themenschwerpunkt: Muss noch mit meinem Prof sprechen, denke aber hauptsächlich Mittelalter ca. bis 1515.
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Warum heisst er eigentlich Gotthard? War das ein schweizer Heiliger?
     
  5. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Der Gotthard wurde angeblich nachdem Heiligen Godehard oder Gotthard von Hildesheim benannt.


    Wer mehr über den Gotthard erfahren möchte:


    http://www.gotthard-hospiz.ch/index/museo_nazionale.htm


    Aus dem Heiligen Lexikon über Godehard:

    Godehard wurde im Benediktiner-Kloster Niederaltaich in Bayern erzogen; sein Vater war Bauer auf Feldern des Klosters, der auffallend begabte Junge kam früh in die dortige Klosterschule. Aufgrund seiner Begabung wurde er dem Bischof von Salzburg empfohlen, wo er weiterstudierte. 990 schloss er sich dem Orden in Niederaltaich an, wurde bald schon Prior und 996 Abt. Godehard war ein konsequenter Verfechter der Klosterreform von Cluny; aus Niederaltaich wurde unter seiner Führung ein blühendes Kloster. Kaiser Heinrich II. übertrug ihm zusätzlich die Leitung des reformbedürftigen Kloster in Hersfeld. In den folgenden Jahren reformierte er zahlreiche weitere Klöster, so auch das in Tegernsee, wo er ebenfalls als Abt fungierte.

    1022 wurde Godehard auf Vorschlag von Heinrich II. Bischof in Hildesheim. Als Bischof zeichnete er sich durch seine Volksverbundenheit und sein fröhliches Wesen aus; seine schlichte, asketische Lebensweise machten ihn sehr beliebt. Er predigte oft, besuchte die Armen und pflegte selbst die Kranken, empfing Bittsteller, hörte regelmäßig Beichte. Er ließ 30 Kirchen bauen und weihen und zahlreiche Schulen gründen.

    Godehard habe Verstorbene wieder zum Leben erweckt, damit diese ihre Sünden beichten konnten, um danach wieder sanft zu entschlafen. Eine abgewandelte Legende schreibt ihm fälschlicherweise die des Goar zu.

    Godehards Verehrung verbreitete sich schnell in ganz Europa, nach ihm wurde angeblich der Gotthard-Pass in der Schweiz benannt.

    http://www.heiligenlexikon.de/
     
  6. askan

    askan Neues Mitglied

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