Geschichte Persiens als Dokumentarfilm

Dieses Thema im Forum "Das Reich der Perser" wurde erstellt von firen, 20. August 2019.

  1. firen

    firen Neues Mitglied

    Moin zusammen,

    ein guter Freund von mir hat in kürze Geburtstag. Er ist iranischer Herkunft, hat persische Wurzeln.
    Er ist sehr stolz auf seine persische Herkunft und die damit verbundene Geschichte. Seinen Söhnen erzählt er oft stolz Geschichten aus dem Großreich Persiens.

    Nun habe ich mir als Geburstagsgeschenk überlegt ihm eine tolle verfilmte Dokumentation zu schenken, die er mit seinen Söhnen zusammen schauen kann. Möglichst über das persische Reich. Optimal wäre natürlich eine ganze Serie oder Filmreihe. Genug zu erzählen gibt es ja.

    Was bietet sich da an? Ich habe google ausgiebig bemüht, finde allerdings nur z.B. diese TerraX Dokumentation, die relativ kurz ist.

    Könnt ihr mir weiterhelfen? Ich glaube, er würde sich wirklich massiv über ein solches Geschenk freuen.

    Danke euch schonmal im Voraus! Habt ihr Alternativ-Vorschläge?
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Eine eher grundsätzliche Meinung zu derartigen Themen:

    Auf was ist er denn stolz? Dass grosse Reiche mit dem Blut seiner Soldaten zusammengeraubt wurden? Dass der angesammelte Reichtum auf der Ausbeutung der Unterworfenen oder versklavten beruht und dieser Reichtum nur einen relativ kleinen Schicht zur Nutzung zur Verfügung standen? Gehören diese negativen Seiten auch zum Teil seines "Stolzes" und erzählt er auch diese Geschichten?

    Mann / Frau kann sich durchaus mit der Geschichte eines Landes auseinandersetzen. Ob es die Geschichte "seines Landes" ist, wenn er heute einen iranischen Pass besitzt, sei dahingestellt. Für das Verständnis der Geschichte Persiens und auch als Personen, die den Narrativ an ihre Kinder weiter geben, sind "gelehrte" und "kenntnisreiche" Personen zehnmal hilfreicher wie eine emotionalisierte "Heldenverehrung".

    Unkritischer Nationalismus bzw. verklärender "Hurrah-Patriotismus" ist für alle Länder abzulehnen, da aus dieser unreflektierten Haltung in der Regel die Möglichkeit resultiert, dass diese Gefühle im Zuge einer "kollektiven Aufwallung" instrumentalisiert werden. Und nicht selten dazu führt, sich selber für etwas besonderes zu halten und andere auszugrenzen und damit Feinbilder bzw. rassistische Einstellungen zu begünstigen.

    Ansonsten gibt es hervorragende Literatur, die die bedeutende zivilisatorische Leistung Persiens angemessen in die Geschichte einordnet.
     
  3. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Eine eher "pro-persische" Sichtweise auf die Perserkriege findet man auf youtube, Crash Course World History, Folge 5 "The Persians & Greeks". Und nein, das ist kein persischer Hurra-Patriotismus, sondern soll eher ein Gegengewicht bilden zu der sonst sehr "pro-griechischen" Rezeption dieser Auseinandersetzung in der europäischen Geschichts-Tradition. ;)

    Das sind aber keine 12 Minuten. Eine längere Dokmentation fällt mir leider auf Anhieb nicht ein. Vielleicht einfach gucken, ob man auf youtube oä I-Net-Anbietern etwas passendes findet, nach dem man dann als Geschenk (DVD etc) suchen kann.
     
  4. Tom

    Tom Mitglied

    Vielleicht hilft auch Literatur. Man findet in deutscher Übersetzung verschiedene Nacherzählungen aus dem Schahnameh, dem Königsbuch des Firdausi. Antiquarisch gibt es auch das ganze Epos in Deutsch oder Persisch (sehr teuer!), aber als echter Persien-Fan kennt oder hat er das Nationalepos vielleicht schon.

    [mod]Kommerzieller Link[/mod]
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 4. September 2019
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Sicher? Die metrischen Übersetzungen von Friedrich Rückert und Adolf von Schack aus dem 19. Jhdt. umfassten jeweils nur Auszüge, und zwar jeweils aus der 1. Hälfte (dem rein mythischen Teil), aber nicht einmal den vollständig. Die neueren Übersetzungen, großteils in Prosa, sind meines Wissens auch nicht vollständig, sondern konzentrieren sich meist auf den Sagenkreis um Rostam. Bist Du sicher, dass eine deutsche Übersetzung das komplette Werk (also inkl. dem"historischen" Teil über die Sassaniden) umfasst?
     
  6. Tom

    Tom Mitglied

    Ja, du hast recht. Ich hab mir vor Jahren die Rückertsche Übersetzung antiquarisch gekauft und völlig vergessen, dass die drei Bände nicht das ganze Schahname sind. Also eine vollständige deutsche Übersetzung gibt es nicht.

    Ich entschuldige mich mit Heines „Der Dichter Firdusi“:

    … Siebzehnmal die Rose blühte,
    Siebzehnmal ist sie verwelket,
    Und die Nachtigall besang sie
    Und verstummte siebzehnmal -

    Unterdessen saß der Dichter
    An dem Webstuhl des Gedankens,
    Tag und Nacht, und webte emsig
    Seines Liedes Riesenteppich -

    Riesenteppich, wo der Dichter
    Wunderbar hineingewebt
    Seiner Heimat Fabelchronik,
    Farsistans uralte Kön'ge,

    Lieblingshelden seines Volkes,
    Rittertaten, Aventüren,
    Zauberwesen und Dämonen,
    Keck umrankt von Märchenblumen -

    Alles blühend und lebendig,
    Farbenglänzend, glühend, brennend,
    Und wie himmlisch angestrahlt
    Von dem heil'gen Lichte Irans,

    Von dem göttlich reinen Urlicht,
    Dessen letzter Feuertempel,
    Trotz dem Koran und dem Mufti,
    In des Dichters Herzen flammte.

    Als vollendet war das Lied,
    Überschickte seinem Gönner
    Der Poet das Manuskript,
    Zweimalhunderttausend Verse …

    (In Wirklichkeit sind es wohl 60 000 Verse, was ja auch eine ganze Menge ist.)
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Schade. Ich habe nur etwa die erste Hälfte (bis zu Alexander dem Großen) gelesen, indem ich die Übersetzungen von Rückert und Schack las und die Abschnitte, die von keinem der beiden übersetzt wurden, (sowie die von Rückert immer wieder ausgelassenen einzelnen Verse) in einer englischen Übersetzung. Die ganze zweite Hälfte nur auf Englisch zu lesen, war mir aber zu mühsam.
     
  8. drmarkuse

    drmarkuse Mitglied

    Das ist eine viel zu negative Antwort auf eine ganz normale Frage. Man kann nicht mit heutigen Moralvorstellungen die Zeit von vor 2500 Jahren beurteilen. Ich wüsste nicht was dagegen spräche, wenn man als Mensch mit iranischen Wurzeln seine Kinder versucht für die Geschichte Persiens zu begeistern, eines der ersten Imperien der Geschichte, das seine Hegemonialmacht ausserdem für damalige Verhältnisse sehr wohlwollend ausgeübt hat (siehe die freiwillige Übergabe Babylons an Kyros II). Auch in der Bibel kommen die Perser viel besser weg als die Babylonier oder Ägypter. Der gesamte Verlauf der Geschichte, von der Rückkehr der Israeliten nach Palestina, die Verbreitung des Hellenismus und damit praktisch die gesamten Grundlagen der Geschichte Europas wären nicht vorstellbar ohne das alte Persien.
    Dieser Respekt wurde Persien bereits von Alexander gezollt, der Daraios III mit allen Ehren bestatten liess, und seine Generäle mit den adeligen Töchtern der Perser verheiraten liess.
    Diese Verschmelzung von Ost und West am Anbeginn der Geschichte Europas wird am besten symbolisiert durch das Grab des Königs Antiochos I, einem Nachfahren aus einer dieser Verbindungen, Grieche mütterlicherseits und Perser väterlicherseits. Das Grab liegt auf dem Berg Nemrut Dag in der Süd-Türkei, bewacht von den Göttern Persiens und Griechenlands mit Blick auf den Euphrat.
    Meine Empfehlung an den Freund und die Kinder wäre eine Reise dorthin. Ein magischer Ort.

    Nemrut Dağ
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. September 2019
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  9. Arses

    Arses Neues Mitglied

    Mag ja sein, dass solche patriotische Haltung in Deutschland, aufgrund der Geschichte nicht "politisch Korrekt" erscheint. Aber nicht alle Völker haben der artige Vergangenheit und eine gesunde Patriotismus hat nichts mit Nationalismus oder Rassismus zutun. Persien hat als erstes Imperium der Grundstein für eine Moderne, multiethnische Gesellschaft und Kultur gelegt und die heutige Welt hat vieles den Persern zu verdanken. Ob solche Institutionen wie UN oder die Menschenrechte (Die erste Deklaration der Menschenrechte vor 2500 Jahren vom Kyros der Große dessen Stein-Zylinder vor dem UN-Gebäude in NY hängt) oder Viehzucht, Landwirtschaft, Bewässerungssysteme, Mathematik, Literatur, Astrologie, Post, Astronomie etc... Diene Schilderungen sind einseitig und entsprechen eher die Perser-feindliche griechische Version, die man von Filmen wie "300" kennt und historisch nichts mit der Wahrheit zutun haben. Die Achaimeniden, Parther, Sassaniden waren in der Antike bekannt, dass sie ihre feinde nicht versklavten und auch keine Sklaven annahmen. Die Befreiung der Juden durch Perserkönig und Aufbau deren Tempel steht sogar in der Bibel. Sie haben über tausende Jahren und in einer finsteren Zeit der menschlichen Geschichte für Tolerant und Gerechtigkeit gesorgt und andere Kulturen und Religionen gefördert. Jede Nation hat auch mal Leichen im Keller aber die Geiste der persischen Kultur und Ethik steht im Gegensatz zur Unterdrückung und Versklavung und die Geschichte kann das bezeugen.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bzgl. des spanischen Weltreichs vom 15. bis 19. Jhdt. spricht von man der schwarzen und der rosanen Legende. Die schwarze Legende die in den Spaniern die inquisitionsgetriebenen Konquistadoren sieht, die raubmordend durch Hispanoamerika zogen und alle prähispanischen kulturellen Leistungen in Schutt und Asche legten und die rosa Legende, wonach die Spanier den menschenopfernden Barbaren Fortschritt und das Christentum als Religion der Nächstenliebe brachten. Beides ist nicht richtig. Warum ich das hier schreibe?? Weil mich das sehr an das erinnert, was du, Arses, hier schreibst. Du verteidigst die Perser gegenüber einer Art schwarzen Legende und malst demgegenüber eine rosane Legende.
    Es ist schon richtig, dass die westliche Geschichtssicht auf das antike Persien sehr stark von der altgriechischen Quellenlage abhängig ist, was nun mal daran lag, dass die Gelehrten früher Griechisch und Latein lernten, Persisch dagegen ist eine Sprache, die - außer Persern - i.d.R. nur Spezialisten können. Das können Vergleichende Sprachwissenschaftler sein oder Islamwissenschaftler, eine eigene Iranologie ist in Westeuropa wohl meist ein Orchideenfach. Also ja, auch wenn vereinzelte Spezialisten es besser wissen, ist im Großen und Ganzen davon auszugehen, dass das Wissen der meisten über die antike Geschichte Persiens nicht auf persischen sondern auf griechisch-lateinischen Quellen basiert. Allerdings sind die auch nicht durchweg negativ, wie etwa Herodot oder Thukydides, sondern es gibt durchaus differenzierte Sichten auf die Perser, wie die von Xenophon, der übrigens ein "Fan" von Kyros war.
    Die Rolle der Perser beim Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem in der biblischen Überlieferung ist nicht ohne den historischen Kontext zu deuten. Die Verfasser stellten die jüdische Elite unter der persischen Herrschaft dar. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
    Emotionen, wie Stolz auf die Geschichte, verstellen allzuhäufig den Blick auf die historische Wirklichkeit und im Übrigen ist Stolz doch eigentlich etwas, was man legitim nur gegenüber eigenen Leistungen fühlen kann. Stolz auf eine Nation, Stolz auf eine Herkunft, stolz auf etwas, was 100, 200 oder 3000 Jahre her ist, was soll das sein? Das sind Ersatzgefühle für einen Mangel an eigener Leistung.
     
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  11. drmarkuse

    drmarkuse Mitglied

    Das wäre natürlich schön wenn es so wäre. Es verkennt aber das menschliche Bedürfnis danach Teil von etwas zu sein das größer ist als das Ich. Dieses Bedürfnis wurde seit jeher bedient durch Geschichten, die von kreativen Köpfen erdacht wurden: Geschichten über mächtige Götter, Könige, Helden,Staaten oder Schlachten, und gespiegelt in Symbolen, Bauten und Kunstwerken. Der Wunsch des Menschen über eine irgendwie konstruierte Mitgliedschaft (z.B durch Nachfahrenschaft) quasi Teilhaber dieser Heldensaga zu werden , das ist ja das Grundprinzip auf dem alle größeren Zusammenschlüsse wie Staaten, Religionen, Unternehmen oder Fußballvereine überhaupt beruhen und die viel wirkmächtiger sind als der Stolz auf das eigene profane Dasein. Das sieht man schon bei Achtjährigen. Man zeige ihnen einen Star-Wars Film und sofort wollen sie Teil des glorreichen Jedi Ordens sein. Man sollte hierzu die Psychologen und Soziologen befragen.
     
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  12. Arses

    Arses Neues Mitglied

    Das stimmt, man sollte auf eigene Leistungen stolz sein. Aber auch die menschen ohne nennenswerte Leistung haben das Recht stolz zu sein. Vielen hilft das auf ihrem Weg sich auf die Vorfahren zu berufen, wenn sie keine andere Anhaltspunkte haben. Mag weit hergeholt und lange vorbei sein, Aber wenn etwas gut war wird es durch die Zeit nicht schlecht. Vorausgesetzt es endet nicht in Rassismus, Nationalismus oder Arroganz.
     
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