Gleichschaltung

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Ridvano, 10. November 2008.

  1. Ridvano

    Ridvano Gast

    Nationalsozialismus - Gleichschaltung

    Was verbarg sich konkret hinter dem euphemistischen Begriff der ,,Gleichschaltung'' und welche Bedeutung besaß er auf dem Wege der Etablierung des NS-Staates?

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    Hey du, danke fürs vorbeischauen.

    Ich schreibe morgen Vorabi und brauche deshalb einige Ideen und Ansätze zu der oben gestellten Frage.
    Ich bitte um eine anschauliche Antwort und keine Link, denn googlen kann ich auch.


    Mein Gedanke zur Frage:

    Gleichschaltung spielte eine immense Rollen, denn nun konnte die NS-Regierung ihre Macht festigen.
    Das Wort drückt aus, dass Menschen oder Dinge wie eine Maschine eingestellt werden, sodass die NS-Ideologie problemlos wirken kann !?


    Danke im voraus, LG Ridvo
     
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    1) Unterdrückung und Ausschaltung jeglicher Opposition
    2) Staatsideologie, diese durchdringt das gesamte öffentliche Leben
    3) absolute Beherrschung der Medien und intensive Nutzung dieser zur Propaganda
    4) Massenorganisationen (NSDAP; Hitlerjugend)
    5) Einspannung von Armee, Justiz, Polizei, Lehrern im Sinne des totalitären Staates, Entfernung "unzuverlässiger Beamter und Offiziere"

    Ansonsten, da du geschreiben hast, dass du googeln kannst - dann mach es auch mal. Deine Vorbereitung können wir dir nun nicht komplett abnehmen.
     
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  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Der Begriff Gleichschaltung erscheint zuerst in zwei von Hitler und Innenminister Frick unterzeichneten Reichsgesetzen von denen das erste als Vorläufiges das folgende als Zweites Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich bezeichnet wurde. Das Vorläufige Gesetz wurde 31.3.1933 und das Zweite am 7.4.1933 verfasst.
    Beide zielten, die Befugnisse ausnutzend, welche die Reichsregierung durch das Ermächtigungsgesetz erhalten hatte, auf Länderebene auf die politische Ausschalung aller Minister, Abgeordneten und höheren Staatsbeamten, die nicht der NSDAP oder der DNVP angehörten.

    In erster Linie handelte es sich um einen juristisch getarnten Staatstreich gegen die Regierungen der süddeutschen Länder und die Senate der Hansestädte, die bereits unter stärkstem Druck und Drohungen gegen Leib und Leben ihrer Mitglieder durch territoriale Führer der NSDAP und er SA standen.

    Langfristig dienten die Gesetze der striktesten Zentralisierung der Staatsmacht nach dem Führerprinzip. Das erste Gesetz ermächtige Landesregierungen, Gesetze selbst zu erlassen, solche eingeschlossen, die der Landesverfassung widersprachen. Es bestimmte die Auflösung der Landtage und Bürgerschaften und ihre Zusammensetzung nach den Stimmverhältnissen der Reichstagswahl vom 5.3.1933 im jeweiligen Land unter Ausschluss der auf die KPD entfallenen Stimmen.

    Das zweite Gesetz etablierte in allen Ländern mit Ausnahme Preussen direkte Beauftragte des Reichskanzlers mit diktatorischen Befugnissen. Ihr Titel gab später dem Gesetz die verkürzte und treffende Bezeichnung Reichsstatthaltergesetz. Die Inhaber dieser Staatsämter waren den Landesregierungen übergeordnet, konnten deren Mitglieder sowie Staatsbeamte und Richter ernenne und entlassen, sofern sie zur Nomenklatur der obersten Landesbehörden gehörten. Das eben den Landesregierungen erteile Recht, Landesgesetze auszufertigen und zu verkünden, ging auf den Reichsstatthalter über. Gleichzeitig wurde das Amt des Staatspräsidenten, das in einigen Länderverfassungen verankert war, für erledigt erklärt. Die zum Dekorativen herabgestuften Bedeutung der Landtage wurde noch weiter verringert; Misstrauensanträge gegen Mitglieder der Landesregierung waren unzulässig. Die im Gesetz dem Reichspräsidenten eingeräumte Befugnis der Ernennung der Reichsstatthalter blieb bedeutungslos. Auf die Posten gelangten durchweg von Hitler vorgeschlagene alte Gefolgsleute der NSDAP, in der Regel Gauleiter.

    Der Begriff Gleichschaltung erfuhr im Folgenden eine Ausweitung. Er wurde auf verschiedenste Massnahmen und Schritte angewendet, mit denen Institutionen und Organisationen der neuen Macht und deren Regierungs- und Herrschaftsprinzipen eingepasst wurden oder sich ihnen selbst gleichschalteten.

    Quelle: Wolfgang Benz, Enzyklopädie des Nationalsozialimsus


    Auch wenn du keinen Link möchtest, hier einer zu Zeitschrift Information zur politischen Bildung:

    http://www.bpb.de/publikationen/049..._nationalsozialistischen_Herrschaft.html#art7
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. November 2008
  4. GA_21

    GA_21 Neues Mitglied

    Uniformierung der Gesellschaft im Nationalsozialismus

    Hallo erstmal

    Ich soll in Politische Bildung zu diesem Thema einen Vortrag halten (keine Angst nicht zu morgen). Jedoch bräuchte ich erstmal eine Gliederung ,könntet ihr mir dabei helfen
    Als erstes würde ich erstmal ws zu den Anfängen des Nationalsozialismus was sagen. Der Vortrag soll ca. 10 -15 MInuten gehen
     
  5. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Welches Vorwissen aus dem Geschichtsunterricht kannst Du voraussetzen? Wenn ihr dort schon über den Nationalsozialismus gesprochen habt, kannst Du imho auf Vorgeschichte und dergleichen verzichten und Dich auf's Wesentliche konzentrieren. Wer wurde warum uniformiert, was drückten die Uniformen aus,....
     
  6. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Soll's hier wirklich um Uniformen (Kleidung) gehen, oder darum, dass die Gesellschaft im Denken "uniform" wurde? "Gleichschaltung" der Gesellschaft wäre dann hier wohl der passende Begriff ...
     
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  7. GA_21

    GA_21 Neues Mitglied

    Das mit dem Vorwissen ist so eine Sache , ich mache Fachabi Richtung Technik wir kennen uns noch nicht so lange ,das geht nur 1 Jahr und danach kann man studieren. Jeder hat irgendein Thema bekommen zb ha einer eine Buchvorstellung. Hinzu kommt das wir kein Geschichtsunterricht haben sondern nur Politische Bildung.
    Es geht hierbei um die Kleidung im Nationalsozialismus.
     
  8. Arne

    Arne Premiummitglied


    Ahhh, das ist mal ein etwas ausgefallener Blickwinkel.

    Da jede der vielen Organisationen eine eigene Uniform hatte, ein sehr komplexes Thema. Praktisch jeder hatte durch irgendeine Arbeit oder Mitgliedschaft eine Uniform im Schrank ;)

    Um dir einen Überblick zu verschaffen und zur Bebilderung deines Vortrags empfehle ich dir diesen Nachdruck anzuschaffen oder aus der Bücherei zu beschaffen. Der ist kommentiert und dürfte dir sehr helfen.

    Uniformfibel von 1933 - Kommentierter Reprint der Originalausgabe von 1933

    "Wer ist wer im Dritten Reich? Gleich nach der Machtergreifung Hitlers erschien diese heute selten gewordene Fibel. Sie sollte dem Volk in detailreichen und farbigen Bildern aufzeigen, in welchem Gewand sich die Mitglieder von Organisationen und Einheiten im 'neuen' Deutschen Reich fortan präsentieren werden. Natürlich galt es, diese gleich jedermann bekannt zu machen. Schließlich sollte man schon wissen, wer einem gegenüber tritt. Die Originalausgabe-Bilder sind zusätzlich kommentiert und mit Hintergrundwissen angereichert."
     
  9. mko322

    mko322 Neues Mitglied

    Also ich verstehe unter "Uniformierung der Gesellschaft" etwas anderes. Hier geht's um mehr, als nur um die Armeeuniformen des Heeres, der Marine usw. Es geht um die totale Einbindung der Bevölkerung in die nationalsozialistische Bewegung, um kollektive Gleichschaltung.

    Im Dritten Reich wurde ein riesiger Teil der Bevölkerung uniformiert, von jung bis alt. Der Weg des "gleichgeschalteten männlichen Bürgers" sah so aus, dass er schon mit 10 Jahren als Pimpf im Jungvolk eine Uniform trug. Vier Jahre lang, bis er dann für weitere vier Jahre in die Hitlerjugend kam. Nach der HJ folgte der Arbeits - und Wehrdienst, und danach ging' s an die Front. Man könnte fast sagen, der "gleichgeschaltete Bürger" hat nie die Uniform abgelegt.
    Bei der weiblichen Bevölkerung war es zwar nicht so extrem, aber vom 10ten bis zum 21ten Lebensjahr trugen auch Frauen Uniformen (Jungmädel, BDM, Arbeitsdienst usw). Sicher, nicht alle gingen z.B. zur HJ, aber sie bildeten die Ausnahme.
     
  10. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Schau mal hier rein Kollektives Gedchtnis: Werner Mork
     
  11. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Nachtrag:
    Dieser Eintrag, auch zum Thema Uniformierung, stammt von Werner Mork (*1921) aus Kronach
     
  12. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Dann solltest Du ein paar Sachen auf jeden Fall vorbereiten und ggf im vortrag Kürzen (wenn alle Gähnen). Markier dir am besten schon im Skript was unbedingt nötig ist und worauf Du verzichten könntest.
    Vielleicht kannst Du einen Teil des Hintergrundwissens auf eine Folie drucken und mit Polylux/Overheadprojector während des Vortrages an die Wand werfen.
    Sofern ein solches Gerät vorhanden ist und Du es nicht für andere Sachen dringender brauchst.
     
  13. GA_21

    GA_21 Neues Mitglied

    Danke für eure Hilfe. Den Polylux brauch ich so oder so . Ich werde mich aber hapuptsächlich mit der Uniformierung beschäftigen aber man weis ja nie was ein Lehrer noch so fragt.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Unter dem an sich harmlosen Sammel-Begriff "Gleichschaltung" hat sich 1933-34-35 eine gehörige Umwälzung abgespielt.

    Für mich ist dies die eigentliche Machtübernahme.

    Das würde ich hier gerne diskutieren.
     
  15. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Finde ich nicht.

    Die Machtübernahme (oder sogar Machtübergabe?) fand am 30.1.33 statt.
    Die Gleichschaltung ist für mich die eigentliche Machtergreifung.
    Ab hier zeigte sich vollends der totalitäre Charakter - alles...wirklich alles wurde in die Einflusssphäre der NSDAP einbezogen, so dass man den Bürger komplett bis ins kleinste private Detail kontrollieren/ausspionieren konnte.

    Mit dem "Gesetz gegen die Neubildung von Parteien" am 14.Juli 1933 ("In Dtl. besteht als einzige politische Partei die NSDAP") war für die Nazis eigentlich der (meiner Meinung nach) wichtigste Schritt zur Gleichschaltung getan.
    Gerade hier war die eigentliche Machtergreifung vollendet, denn davor hätten die Parteien doch noch einen Putsch anzetteln können, oder sonst was, wer weiß.
    Die Gleichschaltung der Länder zum Beispiel war auch sehr wichtig, ich würde sie jedoch nicht auf eine Stufe mit dem Parteienverbot stellen.
     
  16. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Der Begriff „Machtergreifung“ ist nicht allein das Ereignis der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler vom 30.1.1933 zu verstehen. Die Beteiligung der NSDAP an der Reichsregierung, die ihr die Chance der Liquidierung der Demokratie sowie der Errichtung eines totalitären Staates bot, stand am Ende eines längeren Prozesses des Machtverfalls der Weimarer Republik. Zudem benötigte die Machtergreifung noch eine Phase der Konsolidierung mit Hilfe der ab Februar 1933 folgenden Politik der Gleichschaltung. Der Prozess der sog. Machtergreifung endete mit dem „Röhm-Putsch“ 1934. Mit der Auschaltung seines letzten innerparteilichen Widersacher konnte Hitler und definitiv den Führer-Staat begründen.


    Der Begriff Gleichschaltung erscheint zuerst in zwei von Hitler und Innenminister Frick unterzeichneten Reichsgesetzen, von denen das erste (31.3.1933) als "Vorläufiges" das folgende (7.4.1933) als Zweites Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich bezeichnet wurde. Beide zielten, die Befugnisse ausnutzend, welch die Reichsregierung durch das Ermächtigungsgesetz erhalten hatte, auf die Länderebene auf die politische Ausschaltung aller Minister, Abgeordneten und höheren Staatsbeamten, die nicht der NSDAP oder der DNVP an gehörten. In erster Linie handelte es sich um einen juristisch getarnten Staatsstreich gegen die Regierung der süddeutschen Länder und die Senate der Hansestädte, die bereits unter stärkstem Druck und Drohungen gegen Leib und Leben ihrer Mitglieder durch territoriale Führer der NSDAP und der SA standen. Langfristig dienten die Gesetze der striktesten Zentralisierung der Staatsmacht nach dem Führerprinzip.

    Das erste Gesetz ermächtige die Landesregierungen, Gesetze selbst zu erlassen, solche eingeschlossen, die der Landesverfassung widersprachen. Es bestimmte die Auflösung der Landtage und Bürgerschaften und ihre Zusammensetzung nach den Stimmverhältnissen der Reichstagswahl vom 5.3.1933 im jeweiligen Land unter Ausschluss der auf die KDP entfallenen Stimmen. Das gleiche Verfahren wurde auf alle Selbstverwaltungskörperschaften von den Kreistagen bis zu den Gemeinderäten angewendet.

    Daraus eröffneten sich zugleich für Tausende von Gefolgsleuten der NSDAP Chancen, aus der "Machtergreifung" persönliche Vorteile zu ziehen und auf freigewordene Posten nachzurücken.

    Das zweite Gesetz etablierte in allen Ländern mit Ausnahme Preussens direkte Beauftragte des Reichskanzlers mit diktatorischen Befugnissen.
    Die Inhaber dieser Staatsämter waren den Länderregierungen übergeordnet, konnten deren Mitglieder sowie Staatsbeamte und Richter ernennen und entlassen, sofern sie zur Nomenklatur der obersten Landesbehörde gehörten. Das eben den Landesregierungen erteilte Recht, Landesregierungen auszufertigen und zu verkünden, ging auf den Reichssatthalter über. Gleichzeitig wurde das Amt des Staatspräsidenten, das in einigen Länderverfassungen verankert war, für erledigt erklärt. Die zum Dekorativen herabgestufte Bedeutung der Landtage wurde noch weiter verringert; Misstraunsanträge gegen Mitglieder der Landesregierung waren unzulässig. Die im Gesetz den Reichspräsidenten eingeräumte Befugnis der Ernennung der Reichsstatthalter blieb bedeutungslos. Auf die Posten gelangten durchweg von Hitler vorgeschlagene alte Gefolgsleute der NSDAP, in der Regel Gauleiter.


    Der Begriff Gleichstellung erfuhr im Folgenden eine Ausweitung. Er wurde auf verschiedenste Massnahmen und Schritte angewendet, mit denen Institutionen und Organisationen der neuen Macht und deren Regierungs- und Herrschaftsprinzipien eingepasst wurden oder sich ihnen auch selbst "gleichschalteten".

    Zum Beispiel: Gleichschaltung der Medien
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Januar 2010
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  17. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Hm wobei mich echt wundert, dass die Nazis nach dem Reichstagsbrand noch so kulant der DNVP gegenüber waren.
     
  18. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    "Vollendet" war der Prozess m.E. erst später Als entscheidend würde ich die Wehrpflicht 1935 sehen, wobei der Eid auf Hitler abgelegt wurde.
     
  19. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Was hat jetzt der Reichstagsbrand damit zu tun :grübel:

    27. Juni 1933 wurde die DNVP aufgelöst und einen Teil der Mitglieder gingen zur NSDAP über. Aus solchen wurden die Staatsmänner berufen. Ein andere Teil wie zum Beispiel Carl Friedrich Goerdeler gingen zum Widerstand.
     
  20. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Am 30.01.1933 wurde Hitler in Rahmen der damals gültiger Verfassung vollkommen legal vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt.

    Für Hitler war es außerordentlich wichtig, das die Reichswehr nichts gegen ihn unternehmen würde. Deshalb hat er sich ja auch gleich mit den Spitzen der Reichswehr getroffen um diese Herren für sich zu gewinnen; was ja auch weitesgehend gelang. Hitler hat sich in der ersten Zeit auch aus den Angelegenheiten der Reichswehr herausgehalten und außerdem war der von Hindenburg ernannte Reichswehrminister Blomberg, übrigens wurde dieser noch vor Hitler ernannt und vereidigt, ein ganz großer Glücksfall. Blomberg machte die Reichswehr/Wehrmacht zum Werkzeug Hitlers.


    Der eigentliche Prozess der Machtergreifung wurde schon oben von Ursi kompetent beschrieben. Der Rechtsstaat wurde Schritt für Schritt aus den Angeln gehoben, die Grundrechte der Bürger einkassiert, Parteien verboten, Pressefreiheit gab es nicht mehr etc.etc.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Januar 2010

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