Globalisierung in der Geschichte

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von Tiberius Caesar, 18. April 2007.

  1. Tiberius Caesar

    Tiberius Caesar Neues Mitglied

    Nachdem hier zum Thema Globalisierung noch kein Thread besteht, wollte ich hier mal die Entwicklung grob skizzieren.

    Aus europäischer Sicht kann man im Römischen Reich zum ersten Mal von einer Art Globalisierung reden, denn zum ersten Mal fand der internationale Handel zwischen drei Kontinenten statt (Afrika, Asien, Europa). Außerdem sorgte es für tiefere Verbindungen der Kontinente als zum Beispiel noch das Reich Alexanders, des Großen. Die Römer trieben Handel bis nach Mittelafrika und China.

    Um auf die "moderne" Globalisierung zu sprechen zu kommen, springen wir ans Ende des Mittelalters bzw. in die frühe Neuzeit. Die Kontinente "wachsen" hier wieder im Zuge der Kolonialisierung zusammen, auch Amerika wird nun mit einbezogen. (Deswegen spricht man hier vom eigentlichen Beginn der Globalisierung)

    Bald kommt es zur Gründung von Unternehmen (v.a. Petroleumfirmen). Im 19.Jahrhundert steigt der Warenaustausch sowohl zwischen den Großmächten unter sich als auch zwischen Kolonialmächten und ihren Kolonien deutlich an.
    Im 20.Jahrhundert verläuft der Handelszuwachs sprunghaft. Die Weltwirtschaftskrise 1929 zeigt bereits die weltweite Verflechtung.
    Die Industrienation beschließen in der Folge für eine stabilere Finanzordnung zu sorgen.
    Als der Kommunismus zusammenbricht und sich auch diese Länder dem weltweiten Handel öffnen, unterliegen zum ersten Mal alle Ländern den Regeln des internationalen Marktes.
    Deshalb ist der Begriff der Globalisierung ein moderner Begriff, der speziell für die Zeit ab den 90-er Jahren gelten mag.

    s.d.caes.
     
  2. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    schöner Thread.

    Da kann ich gleich einhaken, und einige der "übersprungenen" Jahrhunderte wieder ins Bewußtsein zurück holen.

    Ich würde ganz stark dafür plädieren, beim arabischen Weltreich ebenso von Globalisierung zu sprechen. Die Handelswege, die du schon bei den Röm. Reich skizziertest, wurden hier ebenso genutzt, und weiter ausgebaut, Handel intensiviert, begünstigt durch das neue Zahlsystem der arab. Ziffern, der relativen Sicherheit der Handelsrouten und der gemeinsamen Sprache und Schrift. Gerade durch den Handel, wurde die islamische Religion weit verbreitet, von Indonesien und China, ja Philippinen, bis nach Schwarzafrika.

    hier mal zwei Karten der arabischen Wissenschaftler und des Fernhandelsnetzes:

    http://img251.imageshack.us/img251/5476/10karte4mz3.jpg
    und
    http://img251.imageshack.us/img251/7104/11karte2pm5.jpg
    hieraus
    oder auch:
    Das Gelehrten-Netzwerk des Murtada al-Zabidi:
    „Global Player“ des 18. Jahrhunderts



    Ich persönlich würde laienhaft von Globalisierung sprechen, wenn der Handel kontinentübergreifend erfolgte. (Hab mich damit aber noch nicht sehr beschäftigt und lasse mich gern belehren, wie ein Blick in untere Links mir jetzt schon zeigt. Also halte ich mal den Mund, und lese selber erstmal das durch, was ich so fand... :))

    Die Hanse wird anscheinend auch in Verbindung mit Globalisierung gebracht, siehe hier:
    Historikertag 2004: Mittelalter
    wobei ich sagen muss, ohne den Artikel ganz gelesen zu haben, das der Handel der Hanse zum allergrößten Teil doch mehr regional, als interkontinental war? Aber egal, muss erstmal richtig lesen... ;)

    Dazu noch das Reich der Mongolen, durch den verstärkten Seidenstrassenhandel in Eurasien.

    Und so weiter.
    siehe hier:

    A Quick Guide to the World History of Globalization

    Sehr viele weiterführende Infos hier:

    GESCHICHTE DER GLOBALISIERUNG

    kleine Buchtipps von mir, auch für Einsteiger und Epochen/perioden-Interessierte:

    Jürgen Osterhammel / Niels P. Petersson: Geschichte der Globalisierung.
    Dimensionen, Prozesse, Epochen, München: C.H.Beck 2003, 128 S., ISBN 3-406-48020-9, EUR 7,90.

    Resensionen:

    http://geschichte-transnational.cli...ype=rezbuecher&sort=datum&order=up&segment=16
    http://www.sehepunkte.de/2003/12/pdf/4078.pdf

    und:

    Peter Spufford; Handel, Macht und Reichtum – Kaufleute im Mittelalter; Theiss Verlag; Stuttgart; 2004; 328 Seiten mit 240 Abb.; Einführungspreis 34,90 EUR (bis 31.1.2005, danach 39,90 EUR); ISBN 3-8062-1893-5

    Rezensionen:
    http://www.perlentaucher.de/buch/20296.html
    http://chronico.de/besprechen/sachbuecher/0000201/


    Mehr Infos:

    Geschichte der Globalisierung in einem ATTAC-PDF

    jüngere Globalisierungageschichte auf der DGAP-Seite


    Globalisierung des Denkens im Mittelalter?

    Dimensionen und Kontroversen in der Globalisierungsdebatte
    in einem PDF zu dem Thema: Globalisierung und Islam der "...Politischen Bildung"

    The History of Globalization

    daraus der richtige Link zur Flashanimation:
    "Small Screen, Smaller World"
    Artikel dazu:
    http://yaleglobal.yale.edu/display.article?id=204

    Die Geschichte der Globalisierung


    und so weiter... puh, ein weites Feld... :)

    Ade, LG lynxxx
     
  3. Nestorian

    Nestorian Neues Mitglied

    Interessantes Thema, mir fallen ein paar Punkte zu ein:

    1. Ist es schon Globalsierung wenn die waren nur interkontinental gehandelt werden oder wenn die Händler selber interkontinental unterwegs sind?
    Interkontinentaler Handel vor allem mit Gewürzen fängt ja schon früh an, schon Saphho erwähnt im 6. Jhd. vor Chr. Weihrauch Myrhhe und eine Zimt-Art ( http://de.wikipedia.org/wiki/Zimtkassie ) und im AT im Buch der Sprüche VII 17 werden Myrrhe Aloe und Zimt erwähnt ( auch ca. 6. Jhd. vor Chr. ) (http://www.pinwand.ch/bibel/Sprueche_7.aspx siehe Zeile ( bzw. wie heißt das in worten genau wenn man z.B. die Angabe Sprüche VII 17 hat in Wörtern? ) 17 ). Es gab also schon damals Handel zwischen Griechenland und Indien ( Zimt ) Arabien ( Weihrauch ) und sogar Sokotra ( Aloe ). Der Handel lief jedoch über viele Zwischenhändler sodass die Griechen selber kaum etwas über die Herkunft wussten und eher Schauergeschichten über Herkunft und Ernte schrieben ( siehe Herodot iii III ). Dies blieb auch noch im MA so. Es gab also schon weit vor den Römern selber Interkontinentalhandel, nur gab es weder davor noch bei den Römern wirkliches Wissen wo genau die ganzen Exotika herkamen, da der Handel größtenteils nunmal nicht über die eigenen Händler ablief. Eine Ausnahme ist dort "The Periplus of the Erythraean Sea" ( im Original auf griechisch ) von einem anonymen Auor aus der Zeit zwischen 50 und 130 nach Christi. Dort wid quasi der nödliche Teil des indischen Ozean genau und auch heute noch nachvollziehbar beschrieben, es muss also dot zum indest einige griechische Seefahrer gegeben haben. Aber jenseits von der Westseite Südindiens werden die beschreibungen sher ungenau un d es ist ziemlich klar dass der Autor diese Gebiete nur vom Hörensagen kannte. Was auch noch interessant ist, ist, dass der Autor die Boote der Leute aus Südostasien als besonders groß beschreibt. Alles in allem ist daraus zu schließen das die Europäer damals nicht weiter als bis nach Südwestindien kamen und auch in sachen Seemannskunst keineswegs überlegen waren sondern eher unterlegen waren. Der globale Warenverkehr war damals also durchaus schon vorhanden, aber durch ein ineinandergreifen regionaler Handelsnetzwerke wovon Europa damals einfach nur das westliche Ende war. Insofern ist die Aussage von Tiberius, dass die Römer Handel mit China betrieben etwas unglücklich, eher waren sie Teil eines Großen Warenaustauschsystems dass aber in Regionalen Händen lag ( Hauptquelle zu dem Abschnitt John Keay, The Spice Route von der University of California Press ).

    2 Wie Lynxxx schon sehr richtig sagte war unter den Arabern der Internationale Handel auch am florieren. Aber hier war auch zum ersten mal zum indest eine kurze Zeit ( 8.-10. Jhd ) wirklich von Alexandria bis Südchina der Handel zumindest teilweise in einer einzigen Hand, nämlich bei den Arabern ( bzw. Persern auch ). Und daraus folgte auch erstmals ein konsequentes Wissen um die Herkunft der Handelsware und den genauen geographischen Verlauf der Routen. Somit war die Globalisierung quasi zum ersten mal etwas nicht nur Wirtschaftliches sondern auch etwas Menschliches. Alledings war dies auch nur teilweise möglich durch die damalige Schwäche der üblichen Zwischenhändler, nämlich Srivijaja ( Sumatra ) und China.

    3. Als Buchtipp: Janet Abu-Lughod, Before European Hegemony; The Worldsystm between 1250-1350. Hier eine etwas längliche Rezension: http://www.etext.org/Politics/World.Systems/bookrevs/abu-lughod_janet:before_european_hegemony
    Hier übersichtlicher: http://worldhistoryconnected.press.uiuc.edu/3.1/br_bailey.html
    Zu der Zeit gab es einen Handelsumsatz der auch nicht allzuschnell wieder erreicht wurde und das ganze fast schon utopisch ohne Eurozentrismus/Imperialismus

    P.S.
    Kann ich nur empfehlen, hat mir sehr gut gefallen:yes:
     
  4. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Wer sich für Globalisierung, globale Ereignisse, Weltgeschichte, Globalgeschichte, jüngste Forschungsentwicklungen, usw. interessiert, findet hier auch etliche Anregungen und Links:
    Hier weiterlesen.

    Ciao, LG lynxxx
     
  5. gregory

    gregory Neues Mitglied

    Vor den Römern ist es den Persern schon gelungen ein drei kontinentales
    Weltreich mit internationalem Handel zu errichten
     
  6. Gast

    Gast Gast

    Globalisierung

    Hallo wann begann denn die Globalisierung? Wurde diese unterbrochen zur Zeit der Weltkriege oder lief sie nur langsamer ab ?
    Und gegen es schon damals Globalisierungskritiker ?

    bin gespannt auf eure Antworten
    Gast
     
  7. Alexander4:)

    Alexander4:) Neues Mitglied

    Weltkriege?


    1492.
    Die Entdeckung Amerikas leitete die erste Phase der Globalisierung ein.
    Die industrielle Revolution die zweite Phase.
    Mittlerweile nach dem zweiten WELTkrieg sind wir in der dritten Phase.
    Dies ist unter dem Punkt: wirtschaftlichen "Handlungsfeld",also

    1) Europa+Teil Asien
    2) Europa+Nordamerika+andere
    3) Welt
    gegliedert.

    Man kann es auch anders tun, zB politisch oder wie hier es Ban Ki Moon tut.

    Globalisierungskritiker sind meist Konserative. Wann hat es die nicht gegeben?

    Kannst ja dein Thema mal konkretisieren,,,
    gruß Alex
     
  8. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Also falls du nach einem genauen Datum suchst, wirst du dich schwer tun. Es gibt gewisse Grundvoraussetzungen die für die Globalisierung im wirtschaftswissenschaftlichen Sinn gegeben sein müssen (bspw. Liberalisierung des Welthandels). Zudem gibt es etliche Indikatoren (die alle nach wie vor kontrovers diskutiert werden), die die Globalisierung messen sollen und an denen man festmachen könnte, ab wann von Globalisierung zu sprechen ist. Diese Indikatoren sind aber weder einheitlich noch fest definiert. Daher kannst du nur nachschauen, ab wann die Grundvoraussetzungen erfüllt gewesen sein könnten. Also zum einen die bereits genannte Liberalisierung des Welthandels (würde ich aus dem Bauch heraus erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ansetzen). Die für einen Welthandel unmittelbar erforderliche Technik, also im Hinblick auf Kommunikation, Vernetzung, Transportwege etc. (auch das sehe ich erst beginnend im 20. Jahrhundert). Schließlich setzt Globalisierung auch noch eine Vernetzung auf allen 4 Ebenen (Individuum, Gesellschaft, Institution, Staat) voraus und hier kann man spätestens diskutieren, ob wir das heute überhaupt schon erreicht haben, oder erst in der Zukunft erreichen werden. Nachdem wir uns hier aber in einem Geschichtsforum bewegen, stelle ich das einfach nur mal in den Raum und gehe nicht näher darauf ein.

    Ich würde zu dieser Zeit noch nicht von einer Globalisierung per definitionem sprechen. Ja es gab Länderübergreifenden Handel, aber das allein macht noch keine Globalisierung (siehe oben)

    der Begriff wurde das erste Mal in den frühen 1960er Jahren benutzt. Es gab zwar bereits in den 1920ern Abhandlungen zu den Phänomen, das wir heute als "Globalisierung" kennen, aber diese waren damals noch arg theoretischer Natur, dementsprechend fand lediglich eine wissenschaftliche Diskussion über das "wenn und ob" und weniger über das "pro und contra" statt.
     
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