Gibt es gewalttätige Buddhisten?

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von MLHalloween1981, 22. Juni 2021.

  1. MLHalloween1981

    MLHalloween1981 Neues Mitglied

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  2. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Man muss nicht nur an buddhistische Mönche denken. (Aber um bei ihnen zu bleiben, wären die rebellischen Ikko-Ikki, im Kern buddhistische Kriegermönche im Japan des 15. und 16. Jhdts., zu nennen.)

    Diverse buddhistische Reiche wie Siam waren zumindest in der Vergangenheit durchaus expansiv aktiv. In Japan sind ein Großteil der Menschen Shintoisten und Buddhisten zugleich, was in der Vergangenheit ebenfalls nicht unbedingt zu absoluter Friedfertigkeit geführt hat.
     
  4. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Ich empfehle dir einfach mal einen Blick in ein Einführungswerk, etwa in die Geschichte Japans zu werfen.

    Das kleine Werk von Kreiner müsste es hergeben, das von Pohl auch und auch das Einführungswerk "Das japanische Kaiserreich" von Hall, auch wenn letzteres schon ein älteres Werk ist.

    Es ist in der Tat so, dass in der Frühzeit Japans, als die Hauptstädte nach dem Tod des Herrschers aus rituellen Gründen noch auffgegeben wurden, verschiedene Buddhistische Schulen, oder Sekten, wie man es ausdrücken mag, sich in Teilen wohl ziemlich millitant aufführten und immer wieder Probleme und bewaffnete Zwischenfälle verursachten.
    Das führte dazu, dass entweder bei der Verlegung der Hauptstadt nach Nara, oder bei derjenigen nach Heian-Kyo, erstmals eine Verordnung erlassen wurde, dass die buddhistischen Sekten keinen Sitz mehr innerhalb der Hauptstadt haben durften, sondern nur noch außerhalb der Befestigungen.

    Das wäre ein Beispiel.

    Ein weiteres sehr einschlägiges wäre für Japan die Sengoku-Periode.


    Ansonsten sehe man sich die Geschichte Chinas an, dass wohl so viele (in weiten Teilen von Buddhisten geführte) Bürgerkriege gab, wie in vermutlich keinem anderen Land der Erde.

    Auch heute noch und das war im letzen Jahrhundert nicht anders, auch wenn da mitunter alternative Ausdeutungen versucht wurden, identifizierten sich veritable Teile der japanischen Gesellschaft weiterhin mit bestimmten Traditionen des Buddhismus. Was diese Leute im Rahmen des 2. Weltkriegs so anrichteten, im Besonderen in China, man denke an Nanjing und einige andere Schweinereien, wird man getrost als gewalttätig bezeichnen dürfen.


    Es gibt sicherlich Teilrichtungen des Buddhismus, die Gewalt strikt ablehnen, so wie es auch Teilrichtungen des Christentums gibt, die radikalpazifistisch eingestellt sind.
    Schaut man sich das aber geschichtlich an, wird man unmengen von Menschen finden, die kein Problem damit hatten gleichzeitig gewalttätig und Buddhisten zu sein.
     
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

  6. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Der buddhistischen Mönchspolizei und den Mönchssoldaten der „Gelbmützen“ in Tibet werden grausame Verbrechen gegen die Menschen nachgesagt. Sklaverei, Folter, grausame Hinrichtungen usw.
    Diese Missstände werden von den Chinesen bis heute als Vorwand für den Einmarsch in Tibet und die Entmachtung das Dalai Lama vorgebracht.

    Gruss Pelzer
     
  7. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Die Vorstellung vom Buddhismus als einer völlig gewaltfreien Religion ist ein Fantasieprodukt des Westens.
    Bei der Begegnung mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen unter den kolonisierten Völkern verfolgten Missionare die Strategie, andere Religionen so verfälscht darzustellen, dass das Christentum als überlegen und attraktiv präsentiert werden konnte.
    Das übliche Framing zum Buddhismus: zu weltfremd, pazifistisch und passiv bis zur Stagnation.

    Die Frage bildet dies ab und ist darum genau so kurz zu beantworten, wie sie gestellt wurde:
    !
     
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  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bis hierher d'accord.

    Hier dann nicht mehr. "Das Christentum" hat in seiner Geschichte sich häufig genug nicht seinem Selbstbildnis entsprechend verhalten, aber gerade hier entsprach doch Pazifismus und eine gewisse Weltabgewandtheit den Idealen des Christentums. Diese Ideale auf eine fremde Religion zu projizieren, um diese zu diffamieren, scheint mir doch etwas weit hergeholt.
     
  9. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Zugegeben, man kann meinen Beitrag so verstehen. Es geht mir aber weniger ums Diffamieren als ums Positionieren, bzw. Abgrenzen im Wettbewerb der Religionen. Auch der Buddhismus kennt eine Art Mission und es ist mMn sogar so, dass die westlichen buddhistischen Missionare bzw. Konvertiten Ende 19. und im 20. Jh. bei ihrer Missionierung des Westens das Ganze umkehrten und diese Vorstellung des pazifistischen Buddhismus aus dem gleichen Grund befeuerten.
    Ich stütze mich dabei auf Publikationen von Jonathan Walters (CV) u.a. Missions: Buddhist Missions, Jonathan Walters, 2005 (leider im Internet nur mit viel Werbung zu finden).

    Zitat daraus:
    Nineteenth- and twentieth-century writings on Buddhist (and Muslim) mission made available for study an "other" mission to juxtapose with Christian mission. This comparative framework originally contributed to Christian missionary self-confidence, portraying their approach as a middle-ground between overly forceful (Muslim) mission and overly tolerant (Buddhist) mission.
     
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  10. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Dem entgegen steht aber das orientalistische Konstrukt der "Gelben Gefahr" - gedacht als gefährlicher Buddhismus. Auf dem wilhelminischem Gemälde "Völker Europas, wahrt eure heiligsten Güter" erscheint der bedrohliche Buddha als Endgegner des christlichen Abendlandes.
     
  11. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Dieses Bild ist sehr interessant. Buddha als Symbol für die "gelbe Gefahr" ist wohl eher ein Ausrutscher und konnte sich nicht durchsetzen. Selbst Bismarck soll die Figur an der Auslegung gestört haben. Manchmal wurde auch die Vermutung geäußert, dass Bismarck anstelle des Buddhas lieber ein Symbol für Russland gesehen hätte. Das Bild wurde von vielen Zeitgenossen Kaiser Wilhelms nicht ernst genommen und wurde dementsprechend auch in diversen Karikaturen verspottet.

    Europa und die "Gelbe Gefahr" in Geschichte im Postkartenbild, Band 7, Otto May, 2016
     
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