Gladiatoren-Fresco in Pompeji

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Galeotto, 13. Februar 2020 um 19:42 Uhr.

  1. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das Fresko ist noch von der Farbbrillanz in einem sehr guten Zustand. Die Golddarstellung der Helme ist mit den Lichtreflexen gut gelungen. Interessant ist die Körperhaltung des verwundeten Gladiators. Er beugt sich in Richtung des Betrachters, was man in späteren Jahrhunderten erst wieder ab dem 15. Jh. darstellen konnte. Auch der Schattenwurf den Seine Helmkrempe auf den Oberkörper wirft, lässt die bewegung plastisch wirken. In anderen Zeiten hätte man die Körperbeugung nur im Profil gemalt . Auch dass er sich den Rücken, mit einer Hand hält ist perspektivisch gut gemacht. Bei der Schwere seiner Verletzungen, mit einem Stich in der Herzgegend dürfte es auch bei Begnadigung schwer gewesen sein ,sein Leben zu erhalten. Eine Rückenwunde hat er vermutlich ebenfalls erlitten, worauf die Armhaltung und das Blut, welches unter seinem Oberschenkel fließt hindeutet. Auch aus einer Hand- oder Handgelenksverletzung fließt reichlich Blut. Ich empfinde es als das beeindruckendste und lebendigste Gladiatorenbild , welches bisher auf unsere Zeit gekommen ist. Interessant finde ich auch, dass es keine Muskelprotze sind. Die Oberarme sind nicht übermäßig muskulös, sondern eher durchschnittlich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2020 um 20:16 Uhr
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  2. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Die Gladiatoren sollten ihre Gegner ja auch nicht auf den Arm nehmen, sondern niederstrecken. Dafür braucht es vor allem Schnellkraft, keine dicken Muskeln.

    Die malerische Meisterschaft ist in der Tat beeindruckend — wie auch bei diesem antiken Meisterwerk, das mich gar an den Jugendstil eines Alfons Mucha erinnert.
     
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  3. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das sollte nur ein Vergleich zu den Filmgladiatoren wie Ralf Möller sein. Auch auf Mosaiken sind Gladiatoren keine Muskelberge aber manche durchaus eher dick ,wie hier der Purpureus Entinus der seinen Gegner in den Rücken sticht. . https://www.meisterdrucke.com/kunst... 320 AD (mosaic) - (MeisterDrucke-570694).jpg
     
  4. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das sah sicher noch besser aus, als es frisch freigelegt wurde und die Farben noch kräftiger waren. Aber das Gesicht der Frau hat wirklich etwas neuzeitliches an sich und ihr Blick schaut den Betrachter direkt an. Ich hoffe sehr, dass noch weiter Beispiele, römischer Malerei gefunden werden.
     
  5. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Hatte mal vor Jahren ein Interview von Herrn Junkelmann oder einer seiner Mitstreiter gelesen. Herr Junkelmann hat ja eine Gladiatoren-Truppe aufgestellt im Rahmen der experimentellen Archäologie. Und wenn ich mich richtig erinnere, war der Tenor im Interview, das die Gladiatoren keines falls Muskelbepackt waren, sondern eher vollschlank. Grund währe, das die Gladiatoren eher leichtere Verletzungen gehabt hätten, durch die "Speckschicht". Die inneren Organe so zumindest einen leichten Schutz hatten. Und da nicht jeder Kampf auf Leben und Tod ging, da die Ausbildung auch teuer war.
    Kraftsportler, welche Muskelberge vom Gewichtheben haben, sind auch nicht sehr beweglich. Spricht auch gegen Hollywooddarstellungen.
     
  6. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    @Apvar, da müsste man mal einen Mediziner fragen, ob Wunden in Fettschichten harmloser als in Muskulatur sind und sie leichter heilen oder weniger infektionsanfällig sind. Im Fett dürfte ein Schwert doch eher tiefer und leichter eindringen als in feste Muskelmasse. Ich habe auch Zweifel, dass die Idole der Arena, deren erotischer Ausstrahlung auch Frauen der Gesellschaft erlegen sein sollen, wie dicke Teddybären oder wie deren Ehemänner aussahen. Dass es ziemlich vollschlanke Gladiatoren gab, dürfte durch verschiedene Abbildungen belegt zu sein aber dass das die Regel war kann ich mir nicht vorstellen. Der Retiarius auf diesem Mosaik hat eindeutig wenig Körperfett sondern ein Sixpack aber auch hier wieder eher durchschnittliche ,wenig muskulöse Arme. https://www.akg-images.fr/Docs/AKG/Media/TR3_WATERMARKED/d/1/3/a/AKG49943.jpg Bodybuilderfiguren in unserer Zeit entstehen ja nicht ausschließlich durch Training aus, wie sie aussehen sondern die Pharmaindustrie hat daran einen beträchtlichen Anteil. In der antike fehlten die Zauberpillen.
     
  7. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Mir ging es nicht um Schnitte bis in den Muskel. Sondern darunter, im Laib. Sprich die Organe. Leber, Nieren, Herz, Därme u.s.w. 2 - 3 cm Speck auf den Rippen mögen dann da den Unterschied gemacht haben. Schließlich sollten die Gladiatoren, den einen oder anderen Kampf überleben. Das Normale Schnittwunden auch tödlich sein können, Stichwort Wundstarrkrampf, steht ausser frage.
     
  8. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    @Apvar, ich verstehe durchaus Deine Argumente und besonders bei kurzen Waffen könnten 2 cm etwas ausgemacht haben. Ich würde aber auch den ästhetischen Aspekt nicht ganz außer acht lassen. In der römischen Kunst findet man die Fettleibigkeit nicht als Schönheitsideal und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass man dicke Männer in der Arena als Volksidole und gar als erotische Traumgestalten der Damenwelt betrachtet hätte. Auch in den Kaiserbiografien werden dicke Bäuche eher unter den negativen Eigenschaften aufgeführt.
     
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  9. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Da die Gladiatoren ja oft im Training gewesen sein dürften, glaube ich nicht an einen Wohlstandsbauch.
     
  10. Und auch nicht, wenn sie vegetarische Ernährung bevorzugten...
     
  11. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Wo setzt ein Mann zuerst Fett an ? In der Regel am Bauch und nicht auf den Rippen. Durch viel Training müsste ein Körper Muskelmasse aufbauen aber doch kein Fett. Zur Mast gehört neben viel essen auch die Vermeidung von Bewegung. Man könnte die Sumo-Ringer als Beispiel bringen aber deren Sport besteht zum größten Teil darin mit Hilfe ihres Übergewichtes den Gegner aus dem Ring zu schieben. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Rammbockfähigkeit im Waffenkampf, bei dem es auf ausweichen und blitzschnelles zustoßen ankam keine so große Rolle gespielt hat.
     
  12. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Hier habe ich zwei Terracotta- Figuren von Gladiatoren aus dem 1. oder 2. Jh. gefunden. Bei Beiden ist Bauchmuskulatur sichtbar ,was auf wenig Bzw. nicht übermäßiges Körperfett hindeutet. https://nat.museum-digital.de/data/bawue/images/201605/03174536609.jpg Es ist schade, dass es relativ wenige große Statuen von Gladiatoren gibt. Meist sind nur kleine, grob gearbeitete Statuetten, die wohl eine Art antiker Fanartikel waren.
     
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  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zeitweilig sollen ja durchaus unterschiedliche Paarungen gegeneinander angetreten sein. Und das scheint auch heute noch zu faszinieren, wie Fragende hier im Forum belegen, die Fragen danach stellen, wie ein Kampf zwischen Ritter und Samurai oder zwischen Ritter und Römer wohl ausgegangen sei. Es wäre also denkbar, dass bei manchen Gladiatorengattungen es durchaus gern gesehen war, wenn die etwas mehr Körperfett hatten, auch wenn das für die Mehrheit der Gladiatorengattungen nicht galt.
     
  14. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das ist durchaus möglich, dass man verschiedene Staturen gegeneinander kämpfen sehen wollte. Es gab ja auch völlig absurde Paarungen, wie Frauen gegen kleinwüchsige Männer (was aber vermutlich mehr zur Belustigung des Publikums gedacht war). Ich bezweifle auch gar nicht, dass es relativ beleibte Gladiatoren gab, wie zumindest auf Fußbodenmosaiken zu sehen ist ,aber dass sie generell eher dickliche Figuren waren würde ich daraus nicht ableiten. Die beiden Gladiatoren, auf dem neuentdeckten Fresko sind jedenfalls nicht dick. Der Sieger wirkt sogar eher schmal gebaut.
    Bei Fußböden sieht man teilweise auch regelrechte Verschiebungen der Figuren, was eventuell daran liegen könnte, dass die Mosaikleger ihre Bilder nur aus schräger Perspektive gesehen haben .Heute sind diese Mosaiken senkrecht an Wänden u.A. vom Bardo-Museum angebracht und haben dadurch eine ganz andere Perspektive als Fußböden über die man nur schräg schauen kann..
     
  15. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Zweifel habe ich auch, allerdings möchte ich trotzdem anmerken, dass nicht zwingend das Aussehen dafür verantwortlich gewesen sein muss, dass viele Frauen auf Gladiatoren abfuhren. Vielleicht waren es auch bloß die Aura der Verwegenheit und Gefahr sowie das Star-Image, was Gladiatoren interessant und anziehend machte, jedenfalls interessanter und anziehender als den langweiligen Ehemann. Heutzutage fliegen Popstars ja auch die Herzen vieler (vor allem junger) Frauen zu, ohne dass jeder von ihnen ein Adonis wäre. Aus der Antike bekannt ist die Senatorengattin Eppia, die mit einem Gladiatoren durchbrannte, obwohl ihr Liebster zwar nicht unbedingt beleibt, aber schon ziemlich ramponiert aussah.
     

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