"Glück" bei Machiavelli

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von gruenlein, 9. August 2008.

  1. gruenlein

    gruenlein Neues Mitglied

    Hallo Leute,
    in seinem Buch "der Fürst" geht es um Fortuna und Virtu. Fortuna bedeuted ja bei ihm Glück, wenn zum Beispiel ein Mann an die Macht kommt ohne irgendwelche Fähigkeiten mitzubringen. Virtu dagegen bedeuted doch, das zum Beispiel ein armer Mann durch Fleiß und Tugend Macht bekommt.
    Nun muss ich etwas über die Rolle des Glück in Machiavellis politischer Theorie schreiben und weiß nicht wo ich anfangen soll oder wie ich meine Gedanken gliedern soll. Ich habe mir auch das 7. kapitel rausgesucht wo es unanderem auch ein Beispiel für Fortuna gibt an Cesare Borgias.
    Könnt ihr mir noch ein paar Tipps geben?
    Würde mich sehr über antworten freuen:)
    Liebste Grüße
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Du solltest unbedingt neben "Il Principe" auch die "Discorsi sopra la prima deca de Tito Livio" lesen oder aber zumindest ein gutes Exzerpt zu diesem Werk lesen.

    Machiavelli war von der Macht des menschlichen Willens überzeugt, und er glaubte, dass durch richtiges Verhalten Unglück in der Politik minimiert werden könne. Politisches Handeln darf nach Machiavelli nur das Ziel enes starken, dauerhaften Staates kennen. Daher entsprechen die oft verdammten amoralischen Ratschläge Machiavellis einem Prinzip der Staatsräson, zu dem ein Fürst gezwungen ist, ähnlich wie ein zur Notwehr gezwungenes Individuum. Jacob Burckhard nannte Machiavellis schrankenlose politische Objektivität "erschreckend in ihrer Aufrichtigkeit". Für Machiavelli hat das Gesetz des Handelns unbedingten Vorrang vor moralischen oder religiösen Erwägungen. Allerdings ist für ihn die Freiheit unabdingbare Voraussetzung eines funktionierenden Staatssystems. "Ein Fürst, der machen kann, was er willl, ist unsinnig". Allem Handeln muss die "virtu" (Tugend) zu Grunde liegen. Virtu ist bei Machiavelli keine moralische Vorstellung, sondern er versteht darunter eine geheimnisvolle naturgegebene Kraft, die auf ein bestimmtes Ziel hinsteuert. Ein Fürst und Verteidiger des Staates muss sie ebenso besitzen, wie ein Verschwörer, ohne sie ist jedes Handeln ziel- und zwecklos und daher für Machiavelli verwerflich. Ziel und Zweck allen Handelns aber, ist das Glück der Menschen.

    Diese Auffassung macht deutlich, dass man Machiavelli nur verstehen kann, wenn man neben "Il Principe" auch sein anderes großés Werk "Discorsi sopra La Prima Deca de Tito Livio" (Abhandlungen über den Staat) kennen muss, keineswegs aber "Il Principe" und die "Discorsi" gegeneinander ausspielen darf.


    Cesare Borgia verkörperte für Machiavelli die skrupellose Staatsräson. Machiavelli träumte von einem freien Italien, und Cesare Borgia war der große Despot, der all die anderen kleinen Despoten, Condottieri und Lokaldynasten verjagte, und Machiavelli hat ihm dafür Beifall geklatscht.

    Für passender noch, als Borgia halte ich einen anderen Machiavellisten, der Machiavelli nicht vollständig gelesen und verstanden hatte, und der in seinem "Antimachiavell" Machiavelli verdammte.

    Das war in seiner Rheinsberger Zeit, doch als er König in Preußen wurde, entwickelte er sich zu einem begnadeten Machiavellisten, dem der Maestro höchstwahrscheinlich Beifall geklatscht hätte. Er bewies den sicheren Blick für die günstige Gelegenheit (ocassio) und die virtu, als er mit dubiosen Ansprüchen in Schlesien einfiel und durch Wortbruch und Präventivkrieg sein Königreich als europäische Großmacht etablierte.

    Schließlich hatte er auch das nötige quentchen Glück (Fortuna), als er in verzweifelter Lage seine Großmachtstellung verteidigen konnte. Ob seine Untertanen so glücklich unter ihm waren, darf getrost bezweifelt werden, doch der Preußenkönig verstand sich bekanntlich als erster Diener des Staates und glaubte, dass seine Reformen dem Allgemeinwohl dienten.


    Vermutlich ist es ja für ein Schulprojekt, und ich rate dir daher, dir auch eine ältere Diskussion im GF anzusehen "Machiavelli vs Antimachiavel". Brissotin und ich haben damals Wieger schön geholfen, und es war eine gute Diskussion mit vielen klugen Beiträgen. Der Thread müsste eigentlich noch verfügbar sein, wenn nicht, dann im Archiv. Einfach in der Suchfunktion Machiavelli, Antimachiavel eingeben.
     
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  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich habe nach dieser Anfrage noch mal nach diesem alten Thread gesucht, ihn aber nicht mehr finden können. Das war eine interessante Diskussion, die für @grünlein recht hilfreich sein könnte. Ich würde mir diesen älteren Thread auch gerne noch mal ansehen. Vielleicht weiß einer der Moderatoren Abhilfe?
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Danke, @El Quijote!
     
  6. gruenlein

    gruenlein Neues Mitglied

    @ scorpio,
    erstmal vielen dank für deine Mühe und Beschreibungen. Sowas hilft den eigenen Gedankengängen immer sehr gut weiter. Ich muss eine Hausarbeit über das Thema Glück in Machiavellis politischer Theorie schreiben. Ich weiß da einfach irgendwie nicht wie ich anfangen sollen und wo ich den Schwerpunkt legen soll? Was versteht man denn genau unter einer politischen Theorie? Heißt das ich soll den Begriff des Glückes in der Politik der damaligen Zeit erläutern?
    Lg
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. August 2008

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