Geschichtsbuch-Text/Gedicht zum Deutschen Staatenbund gesucht!

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von biberS, 25. Februar 2019.

  1. biberS

    biberS Neues Mitglied

    Hallo, liebe Forum-Mitglieder, ich hätte da mal ein spezielles Anliegen. Als Redakteurin im Service-Ressort eines Tageszeitungsverlags in Marl kümmere ich mich unter anderem um spezielle Leserfragen.
    In der vergangenen Woche erreichte uns nun folgende Frage:

    Wir hatten in der Schule im Geschichtsunterricht zum Thema Deutscher Staatenbund ein Gedicht oder eine Geschichte über die Kleinstaaterei mit den vielen Grenzen und den dazu gehörenden Formalitäten. Der Inhalt beschrieb die Situation so: Der Wind wehte dem Mann den Hut vom Kopf und ehe er diesen aufheben konnte war er von der nächsten Windböe über die Grenze geweht. Waren alle Formalitäten zum Grenzübertritt vorhanden, hatte der Wind den Hut schon ins nächste Land geweht usw. . Können Sie mir bei der Suche nach diesem(r) Gedicht/Geschichte weiterhelfen?

    Ich denke, wenn da jemand weiterhelfen kann, dann Ihr!

    Liebe Grüße aus Marl,

    biberS
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Gedicht sagt mir jetzt ad hoc nichts, aber natürlich kommt mir sofort eine Karikatur in den Sinn, welche die Problematik der Kleinstaaterei zwar nicht an einem Hut beschreibt aber doch im Sinn auf ähnliche Weise: [​IMG]

    Ein deutsch-israelisch-arabischer Schriftsteller (edit: wahrscheinlich Salim Alafendisch) hat auch mal über die Absurdität des Grenzwesens zwischen Israel und Jordanien geschrieben und wie er als junger Mann mit seinem Kamel in ein jordanisches Gefängnis kam, weil sein Kamel von den Kräutern auf der falschen Seite der Grenze zum illegalen Grenzübertritt aus der Negev- in die jordanische Wüse gelockt wurde.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Gedicht dürfte von Friedrich Hebbel sein. Ohne hier Geschichtsbuch-Bashing treiben zu wollen (und im Prinzip hat sich die Situation in Deutschland nach 1849 ja auch gegenüber vor der Revolution zunächst einmal nicht geändert, erst zwanzig Jahre später), ist das Gedicht wahrscheinlich im Rahmen des Vormärz/der 1848er-Revolution abgedruckt, stammt aber erst von 1859. Da ich aber nun nicht weiß, in welchem Lehrwerk das abgedruckt war, ist das natürlich nur eine Mutmaßung und die in meinen Worten mitschwingende Kritik kann ihrerseits als zu streng kritisiert werden, zumal mit dem Wiener Kongress auf 1815 zurückverwiesen wird.

    Fredrich Hebbel:
    Ein Reiseabenteuer in Deutschland

    Es flog in X mein Hut mir ab,
    Natürlich über die Grenze,
    Und als ich, ihn wiederholen, lief,
    Da gab's vertrackte Tänze.

    Ich durfte den deutschen Nachbarstaat
    Nicht ohne Paß betreten,
    Und da ich bloß spazierenging,
    So hatt' ich mir keinen erbeten.

    Das tat ich nun, auch wurde ich
    In Gnaden damit versehen,
    Doch war's um meinen armen Hut
    Trotz alledem geschehen.

    Der war schon längst im dritten Staat
    Und blieb auch dort nicht liegen,
    Ihn ließ der schadenfrohe Wind
    Ein Dutzend noch durchfliegen.

    Was half mir nun der gute Paß,
    Den ich in X genommen?
    Zehn neue braucht ich in einem Tag,
    Da war nicht nachzukommen.

    Ich kaufte mir einen andern Hut,
    Der Meister aber erwählte
    Den Wiener Kongress zum Schutzpatron,
    Als ich mein Schicksal erzählte.
     
    flavius-sterius, muheijo und silesia gefällt das.
  4. biberS

    biberS Neues Mitglied

    Ach prima, das wird es sein! Vielen lieben Dank!
     

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